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Die Wahrheit · 1906-06-01 · Heft 21 (1.6.1906) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 21 (1.6.1906)
Date
1906-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 20. Verschiedene Nachrichten. Wie» Beim Gottesdienste am ersten Schewuothtage im Stadttempel trug Oberkantor Singer unter Assistenz des Chores für den dieser Tage jubilierenden k. k. Hofschauspieler und Oberregisseur, Herrn Adolf Ritter von So nn e n th a l, einen zu diesem Anlässe verfaßten Mifcheberach vor, dem die versammelte Gemeinde mit gehobener Teil- Lahme lauschte. Auch sonst erhielt der Gottesdienst durch die eindrucksvolle Predigt des Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann und den weihevollen Borttag des Oberkantor Singer ein überaus festliches Gepräge. Letzterer bot mit der Eingangsrezitatton des Mussas-Schmone-Eßre ein chasonisches Kabinettsstück und die zur Aufführung gelangte Keduscha war eine chorale Glanzleistung. Uebrigens war dieser Tag für Oberkantor Singer ein besonderer Gedenktag, da er gerade vor fünfundzwanzig Jahren am ersten Schewuothtage die erste Funktion im Wiener Stadttempel versah. Eine öffentliche Feier bat er wohl abgelehnt und aurb die geplante Ovation der Kollegen unterblieb aus seinen ausdrücklichen Wunsch, aber trotzdem wandte sich ihm an diesem Tage manches freundschaftliche Gedenken zu und mancher stille, aber aufrichtige Wunsch galt ihm für seinen ferneren Amts- und Lebensweg. Wie». Sonntag, den 27. Mai 1906, fand eine Plenarsitzung des Kultusvorstandes statt, welche sich vorwiegend mit der Erledigung von Steuerrekursen beschäftigte. — Im Einlaufe wurden bekanntgegeben : Ein Dankschreiben der Familie des verewigten Vizepräsidenten Lais. Rat Moriz Hirsch für die dem Verewigten erwiesenen Ehrungen: weiters ein Dankschreiben des Herrn Salo Cohn für die ihm anläßlich der Vermählung seiner Tochter übermittelten Glückwünsche des Kultusvorstandes. Herr Salo K o h n übersendet aus diesem Anlasse der Kultusgemeinde einen Scheck auf K 10.000 mit der Bestimmung, hievon die seinerzeit für die innere Einrichtung des L. D. Königsbergschen Institutes gewidmete Spende per K 4000 zu entnehmen und X 6000 an verschiedene, von ihm namhaft gemachte Wohltätigkeitsvereine und einzelne Funktionäre zur Aufteilung zu bringen. Dem Spender wird der Dank votiert. Wie». (Israelitische Allianz.) Die 33. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz zu Wien" findet am Donnerstag, den 7. Juni 1906, um 6 Uhr abends, im Saale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, II. Stock, statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1905. 2. Bericht über die finanzielle Gebarung im Jahre 1905. 3. Genehmigung der Kooptation zweier Vorstandsmitglieder im Sinne des § 6, Alinea 3, der Statuten. 4. Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern mit vierjähriger Krnktionsdauer. 5. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder (§ 8 der Statuten). Der Eintritt in das Versammlungslokal ist nur gegen Vorweisung der auf Namen lautenden Einladung gestattet. Wien. (Jüdisches Museum.) Der letzte öffentliche Besuchstag im „Jüdischen Museum" in dieser Saison war Sonntag, den 27. Mai. Während der Sommermonate bleibt das Museum geschlossen. Die Wiedereröffnung im Herbste dieses Jahres wird rechtzeitig bekanntgegeben werden. Wie». (Die Sommer-Erholung der Stadtkinder.) Ueber dieses Thema hat die Ethische Gesellschaft in Wien kürzlich einen Diskussionsabend abgehalteu, an welchem die Vertreter aller in Wien bestehenden Ferienkolonien-Vereine teilnahmen. Es wurde von mehreren Seiten hervorgehoben, daß die Ermöglichung eines Landaufenthaltes für jene breite Schichte von Schulkindern notwendig wäre, deren Eltern, als nicht gänzlich mittellos, von der Armenfürsorge ausgeschlossen find, andererseits aber, teils aus materiellen, teils aus erwerbstechnischen Gründen ihren Kindern diese zur Kräftigung erforderliche Wohltat zu bieten außerstande siud. Mit Befriedigung nahm die Versammlung zur Kenntnis, daß eine Wiener Lehrerin in der Nähe Wiens ein Ferienheim für Mädchen aus bemittelten Häusern in diesem Sommer eröffnet, daß aber auch bereits seit einer Reihe von Jahren das „Kaiser Franz Josephs-Ferienheim" jene Plätze in seinen Kolonien, die mangels ausreichender Mittel unbesetzt bleiben mußten, an Kinder, für welche, sei es von den Eltern, sei es von einem Wohltäter, die Verpflegskofien bezahlt werden, verleiht. Es ist dies eine sehr praktische Einführung, da durch das Vermeiden von leerstehenden Betten die Kosten des Betriebes vermindert, vielen Familien aber dabei die nicht zu unterschätzende Möglichkeit geboten wird, ihre Kinder unter bewährter Aufsicht am Lande unterzubringen. Wir machen auf diese Einrichtung mit dem Bemerken aufmerksam, daß nähere Auskünfte im Bureau des „Ferienheim", IX., Türkenstraße 17, täglich in der Zeit von 4—7 Uhr nachmittags erteilt werden. Wie». Im Leopoldstädter Tempel werden Knaben, nicht über 11 Jahre alt, mit guter Stimme, zum Chore ausgenommen. Anmeldungen, jeden Dienstag und Donnerstag, zwischen 5—6 Uhr nachmittags, im Tempelgebäude. II., Tempelgaffe 3, beim Chordirigenten H e i m a n n. Wie». Sonntag, den 27. v. M., fand im Tempel der türk. Gemeinde die Trauung des Herrn Dr. Curt.Schottländer ans Breslau, mtt Frl. Elia Elias, Tochter des verewigten Philantropen Heinrich M. Elias statt. Unter den Trauungsgästen bemerkte man viele hervorragende Persönlichkeiten. Den Hochzeitszug führten Präses Lico A d u t t und in Vertretung des Vorstehers D a n o n, der Beirat A l b a l a an. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Papo und Oberkantor Bauer, den verstärkten Chor unter Orgel und Harfenbegleitung leitete Dirigent Kantor Löwit. Wie». Bei der am 24. v. M. abgehaltenen Generalversammlung des Bethaus-, Bildungs- und Unterstützungs-Vereines „Schomre Haddatb“ (Weberqasse 15) wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt: S. Dickstem, Obmann. M. Reiter, Obmann-Stellvertreter. S. Lifczyc, Schrift» führer. I. Ehrenpreis, W. Emerling, E. Karpel, M Frommer, Dr.' Barcheles , N. Dreikurs, I. Goldberg. Ersatzmänner: H. Edel. E. Markstein und M. Laub. Wien. (T hora-Ei n weih u n g.) Die Vorstände des Tempelvereines im XIII. Bezirke ließen ein neues Sefer auf ihre Kosten anfcrtigen und luden zu seiner Einweihung am 27. Mai ein. Dem Rufe waren gefolgt: Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang, Herr und Frau Leopold Landeis, Herr Heinrich Paschkes, die Vertreter der Vereine „Edelsinn", Chewrfl Kadischa, „Maskil el Dol" und „Emunas Awes" vom XIV. und XV. Bezirke, die Vorstände des Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsvereines, die Kantoren Schleifer und Schlesinger und die Religiouslehrer Sprinzeles und Pick. Ihr Fernbleiben hatten in wohlwollenden Schreiben entschuldigt: Herr Vizepräsident Dr. Gustav Kohn, die Herren'Kultusvorstände Baurat Stiaßny und kais. Rat Pvllak, die ehrwürdigen Herren Oberrabbiner Dr. Güdemanns Dr. Schmiedl, Tr. David, Dr. Bauer und die Herren Seftetäre kais. Rat Dr. Lieben und Tr. Adler. Zur Feier trug viel bei, daß der Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsverein auch zwei prachtvolle Thoramäntelchen, Herr Hermann Kuner kostbaren Silberschmuck, sein Bruder aus Stryj ebenfalls ein Mäntelchen und Herr Hermann Berliner ein Thoraband gespendet hatten. Die Herren Kuner und Berliner sind die verdienstvollen Bethausvorstände. Nach Absingen der rituellen Gesänge durch ein Quartett unter Leitung des Hietzinger Kantors Herrn Gotthold Friedländer, der sich durch sein Wirken im Bezirke allseitiger Hochachtung erfreut, und die Exekutierung eines Mifcheberach durch Herrn I. Kantor Schleifer, hielt Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald die Festpredigt, in der er die Bedeutung der Thora für das Judentum hervorhob und die Begeisterung aller Anwesenden durch seine glänzenden Worte erregte. Am Tage vorher hatte der sehr rührige Frauenverein, an dessen Spitze dft Damen Engenie Hoffmann, Jda Berliner und Laura Krenberger, ein Kinderfest in einem öffentlichen Garten Hietzings veranstaltet, das wieder ansehnlichen Gewinn brachte und zu dem ein junges Danienkomitee, bestehend aus Frau Finsterbusch und den Fräuleins Ostersetzer, Schwestern Michelstädter, Schwarz, Hertzka, Baad und Gertrud Popper, viel beitrug. Mehr aber ist hervorzuheben der enge Anschluß, den jetzt alle Juden des XHL Bezirkes durch die Gründung des Tempel- und Franen-Wohltätigkeits-Vereines finden. Es herrscht wieder im XHI. Bezirke Wiens „Jüdischkeit". Wien. Sonntag, den 3. Juni, Hz4 Uhr nachmittags, findet in Budapest, Rottenbillergaffe 37, die Trauung des Herrn Götz Hofbauer, Sohn, des Herrn Bernhard H o f b a u e r, mit Fräulein Frieda Tauber aus Budapest statt. Meran. (Allerhöchste Auszeichnung.) An den Meraner Rabbiner, Herrn Dr. Tänzer, den Verfasser der „Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg", ist folgende Allerhöchste Entschließung herabgelangt: „K. k Statthalterei-Präsidium für Tirol, und Vorarlberg. Innsbruck, am 18. Mai 1906. Nr. 2231/Pr. Seine k. und k Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 1. Mai l. I. das von Euer Wohlgeboren verfaßte und behufs Unterbreitung an Allerhöchster Stelle in Vorlage gebrachte Werk: „Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg, Teil I und II, die Geschichte der Juden inHoh e n eins und im übrigen Vorarlberg" der huldreichsten Annahme für die k. und k. Familien-Fideikommiß-Bibliothek zu würdigen und anzubefehlen geruht, daß Euer Wohlgeboren aus diesem Anlässe der Allerhöchste Dank bekanntzugeben sei. Hiervon beehre ich mich Euer Wohlgeboren zufolge Zuschrift des Oberstkämmereramtes Seiner k. und k. Apostolischen Majestät.vom 9. l. M., Nr. 803, Mitteilung zu machen. Der k. k. Vizepräsident." Orlau Sonntag den 27. v. M. fand im neuerbauten hiesigen Tempel die Trauung des Frl. Blumenthal, Tochter des Herrn Vorstehers S. B l u m e n t h a l, mit dem Architekten Herrn N o e aus M. Ostrau statt. Schon lange vor Beginn des Trauungsaktes war der Tempel in allen Räumlichkeiten geradezu überfüllt. Aus den Nachbargemeinden haben sich viele Ehrengäste und angesehene christliche Mitbürger eingefunden. Eingeleitet wurde die Feier durch den gemischten Chor Ma-Tauwoh, hierauf folgte das Mincha-Gebet und der herrliche deutsche Trauungsgesang. Sodann stimmte Herr Kantor David K r a t k a in überaus schöner und weihevoller Weise das Mi-Adir an, worauf Herr Rabbiner Dr. Mehrer aus Freistadt die Trauungsrede hielt. Redner hob die Verdienste des Vaters der Braut, des Vorstehers Herrn S. Blumenthal, um das Aufblühen de? Orlauer Tempelvereines in ehrender Weise hervor. Der neugebildete Chor sang sämtliche Festlieder in geradezu künstlerischer Weift. Der Einstudierung und Leitung desselben entledigte sich Herr Kantor David Meisel aus Mähr.-Ostrau, ein Schwager des Orlauer Kantors, und legte durch diese Leistung eine Probe seines eminent musikalischen Wissens und seiner glänzenden Begabung ab. Den Neuvermählten Brautpaare kamen zahlreiche Glückwünsche aus allen Kreisen der Bevölkerung zu. Szeuicz. Herr Dr. Marmor st ein, Sohn des hiesigen Bezirksrabbiner Marmorstein, ist in Jamnitz (Mähren) nach'abgehaltener Proberede einstimmig zum dortigen Bezirksrabbiner gewählt worden. Herr Dr. Marmorstein ist einer der vorzüglichsten Zöglinge des Hildesheimerschen Seminars und hat bereits in ungarischen, deutschen und französischen Zeitschriften wissenschaftliche Aufsätze geschrieben. Er studierte einige Zeit die berühmte Cambridger Bibliothek und sind gegenwärtig mehrere intereffante Arbeiten von ihm in Druck. Die geehrten Kerren Abonnenten werden um freundliche Einsendung des Aöonnementsöetrages für das laufende Auartal ersucht.

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