Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 51 (30.12.1910)
- Date
- 1910-12-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 51. 7—8 Uhr abends, Religionsphilosophie (Maimonides. More Nebuchim, III. Teil); jeden Donnerstag 6—7 Uhr abends, Talmud, Traktat Sanhedrin. Die«. (H o f r a t S i e g m u n d T a u ß i g.) Nach längerem Leiden ist vorige Woche der gewesene Wiener Hafenbaudireklor Hofrat Siegmund T a u ß i g in Baden gestorben. Der Verblichene, ein edler Mensch von seltener Herzensgute war einer der hervorragendsten Fachmänner aus dem Gebiete des Wasserbaues und hat sich dauernde Verdienste um das große Werk der Donauregnlierung erworben. Als junger Beamter der Statthalterei wurde er zu Beginn der Douauregnlieruugsarbeilen zur Mitwirkung au denselbeu berufen. Er ist in diesem Dienste von Stufe zu Stufe emporgestiegen, bis er Leiter der Douauregulierungsarbeiten lvurde. Er hat sich bei verschiedenen Hochwasserkatastrophen, die Wien bedrohten, hervorragende Verdienste erworben, seiner Fachkenntnis und Unerschrockenheir war es zu verdanken, daß die Gefahr beseitigt und eiugedämmr werden konnte. Wiederholt schwebte er in persönlicher Lebensgefahr bei diesen Arbeiten. So hatte er auch beim Sperrschiffe Gelegenheit, seine Geistesgegenwart und Tüchtigkeit an den Tag zu legen. Als das Sperrschiff einst von Eis bedroht war und das Waffer in dasselbe gedrungen war, war es seinen und semes Kollegen Engerth Bemühungen zu verdanken, daß Wien vor einer großen Gefahr bewahrt blieb. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten gehörte die Umwandlung des Donaukanals in einen geschloffenen, respektive schließbaren Hafeu. Das neue Sverrschiff wurde nach seinen Plänen erbaut und von. allen Fachmännern wegen seiner technischen Vollendung allgemein anerkannt. Auch von auswärtigen Staaten wurden die großen Fachkenntnisse, die Hofrat Taußig besaß, gewürdigt, und er wurde wiederholt mit der Abgabe wichtiger technischer Gutachten betraut. Von ihm stammen auch die Pläne für eine zweite Schleuse zwischen der Augarten- und der Stephaniebrücke und für eine bewegliche Wehr sowie für die dritte Schleuse und eine Wehr vor der Ausmündung des Donaukanals. Trotz seiner allgemein anerkannten fachmännischen Bedeutung hatte der geniale Mann, der auch vom Kaiser mit der Eisernen Krone und dem Franz Josef-Orden ausgezeichnet wurde, in der letzten Zeit seiner öffentlichen Wirksamkeit unter antisemitischen Gegnerschaften zu leiden und noch arbeitsfähig und arbeitswillig zog er sich vor ungefähr 6 Jahren vom Anite zurück und widmete seine Zeit und seine reichen Erfahrungen der israel. Kultnsgemeinde, in deren Vorstand er berufen wurde, sowie der Israel. Allianz und anderen humanitären Institutionen. Unter ganz außerordentlicher Beteiligung hat das Leichenbegängnis Sonntag, den 25. Dezember am Wiener Zentralfriedhofe stattgefunden. In der Zeremonienhalle der israelitischen Abteilung war der mit vielen schönen Kränzen geschmückte Sarg ans eine niedere Bahre gestellt. Zn ihren Häupten hatten sich die Familie versammelt, die Witwe Frau Katharina Taussig, der Bruder und die anderen Verwandten. Unter den übrigen Trauergästen waren zu sehen: Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n, den Vorstandsmitgliedern und den beiden Sekretären kaiserlichen Rat Dr. Lieben und Dr. Adler sowie den Mitgliedern des Bethausvorstandes, der Vorstand der Chewra-Kadischa, weiters Ministerialrat Bozdech, Hofrar S i e d e k, Hofrat O e l w e i n, Statthaltereirat Fischer, Oberbanrat Profeffor H a l t er (technische Hochschule), Strombaudirektor Oberbaurat G r e n g g, die Oberinspektoren R e i n h o l d. Kleiner, G r o ß m a n n und B r a n d l, Ministerialsekretär Dr. Z e i n e r, Generaldirektor W a gn e r, die Oberinspektoren Hartwich, Glas (Aspangbahn) u. Freund (Nordbahn), die Ingenieure S ch o st a l, G u t m a n n, L i n z b a u e r und P o l l a k, Baurat Schild, Universitätsprofeffor Dr. Leopold K ö n i gstein. Bankdirektor Kux, Prokurist des Bankhauses S. M. v. Rothschild Richard P o l l a k, Bankier Siegmund Popper, die Oberbauräte P a chn i k und G r o h m a n n, Banrat Ignaz P o l l a k, die Präsidenten der Humanitären Vereine „B'nai B'rith" Bankier Tugend hat („Eintracht") und Dr. K n ö p f m a ch e r („Wien") mit vielen Mitgliedern, die Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Moritz Schnabel, Dr. Wechsberg mit Gemahlin und Dr. Siegfried Spitzer jun., Industrieller P o l l a k von R u d i n, Dr. Felix K a tz a u, Dozent Dr. W a h r m a n n und Wilhelm P a p p e n h e i m als Vertreter der ^Iliauee israelite, Dr. I. S. Bloch, Abordnungen verschiedener Vereine und Institute, der Jsraelitengemeiude Trebitsch, deren Ehrenbürger der Verblichene war, des Vereines der Trebirscher in Wien, dessen Ehrenpräsident Taussig war, u. v. a. Mit den rituellen Chorgesänaen, welche Oberkantor Don Fuchs, begleitet vom Oberkautor M a ty a s und dem Chorpersoual. vortrug, wurde die Feier eingeleitet. Hierauf hielt Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n dem Verblichenen einen Nachruf. Namens der israelitischen Kultusgemeinde sprach Präsident Dr. Stern, namens der Israelitischen Alliance Herr Wilhelm Pappen heim. Universitätsprofeffor Dr. Leopold K ö n i gst e i n für den Verein „B'nai B'rith", dann Baurat Ignaz P o l l a k für die ehemaligen Schüler und Dr. Siegfried Spitzer für den Verein der Trebitscher in Wien. Als letzter Gruß wurde ihm von einem Mitgliede des Ingenieur- und Architektenvereines ein Nachruf gesprochen. Dann erfolgte die Beisetzung in dem von der Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrabe. Wien. (Ch auukafeier in der is r. B ers orgun gs anst a l t.) Am 27. Dezember wurde in der Bersorguugsaustalt der isr. Knltusgemeiude in Wien, IX.. Seegaffe 9. für die Insassen eine Chanukafeier abgehalren, zu welcher erschienen waren: die Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n nnd Hofrat Dr. R a p p a p o r t, der Obmann der Versorgungsanstalt Solo K o h ii, die Kultusvorsteher Karl Lemberger und Dr. Heinrich Schreiber, kais. Rat Dr. Lieben. Börserat S. S t e inhüb e l, Adolf Singer. Primararzt Dr. I n f e l d, Generalstabsarzt Dr. Z u ck e r m a n n, Spitalverwalter Dr. K o r a n y i, die Amtsleiter Peter selka, Braun, F n chsgelb, Popper, Kraus und K o h l m a n n, ferner die Damen: Präsidentin Jda Diamant mit den Ehrendamen: T e l e k y, E i s e n s ch i tz, S e l ig m a n n, Wjener, Adler, Frau Salo K o h ii, F r ä n k e l, K o l i s ch, G e i s e nh e i ni e r, Benedikt, Frau Verwalter K o r a ii y i, Frau Primär I n f e l d. Frau Prof. P o l l a k, Frau Oberkantor Fuchs u. v. a. In feierlichster Weise versah Herr Oberkantor Don F u ch s den Gottesdienst und entzückie die Anwesenden mit feinem herrlichen Vortrag. Die Festrede hielt Herr k. k. Religionsprofessor Dr. Heinrich P o l l a k, in welcher er den Wohltätigkeitssinn des Knllusvorstandes, die Fürsorge des Ehreudamenkomitses und der Verwaltung um die Pfleglinge hervorhob. Allgemeines Lob wurde von den Gästen den Einrichtungen der der Versorgungsaiistalt gezollt. Mit der Beteilung der Pfleglinge schloß die wahrhaft erhebende Feier. Wien. Montag. 26. Dezember, am 2. Chanukah-Abend. veranstaltete der Sechshauser jüdische G e s e l l i g k e i ts- und Sparverein in den geräumigen Sälen der Fünshauser Toynbeehalle ein Kinderbekleidnngssest. Ein luehrhundertlöpfiges distinguiertes Publikum füllte die Räume. Der Obmann des Vereines, Herr Selka, begrüßte die Anwesenden, warf einen Rückblick auf den noch sehr jungen Bestand und die so nennenswerten Leistlingen des Vereines und lud Herrn Rabb. Aron F ü r st ein, das Podium zu besteigen, Herr Rabbiner Fürst hielt eine kurze aber zündende Ansprache wies darauf hin, daß es /in auszeichnender Grundzug jüdischer Vereinigungen sei, innerhalb des Rahmens ihrer mannigfalligen Bestrebungen und Ziele doch auch stets der Wohltätigkeit ihr Feld zu sichern. Er sprach der rührigen Vereinsleitung seinen Dank aus und forderte zu regem Anschlüsse auf. Hierauf entzündete Herr Kantor Schorr die Chanukalichter und sang in ausgezeichneter Weise Hainaus halolu. Es folgte die Schlußrede des Obmannes und die Absingung der Volkshymne durch die Kinder. Es wurde eine große Zahl jüdischer Schulkinder mir warmer Winterkleidung beschenkt und den Schluß bildete eine opulente Jause für die Kinder, dargereicht durch die Damen des Vereines. Wien. (Konzert Felix K n p k a.) Der im Bösendorfer- Saale veranstaltete eigene Abend dieses 13jährigen Virtuosen gestaltete sich zu einem großen künstlerischen Ereignisse. Ein distinguiertes Publikum füllte den vornehmen Saal und schon nach der ersten Nummer, Scarlatti's selten gehörter „Katzensuge", eroberte sich der kleine,- ernst dreinblickende Blondkopf die Sympathien des zahlreichen, andächtig lauschenden Auditoriums, welches nach den technisch wie musikalisch sehr schwierigen Variationen Tschaikowski's in stürmischen, minutenlangen Applaus ausbrach nnd nach der mit seelenvollem süßen Tone gespielten „Bercena" Chopin's nnb- Schuniann's „Aufschwung" das Podium umringte und mehrere Zugaben von dem hochbegabten, mit seltenen pianistischen nnd musikalischen Fähigkeiren einer reifen, fast männlichen Aiiffassuiig und einer sehr respektablen Technik ausgestatteten jungen Künstler erzwang. Der außerordentliche Erfolg dieses wirklichen Wunderkindes wurde auch einmütig von den maßgebendsten Wiener Künstlerrefercnten anerkannt und wir gratulieren vom Herzen auch den Eltern dieses, zu den größten Hoffnungen berechtigenden Knaben, dem auch in weiteren Kreisen bekannten Sänger nnd Beamten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Salo Lemberger und dessen Gattin. Wien. Vom Trauerhause, Simmering. Dampfmühlgaffe 5. ans fand Dienstag, den 27. d. M. vormittags das Leichenbegängnis des Dampfmühlenbesitzers kaiserlichen Rates Friedrich Vogel, der vor Jahren dem Kultusvorstande angehörte, unter großer Teilnahme weiter Kreise statt. Anwesend waren: GM. Fischer, Sektionschef Dr. Hafenöhrl, ber Präsident des Verwaltuugsrates der Südbahn Hofrat Dr. Ritter v. Eg er, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit mehreren Vorstandsmitgliedern und dem Sekretär kaiserlichen Rat Dr. Lieben, der Vizepräsident der Produktenbörse kaiserlicher Rat Weil mit vielen Mitgliedern des Vorstandes, der Präsident des Bundes der Jndustriellen Kommerzialrat Vetter, Kommerzialrat Führich, Universitätsprofessor Dr. Josef P o l l a k, in Vertretung der Ersten österreichischen Sparkasse Reg. R.Dr.W alliier. Konsul S u e ß, Architekt G a r tu e r. Abordnungen der österreichisch-ungarischen Bank, des Handelsgerichtes, des Staatseisenbahnrates, der Handels- und Gewerbekammer, der Gewerbeschulkommiision, der Genossenschaft der Dampfmühlenbesitzer, des Simmeringer Waisenrates, des Vereines zur Unterstützung Hilfsbedürftiger an der Wiener Produktenbörse u. a. Die Beisetzung erfolgte auf dem Zentral-- friedhof. Kaiserlicher Rat Weil sprach namens der Produktenbörse und des Uuterstützungsvereines dieser Börse einen Nachruf, in welchem er die Bedeutung nnd die Verdienste des Heimgegangenen würdigte. Wien. Der Bethausverein „Freundschaft und Brüderlichkeit" beging am 26. Dezember die Feier des 10-jährigen Bestandes seines Bethauses. ans weichem Anlässe ein Sefer-Thora samt Ble-Kodesch eingeweiht wurde. An der Feier nahmen Herr Kultnsvorsteher Ad. Scbram e k in Vertretung der Kultusgemeinde, der Verwalter des Rothschildspitales Herr Dr. Koran y. die Herren Dr. I o k l nnd Dr. Eise nst a d t lind viele Mitglieder und Gäste teil. Oberkantor Herr Meier Schorr samt Chor leitete die Feier mit seinen ausgezeichneten Rezitationen ein, woraus der Vorsteher des Bethanses Herr B. W. Philipp die Festgäste begrüßte. Die Festpredigt hielr Herr Lektor Dr. I. Rubi n. der auch in andachtsvoller Weise des Schöpfers dieses Bethauses, des Herrn Kommerzialrates Ignaz Zucker s. A. gedachte. Nach den Hakofaus wurde die Feier mit Absingung der Volkshymne geschlossen. Abends versammelte sich die Gemeinde in Herlingers Saal (früher Sohr) zu einemgemütlichen Mahle. Wien. (Verein „A chwah Jüdische Brüder". Rituelle Volksspeisehalle, Wien, II., Herminengasse 8). Die Montag, den 26. Dezember in den Lokalitäten des Vereines abgehaltene Chanukafeier nahm einen äußerst gelungenen Verlauf. Den Anfang des schönen Festes bildete das feierliche Anzünden der Chanukalichter, das der Kantor und Schriftsteller Herr I. Grob unter dem ergreifenden Wohlklang seiner Stimme vornahm. Die Fest- und Tendeuzrede hielt Herr Dr. Dav. R o t h b l u mr