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Die Wahrheit · 1906-02-09 · Heft 6 (9.2.1906) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 6 (9.2.1906)
Date
1906-02-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 6. Die Wahrheit Seite 9. kommen hiefür gar nicht in Betracht und selbst tausende vereinzelte Familien, die doch noch nicht gar so dicht neben einander besetzt erscheinen, zählen noch immer wenig, so lange die überwiegende Mehrzahl der Familienhäuser noch bestrebt bleibt, am jüdischen Kaschruth. sestzuhalten. Nur immer hübsch am Optimismus festgehalten, der in allen Dingen doch das Beste und Heilsamste ist. Ukrschiedene Wien (Predigten.) Freitag-Abend, den 9. d. M., Predigt im Stadttempel und im Tempel, XV., Turnergasse 22. Wien. (I. Kantor Moritz Schlesinger.) Freitag, den 2. Februar ist der I. Kantor, Religionslehrer und Amtsleiter der Wiener israel. Kultusgemeinde in Ottakring-Hernals, Herr Moritz Schlesinger, nach längerem Leiden gestorben. Mit dem Verblichenen, der durch mehr als zwei Jahrzehnte in seiner hiesigen Stellung tätig war, ist ein selten pflichttreuer Beamter, ein tüchtiger Fachgenosse und ein ausgezeichneter Kollege dahingeschieden, der seit Gründung des österr.-ungar. Kantoren- Vereines an den Bestrebungen des Vereines wirksamen Anteil nahm und bis vor wenigen Jahren auch dem V reinsvorstande angehörte. Die außerordentliche Beliebtheit, deren sich I. Kantor Schlesinger allgemein erfreute, manifestierte sich in der geradezu imposanten Teilnahme an seinem, Sonntag, den 4. d. M., stattgehabten Leichenbegängnisse. Anwesend waren der gesamte Bethausvorstand und der Vorstand der Chewra-Kadischa in Ottakring, viele Beamte der Kultusgemeinde unter Führung des I. Sekretärs kais. Rat Dr. Lieben und Sekretär Dr. Adler, die Kantoren Bauer, Schiller/ Düiunann, Jurberger, Löwit, Peterselka, Quartin, Basser, D. L. Roller, Czuczka, Edelmann, Sega! (Oberkantor Singer und Oberkantor Guttmann waren durch Funktionen am Erscheinen verhindert), Vertretungen verschiedener humanitärer Vereine und zahlreiche Gemeindemitglieder. Im Hause sprachen Inspektor Dr. Langfelder im Namen der Religionslehrer und Vizepräses Oberkantor Bauer namens des österr.- nngar. Kantoren-Vereines. Am Friedhöfe hielt Rabbiner Dr. Bach dem Dahingeschiedenen einen sein verdienstvolles Wirken würdigenden beredten Nachruf und die kantorale Funktion im Hause und am Friedhofe versahen I. Kantor Matyas und Kantor Smvtritzky, die beide mit ihrem ausgezeichneten Können in tiefer Ergriffenheit dem dahingeschiedenen Amtskollegen das letzte Lied sangen. ,T2'2£'3Ti Wien. (Brudermahl der Chewra-Kadischa in W i e n.) Die Chewra-Kadischa in Wien veranstaltet nach längerer Pause in diesem Jahre wieder ein B r u d e r m a h l, welches am 18. März d. I., 6 Uhr abends, im Sofiensaale (Restaurant Tonello) stattfinden wird. Zur Teilnahme an dieser Feier sind gegen Entrichtung eines Beitrages von X 12.— für das Menu nur Mitglieder der Chewra-Kadischa berechtigt. Einem alten Brauche gemäß erfolgt bei diesem Anlasse die Aufnahme neuer Mitglieder. Anmeldungen zum Beitritte sowie zur Teilnahme an dem Brudermahle sind dem Bureau der Chewra-Kadischa I., Seitenstettengasse 2, schriftlich bekanntzugeben. Wien. (Vortragszyklus aus der Geschichte der Juden in Deutschland und O e st e r r e i ch.) Donnerstag, den 15. Februar 1906, präzise ^8 Uhr abends, findet im Festsaale des Jngenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Max Grunwald statt. Thema: „Aus alten österreichischen Prozeßakten." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei. Wien. (Jüdische T o y n b e e - H a l l e, XX.. Othmargasse 46.) Wochenprogramm: Freitag, den 9. Februar: Bibelvorrrag. Herr Doktor M. H u ß. Samstag, den 10. Februar: Konzert. Sonntag, den 11. Februar: Literarischer Abend. (Einlaß nur gegen Karten.) Montag, den 12. Februar: „Rechte und Pflichten des Finders." Herr Dr. Gustav L a n g st e i n. Dienstag, den 13. Februar: Literarischer Abend. Mittwoch, den 14. Febrnar: „Bilder aus der jüdischen Geschichte." Herr Redakteur B e r k o w i tz. Donnerstag, den 1b. Februar: „Neue Philosophie." Populär-wissenschaftlicher Zyklus. Herr Dr. Beruh. Wach stein. Freitag, den 16. Februar: Bibelvortrag. Herr Lehrer Leopold W e i ß. Samstag, den 17. Februar: Konzert. Beginn der Vorträge: An Wochentagen x/a8 Uhr, an Sonn- und Feiertagen und Samstag um 7 Uhr abends. Eintritt frei für jedermann (Erwachsene). — Samstag, den 3. Februar d. I., fand in der Toynbee- Halle ein Mendelsohn-Abend statt, der von Herrn Dr. I. S a m u e l y durch den Vortrag der Biographie Mendelsohns eingeleitet wurde. Das Konzert, welches sich hieran schloß, umfaßte ein reiches Programm Mendelsohnscher Komposition und war in lobenswertester Weise von Herrn Professor S. Storch arrangiert worden. Die Mitwirkenden: Herr Profeffor Storch (Harmonium), Frl. Kr iß und Frl. Misa (Klavier), Herr M i k o l a s ch (Violine), Herr S a p h i e r (Cello) und Herr Dr. W o l lheim (Gesang) ernteten reichen Beifall. — Sonntag, den 4. Februar, fand nachmittags eine Kinderjause statt, an welcher 268 arme Kinder teilnahmen. — Zur Mozart-Feier der Toynbee-Halle sei noch nachgetragen, daß der Musikschriftsteller Herr Siegfried F l o ch sowohl in der Toynbee- Halle im XX. Bezirk, als auch in deren Filiale in Fünfhaus, durch treffliche Borträge das Leben und Wirken Mozarts den Besuchern vorführte. Wien. Sonntag, den 28. Jänner fand die Generalversammlung des Bethausvereines „Am Bolkert", II. Fugbachgaffe 7, unter dem Vorsitze seines Obmanns Herrn Adolf S ch r a m e k, statt. In Vertretung der Kultusgemeinde war Herr Dr. Markus Spitzer erschienen, welcher vom Obmann wärmstens begrüßt wurde. Nach Erstattung des Rechenschaftberichtes beantragten die Revisoren das Absolutorium, welches die Versammlung einstimmig erteilte und wurde dem Vorstand durch Erheben von den Sitzen der Dank ausgesprochen. Kultusvorsteher Markus Spitzer erklärte, daß die Kultusgemeinde die Notwendigkeit eines in der Nähe des Praters und im nordwestlichen Teile des Bezirkes gelegenen Gotteshauses einsehe und die diesbezüglichen Bestrebungen des Vereines zu fördern gewillt sei. Schließlich ermahnte er die Versammlung, in ihrer Tätigkeit nicht zu erlahmen. In der hierauf erfolgten Wahl wurden die ausscheidenden Herren Moritz I e l l i n e k, Hermann Kaiser. Bernhard P i ck wieder-, die Herren Heinrich G a ß n e r, David K o h n und Josef Werner neu in den Vorstand gewählt. Wie». (Ehrung.) Der Vorstand des Bethansvereines „Am Bolkert". II., Fugbachgaffe 7, hat in einer am Sonntag, den 4. d. M. unrer deur Vorsitze des Obmann-Stellvertteters Herrn Hermann Ehrenfeld stattgefundenen, eigens hiezu einberufenen feierlichen Sitzung, seinen Obmann Herrn Adolf S ch r a m e k, anläßlich seines 25jährigen Jubiläums als Obmann dieses Vereines und in dankbarer Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um den Verein, einstimmig zu seinem Ehrenmitglieds ernannt, und veranstaltet aus diesem Anlasse Samstag, den 10. d. um 10 Uhr vormittags einen feierlichen Gottesdienst mit Festpredigt, wozu sämtliche Bethausvereine und Korporationen geladen wurden. Wien. Sonntag, den 18. Februar, 1 Uhr mittags, findet im Stadttempel die Trauung des Fräulein Hedwig Fleischer, Tochter des Sekretärs der österreichisch-israelitischen Union. Herrn Siegfried Fleische r, mit Herrn Moriz Winter statt. Nach der Trauung, von 3-5 Uhr, Empfang im Horel Dungl, I., Gluckgasse 1 (Neuer Markt). Wie». Samstag, den 10. d. M.. feiert der Verwalter des Altersversorgnngsbauses, Herr R. K o d i t s ch e k. im Bethause der Anstalt, IX., Seegasse 9, das Barmizwafest seines Sohnes Hermann. Wien. Montag, den 12. d. M.. präzise 7 Ühr abends, findet im Temvelgebäude VIII., Ncudeggergasse 12, die ordentl. Generalversammlung des Tempelbau-Vereines im VIEL Bezirke statt. Tagesordnung: 1. Berwaltungsbericht. 2. Kaffabericht und Bericht der Revisoren. 3. Wahl von 4 Ausschuß-Mitgliedern und 2 Ausschuß-Stellverttetern ° an Stelle der ausgelosten Mitglieder und Stellvertteter. 4. Neuwahl von 8 weiteren Ausschuß-Mitgliedern. 5. Wahl der Revisoren. 6. Anträge und Interpellationen. Wien. Der Vorstand des isr. Tempelvereines X. Bezirk Wiens, wählte bei der am 5. d. M. stattgefnndenen Konstituierung aus seiner Mitte als Obmann Herrn Karl Seligmann, als Obmann-Stellvertreter Herrn I. S. Straßberg, als Schriftführer die Herren Eman. Schidrowitz, Dav. Kohn, als Kassaverwahrer Herrn Jos. B. Klein. Wien. Am 31. v. M. verschied hier Frau Wittel Kaestenbaum, die Witwe des gewesenen Präsidenten der israel. Kultusgemeinde und der Zionsloge zu Botuschany, weil. I. M. Kaestenbaum, im 75. Lebensjahre. Die Verblichene entstammte der jüd. Patrizier-Familie Zolles aus Brody und war eine vornehme Natur. Im Wohlstand erzogen und in ihrem Eheleben überaus glücklich und vermögend, ertrug sie während ihres 26jährigen Witwenstandes manchen schweren Schicksalsschlag mit einer bewunderungswürdigen Ruhe und Resignation. Durch 18 Jahre lebte die Verblichene, die noch in Rumänien zwei Söhne besitzt, im Hause ihrer nunmehrigen einzigen Tochter Frau Marie Chameides, die an ihrer Mutter das fünfte Gebot in des Wortes schönster Bedeutung erfüllte. Die Dahingeschiedene, die alle Wechselfälle des Lebens in Geduld und Ergebung erttug, ruhe in Frieden. Wien. Am 12. Februar, 8 Uhr abends, findet die 7. ordentliche Generalversammlung des Einzelvereines „Fünfhaus" im Cafv Schwenderhof, XV., Mariahilfersttaße 189, statt. Tagesordnung: ^Rechenschaftsbericht, b) Erteilung von Absolutorien, c) Wahlen der Bereinsfunttionäre, ä) Beschlußfassung über eventuelle Anträge der Mitglieder. Wien. (Aus der zionistischen Bewegung.) Am 30. Jänner d. I. fand im großen Saale des „Hotel Post" eine überaus stark besuchte konstituierende Generalversammlung des neuen „Zion. Zenttalverein in Wien" statt. In einer sachlichen und gediegenen Rede setzte der Referent Herr Fabrikant Adolf Böhm auseinander, daß bei der Zersplitterung, welche die bisherige Agitation mit sich gebracht habe, die Gründung eines Zenttalvereines dringend notwendig gewesen sei. Er entwickelte die Grundlagen des Zionismus, zeigte, daß die Assimilation Schfffbruch gelitten habe, daß die bloße Wohltätigkeit kein Prinzip der jüdischen Politik abgeben könne, und sprach in warmen Worten für Palästina, wobei er den Territorialismns heftig bekämpfte; denn eine Heimat könne man nicht künstlich schaffen. Nach einer ausführlichen Besprechung der Organisation, der Kolonial-Bank und des Nattonalfonds sagte er, daß der Zionismus nichts anderes sei als der Wille des jüdischen Volkes, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Selbst Nicht-Zionisten müßten die großen Erfolge des Zionismus, der das Judentum neu belebt und das Selbstbewußtsein in außerordentlicher Weise gehoben hat, zugeben. Da alle hervorragenden Elemente, die Intellektuellen, die Idealisten, die Jugend und das arbeitende Volk sich dieser Bewegung größtenteils angeschlossen haben, so könne man schon heute den Zionismus als Auslese des jüdischen Volkes bettachten. Der Verein konstituiette sich sofort mit einigen hundert Mitgliedern uud wählte folgende Herren in den Vorstand: Dr. I. Margulies, Obmann, Markus, Ban-Poung, Obmann-Stellvertreter. Böhm. Stein, Schriftführer, Lederer, Kassier. Gewitsch, Dr. Gottlieb, Dr. Littmann, Dr. Meisel, Dr. Weisengrün. Zuschriften und Anftagen sind zu richten an das Sekretariat des „Zion. Zenttalverein", Wien, IX., Türkenstraße 9. Wien. (Wiener Synagogen sänger-Berein.) Unter äußerst zahlreicher Beteiligung aus Kantoren- und Sängerkreisen fand am 1. d. M. in Herlingers Festsaal die konstituierende Generalversammlung des humanitären „Wiener Synagogensänger-Bereines" statt, der sich nebst der Pflege des jüdischen und klassischen Knnstgesanges, die Unterstützung

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