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Die Wahrheit · 1910-01-14 · Heft 3 (14.1.1910) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 3 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3. Die Wahrheit Leite 9. Oberhäupter; zuerst einen -Schwab/ dann einen Meise!/ nun ist auch dieser gottlob tot." Da versetzte ein Fortschrittler dem -frommen Witzling einen Schlag ins Angesicht, vor dem wir .Hörer erzitterten, wehe nns aber, hätten mir pro oder kontra Stellung genommen. Unser Rabbi, der davon hörte, sprach nur mit bleicher Wange klng das eine Wort: Roheit. In Waitzen mutzte ich verschiedene Launen des Schicksals eines Bachnrs erleben. Wer fromm und fleißig war. das Wochen-, Mondes- und Semester-,,Verhören" gut bestand, erhielt „Pletten," d. i. Billets ans Freitische bei den Gemeindemitgliedern. Anfangs erhielt ich viele und reichliche Kosttage und hatte auch durch Stundengeben in der Familie des Vorstehers Gntmann Goldberg. eines reichen Holzhündlers am Donaustrande, und im Hause Schächter — dem hervorragenden, weithin berühmten Gelehrten entsprossen auch tonangebende Aerzte und Forscher — so viel verdient, daß ich meine Wohnung bei der „Tolmatichin," einer frommen Branntweinverschleißerin, bezahlen konnte, woselbst ich mit fünf Rabbinatskandidaten zusammen ein kleines Zimmer nngedielt — „np ewig nngedelt" („ans ewig ungeteilt") heißt eine Plattdeutsche Devise — bewohnte. Von den fünf nenne ich den in Hohenau jetzt als Arzt lebenden Cousin Dr. med. Leopold Leimdörfer und den Vorsteher der altehrwnrdigen Gemeinde Waag-Nenstadll Dr. g'ur. Sonnenfeld. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wie». (Israelitische K u l t u » g e m e i lt b e). Ö e f f e u tliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, II. Stock. Sonntag, 16. Jänner 1910, 10 Uhr vormittags. Tagesordnung: i. Präsi d i a l- E rkl ä run g, 2. Eventnalia. Wien. lVvrtrag au» jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 20. Jänner 1910, präzise 1/28 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekreuvereiues, X, Eschenbachgasse 9, ein Bortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max Grünwald statt. Thema: „Die Rachel". Mir Borführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karren. Wie». (B e r - H a m i d r a s ch T a l m n d - T h o r a. Malzgasse 16.) Freitag 7. Jänner 1910. abends 7,8 Uhr, findet daselbst ein Vortrag des Herrn Religionslehrers Joses Pick statt. Thema Vorbehalten. — Vortragszyklus über jüdische Geschichte und Literatur: Samstag, den 15. Jänner 1910. nachmittags 3/43 Uhr: Vortrag VI Herr Rabbinatskandidat Bsla Fischer. Thema: „Die Bannverorduungeu des R. Gerschom den Jehuda aus Alaiuz." — Samstag den 22. Jänner 1910, nachmittags 3 Uhr, findet daselbst ein Bortrag Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Armand Ka min ka statt. Thema: Der Amoräer R. Jochanan und sein halachiicher Gegner R. Simon b. Lakisch". Wien. (Jüdische T o y n b e e -H a l l e, XX., Othmargasse 46). Vortrags-Programm: Samstag, 15., Konzert. Sonntag, 16., Ibsen als Erzieher, Zyklus III, Bibliothekar Dr. Bernhard Münz. Montag, 17., Rechtswissenschafrlicher Zyklus, Doktor M. R e i tz. Dienstag, 11., Vorcrag: „Die Geschichte der Inden in den slavischeu Ländern", Alexander Löwe ut h a l. Mittwoch. 19.. Thema Vorbehalten, Dr. Gottlieb Stern. Donnerstag, 20., Reiseeindrücke aus Amerika (mit Lichtbildern), Dr. Max Klemperer. Freitag, 21.. Bibelvortrag. Wien. Sonntag, den 16. Jänner, vormittags 1j2ll Uhr, findet im Zeremoniensaale des Tempels, IX., Müllnergasse 21. die 43. ordentliche Generalversammlung des Israel. Bethausvereines „Chewra Bet-Hatfilah" im IX. Bezirke statt. Wien. Sonntag, 16. Jänner, präzise 72*0 Uhr vormittags, findet die Generalversammlung des Israel. Tempel-Vereines für den XIX. Bezirk statt. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes. 2. Aenderung der Statuten. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Wahl der Revisoren. 5. Bericht über Einnahmen und Ausgaben im abgelausenen Vereinsjahre. Wien. (Verein der S a b b a t h f r e u n d e.) Der glänzenden Vorlesung Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabiners Dr. ©übe in ann folgt nun der Vortrag .eines Mannes aus dem praktischen Leben. Am 24. Jänner 1910, 1j28 Uhr abends, wird Herr Jakob Rosenheim, Verlagsbuchhändler und Herausgeber des „Israelit" aus Frankfurt a. M., über das Thema - ,-Zeitgemäße Betrachtungen beim Scheine der Sabbathlichtel" im Saale des Hotel Zentral, II.. Taborstraße 8, sprechen. Herrn Rosenheim, der innerhalb des deutschen Judentums zu den sührenden Persönlichkeiten zählt, geht der Ruf eines bedeutenden Gelehrten und.hervorragenden Redners voraus und ladet die Vereinsleitung zu recht zahlreichem Erscheinen ein. Dem Vortrage schließt sich eine Diskussion an. Wien. Die vom Aktionskomitee für den Bau des Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Tempels der Bezirke Wieden-Margarethen gemeinschaftlich mit dem Frauen-Wohltätigkeitsverein für den 4. und 5. Bezirk am 5. Jänner in den Sofiensälen veranstaltete Akademie, nahm bei äußerst zahlreichem Besuch einen überaus glänzenden Verlaus. Der vom Vereins- Schriftführer, Herrn Franz Frankl, verfaßte Prolog, den Fräulein Lia Rose n vom Hofburgtheater mit vieler Empfindung vortrug, wurde lebhaft akklamiert. Ihre Kunst, mit einfachen Mitteln starke dramatische Wirkungen zu erzielen, zeigte sich noch angenfälllger bei dem späteren Bortrage einiger Gedichte. Eine seltene musikalische Darbietung bot Professor Joses S u l z e r mit der Aufführung des großen Sulzer'schen „Hallelujah" durch Knaben- und Männerchor mit Orchesterbegleitung. Daß alles trefflich klappte und die feinsten Nüancierungeu heransgearbeitet ivurden, ist bei der Leirniig Sulzers selbstverständlich, nur war die stimmliche ^Klangwirkung, durch die infolge Raummangels ungünstige Aufstellung der Stimmen und das starke Ueb.rgewicht des Orchesters, ein wenig beeinträchtigt. Roch großartiger in der Aufführung war der später folgende „Adon olamu. Die Solls sang Oberkantor Bela Gntmann, der in beiden Pivcen seine prächtigen Stimmittel zu schönster Geltung brachte. Hofopernsängerin Francillo K aufm ann, eine singende Nachtigall in des Wortes vollster Bederrnng. entzückte durch den Vortrag einiger Lieder mit brillantem Coloraturenschmuck. Die Klavier- und Zello-Darbietungcn der Herren Professoren Richard P a h l e n und Josef S n l z e r fanden lebhaften Beifall. Die heileren Borirüge des Hosschanspielers K 0 r f f. sowie die temperamentvollen Chansons des Fräulein Marion wurden stürmisch akklamiert. Um das Gelingen des Festes, das leider nur ein kleines Reinertrügnis abwars, hat sich besonders das Damenkvinitee und in erster .Reihe die Vereinsprüsideirriu. Frau Kamilla H 0 f m a n n verdient gemacht. Wie». Am 1. d. M. beging der allseits hochgeschätzre akademische Maler Herr David Kohn im Familienkreise die Bar Mizwahfeier seines Sohnes Leopold. Dieselbe wurde zu Hanse abgehalten, da der Bar Mizwah Rekonvaleszent nach schwerer Krankheit war. Beim veranstalteten Gottesdienste wurde der Knabe als Cohen zur Thora gernsen, woraus derselbe mit schönem Bortrage die Stelle ans der Thorazur Vorlesung brachte. Der Barer des Bar Mizwah wurde als Mafrir ansgernfen. Nach beendigter Andacht fand sich in der Wohnung die zavlreiche Familie und eine Anzahl Freunde des Herrn David Kohn ein, um ihre Wünsche zum Ausdrucke zu bringen. Es waren erschienen der Präsident der iirael. Knlrusgemeinde Dr. Alfred Stern. Vizepräsident k. k. Landesschulrat Dr. Gustav K 0 h n. Dr. Markus Spitzer. Professor E h r m a n n, Oberrabbiner Dr. G ü d em fl 1111, Rektor Schwarz, Rabbiner Banmgarten. Dr. Bloch, Dr. P a p p e n h e i m n. v. A. Nach alter Sitte hielt der Bar Mizwah >n schön gesetzten Worten eine an die Sidra anschließende Rede, die von den Anwesenden mit Beifall aufgenommen wurde. Allseitig wurden den Eltern und dem Bar Mizwah die herzlichsten Gratulationen anläßlich dieser würdigen schönen Feier zum Ausdrucke gebracht. Wien. Dienstag, den 11. d. M. ist Frau Regme P 0! l a ck Edle von P a r n a u. die Gattin des Herrn Bernhard P 0 llack Edlen von P a r n a u und Schwester des Knlnisvorstehers kariert. Rat Leopold Sachs un 55. Lebensjahre nach kurzem Leiden gestorben. Die Heimgegangene, eine durch seltene Herzensgute ausgezeichnete Dame, genoß in den weitesten Kreisen der Wiener Gesellschaft allgemeine Verehrung und ihr edler Siun ließ sie an zahlreichen hnmanitären Bestrebungen werktätigen Anteil nehmen. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 13. d. M. 1I2H- Uhr vorm, vom Trauerhanse. I., Reichsratftraße 17, unter ungemein zahlreicher Teilnahme statt. Wie». Am 28. Dezember v. I. starb hier die Gattin des Kantors Jiak S ch r e i b st e i n. Frau Rosalia S ch r e i b st e i n. nach längerer Krankheit. Die Verblichene war eine fromme wohltätige Frau und in ihren Kreisen geachtet. Sie hinterließ einen tiefgebeugten Gatten und sechs unversorgte Kinder. _ Kolin Zn dem von hier ans eingesandten Berichte sei bemerkt, daß Herr Rabbiner Dr. R. G u g g e n h e 1 m e r den Oberkantor i. P., Herrn M. K n l k a, an seinem Jubeltage in seiner Wohnung aufsuchte und seinen Glückwunsch mit einem dreimaligen Chazak beschloß. Wenn Herr Oberkantor Samberg sich der Feier gegenüber eine gewisse Reserve auferlegte. so mag dies damit entschuldigt sein, daß es hier bekannt war, daß der Tag der fünfzigjährigen Wiederkehr des Hochzeitstages des Herrn Kulka nicht am Weihnachtsfeste sondern bereits im Monate August gewesen isti Innsbruck. Nach längerer Mühewaltung ist es dem Obmann Herrn W. Dannhauser der hiesigen Jndenschafr gelungen, ein günstiges Resultat auf dem Gebiete des jüdischen Tnrnwesens zu erreichen. Mannigfach waren die Schwierigkeiten, die diesem Unternehmen entgegenstanden; hat ja selbst der Gemeinderat ein diesbezügliches Ansuchen um Ueberlassnng eines der vielen städtischen Turnsäle an die hiesige Jndenschafr in brüsker Weise znrückgewiesen und noch dazu mir einer Motivierung, die wir nicht wiedergebeu möchten. Nun har die langwierige Sache den einen Erfolg gebracht, die Stakthalrerei wies der Judenschaft eine Turnhalle im Landespädagogium an und wird zu diesem Behufe ein jüdischer Turnklub gegründet werden. Zur Borberatnilg fand am 1. d. eine stark besuchte Versammlung statt bei der der Obmann W. Dann Haus er nnd der Referent Martin Steiner in eingehender Weise die Gründung besprachen. Szenicz. Wie alldreijährlich wurde auch Heuer nach althergebrachter Sitte der Erew Rösch chodesch Schwat weihevoll begangen. Die ganze Chewra Kadischa und sämtliche Gemeindemitglieder versammelten sich am Friedhofe, wo Herr Rabbiner Marmor st e i 11 eine herzerhebende Gedenkrede hielt und die ganze Feierlichkeit war diesmal von größerer Weihe, weil Se. Ehrwürden Anlaß nahni, ausgehend von dem Aussprüche des Patriarchen Jakob „Ha nauroh hamokanm haseh“ von seinen Gefühlen und Empfilidungen zu sprechen. Beim Betreten dieser Stätte schwebt ihm erst recht lebhaft die Weihe und Heiligkeit des Ortes vor. weil er seine in diesem Jahre unvergeßliche Gattin einschließt. Der rührende Bortrag und die Ausführung der Rede machte allenthalben mächtigen Eindruck. Budapest. Nach einer dreijährigen Pause finden jetzt wieder bei der hiesigen Chewra Kadischa die Mitgliederaufnahmen stait. In hiesigen Gemeindekreisen sah man dieien Aufnahmen mit lebhaftem Interesse entgegen, denn in den letzten Jahren hört man hier sehr viel über den

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