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Die Wahrheit · 1909-02-05 · Heft 6 (5.2.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 6 (5.2.1909)
Date
1909-02-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 6. Die Wahrheit. Seite 7. ein höchst erfreuliches Bild von der steten Entwicklung dieser ethisch humanitären Institution. Bon 34.000 P e r s o n e n waren im abgelanfenen Jahre die Borträge und Veranstaltungen dieses Bildnngsvereiues besucht und die Liste der Vortragenden weift die Namen von Zierden der Knust und Wissenschaft auf, die sich willig in den Dienst der guten Sache stellten. Starken Zuspruch finden die unentgeltlichen Unterrichtskurse, durch deren .Frequenz zahlreiche Personen gesteigerte Erwerbsmöglichkeit erlangen. — An den „.Kinderjansen", die während des Winters an jedem zweiten Sonntag-Nachmittag veranstaltet werden, ist mehr als 3000 Unterhaltung geboten und durch Verabreichung von Spielsachen, Wäsche und Kleidungsstücken Freude bereitet worden. — Herr Banrar Stiaßny schilderte die herzerfrenenden Eindrücke, die in ihm der jeweilige Besuch der Toynbee- Halle hervorrief und beglückwünschte namens des Knltnsvorstandes die Leitung zu den schönen Erfolgen. Lebhafte Anerkennung wurde der Wirksamkeit des Obmannes Dr. S a m n e l y und der hingebungsvollen Tätigkeit des Obmann-Stellvertreters Karl Freund gezollt. Nebst den bisherigen Funktionären wurde Herr Franz K a tz in die Bereinsleitung gewählt. Der Vorsitzende sprach noch dem Sekretär der Kinderhorte und der Toynbee-Halle Guido F n ch s g e l b Dank und Ailerkennung für die .pflichtgetreue Mitarbeiterschaft ans und schloß mit Dankesworten an die Erschienenen die Versammlung. Wien. Die 5. G e ll e r a l 9 e r i a tu IN l II ll g des T e m p e l v e i e i n e s des 13. B e z i r k e s fand am 27. Jänner d. I. im Hotel „zum weißen Engel", Hietzing, Hauptstraße 7, unter Borsitz des Direktors Dr. S. Kren b e r g e r und in Anwesenheit des Herrn Rabbiners Dr. Max G r u n w a l d und des Herrn Amtsleiters Julius B r a u n. in Vertretung des löblichen Knltnsvorstandes, statt. Der Vorsitzende erstattete -folgenden Tätigkeitsbericht: Die Zahl der Mitglieder blieb im ganzen konstant, an einen dauernden Stock reihen ^sich bis 10 Mitglieder, die jahraus jahrein wechseln. Die Bevölkerung des Bezirkes ist noch fluktuierend. Erhöhte schriftliche Agitation brachte geringen Erfolg; es sei persönliche Werbung nötig. Durch den Tod verlor der Verein das sehr geschätzte Mitglied, Herrn Fabrikanten Joses Herrmann. (Sein Andenken wird durch Erheben von den Sitzen geehrt.) Beim Jngend-Gotlesdiellst fanden 4 Barmizwahs statt. Am 14. Februar wird im Betsaale die erste Trauung stattfinden. Im Henrigen Jahre will der Verein auch die erste Mädchen-Konfirmation veranstalten. Herr Dr. S. Zimmels vom Mädchen-Lyzetlm und Lehrer H. S p r i n z e l e s werben für diesen Zweck. — Der Gottesdienst fand regelmäßig statt. Er war ziemlich gut besucht. Für die hohen Feiertage reichte aber der Platz nicht ans. Es ist Zeit, an Vergrößerung des Bethanses zu denken. Der Jngend- Gottesdienst fand an jedem Samstag statt. Bei dem für die Volksuitb Bürgerschnler waren der nett aufgenommene Hilfsrabbiner Dr. 1U. H. Friedländer als Exhortant und der zweite Kantor, Heinrich K o h n e r, tätig, bei dem für die Mittelschüler Herr Rabbiner Dr. H. L. Reich und der erste Kantor Herr Gotthold F r i e d l ä n d e r. Außerordentlichen Besuch wiesen die Festgottesdienste der Jugend und der Gemeinde anläßlich des kaiserlichen Jubiläums auf. Hiebei wurde auch. die Jnbilänmsthora mit dem von Herrn Max Z i r n e r gespendeten silbernen Gerät eingeweiht. Dieses unser geschätztes Mitglied wurde als Kandidat für den Kultnsvorstaitd ans der Ktirie der Höherbestenerten präsentiert, drang Heuer freilich noch nicht durch, bleibt aber ernstester Anwärter auf ein Mandat. Dagegen tverden die Herren Samuel Hoffman u mtd Jakob Popper in das Kollegiitm der Vertrauensmänner für den 12. bis 15. Bezirk ernannt werden. So hat auch der 13. Bezirk in dieser Organisation seine Vertretung. Der Verein sprach sich prinzipiell für den Eintritt in den zu gründenden Verband der jüdischen Tempel- und Bethausvereine aus. Herr Dr. M. H. Friedländer soll ständig engagiert werden und Herr Dr. Max Grunwald hält schon am 3. Februar im Betsaale einen Vortrag über ,,J ü d i s ch e Male r". Solche Vorträge sollen an Stelle der Abendexhorten treten. Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Isidor Spielmann jun. beantragt im Namen der Revisoren das Absolntorium und den Dank für den Kassier. Herr Fritz Blüh dasselbe für den Ausschuß. Beide Anträge werden angenommen. Nun begrüßt Herr Amtsleiter Julius Braun den Verein im Namen und Auftrag des löblichen Kultnsvorstandes, unerkannte die Leistungen desselben und verspricht weitere Förderung. Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald lobt die Wirksamkeit des Herrn Direktors K r e n b e r g e r, durch den der 13. Bezirk erst jüdisch gemacht wurde und wünscht viele gleichbegeisterte Mitarbeiter an seiner Seite. Dr. K r e n b e r g e r dankt für die ehrenden Worte und hebt das kollegiale und freundschaftliche Verhältnis des Vorstandes hervor. Es wird derselbe neu gewählt und zwar 'wie folgt: Dr. S. K r e n b e r g e r. Obmann. Hermann Kuner und Jean Hertzka. Obmannstellvertreter; Samuel H o f f m a n n. Kassier; Isidor B e r n f e l d. sein Vertreter; Gustav Jacob. Schriftführer; Dr. Ernst K a r m a n, Vertreter desselben; Isidor Z u n z. Ferdinand Herzog, Jakob K ö n i g, Jakob Popper. Josef S m e t a n a und Max Z i r n e r als Ausschüsse. Fritz B l ü h, Leopold G v l d n e r und Leopold Redlich als Ausschuß-Stellvertreter; Josef Bark a n. Franz Josef Klein und Dr. Isidor Spielm a n n jnn. als Revisoren. BZie». Am 22. Jänner ist Dr. Leopold Kahn, einer der ersten Apostel des politischen Zionisimis, im 59. Lebensjahre dahingesctnedeu. Der Verstorbene entstammte einer iroikimen südlichen Familie und verb rach re seine Jngenvjahre tut Beth-Hainidrasch. Im Alter von 18 Jahren begann er zn studieren, absolvierte in kurzer Zeit das Gymuasirliu. bezog hierauf die Wiener Universität und schlug die Advokatenlaufvahu ein. Mit den geistigen Zrrömllugeu des moderueu Judninuils iuuig vertraut, vereinigte Dr. Leopold K a h u, der ehemalige Talllmdichüler, >u seinem Wesen sowohl gediegene eur.'väifcbe Bildung als auch uralte jüdiiche Ttadition. So war er einer der Berufensten, ein Führer der neuen Bewegung zu werden. Dr. H e rz l, der große Organisator, erkannte ui ihm ioforr einen für feine Zwecke brauchbaren Mann und betraute mit wichtigen Missionen. Dr. K a h n wurde nach Konstantinopel geschickt, um das türkische Recht zu studieren; er erstattete auf allen Kongressen das Referat über Kiilturarbeit mtb mußte oft im Dienste des Zionismus weite Reifen unternehmen. Bei jeder Gelegenheit rechtfertigte er das Vertraneii, das die Partei in ihm fetzte. Dr. K a t> n war aber auch einer der eifrigsten Agitatoren nud einer der besten Redner der jungen Organiiarion. Sein Bestes leistete indes Dr. Kahn nach deiii Tode des Dr. Herzl. Er erließ damals einen begeisterten Aufruf, in welchem er die Anhänger des Zioilismtts znm Ausharren und zur tatkräftigen Weiterarbeit aufforderte. Die letzten Lebensjahre verbrachte er in stiller Zurückgezogenheit. Seiil leidender Zustand erlaubte ihm es nicht, iem ungemeiil bedenteildes Wissen und iemc glühende Begeisterung, der Bewegung, die er icvaffeu geholfen, zu widmen. Am Sonntag, den 24. Jänner 1909 wurde Dr. Kahn zu Grabe getragen. Das Leichenbegängnis war eine würdige Kundgebung der Symvarhien, deren sich der Verewigte in den zionistischen liud allgemeinen jüdischen Kreisen Wiens erfreut harte. Alle zionistischen Korporationen harten Vertreter entsandt. Der Verein „Bar Kochba", dessen Ehrenmitglied Dr. K a h n gewesen, war korporativ erschienen. Es sprachen an der Bahre Rabbiner Taglicht über Kahn als Menschen. Inden und Gacren, über feine Tätigkeit ilnd feine glänzende Beredsamkeit und Tatkraft, Baurat Oskar Mar m v re k über feine Unsterblichkeit, trotz feiner Verkennung durch die Jungen. Baurat Marmorek hob weirecs hervor feine Mitarbeit bei Herzls Plänen. Dr. Bernhard nahm namens des Mariahilfer Zionsvereines warmen Abschied von dem wackeren Gesinnnngsgenofien, Herr S t e r n l i ch t sprach namens des Distrikts-Komitees im versöhnlichen Sinne. Trotz der jetzigen Differenz werde man Dr. Kahns immer gedenken. Herr Torczyner würdigt Dr. Kahn als treuen Freund und guten Juden. Dr. R o r h b l n in, A. H. der Bar-Kochba, sprach hebräisch. Er nahm von dem Verstorbenen namens der Bar-Kochba warmen Abschied. Ehre seinem Andenken. Szenicz. Monrag, den 1. Februar, wurde hier der Großgrnndbesitzer Abraham B r i m s e l ans Groß-Prirersd, im Alter von 86 Jahren, unter zahlreicher Beteiligung zn Grabe getragen. Die Leiche wurde in den Tempelhof gebracht, wo Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Marmor st e l n in überaus wirksamer Rede die Berdieuste des Verblichenen schilderte. Budapest. (H o f r a r D r. A r m i n N e u m a u u. > Sonntag, den 31. Jänner ist Hofrar Dr. Armin N e u m a n n. der Präsident des iirael. Handwerks- und Ackerbanvereines. gestorben. Ueberall wohin die Kunde sich verbreitere, äußerte sich schmerzliche Teilnahme, ob des Hinscheidens dieses Mannes. Hosrar Dr. Armin Nen man n war eine markante Persönlichkeit im öffentlichen Leben. Von tiefer Gelehrsamkeit, reich an Wissen, aber auch reich an Herzellsvildnng und Güte entfaltete er vielfach eine segensreiche Tätigkeit. Sein vielseitiges Wirken erwarb ihm eine große Zahl von Freunden und Verehrern, die ob des Verlustes eines so hervorragenden Mannes in tiefe Trauer versetzt wurden. Hofrar Dr. Armin N e n m a n n. wurde im Jahre 1845 in Großwardein geboren. Er oblag zuerst theologischen Studien am Breslauer Seminar, bezog icachher die juridische Fakultät der Wiener llniversirät und promovierte an der Budapester Universitär als Doktor juris. Er etablierte sich als Advokat in Päva, dann in Sruhlweißenbnrg und übersiedelte Ende der Siebziger Jahre nach Budapest, wo er gar bald als hervorragender Anwalt und als Autoritär in allen Fragen des Handelsrechts, große Anerkennung fand. Er habilitierte sich als Privatdozent an der Budapester Universitär, deren außerordentlicher Titularprofessor er auch wurde. Später wandte er sich der Politik zu und wurde znm Abgeordneten des Reichstages gewählt. Er betätigte sich auch als Schriftsteller in ganz eminenter Weise und schrieb viele Werke. Daß ein solcher Mann eine Leuchte und Zierde der menschlichen Gesellschaft bildete, ist ja nicht zu verwundern, und umso beklagenswerter ist nun sein Hinscheiden. An seiner edelgesinnten Gattin. Frau Amelie

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