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Die Wahrheit · 1910-01-14 · Heft 3 (14.1.1910) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 3 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite-10. Die Wahrheit Nr. 3. religiöse» JndifferentiSmus sprechen und die Ausnahmen der Chewra Kadischa können mit Recht als Gradmesser des religiösen Fühlen und Denkens der hiesigen Inden betrachtet werden. . Wir hören nun mit ausrichtiger Freude, daß die große Besorgnis unbegründet war, denn in der ersten Woche, und zwar vom 2. bis 8. Jänner wurden nicht weniger als 755 hiesige Bürger ausgenommen, die an Ansnahmsgebühren die höchst respektable Summe von 71.500 Kronen gezahlt haben. Der größte Teil der ausgenommenen Mitglieder besteht aus jungen Leuten, welcher Umstand besonders aus dem Grunde schwer in die Wage fällt, weil dies der beste Beweis dafür ist, daß auch die jungen Leute noch ein lebhaftes Bedürfnis haben, sich in den Bruderbund der wahren Menschenliebe aufnehmen zu laßen. Am 2. d. M. begann die Aufnahme mit einer solennen Feier. Generaldirektor Arnold K o h n begrüßte das Präsidium mit einigen herzlichen Worten und vermies aus das neue, durch die Ausschußmitglieder dem Präsidium geschenkte, prachtvolle Zelt, welches der Obel Moed der Chewra bilden möge. Präsident Julius Winterberg dankte in einer längeren, geistreichen Rede für die Begrüßung und schloß seine mit lebhaftem Beifall ausgenommene Rede mit folgenden Worten: „Der Geist, welcher aus dem Obel Moed ausstrahlte, war der Geist des unerschütterlichen Glaubens au den einig einzigen Got und der echten Menschenliebe. Möge auch uns dieser Geist lenken in unseren heiligeu Bestrebungen für und für!" Unmittelbar hierauf wurde als erster der hiesige Rabbiner Dr. Elias Adler anfgenommen, der für die Ausnahme in einer schönen, formvollendeten Rede dankte. Bisher wurden außer Rabbiner Dr. -Adler noch ehrenhalber anfgenommen, der Professor an der Landesrabbinerschule Dr. Gnttma n n, Sektionsrat Dr. Karl Neu m a u n von Gardony (derselbe spendete für die Zwecke der Chewra 800 Kronen) und das illustre Mitglied des Nationallheaters Julius GLl. Der Letztere dankte in gerührten Worten für die ihm zu Teil gewordene Ehre und versicherte, daß es ihm stets große Freude macht, wenn er die Ziele des Judentums fördern kann. Diesen Umstand erwähnen wir besonders deshalb, weil ein Bruder des Herrn Gal katholischer Geistlicher ist, er selbst jedoch, trotzdem er eine sehr exponierte Stelle hat, sich mit Stolz als Jude bekennt. Auf den weiteren Verlaus der Aufnahme werden wir noch zurückkommen. (Alle Rechte Vorbehalten.) Gin neues Kicht. Von Adolf Heinrich Landau (Wiener-Neustadt). (Fortsetzung.) „Hören Sie doch auf, Herr Doktor!" „Ja, dieser innere Zwang hat gar viel ans seinem Gewissen. Der ist schuld daran, daß wir nicht so tun können, w i e wir gerne möchten!" „W a s möchten Sie denn gerne?" fragte Erna mit einem schelmischen, verführerischen Lächeln. Dr. Fuchs umfaßte ihren üppigen, vollen Arm. Einen Augenblick standen sie einander schweigend gegenüber. „In dieses Gebiet kann ich Ihnen leider nicht folgen, liebes Fräulein", sagte der Doktor. Sie sah ihm voll ins Auge. „Schade, daß Sie diesen Beruf gewählt haben, ich könnte Sie ja so l ieb h a b en!" Was war das für ein durchdringender, stehender Blick, mit dem ihn das Mädchen ansah? Er wich erschrocken zurück. Da kam die Mama ganz leise herein. Erna trat zornig ans Fenster und begann nervös auf die Scheiben zu klopfen. Dr. Fuchs fühlte sich in dieser peinlichen Situation nicht wohl, er nahm seinen Hut und empfahl sich. Erna eilte ihm nach. „Wann kommen Sie wieder, Herr Doktor?" „Ich werde mir recht bald wieder das Vergnügen machen", sagte er. Mit Tränen in den Augen ging Erna ilts Zimmer zurück. „Was hast du denn?" fragte die Mama. „Ich kann Dir nur sagen, daß die Mütter daran schuld sind, wenn die Töchter gereizt werden." „Was soll das heißen?" „Du hättest auch zu einem anderen Zeitpunkt Herrin kommen können." „Hätte ich Dich mit dem Herrn Doktor allein lassen sollen?" „Warum hast Du mich denn so lange allein gelassen? — Du brauchst übrigens keine Angst haben, i ch werde keinen Rabbiner heiraten." „Dummes Mädel! Du mußt ja erst fragen, ob er D i ch heiraten wird." Schluchzend ging Erna in ihr Zimmer. Dort dachte fier über das blöde Mißverständnis zwischen beiden Geschlechtern, nach. Beide wären ja viel glücklicher, wenn sie sich alles offen sagen könnten, statt dessen quälen sie sich mit Mißverständnissen, ab. Wie sagte er doch so süß: „Ja. wenn wir tun könnten, wie wir gerne möchten!" Dr. Fuchs ging seiner Wohnung zu und fürchtete in seiner „Galanterie" vielleicht doch zu weit gegangen zu sein, da traf er Fräulein Bär mit einer großen Düte voll wunderschöner Psirsiche und Weintrauben in der Hand. Er grüßte und das Fräulein bat ihn, ein Stück mitzugehen. Er konnte nicht Nein sagen. Das Mädchen reichte dem Doktor einen Pfirsich, er aber lehnte dankend ab. Dann biß sie selbst, über das ganze, runde Gesicht lachend, in die saftige Frucht. „Ich geniere mich nicht, auf der Gasse zu essen. Nehmen. Sie doch auch, Herr Doktor!" Er nahm schließlich ein Stück und fragte: „Können Fräulein so frei über das Gut Ihrer Eltern versügen?" „Zwei Stück gehören immer mir und so habe ich nur mit Ihnen ehrlich geteilt." „Das ist ja sehr schmeichelhaft für mich." „Ich teile sonst nicht gerne, aber mit Ihnen, Herr Doktor!"- Sie sah ihn kokett an. Dr. Fuchs war nicht zum Scherzen aufgeräumt, er lenkte ab. „Freuen sich Fräulein schon auf die Feiertage?" „Ja, aber wenn ich die Wahrheit sagen soll, nur auf das gute Essen. Der Spiegelkarpfen ist herrlich und der Indian einzig"- „Wieso wissen Sie denn das, liebes Fräulein?" „Ich habe ja alles selbst gemacht." „Da schmeckt es natürlich umso besser?" „Ganz gewiß." „Man könnte wohl auch hier sagen: Das Werk lobt seinen M e i st e r," sagte der Rabbiner lächelnd. Sie waren beim Hause angelangt. „Kommen Herr Doktor nicht mit?" „Ich werde mir erlauben, am Rosch Haschana vorzusprechen. Bitte meine Empfehlung ausrichten zu wollen." Im Hanse gegenüber hatte Frau Weinmann den beiden zugesehen. Da sagte sie zu ihrer Tochter, die an einer Kiddusch-- decke stickte: „Der Rabbiner hat die Hanni Bär bis zum Hause begleitet. Sage mir nur, was er mit ihr reden kann?" „Er hat mich auch einmal begleitet." „Wirklich? Und das hast Dn mir gar nicht erzählt!"' „Was ist denn dabei?" „Du mußt mit ihm sehr lieb und freundlich sein." „Soll ich ihm vielleicht den roten Bart streicheln?" fragte das Mädchen übermütig und begann krampfhaft zu lachen. „Stell'Dich nicht so dumm. Du bist schon zwanzig Jahrealt und solltest an Gescheiteres denken. Glaubst Du, der Mann ist eine schlechte Partie?" „Ich Hab' ja nichts dagegen." „Dann darfst Du ihm auch einmal ein Kompliment, machen." „Dem ein Kompliment machen? Ich habe ihm unlängst' gesagt, daß er so schön spricht und so schöne Angen hat. Da sagt er daraus: Es gibt nichts Abscheulicheres, als nmm eilte junge Dame einem He r r n K o m p l i -- mente macht!" (Fortsetzung folgt.) Motiz. Wir wollen nicht Köpf-, Kreuz-, Zahnschmerzen, Gliederreißen, "Seitenstechen, rheumatische Rücken- und Muskelschmerzen haben. Wir benützen Feller's-Fluid m. d. M. „Elsafluid". Probedutzend kostet blos 5 Kronen franko. Magenstärkend, Verdauung befördernd, appetitanregend, krampflindernd, stuhlerregend wirken Fcller's abführende Rhabarberpillen' m. d. M. „Elsapillen". 6 Schachteln franko 4 Kronen. Zu beziehen vom E. V. Feller in Stubica, Elsaplatz Nr. 153 (Kroatien).

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