Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4. Die Wahrheit Lette 9. in der Brigittenau haben Sie segensreich gewirkt und sich ein volles, gutes Recht auf den Dank der jüdischen Bevölkerung erworben. Der Borland der israel. Kultusgemeinde hofft> daß Sie der israel. Kultusgemeinde nach wie vor ein warmes Interesse entgegenbringen werden und zeichnet mit vorzüglichster Hochachtung Der Präsident: Dr. Alfred Stern. Erster Sekretär: Dr. Lieben. Wien. (I sr a e l. Allianz zu Wien.) Gemäß der in der letzten Generalversammlung gegebenen Zusage, hat der Vorstand der Allianz beschlossen, über seine Aktionen mindestens Uiermaljährlich „Mitteilungen" herauszngeben, die den Mitgliedern .unentgeltlich zugehen und deren erste soeben erschienen ist. In .denselben wird über die rllssische Hilfsaktion in den Monaten Juni bis Dezember 1906, über die Teilnahme des Wiener Bureaus und der auswärtigen Komitees an der russischen Emigration, sowie über die Aktionen der Allianz in Rumänien ausführlich Bericht erstattet. Auch des tlenen Emigrationsprojektes (Galvestoa-Texas) wird Erwähnimg getan, doch vermissen wir hier im Sinne einer objektiven Berichterstattung den Hinweis .auf die Tatsache, daß dieses Projekt von Israel Zangwill, dem Führer der ..Jto" angeregt wurde. Jedenfalls halten wir -aber die Herausgabe der ..Mitteilungen" für ein geeignetes Mittel, das Interesse für die Tätigkeit der Allianz in weiteren Kreisen LN erwecken, und von diesem Standpunkte aus sind sie freudigst zu begrüßen. Wien. Die Antisemiten sind schon lange am Werke, um die Bevölkerung für die bestehenden Wahlen in das Abgeordnenhans an ihre Fahne zu fesseln, aber auch in freisinnigen Kreisen beginnt man sich allmälig zu regen. Für freisinnige, oder gar jüdische Abgeordnete stehen allerdings in Wien lind Niederösterr eich die Chancen sehr schlecht und nur in zwei Wiener Wahlkreisen, im Quaiviertel und in derLeopoldstadt, dürste es möglich sein, jüdische Kandidaten dnrchznbringen. Die Bewerber werden auch bereits genannt. Eine Montag, den 21. d. M, stattgefnndene Versammlung von Kauflenten und Industriellen der Innern Stadt faßte den Beschluß, das Mandat für das Quaiviertel dem kaiserlichen Rat Wilhelm A n n i n g e r anznbieten. Die Sozialpolitiler haben beschlossen, den .Neichsratsabgeordneten Dr. Julius Ofner für die bevorstehenden Reichsratswahlen tm ersten Wahlkreis des II. Bezirkes als Kaitdidaten aufzustellen, im übrigen die freiheitlichen Kandidaten gegenüber den Christlichsozialen zu llnterstützen und hierüber mit den anderen freiheitlichen Parteien das Einvernehmen zu pflegen. Wien. (Jüdische T o y n b e e - H a l l e, XL.. Othmargasse 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Borträge: An Wochentagen um ",8 Uhr abends, Samstag, Sonn- und Feiertage 7 Uhr abends. Wochenprogramm: Samstag, den 26. Jänner: Konzert. (Arrangement Oberkantor Bass er. Sonntag, den 27. Jänner: „Ueber Kunstseide." Mit Demonstrationen. Herr Siegfr. Schneck. Montag, den 28. Jänner: „Die Tatsachen wie Gesetze des sittlichen Lebens." (VI.) Professor Doktor W. Jerusalem. Dienstag, den 29. Jänner: „Aus der Geschichte der Juden in Wien." Sekretär Guido F n ch s g e l b. Mittwoch, den 80. Jänneff: „Der Stammbaum des Tieres." Herr Dr. I. Spitzer. Donnerstag, den 31. Jänner: „Wer soll Kaufmann werden?" Herr Karl L a u d e i s. Freitag, den 1. Februar: Bibelvortrag. Religionslehrer H. L ö w-B o g e l. Samstag, den 2. Februar: Konzert. Arrangement: Die Damen Stock und Jahn. — Die diesjährige ordentliche General-Berfa m m l u n g der Toynbee-Halle findet Sonntag, den 10. Februar d. I., a/e10 Uhr vormittags, in den Räumen des Israelitischen Humanitäts- Uereines „Eintracht", IX., Univcrsitätsstraße 4, statt. , Wien. (G e n e r a l v e r s a m m l u n g.) Der Verein znr -Errichtung und Ehrhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder hält seine diesjährige General-Versammlung Sonntag, den 10. Februar d. I., ^11 Uhr vormittags, (im Falle der Beschlußunfähigjeit um 11 Uhr) im Vereinslokale, IX., Universitätsstraße 4, ab. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Wahl der Vereinsleitnng. Die P. T. Mitglieder werden gebeten, der Versammlung, zu welcher eine sonstige Einladung nicht ergeht, zahlreich beizuwohnen. Wien. (F e st v e r s a m m l n n g d e s Vereines z u r H e b nn g der Gewerbe.) Im großen Saale des nied.-österr. Gewerbe-Vereines hielt der Verein am 20. d. M. eine F e st v e r s a m m l u n g ab, in welcher der erste Bericht des Präsidenten über die Kaiser-Jnbiläums- Ausstellung 1908 erstattet wurde. Schon lange vor Beginn war der Saal dicht gefüllt und ein weiterer Einlaß unmöglich. Eine große Anzahl von Honorationen aus den berufensten Kreisen der Bevölkerung war anwesend. Präsident B r o d eröffnete die Versammlung mit folgenden Worten: Meine hochgeehrten Herren! Am 2. Dezember 1908 werden es 60 Jahre 1 feitdem Se. Majestät unser allergnädigster Kaiser und König den Thron Oesterreichs bestiegen. Alle Völker und Nationen unseres großen Vaterlandes werden diesen Jahrestag der Thronbesteigung unseres Kaisers feierlichst begehen, dankerfüllt von der hohen Entwicklung, zu der unser Vaterland unter dem weisen Szepter Sr. Majestät gelangen konnte. Was Oesterreich an Glanz, an Ruhm, an Macht, au politischen und wirtschaftlichen Errungenschaften in den letzten Jahrzehnten ausgebaut und geschaffen, das ist unter der weisen Regierung unseres Kaisers ausgebaut und geschaffen worden. Darum ist es eine heilige und Herzenspflicht aller Bewohner unseres Vaterlandes, an diesem Tage um den Thron unseres Kaisers sich zu scharen und ihn durch ein gemeinsames Werk zu ehren, von welchem sie die Ueberzengnng haben, daß ihm dieses Weck eine wahre Freude zu bereiten im Staude sein wird. Der ined.-österr. Gewerbe-Verein, dem schon aus den Huldigungsjahren 1888 und 1889 bekannt war, daß man unserem Kaiser, dem ersten Manne der Arbeit, in Oesterreich keine größere Freude und keine größere Ehrung bereiten könne, als indem die Völker des Bürgers höchste Zierde die Arbeit Hochhalten und ehren, indem sie ihre Leistungen ans dem Gebiete der Gewerbe und Industrien, der Kunst und Wissenschaft, der geistigen und manuellen Tätigkeit ihrem Kaiser vorstellen — der nied.- österr. Gewerbe-Verein, sage ich, faßte den Beschluß im Jahre 1908 eine groß angelegte Ausstellung zur Ehrung unseres Kaisers zu veranstalten und alle berufenen Faktoren von Staat und Stadt schlossen sich diesem pairiotischen Werke an. Auch unser Verein wurde der AusstellungSkommiision beigezogen, und wir haben gerne diesem Rufe, mitzuarbeiten, Folge geleistet. Iw Aufträge unserer Bereinsleitung richte ich daher die Bitte an die hochgeehrte Versammlung: Möge das vorgestellte patriotische Werk auch in Jgrem Kreise, wie nicht anders zu erwarten. Begeisterung finden, möge jeder ein Steulchen zu dem schönen Bauwerke zutragen, zur Freude unseres Kaisers, znr Ehrung unseres Vaterlandes und, hoffen wir es alle, meine Herren, auch zum Wohle und Emporblühen von Gewerbe, Industrie und Handel. (Langanhaltender Beifall.) Znm 2. Punkte der Tagesordnung hielt Herr Hofu. Gerichtsadvokat Dr. Friedrich E l b o g e n einen geistreichen und hochinteressanten Vortrag über „Gerichtssaalbilder". Er zählte aus seinen reichen Erfahrungen einige markante Fälle aus Leoben, Graz, Fall Klein, auf. die durch fast 2 Stunden die große Versammlung in steigender Spannung hielten. Als letzten erwähnte er den Fall Hülsner in Polna, um dessen erneuertes Prozeßverfahren sich der Vortragende bemüht. (Ein nicht endenwollender Beifall lohnte die glänzenden Ausführungen des RednersO Zum Schlüsse hielt Fräulein Hilda Sikora, ein lljähriges Mädchen, einen Bortrag über deren Heimat, die Tropenländer, deren gewerbliche und soziale Entwicklung und veranschaulichte ihre interssanten und lehrreichen Mitteilungen an von ihr anfgenommenen 80 Skioptikondildern, die den größten Beifall der Zuhörerschaft hervorriefen. Sodann schloß der Präsident die Versammlung. Zn diesem herrlichen Abend ist die Vereinsleitung zu beglückwünschen. Wien. Am 16. d. M., 8 Uhr abends, fand die dritte ordentliche Generalversammlung des „T e m p e l v e r e i n e s des XIII. Bezirkes der Stadt Wien" statt. Nach Begrüßung der Gäste, besonders des Herrn Kultusvorstandes kais. Rat Leopold Sachs, des Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald, des Vorstandes des „Hietzinger Frauen-Wohltätigkeits-Bereines" mit Frau Eugenie Hoffman:: an der Spitze, erstattete der Obmann, Herr Dr. Salomon Kren berge r, den Jahresbericht, in welchem er zunächst über den Stand der Mitglieder, über die Einrichtungen des Gottesdienstes und die dem Vereine seitens des „Hietzinger Frauen-Wohltütigkeits-Vereines", der.Herren kais. Rat Sachs, B e r n f e l d, Berliner, K u n e r, L e m b e r g e r und der Damen Fiedler und König zngewendeten Spenden referierte. Eine besondere Freude bereitete der Jugendgottesdienst, bei dem seit September für die Mittelschüler Herr Rabbiner und Professor H. L. Reich, für die Volks- und Bürgerschüler Herr Dr. Arnold Frankfurter fungierten. Die Aufsicht führten bei der ersten Schülerkategorie die Herren Ferdinand Herzog und Jakob Popper, bei der zweiten die Damen Regine K n n e r und Frau Direktor Wolf. Das Verhältnis des Vereines zu dem löbl. Vorstand der israel. Kultusgemeinde war stets ein vorzügliches und für die Förderung der Vereinszwecke spricht der Ausschuß des Tempelvereines des XIII. Bezirkes seinen Dank aus. Jnsbesonders dankt er auch dem Herrn Sekretär Julius Braun, der als Bewohner des XIII. Bezirkes dessen Bedürfnisse kennt. Die Funktionäre des Vereines haben jeder in würdigster Weise ihren Pflichten obgelegen. Insbesondere gilt dies für Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald, der an fünf Tagen predigte und für alles, was im Bezirke vorging, regstes Interesse und werktätige Teilnahme bekundete. Es wurde ihm unter allgemeiner Zustimmung der Dank ausgesprochen. Auch die Tätigkeit der Exhortanten und des Kantors Gotthold Friedländer wurde lobend erwähnt. Mit dem Danke an die Kollegen des Ausschusses für ihre große Mitarbeit schloß der Vorsitzende seinen Bericht, der mit lebhafter Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde. Nachdem hierauf der Kassenbericht durch die Herren Gustav Jakob und Franz Josef Klein erstattet worden war, wurde den abtretenden Kassieren Herren Josef S m e t a n a und Dr. Ernst Karman ivie dem neuen Kassier, Herrn Samuel H o f f m a n n, das Absolutvrium erteilt. Der Kultusvorstand kais. Rat Leopold Sachs begrüßte nun in seinem Namen und in dem des gesamten Vorstandes den Tempelverein, dankte für deffen rege Tätigkeit, die auch ein weiteres Gedeihen verbürge, und forderte unter warmer Betonung seines jüdischen Empfindens auf, auch selbst opferwillig zu sein und die Arbeit des Kultusvorstandes zu unterstützen. Die warmen Worte des ausgezeichneten Mannes fanden freudigen Widerhall. Sodann richtete Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald an die Versammlung Worte der Anerkennung und hob hervor, daß die Belehrung des einzelnen und ein Herabsteigen zu jedem Volksgenossen das wirksamste Mittel sei. um wieder jüdisches Fühlen und Gesinnung zu erwecken : dies möge Aufgabe besonders der Frauen sein, die hier im Be-