Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 49 (16.12.1904)
- Date
- 1904-12-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49. Die Wahrheit Seite 9 reichen Eröffnungsrede des Präsidenten A. B eck und dein schön gesprochenen Prolog des Herrn I. Stößt.er wurden mit dem Weiyegesang des Oberkantor G u t r m a u n die Channkalichter entzündet und hieraus folgten in wohltuender Abwechslung ernste, gehaltvolle Reden und künstlerische Darbietungen, die sämtliche jubelnden und begeisterten Applaus fanden. Die deutsche Festrede hielt Heir Franksurtcr, die hebräische Herr Kupfer; ferner sprachen Rektor Tr. Schwarz, Hosrat Tr. Müller, Lektor Friedniann und Rabbiner Dr. Bauer. Das künstlerische Programm besorgten der Geigenvirtuose I. Zimbler, der ein Konzertstück von Vieuxiemps meisterhaft spielte, der Schauspieler Th. Weis; vom Deutschen Bolkstheater, der Dichtungen von Rosenseld und Eliaschoff stimmungsvoll vorcrng, und ein Männerquartett unter Leitung des Chordirigenten Julius Heimann. Oberkantor Gnttmann mußte wegen plötzlicher Judlspvsilivn absageu. Erft in mitternächtlicher Stunde schloß die schöne, genußreiche Channkafeier. Wien. Donnerstag den d., wurde im Brigitteuauer Tempel, XX. Kluckygasse anläßlich der vom humailitär-gemeiniiützigen Verein „Die Brüder" vollzogenen Bekleidung armer Schulkinder ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. Das festlich erleuchtete Gotteshaus war in allen seinen .Räumen bis aus das letzte Plätzchen gefüllt Als Vertreter der löbl. Kultusgrmeiiide waren erschienen: Herr Dr. Alfred Berger, der werktätige Gönner der Brigitteuauer Armen, und Herr Religionsinspekror Prof. Dr. Kanitz. Herr Oberkantor Basier trug in Begleitung des vortrefflichen Chors mehrere Weihegesänge vor und zündete üi feierlicher Weise die Chanukalichter an. Sodann richtete Herr Rabbiner Dr. Bach an die Kinder eine herzliche Ansprache, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Am Schlüsse der schönen Feier wurde von Alt und Jung die Volkshymne gesungen. Allgemein wurde es sehr bedauert, daß der eigentliche Organisator der seit einer Reihe von Jahren zu Beginn des Winters stattfindenden Bekleidung armer Schulkinder — Heuer wurde die stattliche Zahl von 340 Schulkindern ans dem XX. Bezirke mit guter Wiuterklcidung und Schuhen versehen — der weit über die Grenzen der Brigittenau hinaus als edler Menschenfreund bekannte Obmann der „Brüder", Herr Heinrich Weiner, krankheitshalber verhindert war, dem Feste beiznwohnen. Doch ließ er es sich nicht nehmen, zu veranlassen, daß nach dem Gottesdienste sämtliche 310 beteilten Schulkinder in der neben dem Tempel befindlichen Volksküche ein gutes Nachtmahl erhielten. Wien »V o r t r a g s a b e n d i m B e r e i n z u r H e b u n g der Gewerbe.» Am 4. Dezember fand im großen Festsaale des Nied.-Oestere. Gewcrbevereines einer jener. Vortragsabende des Vereines statt, wie sie seit fast 15 Jahren unter der geschickten Inszenierung des Vereiuspräfidenden B r o d abgehalten iverden. Heute mar der Vortrag des kaiserl. Rathes Adolf Schwarz. Sekretär des Oesterreichischen Exportvereines über „Die sozialen Verhältnisse in Amerika und die Weltausstellung in St. Louis" am Programm. Nahezu 500 geladene Teilnehmer versuchten in dem allerdings geräumigen Saale Platz zu finden, doch nur einem Teile war es ermöglicht, weil der Saal lange vor der angrkündigten Bortragsstunde von Teilnehmern besetzt, war. Die Besucher gehörten den verschiedensten Ständen, den Vertretern von Körperschaften und Korporationen der Industrie, Gewerbe und der höchsten Intelligenz an. Der Vortragende verstand es aber auch vom Beginn bis zum Schlüsse der Versammlung, sowohl die Herren, als auch die vielen anwesenden Damen, über die amerikanischen Verhältnisse und über die freie Entwicklung daselbst aus allen Gebieten des Handels und der Gewerbe, der Industrie und der Landwirtschaft so in Spannung zu erhalten, immer Neues vorzuführen, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden daß der Abend sich tatsächlich zu einem genußreichen gestaltete. Gar manche sehr nützliche Einrichtungen für die Handels- und Gewerbewelt lernte man kennen, die zur Nachahmung sehr zu empfehlen wären. Der Verein als solcher kann sich auch mit den Erfolgen seiner vielen Programmpunkte die er erfüllt, auch mit dem Punkte „Demonstrationen und Borträge" zufrieden geben, weil durch letztere das geistige Niveau des Gewerbe- und Handelsstandes nachweisbar merklich gehoben wurde. Er wäre nur zu wünschen, daß die Angehörigen aller Stände und Berufsarten, die endlich in der Veredlung der wirtschaftlichen Faktoren eine tatsächliche Besserung der Verhältniffe erblicken, als Mitglieder dem Vereine zur Hebung der Gewerbe, Wien I., Wipplingerstraße 26 beitreten. Die Aufgaben des Vereines, der an die materielle Unterstützung der Bevölkerung nicht herantreten will, sind so vielseitig, daß die materiellen Mittel zur Erreichung all seiner Ziele viel zu gering sind. Wien. Dr. Emil Szanto, Professor der klassischen Altertumswissenschaft an der Wiener Universität, ist Mittwoch, den 14. d. M., infolge eines Herzschlages plötzlich gestorben. Der Verblichene, der ein Alter von 47 Jahren erreichte, war der Sohn des geistreichen Publizisten und ehemaligen Redakteurs der „Neuzeit", Simon Szanto. Er galt als hervorragende Autorität auf dem Gebiete der Altertumswissenschaft und genoß in Gelehrtenkreisen hohes Ansehen. Wien. Am 14. d. M. ist der Sekretariatsbeamte der Wiener Kultusgemeinde, Herr Jakob Z o l s ch a n, ein strebsamer junger Mann, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, nach längerem Leiden gestorben. Seine Kollegen im Amte werden sein Andenken in Ehren behalten. Wien. (Brigitteuauer i s r a e l. F r a u e n - W o h l - tätigkeits-Verein.) Eine wackere Frauenschar 452 an der Zahl, die auf ihr Banner die goldenen Worte geschrieben: „Ehrliches Wollen und rastloses, unverdrossenes Mühen verbürgen den Erfolg", versandte in den letzten Tagen den Jahresbericht pro 1904. Mit tiefem Bedauern wird einleitend konstatiert, daß die Erfüllung der statuarischen Tätigkeit, welche die Unterstützung armer Witwen, Waisen und Wöchnerinnen in der Brigittenau, wie überhaupt rationelle Armenpflege in diesem vom jüd. Proletariat stark bevölkerten Bezirke bezweckt, nicht wenig Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten in diesem Jahre verursacht hat, und mit Staunen vernimmt man, daß die Damen auf ihren Bittgängen für die enterbten Glaubensgenossen so manchen Zurücksetzungen ausgesetzt waren, ja. mau wcrd es kau»» glauben, sogar Schmähungen über sich ergeben lassen mußten, wenn sie an eine unrichtige Adresse gelangten. Doch der Unmut über solch' häßliche Erscheinungen macht bald einer freudigeren Stimmung Platz, wenn man von den schönen Erfolgen, die dieser Verein auch im abgelaufenen Jahre trotz aller Widerwärtigkeiten autzuweisen hat, Kenntnis nimmt. Aus bescheidenen Anfängen im Jahre 1895, hat sich der Verein zu eineni bedeutungsvollen Faktor auf dem Gebiete der öffentlichen Wohltätigkeitspflege entwickelt, eine große Zahl von Gönnern und Förderern stehen ihm hilfbereit zur Seite, und der löbl. Vorstand der israel. Kultusgemeinde hat sich veranlaßt gesehen, seine Jahressubvention von K. 100.— nicht blos mit Rückwirkung ans das vorvergongene Bereinsjahr zu verdoppeln, sondern noch überdies einen Betrag von K. 600.— zur Anschaffung von Schuhen für arme Schulkinder zu widmen. Die am 10. Jänner d. I. im Ballsaale des Etablissement Ronacher veranstaltete Akademie mit Tanzkränzchen hat trotz des großen Kostenaufwandes ein Reinerträgnis von K. 4622.42 ergeben. Sv ist es mm möglich geworden, daß der Brigitteuauer Frauenverein im Berichtjahre K. 974120 wohltätigen Zweckeil zuführen konnte. Hiebei wurden 861 Personen mit zusamnien K. 7265.20 unterstützt, darunter 3 Personen mit je K. 30.—, 2 Personen mit je K. 40.—, 1 Person mit K 60. -, 1 Person mit K. 90.—. 3 Personen mit je K. 100. , 1 Person mit K. 155.— , 1 Person mit K. 550. — , ferner erhielt der Wöchnerinnen-Verbaud K. 1000.—. Für Anschaffung von Schuhen und Kleidern für arme Schulkinder wurden K. 1426.— verausgabt und dem israel. Kindergarten in der Brigittenau K. 50.— gewidmet. Wir vermeinen unfern Bericht nicht besser als eben mit den Schlußworten aus dem Hohenliede abschließen zu können ..tenu lo mipri .jodebu. wehallelujoh baaschunm masehu“. Unterstützet sie freudig in der Ausübung ihrer erhabenenMiffion und preiset üverall ihre guten Werke. — N.CH. Wien. Der jüdische Männer-Gesangverein „8 c h i r Zion“ hält jeden Mittwoch von 8 9 Uhr abends, im Vereins lokale, IX., Türkenstraße 9, seine wöchentlichen Gesangsübungen ab und werden Neuanmeldungen stets vor Beginn der Hebung entgegengenvnimen. Schrinliche Auskünfte erteilt bereitwilligst der Schriftführer Wilhelm David, IX.. Poezellangaffe 22a. St. Pölten. rJ irdischer Literaturverein.) Am Samstag, den 17. Dezember, 8 Uhr abends, spricht Herr Rabbiner Dr. Schächter im Populorum-Saale über: Moses Mendelssohn Lundenburg. Dem hiesigen Malzsabrckanten Gabriel Stein, welcher demnächst seinen 87. Geburtstag feiert, wurde in der am 7. d. M. abgehaltenett Gemeindeausschußsitzung in Würdigung der Verdienste, die er sich in früheren Jahren als Gemeinderat und Sparkasfendirektor erworben, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Lnndenburg verliehen. -Jglau. Die feierliche Einweihung der neuerbauten, prachtvollen Zeremonienhalle auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe fand Sonntag, den 11. Dezember, vormittags statt. Ein ausführlichest Bericht folgt in nächster Nummer. Teplitz. Herrn Rabbiner Dr. Adolf Kurrein, der gleichzeitig Religionslehrer am hiesigen Staatsgymnasium ist, wurde vom Unterrichtsminister der Titel „Professor" verliehen. Poöega. Unserem geehrten Herrn Oberkantor »Josef Weißmann gebührt öffentlicher Dank und Anerkennung. Im Einvernehmen mit unserem verehrten Herrn Rabbiner Dr. Margel, sowie dem Kultnsvorstande, rief er einen „Freiwilligen Tempelchorvereiu" ins Leben, der bereits 24 ausübende Mitglieder, junge Damen und Herren, zählt. Herr Juwelier Philipp Stern wurde einstimmig zum Obmann dieses Vereines gewählt, und diese Wahl darf eine glückliche genannt werden, da Herr Stern dem Vereine großes Interesse entgegenbringt. Der Vorstand der Gemeinde beschloß, ein neues Harmonium für den Tempel zu kaufen, wofür ihm, besonders dem Präsidenten, Herrn Lcopold Adler, und dem Tempelvorsteher Herrn Freud Dank gebührt. Am 4. d. M. wurde im festlich beleuchteten Tempel eine Chanukafeier abgehalten, die sich überaus schön und erbauend gestaltete. Eingeleitet wurde der Festgottesdienst mit einem „Mah-töwn", der von Oberkantor Weißmann mit dem gutgeschulten Chor und Harmoniumbegleitung überaus wirkungsvoll gesungen wurde Die herrliche Komposition „Ärrrnior 8ch.ir Chanukas", komponiert von Herrn Oberkantor Weißmann, sowie das „iXlorrs-Zur" brachten ihm und dem Chore verdienten Beifall. Mit Recht hob unser Rabbiner Dr. Mangel in seiner zündenden Festrede hervor, daß die Gründung dieses Tempelchorvereines ein wahres Chanuka für die Zukunft unserer Gemeinde bedeute. Isch-Jehudi. Paris. Baron Eduard Rothschild, Sohn des Baron Alphons Rothschild, hat sich mit Fräulein Hermine H a l p b e n, Tochter des bekannten Großindustriellen Emil Halphen, verlobt. Per Kindting. Erzählung von Pabette Fried, Prag. (11. Fortsetzung.) Frau Esther hatte es nur ihrer erprobten Geschicklichkeit zu danken, daß sie trotz der Aufregung, in die sie durch diese Epistel versetzt wurde, dennoch das Mittagsmahl fertig machte, während auf Sophie gar kein Verlaß war.