Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 51 (30.12.1910)
- Date
- 1910-12-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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-Leite 6 DieWahrheit Nr. 51. Antiochos Epiphanes (Höhnisch): „Rühme dich nicht, Alter. Hat Dein und Deiner Söhne Vorbild Nachahmung gefunden in Deinem Volke? Siehe, wie es sich in häßlichen Zwistigkeiten, in kleinlichen Streitigkeiten zersieischt. Wie zu meiner Zeit, da ich die Götzen ansstellte in den Städten Judas, laufen sie auch heute noch den Götzen nach, dem Fremden ist ihre Liebe zugewandl. Sie kämpfen für die Baalim und haben ihres Gottes vergessen. Statt der Lichtlein, die Dein Juda einst entzündete, strahlt in ihren Häusern ein glänzender, fremder Baum, um den tanzen sie, wie einst eure Väter um das Kalb in der Wüste. Und, was sich heute in euerer Mitte Makkabäer nennt, das ist ein Volk, welches den Sabbath entweiht, wie es auch in meinen Tagen getan hat. Und gar mancher euerer Priester zeigt eine verzweifelte Aehnlichkeit mit Menelaos, Jason, Alkimos." Jud a (Stark): „Schweige, Tyrann, die Lichtlein, die ich entzündet, leuchten fort und werden erglänzen in Ewigkeit. Nicht vergebens lebte, kämpfte ich." — (Die drei syrischen Könige blicken erschrocken ans Juda.) M a t t a t h i a s (Begeistert das Auge auf Juda richtend.): „Gepriesen seift Du, mein Sohn. Unsterblich ist Dein Werk. Und mögen anch die dürren Zweige fallen vom Baume des Judentums, der Stamm lebt fort und grünt und blüht und trägt herrliche Früchte, wie, der Stab Ahrons, unseres großen Ahnen." — Tiefes Schweigen. Ans der Ferne hört man einen herrlichen Saug, der erst leise ertönt, dann immer mächtiger anschwillt. Deutlich vernimmt mau nun die Worte: „Schirm und Schutz in Sturm und Braus, Dir erschall' ein Jubellied, Schütz, o Herr, Dein heilig Haus, Drin Dir Lob und Preis erblüht." Mattathias umarmt seine Söhne. Die syrischen Könige erbleichen. Hell erstrahlt die Sonne. Das Dndget der Wiener Knltnsgemeinde.l In der unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern Mittwoch, den 28. Dezember stattgehabten öffentlichen Plenarsitzung des Knltnsvorstaudes wurde das Budget der Wiener Knltusgemeinde pro 1911 vorgelegt. Ein stattlicher Baud von 150 Druckseiten Quartformat gibt Aufschluß über die viel verzweigten Agenden dieses großen jüdischen Gemeinwesens und dem flüchtigen Leser wird es schwer, sich ur diesen enggedrängten Ziffernkolonnen znrechtzufinden. Wer aber den lichtvollen Ausführungen des Budgetreferenten Gemeinderat Max Frank folgte, dem eröffnete sich ein klares Bild der großzügigen Tätigkeit, die die Wiener Kultusgemeinde mit immer gesteigerten Ansprüchen und mit immer erhöhter Opferwilligkeil auf den Gebieten des Kultus, des Unterrichtes, oer Wohltärigkeit und sozialen Fürsorge entfaltet, und so wollen wir uns heute darauf beschränken, dieses ausgezeichnete Referat nachstehend im Auszuge wiederzngeben: Sehr geehrte Herren! Ich beehre mich, Ihnen hiemit den Voranschlag der Finanzgebahrung unserer Gemeinde für das Jahr 1911 zu unterbreiten, wonach sich die Ausgaben mit Kronen 3,270 831.51, die voraussichtlichen Einnahmen mit Kronen 2,975.108-38 stellen, so daß sich ein rechnungsmäßiger Fehlbetrag von Kronen 295.723-13 ergibt. Der Referent erörteri dann die einzelnen Abschnitte im Detail im Vergleich mit den Ergebnissen des Vorjahres und gelangt am Ende . des Kapitels: Finanzielles und Verwaltungsangelegenheiten, zu iolgeuden abschließenden Betrachtungen: Beim Bericht über diesen Abschnitt ergreife ich, wie alljährlich, gerne die Gelegenheit, um die Anhänglichkeit und Pflichttreue unseres Beamtenkörpers mit Genugtuung zu konstatieren, und der ganzen Beamtenschaft, insbesondere unserem verdienstvollen I. Sekretär, Herrn kais. Rat Dr. Theodor Lieben unseren herzlichen Dank auszusprechen. Wenn das Verhältnis zwischen dem Vorstand und der Beamtenschaft ein so überaus angenehmes ist, wie es im allgemeinen bei anderen öffentlichen Körperschaften auch nicht annähernd in ähnlichem Maße der Fall zu sein pflegt, so ist dies wohl anch mit in erster Linie.seinem nach beiden Seiten hin in gleicher Weise befriedigenden, ausgleicheuden Vorgehen zu danken. Ich komme nunmehr zum Referate über den Voranschlag im Ganzen, der, wie ich eingangs auszuführen Gelegenheit hatte, mit einem rechnungsmäßigen Fehlbeträge von K 295.723*13 abschließt, und es wäre nun eigentlich meine Ausgabe, Ihnen, sehr geehrte Herren, Vorschläge zu machen, wie dieses vermutliche Defizit zu bedecken wäre. Ich glaube dies aber um so leichter unterlassen zu können, als die praktische Erfahrung, von einzelnen Ausuahmsfällen abgesehen, uns gelehrt hat, daß solche vermutliche Fehlbeträge nach Aufstellung des*Rechnungsabschlusses meist verschwinden, ja sogar sich manchesmal in einen Ueberschuß verwandelt haben. Diesmal allerdings dürfte von einem Ueberschuß wohl nicht die Rede sein, aber sicher scheint es mir, daß der sich ergebende tatsächliche Fehlbetrag in keinem Falle ein übermäßiger hoher sein wird. Wenn also auch der diesjährige Voranschlag pro 1911 wiederum mit einem Defizit schließt, so können wir doch, wie ich glaube, mit ziemlicher Zuversicht der frohen Hoffnung Ausdruck geben, daß angesichts der machtvollen Entwicklung unserer Gemeinde das Gleichgewicht in unserem Haushalte keineswegs gestört werden, sondern daß der natürliche Fortschritt zusammen mit der, wie wir mit Stolz sagen können, zielbewußten Verwaltung auch weiterhin den Ausbau aller unserer Einrichtungen möglich machen wird. Daß mich hierbei kein unberechtigter Optimismus leitet, das beweist wohl am besten der Umstand, daß in nnserem Voranschläge, wie es der Pflicht eines vorsichtigen Kaufmannes, umsomehr aber einer Gemeinde entspricht, wir die Ausgaben und Reserven mit der Maximalziffer ansetzteu, bei den Einnahmen hingegen uns davor ängstlich gehütet haben. Ich habe vorhin auf die zielbewußte Verwaltung unserer Gemeinde hiugewieseu, denn wir haben die diesbezüglichen guten Resultate nicht zuletzt der Tüchtigkeit, ganz besonders aber der Gewissenhaftigkeit unseres Beamtenkörpers znzuschreibett. Aber, ■ meine Herren, seien wir uns klar darüber, daß diese Tatsache, wenn schon nichts anderes, uns doch znmittdest gegenüber der großen Zahl dieser wackeren arbeiteudeu Männer in den gegenwärtigen schweren Zeiten erhöhte Verpflichtungen anferlegt. Die allgemeine Teuerung, das Steigen sämtlicher für das Leben mtentbehrlicher Bedürfnisse, trifft ja am aller-schwersten den im fixen Sold stehenden, und der Kamps, den er heute ans allen Seiten zu führen hat, ist wahrhaftig in vielen Füllen ein verzweifelter. Wir können es mit Stolz sagen, daß unsere Gemeinde sich ihrer Beamtenschaft gegenüber nie auf den Standpunkt des bloßen Vertragsverhältnisses stellte, sondern in ihnen auch vor allem ihre eigenen Angehörigen erblickt. Wenn wir also auch keilten Anlaß haben, die zukünftige Entwicklung unserer Finanzen allzu rosig anzusehen, wenn im Gegenteil wir uns der schweren unser harrenden Aufgaben voll bewußt sind, wenn wir anch noch nicht vollkommen klar sehen, in welcher Weise die Bedeckung großer, in Zukunft unvermeidlicher Mehrausgaben geschaffen werden soll, so kann und wird wohl all dies kein Hinderniß für uns bilden, uns unverzüglich der Frage von Teuerungszulagen, mindestens für die niedrig dotierten Stellen, zu widmen, - und ich kann hinzufügen, daß unser Vizepräsident Herr Hofrat Dr. Rappoport sich mit dieser schwierigen Frage bereits beschäftigt. Denn in einem so großen'Verwaltungskörper gibt es natürlich immer Sachen, die man machen k a n n, wenn die Mittel vorhanden sind, und solche, die man unbedingt machen m u ß. und zu diesen letzteren gehört es sicherlich, den Beamteu die Möglichkeit der Existenz zu sicherll. Wenn die Gemeinde Wien diese Frage mit dem Hinweis auf die mangelnde Bedeckung hinausschiebt und ihr derart ausweicht, so kann dies für uns weder ein Muster, noch eine Ausflucht sein; - unsere Gemeinde fühlt die Pflicht, für die Beamten einzutreten und wird sich ihr sicher nie entziehen. Daß dies nicht nur Worte sind, kann jeder daraus ersehen, daß wir in diesem Jahre bereits eine, wie wir mit Stolz' sagen können, großzügige Regulierung von Beamtengehalten, nämlich die der Bezüge unserer Lehrerschaft, durchgefnhrt haben, die sowohl die Lehrer, wie auch die Gemeindemitglieder znfriedeustellen konnte.