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Die Wahrheit · 1907-12-27 · Heft 50 (27.12.1907) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 50 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Lene 10. Die Wahrheil Nr. 50. Zeit auch nur zu denken. Es mußte Sorge des Vorstandes sein, neue Einnahmsquellen zu finden, um den großen Bedürfnissen der Gemeinde gerecht werden zu können. Baurat Stiaßny beleuchtet in überaus interessanten Ausführungen die Wirksamkeit und Tätigkeit des jüdischen Museums, insbesondere insoweit sich dieselbe auf die Aufklärung und Erforschung der Geschichte der Juden in Wien erstreckt, und plaidirt mit Rücksicht auf die prekäre Situation des Museums für eine ausreichende Subventionierung dieses Institutes. Nach Beendigung der Generaldebatte wird über Antrag Dr. Berger das Budget en bloc angenommen und nach Dankesworten des Referenten für das der Vorlage und ihm bewiesene Wohlwollen die Sitzung vom Präsidenten geschlossen. Aus der terrttorialistrscheu Kenregimg. Nach der Massenversammlung im M a n ch e st e r H i p p o d r o m e, in welcher Mr. Z a n g w i l l vor einem 4000köpfigen Auditorium seine sensationelle Rede hielt, und der u. a. auch der Mayor von Salford anwohnre, veranstaltete die B i r m i n g h a m e r Organisation der „S to" in der T e m p e r a n c e H a 11 gleidjfaös ein Massenmeeting der dortigen Bürger, bei welchem auch der L o r d m a y o r von B i rm i n g h a m zugegen war. In diesen beiden Massenversammlungen wurde einstimmig die Resolution gefaßt, daß sich die Mancheste r bezw. die Birminghamer Juden und ihre Mitbürger mit dem Programm der „Jto" vollkommen einverstanden erklären, welches lautet: „zu schaffen ein Territorium auf autonomer Basis für diejenigen Inden, welche in den Ländern, in denen sie gegenwärtig wohnen, nicht bleiben können, oder nicht bleiben wollen". Weiters wurde beschlossen, Kopien dieser Resolution an alle führenden jüdischen Organisationen zu versenden. * Ä * Das Zentral-Emigrations-Regulierungs-Departement für Rußland in Kiew versendet an seine Filialen uud an die „Jto"-Ortsgruppen in Rußland, das nachfolgende Zirkular: „Die Krise, welche Amerika jetzt durchmacht, dürfte sich unserer Ansicht nach auch auf jene westlichen Staaten Nordamerikas ausdehnen, wohin unser Emigrations-Departement via Galveston den jüdischen Emigrationsstrom lenkt. Gegenwärtig findet über New-Iork und Baltimore eine sehr starke Rückwanderung aus den Oststaaten Nordamerikas nach Europa statt und obwohl wir bis jetzt von einer Rückwanderung auch aus den westlichen Staaten nichts gehört haben, beschlossen wir dennoch aus Vorsicht, mit der Absendung weiterer Emigranten nach Galveston zurückzuhalten. Bis nun war es uns nicht allein möglich, die Emigranten zu führen, sondern es gelang uns auch, dieselben gut unterzubringen. Da wir jedoch im gegenwärtigen Augenblicke von einem vollen Erfolge nicht überzeugt sind, haben wir uns entschlossen, bis zur Klärung der Lage im Westen Amerikas einen besonderen Delegierten nach Galveston zu entsenden und die Vormerkung für die zehnte Emigranteu-Partie bis nach Erhalt authentischer Nachrichten seitens dieses Delegierten einzustellen. Der nächste Transport dürfte in 6 bis 8 Wochen erfolgen. Für den Fall, als die Emigration via Galveston infolge der Verhältnisse für einige Zeit eingestellt werden müßte, sind wir jetzt schon mit der Frage der Regulierung der jüdischen Emigration nach anderen Gebieten auf gleicher Basis wie nach Galveston beschäftigt. Wir haben uns diesbezüglich auch bereits mit der Londoner Leitung ins Einvernehmen gesetzt, welche die nötigen vorbereitenden Schritte unternehmen wird. lieber das endgiltige Resultat werden wir Ihnen zur Zeit berichten. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 2. Jänner 1908, präzise 1/28 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgaffe 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Max Grunwald statt. Thema: „Jüdische Frauenmemoiren." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (Verband der israel. Religionslehrer an den ö st e r r. Mittelschule n.) Angesichts der Tatsache, daß die Frage der zweckmäßigen Gestaltung des hebräischen Unterrichtes in vielen Kreisen lebhaft erörtert wird, hält es der Verbandsansschuß für erwünscht, eine öffentliche Aussprache über diese Frage herbeizuführen, und hat aus diesem Grunde beschlossen, den für die am 30. d. M. stattfindeude General-Versammlung angekündigten Vortrag des Herrn Prof. Dr. Adolf Weiß: „Hebräisch in der Mittelschule", Montag, den 30. Dezember 1907, 6 Uhr abends, im Sitzungssaale der israel. Kultusgemeinde. I., Seitenstettengasse 4) abhalten zu lassen. Der Verbandsausschuß ladet hiemit alle diejenigen, die sich für eine gemäßigte und entsprechende Lösung der Frage interessieren, zu diesem Vortrage ergebenst ein, an den sich eine fachliche Diskussion knüpfen mag. Wien. (Konzerte der Toyubee-Halle.) Eine besonders schöne und edle Einführung ist es, daß den Besuchern der Toyubee-Halle nicht allein Belehrung, sondern auch durch die allsamstaglichen Konzerte Unterhaltung geboten wird. Der innigste Dank gebührt den Künstlern, die den Armen ihre Darbietungen in selbstloser Weise widmen. Samstag, den 14. d. M., waren es die Damen Jeanne Bloch (Klavier), Olga P a m m e r (Gesang) und die Herren Josef S ch u i e r e r (Violine) und Eduard Kornau mit seinem unverwüstlichen Humor, die das Programm bestritten. Bei dem am 21. d. M. abgehaltenen Konzerte wieder wirkten die Pianistin Frl. T o f f l e r, Konzertsängerin Frau Raja Barber- W a l d b e r g, der Violinvirtuose Herr G o l d s ch m i d t und als trefflicher Deklamator Herr Dr. Brecher mit. Lebhaftester Beifall lohnte die ausgezeichneten Leistungen aller Mitwirkeudeu. Wien. (Bet-hamidraschTalmnd-Thora.) Am 15. d. M. abends fand ein schöner „Sijum" — der erste seit Neugründnng des Vereines vor 11 Jahren — im obengenannten Bet-Hamidrasch. II., Malzgaffe 16, statt und gab bei Beginn des Festmahles der Präses, Herr Bethausvorsteher Simon B u ch w a l d, anläßlich der vor kurzem erfolgten Genesung unseres Monarchen, den Gefühlen der versammelten Festgäste beredten Ausdruck. Stehend hörten die Anwesenden die echt patriotischen Worte an, die m den Wunsch ausklangen: Gott erhalte noch lange, lange, unfern guten Kaiser Franz Josef I.! Während der „Sude" gab es „gute und kernige" Thoraworte, vorgetragen vom Ehrengast Herrn Rabbiner B a u m g a r t e n. von den Herren Vereinsrabbiner Schenk, Prof. A n t s ch e r l, V a r k a n y und R o s n e r, die ungeteilten Beifall fanden. Des unermüdlichen Obmannes, Herrn B u ch w a l d, und der Vortragenden, die in den abgelanfenen eilf Jahren um den Verein sich besonders verdient gemacht haben, wurde sehr ehrenvoll gedacht. Es fehlte nicht mehr viel zur Geisterstunde, als diese solenne Feier mit dem würdig vorgetragenen Tischgebete. endigte. Es gibt doch nichts über eine solche ,8uckö sollst rnizwa', hieß es einstimmig am Schluffe, als man den Festsaal im neuen Talmud-Thora-Vereinshause verließ; die Feier war in jeder Richtung sehr würdig verlaufen. Der Vorstand überreichte jedem Festteilnehmer als Andenken eine voil Prof. A n t s ch e r l gedichtete Hymne: „Die Thora". Wien. Im festlich geschmückten Tempel, H., Müllnergasse, fand Mittwoch, den 25. d. M., */,2 Uhr nachmittags, die Trauung des Fräulein Lia Wilhelm mit Herrn Ingenieur Leopold E i s en stä d t e r, k. k. Baukommissär der Staatsbahnen, statt. Die außerordentliche Popularität, der sich der Brautvater, Herr kaiserl. Rat Ignaz W i l h e l m, erfreut, dokumentierte sich in der imposanten Zahl der Hochzeitsgäste ans allen Kreisen der Wiener Gesellschaft und der jüdischen Gemeinde. Den Trauungsakt vollzogen Herr Rabbiner Dr. G e l b h a u s und Oberkantor Kläger. Als der Hochzeitszug unter Orgelklang das Gotteshaus verließ, wurden Herrn kaiserl. Rat W i l h e m und seiner Gattin, wie auch dem Brautpaare allseitig herzliche Sympathiekundgebungen bereitet. Wien. Die Generalversammlung des Tempelvereines für den "VI. und "VII. Gemeindebezirk findet Montag, den 30. d. M., 7 Uhr abends, im Sitzungssaale des Vereines, VI.) Schmalzhofgasse 3, statt. Wien. Samstag, den 4. Jänner 1908. 7 Uhr abends, findet im Zeremoniensaale des Tempels, IX., Müllnergasse 21, die 41. ordentliche Generalversammlung des Bethausvereines „Chewra-Beth-Hatefilah" im IX. Bezirke statt. Wien. Durch das Ableben des Herrn Viktor A d u t t, Schwiegersohnes des bekannten Philanthropen, Herrn A. M. Elias, sind zwei der vornehmsten Familien der hiesigen türkischen Gemeinde in tiefe Trauer versetzt worden. Das Leichenbegängnis fand Dienstag, den 24. d. M., unter großer Beteiligung statt. Budapest. (P r o b e p r e d i g t e n tui Altofner Tempel.) Als erster der berufenen Gastprediger hätte Dr. Bela B e r n st e i n, Oberräbbiner von Szombathely, den Reigen der Probevorträge eröffnen sollen. Er hat jedoch weder abnoch zugesagt und will, bevor er eine Entscheidung trifft, diesbezüglich mit dem Vorstande Rücksprache pflegen. Am letzten Freitag Abend und am darauffolgenden Sabbathtage hat Oberrabbmer Dr. Armin H o f f e r aus Veßprsm seine Probevorträge gehalten und sich den Beifall seiner Zuhörer erworben. Dr. H o f f e r verfügt über ein hellklingendes, ausdauerndes Organ, sein Vortrag ist durchwegs korrekt und seine Reden sind volkstümlich, dabei aber doch inhaltsreich. Jedenfalls haben wir in Dr. Hoffer einen Rabbiner kennen gelernt, der das Mittelmaß rabbinischen Wissens weit überschritten hat. Nächsten Freitag und Sabbath kommt Dr. Heinrich Urbach an die Reihe. Dem Oberrabbiner von Dolna- Tuzsla geht ein guter Ruf voran. Er hat als Knabe schon eine Jeschiba in Ungarn besucht, später kam er in die Talmudschule in Pozsony, allwo er vier Jahre dem Talnmdstudium mit bestem Erfolge oblag. Als junger Mann ging er dann nach Budapest an die Landes-Rabbinerschnle, an der er zehn Jahre ununterbrochen mit lobensivertem Eifer die jüdischen Wissenschaften sich aneignete. Während dieses Lustrums frequentierte er auch die Budapester königl. Ungar. Universität, die ihm das Diplom eines Doktors der Philosophie erteilte. Dr. Urbach ist ein wahres Sprachengenie, er spricht außer den Landessprachen: ungarisch, deutsch und kroatisch, noch französisch, englisch, persisch und Latein. Selbstverständlich auch hebräisch. Er hat sich — trotz seiner Jugend — bereits einen geachteten Namen erworben und steht ihm eine glänzende Zukunft bevor. Der Pester Rabbiner Moses F e l d m a n n ist der Schwiegervater des Dr. Heinrich Urbach. D. H. 8.

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