Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 50 (29.12.1905)
- Date
- 1905-12-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Nr. 50. Seile 8. die Menschenliebe verherrlichende Arie: „In diesen heiligen Hallen" und Löwe's Ballade „die Uhr" mit seiner großen weichen Baßstimme und künstlerischem Verständnis sang, ernteten für ihre vorzüglichen Darbietungen lebhaftesten Beifall und jede einzelne Programmnummer nmßte durch Zugaben bereichert werden. — Sonntag, den 24., nachmittags, fand eine K i n d e r j a u s e verbunden mit einer Chanuka- Feier statl. 250 der ärmsten Kinder wurden festlich bewirtet und jedes einzelne mit Spielwaren beschenkt. Der Vortrag eines Begrüßung-gedachtes, die Absingung einiger Lieder und die Aufführung eines Theaterstückes durch Kinder erregten Hellen Jubel. Herr Karl Ehrenfest hielt dann die Chanuka-Rede und entzündete die Lichter. Es war ein glücklicher Nachmittag für diese Aermsten, der jedem Kinderfreunde innige Genugruung bereiten mußte. Wien. Der „Jüdische Schulverein für den IX. Bezirk" IX., Glasergaffe 24, versendet folgenden Aufruf: „Euer Hochwohlgeboieu! Seit nahezu fünf Jahren besteht in unserem Bezirke ein jüdischer Schulverein, dessen Aufgabe es ist, den seitens der Kultusgemeinde im gesetzlichen Rahmen besorgten Religionsunterricht zu ergänzen. Bekanullich sind gesetzlich für den jüdischen Religionsunterricht in der ersten und zweiten Klasse je eine Stunde per Woche, in der dritten bis fünften Klasse der Volksschule je zwei Stunden per Woche zulässig, an welchem Unterricht in jeder einzelnen Klasse oft 50 bis 60 Kinder teilnehmen, wie es die Schulgesetze vor schreiben. Es ist unmöglich, in dieser kurzen Zeit bei einer so großen Zahl von Schülern etwas Besonderes leisten zu können, und unser Schulverein hat cs sich zur Aufgabe gestellt, dort, wo die Eltern dafür Interesse haben oder es gar als Notwendigkeit anerkennen, einen erweiterten llnterricht zu erteilen. Der Vorstand der Kultusgemeinde hat diese Notwendigkeit anerkannt und in Würdigung der von dem Schulinspektorate an erkannten hervorragenden Leistungen uns eine Jahressubvention von X 1000 bewilligt. Bei der großen Zahl der Kinder, die unsere Schule besuchen und die deshalb nicht blos die Erhaltung eines großen Schullokales, sondern auch die Bestellung von Lehrern erforderlich machen, haben wir größere Mittel notwendig. Unser Budget beträgt bei aller Sparsamkeit K 4000 per Jahr und wir müsien deshalb an unsere wohlhabenden Glaubensgenossen, insbesondere an die im IX. und XX. Bezirke, appellieren, daß sie durch Beitritt als Mitglieder unsere Bestrebungen fördern und den Fortbestand unserer Schule sichern. Einzelne Vorstandsmitglieder haben schon derzeit größere Darlehen der Schule geben müsien, weil wir sonst schon den August-Zins nicht hätten zahlen können, den November-Zins sind wir derzeit noch schuldig. Wir stehen vor der Alternative, die Schule sperren zu müsien oder an unsere immer im Interesse des Religionsunterrichtes sich betätigenden Glaubensgenossen mit der Bitte um zahlreichen Beitritt herantretenzu müsien. Wir hoffen, daß wir keine Fehlbitte tun und gestatten uns nur noch die Bemerkung, daß der statutenmäßige Jahresbeitrag mit mindestens K 10 normiert ist. Dr. Gustav Koyn, Hof- und Gerichtsadvokat, Vizepräsident der israel. Kultusgemeinde rc. Ehrenpräsident; Prim. Dr. Sig. Kornfeld, Obmann; Max Pappenheim, Privat, Obmann-Stellvertreter; Heinrich Thiersfeld, Bedmter, Schriftführer; Kais. Rat Moriz Waizner, I. Löwenstein, Hausbesitzer, Kassiere: Gerson Koralek, Kaufmann; Jakob Krauß Schriftsteller; Dr. Jacob Weiß; Isidor Goldschmidt, Kaufmann, Vorstandsmitglieder. Wien. (Jüdischer B i ld un g s v e r e i n „Rasch i" in Wien, IX., G l a s e r g a s s e 24.) Die Lehrkurse dieses Vereines beginnen: Dienstag, den 2. Jänner 1906 und werden im Vereinslokale des jüdischen Schulvereines im IX. Bez., IX., Glasergaffe 24, I. Stock, jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 8 bis 9 Uhr abends abgehalten. Gäste sind willkommen! Wien. Se. kaiserliche Hoheit Herr Erzherzog Rainer besuchte in den jüngsten Tagen die Kunstausstellung Pisko, und hat sich über das von der Malerin Frau Manzi Kestel-Bauer ausgestellte Bild seines Obersthofmeisters, Grafen Orsini-Rosenberg, in besonders anerkennender Weise ausgesprochen. Wie«. Fräulein Sclma Schwarz, Tochter des Disponenten der Firma Clayton & Shuttleworth Ltd., Herrn Isidor Schwa rz und Frau Henriette Schwarz, hat sich mit Herrn Julius Klar, Chef der Firma Klar & Baas in Brünn verlobt. Der Brautvater, Herr Isidor S chwarz, ist durch sein vielseitiges humanitäres Wirken, besonders als Präsident des Vereines zur Bekleidung armer alter Männer, in den weitesten Kreisen bekannt und geachtet. Wie». Der Chefredakteur des „Illustrierten Wiener Extrablatt" Herr Julius Löwy, ist Mittwoch, den 27. d. M. im 54. Lebensjahre gestorben. Mit ihm ist eine der markantesten Erscheinungen des Wiener gesellschaftlichen Lebens, einer der begabtesten und fruchtbarsten Journalisten und einer der liebenswürdigsten Menschen ftühzeitig von hinnen gegangen. Bon seinem goldenen Herzen wußten viele tausende zu erzählen und als Armenvater des Wiener Extrablatt war er ein wahrer Vater der Armen. Wien. Wie alljährlich erfteute sich auch die heurige Chanukafeier der jungen Theologen eines überaus zahlreichen Besuches. Schon vor der augesetzten Stunde war der Festsaal des „Hotel Central" bis auf das letzte Plätzchen dichtqefüllt. Unter den erschienenen Gästen bemerkte man: ReUor Dr. A. Schwarz, Lektor M. F r i e d m a n n, Dr. L. Kahn, Rabbiner Dr. E. David, Rabbiner Dr. K a m i n k a, Prof. Dr. S Ä o r r, Oberkantor Singer, Präsident des Kantorenvereines, I. Kantor Iurberg er. Chordirigent Lö w it, Vertreter der meisten zionistischen Studentenvereine, Vertreter der Presie rc. rc. Nach Eröffnung des Abends durch den Präsidenten I. S t ö ß l e r, vollzog Oberkantor B. Guttmann das Anzünden der Chanukalichter in weihevoller und erhebender Weise. Aus dem reichhaltigen Programme seien ferner erwähnt: die nach Form und Inhalt vollendeten Festreden (Dr. V. Kurrein, deutsch, L. Freund, hebräisch), die ausgezeichneten Gefangsvorträge des Ober-- kantors B. G u t t m a n n und des Konzertsängers L. Finke, das Meister-- hafte Biolinsolo des Konzertmeisters I. Z i m b l e r und die wirkungsvolle Rezitation aus jungjüdischer Dichtung des Schauspielers Ed. Strauß. Wien. Sonntag, den 24. d. M., fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Frl. Auguste Schwager mit Herrn Karl Fuhrmann statt. Unter den zahlreich erschienenen, den großen Tempel füllenden Anwesenden bemerkte man: Herrn und Frau Oberkantor Joses Singer, Herrn und Frau Dr. I. S. Bloch, Rabbiner Dr. Grunwald, den Vorsteher der Chewra-Kadischa I. K a n n, Armenrat P o l l a k, Redakteur Dr. L ö w y, zahlreiche Kantoren und Beamte der israelitischen Kultusgemeinde u. v: A. Herr Rabbiner Dr. Schmied! hielt an das Brautpaar eine herzliche Ansprache, Oberkantor Bela Guttmann versah die kantorale Funktion, assistiert vom Chore unter Leitung des Dirigenten 1. H e i m a u n, in vortrefflichster Weise. Dem Brautpaare kamen von Nah und Fern viele Hunderte von Telegrammen und Glückwünsche zu. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" veranstaltet Samstag, den 27. Jänner 1906 eine große Akademie mit anschließendem Kränzchen im Festsaale des Hotel Central. Ein ungemein reichhaltiges Programm mit allerersten Kunstkräften wird vorbereitet. Das Reinerträgnis fließt den russischen Opfern zu. Wien. (Chanuka-Festgottesdieust.) Der Tempelverein des 13. Bezirkes der Stadt Wien veranstaltete am 23. Dezember um lj2o Uhr nachmittags, einen Festgottesdienst für Jung und Alt. der dadurch seine besondere Weihe erhielt, daß Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald hierbei zum erstenmale in diesem Teile seiner Gemeinde erschien. Auch der Obmann der Bezirkskommission für die Bezirke XII—XV, Herr Samuel Mohr, beehrte den jungen Verein mit seiner Gegenwart. Die kantoralen Funktionen versah der Vereinskantor, Herr Gotthold Friedländer, unterstützt von einem Männerquartett, in ausgezeichneter Weise. Die Festpredigt des Herrn Dr. Grunwald ermunterte zur Festigung des jüdischen Sinnes und übte eine nachhaltige, große Wirkung. Wien. (Tempelverein des XIII. Bezirkes der Stadt Wien.) Mittwoch, den 16. Jänner 1906, 1j.ß Uhr abends, findet im „Ottakringer Bräu", XIII/2, Auhofstraße 1, die dritte Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Rechenschafts- und Kassabericht. 2. Neuwahl von 3 Ausschußmitgliedern und 3 Ausschuß-Stellvertretern und 1 Revisor für je ein Jahr. 3. Eventualia. Floridsdorf. Anläßlich des 25 jährigen Bestandes des israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines im XXI. Wiener Bezirke (Floridsdorf) fand am 21. d. M. in Anwesenheit der Gründerin des Vereines, Frau Doktor Laura Bloch, sowie des Bezirksrabbiners Herrn Dr. Rosenmann, des Gesamtvorstandes des Frauen-Vereines und des Kultusausschusses eine Festsitzung statt. Nach Eröffnung der Sitzung seitens der Präsidentin, Frau Henriette Grünwald, erbat sich der Präses der Kultusgemeinde, Herr Dr. König, das Wort und beglückwünschte den Verein im Namen der Kultusgemeinde und dankte demselben für das humanitäre Wirken auf dem Gebiete der Armenpflege; insbesondere sprach er den Dank der Gemeinde der Frau Präsidentin aus, welche während ihrer 11jährigen ununterbrochenen Leitung durch strenge Pflichterfüllung, durch rationelle Gebahrung und durch besondere Umsicht den Verein nicht nur finanziell gut fundiert, sondern auch sein Ansehen gehoben hat. Bezirksrabbiner Herr Dr. Rosenmann feierte in einer längeren Ansprache die Gründung des Vereines durch Frau Dr. Bloch, sowie den Wohltätigkeitssinn der Floridsdorfer Frauen und wünschte dem Vereine, daß er auch künftighin gedeihe, wachse und blühe. Der Bizepräses, Herr Emanuel Grünwald, beantragte, die Gründerin des Vereines, Frau Dr. Bloch, zur Ehren-Präsidentin und die gewesenen Präsidentinnen, Frau Dr. Julie König und Frau Babette Redlich, sowie Herrn Dr. Rosenmann, durch dessen Initiative der Frauen-Wohltätigkeitsverein sein besonderes Augenmerk den verlassenen Pfleglingen im Bezirke gewidmet und dieselben dem Judentume erhalten hat, zu Ehrenmitgliedern des Vereines zu ernennen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Frau Dr. Bloch dankte in schlichten Worten für die ihr zuteil gewordene Auszeichnung und versicherte, auch in Hinkunft, ihre Unterstützung dem Vereine angedeihen zu lassen. Herr Dr. Rosenmann dankte sowohl in seinem Namen, als auch im Namen der anderen Ehrenmitglieder und versprach, zu jeder Zeit die idealen Bestrebungen des Vereines zu fördern. Schließlich verlas der Präses, Herr Dr. König, das von der Kultusgemeinde dem Frauen-Wohltätigkeitsvereine gespendete Ehren-Diplom, in welchem die Verdienste des Vereines seit seinem Bestände enthalten sind, und ein an den Verein gerichtetes Beglückwünschuugsschreiben. Mit einer Danksagung seitens der Frau Präsidentin schloß die schöne Feier. Nach der Festsitzung wurden wie alljährlich 40 Kinder mit warmen Kleidern und Schuhen beschenkt, woraus die Frau Präsidentin den armen Kindern eine Jause auf ihre Kosten verabreichen ließ. Neuhans. (Böhmen.) Aus Anlaß des furchtbaren Unglückes, von dem unsere Glaubensgenoffen in Rußland betroffen wurden, fand im hiesigen Tempel ein Trauergottesdienst statt, an dem sich der Vorstand und die ganze Gemeinde beteiligte. Das Gotteshaus selbst war, der Trauerkundgebung entsprechend, schwarz drapiert. Nach dem Ma’ariw= Gebete wurden Selichot rezitiert. Hierauf bestieg Herr Kantor und Religionslehrer Julius Fürnberg die Stufen des Altars, um in Vertretung unseres erkrankten Rabbiners den unglücklichen, so entsetzlich dahin gemordeten Glaubensbrüdern einen tiefempfundenen Nachruf zu widmen. Budapest. Das lichterreiche Chanukafest wurde in der ungarischen Haupt- und Residenzstadt in feierlich erhebender Weise begangen. Freitag abends fanden Festgottesdienste statt: im großen Tempel in der Tabakgaffe, woselbst Oberkantor Professor Adolf Lazarus mit seinem Chorl