Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 49 (16.12.1904)
- Date
- 1904-12-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3063212-3063262--03414-3070170- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 49. rufung der Herren Markus Landau und Dr. Max G r u n w a l d als Mitglieder vor. Die Berufungen werden per acclamationem beschlossen. Der Präsident gibt bekannt, daß im Jahre 1904 2210 bisher unbesteuerte Personen zur Kultussteuerzahlung herangezogen ivurden und erstattet den finanziellen Bericht für die Zeit vom 1. Jänner 1904 bis 30. November 1904. Der Präsident verliest eine Zuschrift des „Israel. Rekonvaleszentenheimes für arme jüdische Frauen und Kinder", in welcher die Vorstandsmitglieder ersucht werden, in ihren Kreisen für die von dem genannten Vereine veranstaltete Wohltängkeltslotterie Propaganda zu machen. Vor Uebergang zur Tagesordnung überreicht Herr kais. Rat Wilhelm P o ll a k einen Antrag, dahingehend, die Bethausvorstände und Bezirkskommissioucu über ihre Meinung zu befragen: 1. Ob es nichr praktisch wäre, ui jenen Bezirken, wo dies ein zwingendes Erfordernis bildet, zweimal den Morgengottcsdienst abzuhalten, u. zw. den ersten um 7 Uhr, den zweiten um 8 Uhr morgens; 2. ob es nicht in manchen Bezirken sich empfehlen würde, die Betstunde zu verschieben. Der Antrag wird der Kommission I zur Beratung zugewiesen. Hierauf wird in die Tagesordnung, „Erledigung von Personalien", eingegangen und die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. Wien. Sonntag, 18. Dezember, 10 Uhr vormittags, findet im Sitzuugssaale der israelitischen Kuliusgemcinde eine öffentliche P 1 e n a r s i tz ii n g des Vorstandes mit folgender Tagesordnung statt: 1. Agnosziernng der Wahlen vom 27. November und 9. Dezember: 2. Budget pro 1905; 3. Vortrag ans jüdischer Geschichte. Wien. Freiiag-Abend, den 16. d. Dt., Predigt im Stadttempcl. Wien. (Döbling.) Die diesjährige C h a u u k k a f e i e r anl israelitischen M ä d ch e n w a i s e n h a n s e in der Ruthgasse gestaltete sich nicht allein zu einem herzerhebenden beglückenden Feste der K.nder, sondern gleichzeitig auch zu einer offenbaren Darlegung der mannigfaltigen Wissenszweige, über welche die Anstaltszöglinge verfügen. Nach dem Anzünden der Lichter durch Grete Alt sangen die Kinder die Chanukkahymne, woraus von einem Mädchen das Gedicht „Lehadlik ner-* ganz allerliebst vorgetrageu wurde. Ein humoristisches Gedicht. „Gustav HI. auf dem Maskenballe" (Irma Neugebauer) und ein dreistimmiger, ziemlich schwieriger und trefflich ausgeführter Chor „Wohltun", sowie ein sechshändiges Klavierstück „Schneeglöckchen", vorgetragen von den Mädchen Charlotte K o h n. Grete Löbner und Louise Weil; nicht minder die Gedichte „Das beherzte Mägdelein" (Grete M a r k st e i n), „Das Droschkenpferd" (Ella Fasse!) und „Wenn ich bitten dürfte" (Grete A l t) und ein vierhändiges Klavierstück (Emma Grün mal d, Charlotte K o h n). sowie der dreistimmige Schlußchor „Ich stand auf Bergeshöhen" machten gute Wirkung. Herr Öberkantor Singer, der langjährige aufopferungsvolle Gesangsmeister der Anstalt begleitete die trefflich studierten und gesungenen dreistimmigen Chorgesänge persönlich am Klavier. Die im Jngendglück erstrahlenden Gesichter der Zöglinge erbrachten den erschöpfenden Beweis für die unter Leitung der Hausmutter Frau Direktor S t r a k o s ch und ihrer Assistentinnen Frls. Boden st ein, Mayer und R v s i n e r vollführte körperliche und geistige Erziehung der Kinder und soll auch an dieser Stelle der großen Sorgfalt und Hingebung für die Jntereffen der Anstalt, welche die langjährigen Damen des Kuratoriums Frau Baronin Ch. Ä ö n i g s w a r t e r, Frau Hofrätin Pfeiffer, Frau Baronin Mayer, Frau W o d i o n e r und Frau Weiß v. W e i ß c n h a l l, sowie Frau v. Gutmann geb. Gins bürg dem Institute zuwandten, dankend gedacht sein. Die vorgenannten hochverehrten Damen und noch viele andere beteiligten sich persönlich am Feste, auch Herr Inspektor K a n i tz und Direktor Fischer rc. rc., ebenso Herr Dr. H e r z k a, der hingebungsvolle Arzt des Institutes, 'dem für seine langjährige, gütige Arbeit hiemit öffentlicher Dank ausgesprochen sei. Nach dem Festakte war reiche Geschenkvcrteilung und Unterhaltung. Möge das erhebende Fest hineinleuchten in das weitere Leben der Kinder, welche in dem Institute durch die Hilfe edeldenkender Menschen zu lebensfähigen Gliedern der Gesellschaft erzogen werden. Wien. (Vortragszyklus aus der Geschichte der Juden in Deutschland und O esterr eich.) Donnerstag, den 22. Dezember, präzise l/28 Uhr abends, findet im Festsaale des Jngenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Bortrag des Herrn Dr. Max Grunwald statt. Thema: „Aus Prozeßakten des Mittelalters." Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Am 6. d. M. ist der bekannte Bankier, Herr Michael Straffer, nach schwerer Krankheit im 81. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene, der sich infolge seiner seltenen Charaktervorzüge in den weitesten Kreisen eines hohen Ansehens erfreute, war ein selten opferwilliger Glaubensgenosse und widmete trotz seiner besonders in früheren Jahren angestrengten beruflichen Tätigkeit immer außerordentliche Fürsorge den humanitären und gemeinnützigen Institutionen in der Gemeinde. Unter anderem war er auch Obmann des Tcmpelbauvereines in der Jvscfstadt und hat an der Errichtung des herrlichen Gotteshauses daselbst den hervorragendsten Anteil genonimeu. Herr Michael Straffer, der stolz darauf war, ein echt jüdisches Haus im schönsten Sinne zu führen, hinterläßt eine Wirme, zwei Söhne, den als Komponisten sehr bekannten Finanzier Alfred Straffer und den Maler Gustav Straffer, und zwei Töchter, von denen die eine an den Psychiater Prof. Dr. Pick in Prag, die zweite an den Chef des Sicherheitsbureaus der Wiener Polizeidirektion Polizeirat Stukart verheiratet ist. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 8. d. M. unter außergewöhnlicher Teilnahme statt. Im Trauerhause, IX., Wasagasse 6 hatten sich eingefuuden: der deutsche General-Konsul Dr. von Viveuot, die Ne-- gierungsräte Jurka und Dr. Bachrach, Universitätsprofessor Dr. Ehrmann, kais. Rat Wilhelm Pollak, Polizeirat Windt, kais. Rat Oberkommiffär Polt, Hofrätin Oser, Bankier Moriz Pflaum, Direktor Horch, die kais. Räte Kohnberger und Pick, Angela Eisner v. Eisenhof, der gesanite Vorstand des Tempel- und Tempelbauvereines Josefstadt, Vertreter anderer Vereine und zahlreiche Freunde und Verehrer des Verblichenen. Nach Vortrag der üblichen Trauergesänge durch Kantor Edelmann und den Chor setzte sich der Kondukt nach dem Zeulral-Friedhofe in Bewegung. Hier versah Oberkantor Qnartin in ergreifender Weise die liturgische Funktion, worauf Rabbiner Dr. Bauer dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf hielt. Am Grabe sprachen außerdem noch die Herren Dr. Goldberg und Alois Münz, beide Mitglieder des Josefstädter Tempelvereines. "'='s'3'r. Wien. Frau Rosa Z i fferer, Präsidentin des Vereines „Frauen--- Hort" und Vizepräsidentin des „Verbandes zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen", hat ans Anlaß des Hinscheidens ihres Vaters, Herrn S. Schüler in Berlin, dem „Verbände zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen" eine Spende von X 500 gewidmet. Wien. (Wiener Jüdische T v y n b e e-H alle, XX., K a r ajan g ass e 20.) Vortragsordnung: Sonntag, 18. Dezember,Dr.H Rieger: Zahn- und Mundkrankheiten und deren Verhütung. (Mit Lichtbildern.) Montag, l 9. Dezember, Prof. Arthur Weiß: Kulturhistorische Skzzen. Dienstag, 20. Dezember, Agronom S. Abraham: Die Ernährung unserer Haustiere im Vergleiche zur unserigen. Mittwoch, 21. Dezember: Diskussionsabend. Donnerstag, 22. Dezember, Tr. Alexander Hausmann: Der moderne Landkrieg. Freitag, 23. Dezember: Bibelerklärung. Samstag, 24. Dezember: Konzert. — Die Einschreibungen zu den Unterrichtskursen finden Montag, 19. Dezember, Dienstag, 20. Dezembir und Mittwoch, 21. Dezember von '>.,7-7 Uhr abends in der Tvynbee-Halle statt. Wien. Donnerstag, 15. Dezember 1904, halb 7 Uhr abends, findet in den Saallokalitäten des Kafö Körner, XX., Wallensteinstraße 2, die General-Bersammlnng der Mitglieder des israelitischen Tempelvereines „Brigittenau" statt. Im Falle der Beschlußnnfähigke>t der Generalversammlung findet diese an demselben Tage, abends halb 8 Uhr im gleichen Lokale mit derselben Tagesordnung statt. Letztere ist ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Mitglieder beschlußfähig. Tagesordnung. 1. Bericht des Obmannes. 2. Wahl von 4 Vorstandsmitgliedern mit Zjähriger Fnnktionsdauer..3. Anträge des Mitgliedes Herrn I. Kohn (EiHöhung des Mitgliederbeitrages auf 12 X). 4. Eventuelle nach § 5 der Statuten einaebrachte Anträge. Hermann Eltbogen, Obmann. Dr. Max Weissenstein, Schriftführer. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „R u d o l f s b u n d" der unter der Leitung des ob seines umfassenden humanitären Wirkens allverehrten Armenratrs Herrn Joses Pollak steht, begieng am 11. d.. M., in geradezu erhebender Weise zum fünfzehnten Male den schönen Akt der Kinderbeteilung. Die eleganten Räume des Hotel Zentral, vom Besitzer Pisch kittel in dankenswerter Weise ohne Entgelt zur Verfügung gestellt, vermochten den großen Kreis der Erschienenen kaum zu fassen, die alle gekommen waren, um nach Jahren teilnahmsvoll das philantropische Fest dieses Vereines mitzubegehen, da längere Zeit hiudnlch — zum Nachteile seiner Strebungen — die Kinderbekleidung in vertraulichem Kreise prunklos sich vollzogen hatte. Erschienen waren in Vertretung des II. Bezirkes der Bezirksobmaniistellvertrcter Direktor Quix mit den Bezirksräten Mensch, Fuchs, Neustadtl, der Magistrats-Sekretär Herr Koditschek, der Arnienrat des II. Bezirkes mit seinen Mitgliedern, Obmann Jnnghofer und den Herren Hupka, Ott, Husserl und Kleiner, ferner Hofrat Ritter von Bossinsky samt Frl. Tochter, ferner die Vereine „Montcfiore", v.rtreten durch den Obmannstellvertreter Weinwurm und Herrn Elias Weiß, der Verein zur Bekleidung armer alter Männer, durch Herrn Isidor Schwarz, Verein „Treusinn", durch Herrn Süß, der Verein „Zwanglos", durch dessen Obmann Julius Ehrlich, der Verein „lüvvias Otrsn" mit fciuent Obmanne Herrn Löw; ferner die Herren Rabbiner Dr. Rosenfeld, Oberkantor Bauer,. Kantor Löwit, Prof. Nascher u. v. A. Nach einem feierlichen Präludium, durch Willy Löwit auf dem Harnionium gespielt, folgte ein von Professor Nascher verfaßter Prolog, den die anmutige Kunstelevin, Frl. Paula Steinmann, herz rhebend vortrug. Die innigen Worte der Eröffnungsrede des Obmannes Josef Pollak klangen in eine Apotheose ans den Kaiser aus, worauf Volkshymne und Festchoral in schivungvoller Weise von Öberkantor Bauer und dem unter Leitung des Kantor Löwit stehenden Chore zum Vortrag gebracht wurden. Nachdem unter lautloser Aufmerksamkeit zwei beschenkte Kinder ihre Dankesworte gesprochen hatten, kennzeichnete Rabbiner Dr. Rosenfeld in trefflicher Rede die Ziele des Nudolfsbund, zu dessen Würdigung auch der Bezirksobmannstellvertretcr Quix, Armenratobmann Junghofcr und der Obmaun des Vereines zur Bekleidung armer alter Männer, Herr Isidor Schwarz, das Wort ergriffen. Herr Tobias Pöck dankte in Vertretung des erkrankten Obmannstellvertreters Dr. Brady und ihm folgte Prof. Nascher, dessen Rede sich zu einer Hymne auf die humanitäre Wirksamkeit des II. Bezirkes gestaltete. Mit dem herrlichen Schlußchoral, einer Sulzer'schen Komposition vorzüglich reproduziert durch Oberkantor Bauer und seinem trefflichen Chor, war die Feier zu Ende, und man begab sich zur Tafel, an welcher die freudestrahlende Kinderschar, dank dem Kafctier Herrn Kraemer und feiner fürsorglichen Gattin, reichlich bewirtet wurde. Wien. Bei der am 8. d. M. von den Hörern der israel.-theolog. Lehranstalt veranstalteten Chanukkafeier erwiesen sich die Räume des „Hotel Central" als viel zu eng für die zahlreich erschienenen Festgäste, Herren und Damen und ein erquickender Kranz jugendlicher Mädchengestalten, die der Einladung der jungen Theologen gefolgt waren. Nach der gedanken-