Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Leite 8. Die Wahrheit Nr. 4. Subventionen werden bewilligt: Dem Tempelverein „Emunas Awes", dem Frauen-Wohltätigkeits-VereinimXI. Bezirk, dem Asylverein für Obdachlose, dem Vereine zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder in Wien, der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um 722 Uhr nachmittags geschlossen. * * Wie wir vernehmen wird beabsichtigt die Angelegenheit des Tempelvereines für den X. Bezirk in öffentlicher Plenarsitzung des Kultusvorstandes zu beraten. Aus der Pester Chewra Kadischa. H. Die Aufnahme neuer Mitglieder in den Verband der großen Ehewra Kadischa gehl ungeschwächt fort. Mittwoch hätten dieselben geschlossen werden sollen, die Zahl der Aufnahmsbewerber ist jedoch eine so große, daß der Schluß der Aufnahme für Montag, den 21. d. M., 6 Uhr abends, anberaumt werden mußte.*) Alle Herren, welche bei der Aufnahme neuer Ehewramitglieder assistieren, tun dies in selbstloser Weise und nur in der Absicht, der eminent wohltätig wirkenden Ehewra zu dienen und ihre humanen Institutionen zu fördern. Zwei Wochen — mit Ausnahme der beiden Sabbathtage — nnrken die Herren rastlos und mit dem größten Eifer, ja man kann sagen, mit staunenswerter Hingebung. Allen voran der nie ermüdende Präsident der Ehewra, Jakob B o s ch a n, ihm zur Seite, so oft es die anderweitigen zahlreichen Agenden gestatten, der Präsident der Pester isr. Religionsgemeinde, Hofrat Dr. Philipp W e i n m a n n; Referent ist der Generalsekretär der Ehewra Dr. Franz M e z e y; als Schatzmeister fungiert Vorsteher Em. I. W e i s z; das Aufnahmsprotokoll führen Moriz R o s e n b e r g und Samuel Eisler. Von den Mitgliedern des großen Aufnahmskomitees leisten Anerkennenswertes Direktor Arnold K o h n und Manno Fröhlich. Ganz besonders erfreulich ist die Talsache, daß viele intelligente junge Männer im Alter von 2b—85 Jahren Aufnahme suchten und fanden. Aber auch '20jährige und noch jüngere, dem Knabenalter Angehörende wurden ausgenommen. So auch der 20jährige Andor G u t t m a n n, der aus seinen Ersparnissen 200 Kronen an Aufnahmsgebühren entrichtete und wenige Tage darauf — Selbstmörder geworden, was höchst bedauerlich ist. Ehrenhalber wurde ausgenommen der Hilfsrabbiner Doktor Sigm. G r o ß m a n n, welcher in schöner Rede für die ihm gewordene Auszeichnung dankte. Auch der wackere Magistratsnotär der Haupt- und Residenzstadt Budapest, der als kleiner Beamter eingetreten und es durch eisernen Fleiß und besondere Befähigung zu so hoher Stellung brachte, der sogar in absehbarer Zeit der erste jüdische Magistratsrat sein wird, wurde aä üouorss ausgenommen, wobei er mit großer Verve eine schwungvolle Ansprache hielt, in der er ganz besonders betonte, daß er diese Ehrung dankend annehme und daß ihn das Bewußtsein, Mitglied des die schönsten Werke Israels vollbringenden Heiligen Vereines zu sein, ihn glücklich mache und mit Stolz erfülle. Interessant war folgender Fall. Vor ganz kurzer Zeit hat der Arzt Dr. K i r ä. l y f i sammt Weib und Kindern die Taufe genommen. Bloß ein Sohn, der Beamte Julius K i r ä l y f i, blieb Jude und wurde in den Ehewraverband ausgenommen, dabei gelobte er feierlich, Zeit seines Lebens Jude bleiben zu wollen. Von den Mitgliedern des Aufnahmskomitees gehen bei dieser Gelegenheit der Ehewra Spenden zu, so hat H. G a l i tz e nst e i n fiir die neueinzuführendenJnstitute der Ehewra 2400 Kronen gespendet. *) lieber den Schluß der Aufnahme erhalten wir aus Budapest nachfolgendes Telegramm: Heutige Schlußfeier der Ehewra Kadischa höchst würdevoll ausgefallen. Das Resultat des abgelaufenen dreijährigen Aufuahmszyklus ist ein geradezu überraschendes. 2097 neue Mitglieder haben K 168.400 eingezahlt. Heutiger Mitgliederstand der Ehewra Kadischa beträgt 12.175. Nähere Daten folgen. (Die Redaktion.) Zu den hervorragenden neuen Ehewramitgliedern zähleir die Brüder Hoffenreich: die Doktoren Armand und- Moriz Hoffenreich, der Advokat Alexander Hoffenreich und der Apotheker Karl Hoffenreich. Ferner Dr. Albert Hirsch, 'der Schwiegersohn des Magnatenhausmitgliedes Alexander H a t v a n y - D e u t s ch de Hatvan, welcher 1000- Kronen, und Fabrikant Eduard Spitzer, welcher 800 Kronen als Aufnahmsgebühr entrichtete. Donnerstag wurde das tausendste Mitglied ausgenommen. Es war dies ein alter, armer, aber würdiger Mann, natürlich mit Nachsicht aller Taxen. Derselbe bekundete seinen Dank damit, daß er ein tiefempfundenes Gebet für die Ehewra zum Himmel sandte. Zum Schluffe wollen wir über ein Ereigniß berichten,, das außer in Frankreich und in Italien in ganz Europa nicht seinesgleichen hat. Sonntag vormittags wurde der k. u. k. Generalmajor Eduard Ritter v. S ch w e i tz e r als Ehrenmitglied dev Pester Ehewra Kadischa mit großer Feierlichkeit ausgenommen^ Er ist der erste und einzige General in der österreichisch-ungarischen Armee, der den Gott Israels als seinen Gott bekennt und verehrt. Bis vor kurzem war er noch aktiver General und Brigadekommandant in Kassa. Er ist ein Ungar, und zwar ein treuer Sohn seines Vaterlandes. Nachdem er sich überzeugte, daß er als Jude keine weitere Beförderung erwarten kann, hat er den militärischen Dienst verlassen und ist iu den vorzeitigen Ruhe-- stand getreten. General Schweitzer war einer der tüchtigsten und verdienstreichsten Offiziere des gemeiiisamen Heeres und erfreute sich der besonderen Huld seines obersten Kriegsherrn^ i sowie der Hochachtung und Wertschätzung seiner Vorgesetzten,! Kameraden und Untergebenen. Als einfacher Infanterist assentiert, j diente er sozusagen von der Pike auf. Er wurde Berufssoldat I und erklomm eine Höhe, wie sie vordem zu erklimmen keinem ' Juden möglich gewesen. Es ist bekannt, daß gelegentlich des j 50jährigen Soldatenjubiläums, welches der Großfürst Michael > von Rußland in Petersburg feierte, sein österr.-ung. Regiment eine Deputation entsandte, deren Führer Oberst Ritter Eduard v. Schweitzer gewesen. Schweitzer war damals Kommandant und zweiter Inhaber des in Galizien garnisonierenden 26. Infanterieregimentes Großfürst Michael. Als einer dev tüchtigsten Offiziere des österr.-ung. Soldatenstandes ward ihm die Ehre zuteil, vom Zaren empfangen zu werden, der ihn mit hohen Ordensverleihungen anszeichnete. Der Trauung des spanischen Königs wohnte er in dienstlicher Eigenschaft alA k. u. k. General an. Die Ehewra ließ den General durch eine Deputation unter Führung des Direktors Arnold K o h n einholen. Als derhohe Offizier in Gala-Uniform und geschmückt mit überaus zahlreichen Orden den Saal betrat, erhoben sich das Präsidium und die Anwesenden von ihren Sitzen und begrüßten ihn mit nicht endenwollenden Eljenrufen. Präsident B o s ch a n sagte, es freue ihn, der Ehewra ein so illnstres Mitglied zuführen zu können und voll Stolz reiche er ihm die Bruderhand. General Schweitzer erwiderte, große Freude und aufrichtiger Dank erfüllen sein Inneres. Er habe seinen heiligen Glauben stets treu bewahrt, für denselben nicht gewöhnliche Opfer gebracht und allen Verlockungen und Versuchungen, die an ihn heran-- getreten, widerstanden. Umsomehr wisse er die Ehrung zu schätzen, die ihm seitens der Ehewra zuteil geworden, und er fühle sich hochbeglückt, Mitglied des Heiligen Vereines zu sein. Lebhafte und begeisterte Eljenrufe und Händeklatschen folgten der ungarischen Ansprache des Generals. D. H. S. Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den 25. Jänner d. I., Predigt im Stadt- Tempel. Wien. An die Herren Hermann Eltbogen und kais. Rat Wilhelm Pollak sind anläßlich ihres Scheidens aus dem Kultusvorstande überaus schmeichelhafte Schreiben seitens des Präsidiums gerichtet worden. Das Schreiben an Herrn Eltbogen hat folgenden Wortlaut: * „Euer Hochwohlgeboren! Hochgeehrter Herr! Durch mehrere Jahre zur Mitarbeit im Vorstande der Israel. Kultus gemein de berufen, nehmen Sie bei Ihrem dermaligen Ausscheiden das stolze Bewußtsein mit sich, während Ihrer Tätigkeit mit besonderem Eifer Ihren Pflichten obgelegen zu sein. Für die Hebung des Gottesdienstes im XX. Bezirke, für die Interessen unserer ärmeren Glaubensgenossen daselbst, aus humanitärerziehlichem Gebiete durch die Schaffung des derzeitigen VolkskindergartenK