Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 16 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16. Die Wahrheit Seite 9. und der Eltern der Schüler seitens des Vereinsobmannes, in welcher er auf die segensreiche Tätigkeit des Vereines und der Schule hinwies, wurde die Prüfung der in drei Klassen geteilten Schüler vorgenommen, welche ein ausgezeichnetes Resultat ergab. Diese Erfolge veranlaßten auch den Prüfungsleiter, Professor Kanitz, in eine längeren Rede seiner Anerkennung für den Vereinsvorstand und besonders dem Schulleiter, Lehrer D. H. Oesterreicher, Ausdruck zu geben und die Kinder zu weiterem Fleiße anzuspornen Ju warmen Worten appellierte er dann an die Gäste und alle Juden des Bezirkes, diesen Verein zu fördern. Es sprachen noch die Herren Wolf Pappenheim, Lehrer Oesterreicher und ein Mitglied des Vereinsvorstandes, worauf die würdige Feier geschlossen wurde. Wien. (Todesfall) Unter überaus großer Beteiligung fand am 17. d. M. das Leichenbegängnis der hier verstorbenen Gattin des Kantors in Gablonz a. N., Frau Laura G e i r i n g e r, statt. Die Verblichene, eine Tochter des verdienstvollen Obmannes des Vereines zur Hebung der Gewerbe, Herrn S Brod, stand noch in jungen Jahren und erlag einer tückischen Krankheit. Herr Rabbiner Dr. Ge l d h a u s widmete der Dahingeschiedenen einen warmgefühlten Nachruf und Herr Oberkantor Kläger exekutierte die Trauergesänge assistiert vom Tempelchor unter der Leitung des Herrn Kantors P e k a r n i k. Wien. (Talmud Thora-Verein für die Bezirke XII—XV.) In der Montag, den 18. d. M. abgehaltenen außerordentlichen General-Versammlung wurde auf Antrag des Vorstandes beschlossen, auch Mädchen-Unterricht in das Schul-Programm aufzunehmen und die Vereins- Statuten dahin abzuändern, daß jede General-Versammlung mit einer Majorität von zwei Drittel der Anwesenden beschlußfähig sei. In den Vorstand wurden die statutengemäß ausscheidenden Herren: Kommerzialrat Gottlieb Taußig. Heiur. Grünwald, Abr. Fischer, Jgn. Sonnenfeld wieder-, Sr. Ehrw. Herr Rabb. Dr. Max Grunwald und Herr Isidor Gelbart neugewählt. Die Wahl der Revisoren fiel auf die Herren Leopold Baß und Jonas Königstein. Die anwesenden Mitglieder der Bezirks-Kommission nahmen die Anregung entgegen, in ihrer Körperschaft für die tatkräftige Unterstützung der Bestrebungen des Talmud-Thora-Vereines zu werben. Wien. (Mädchen- und Frauen - Verein „Bi kur C h a u l i m".) Bei dem Schlußvortrag dieses Semesters, welcher am 16. d. M. stattfand, referierte Herr Dr. Siegmund Werner in höchst interessanter Weise über das Thema „Der Nährwert unserer gebräuchlichsten Nahrungsmittel" und erntete für seine Ausführungen lebhaften Beifall. —' Jene Mitglieder, welche ein Interesse an den Krankenbesuchen in den Spitälern haben, werden höflichst eingeladen, sich an den Sitzungen, welche an jedem Montag nach dem 1. und 15. eines jeden Monats in der Religionsschule, II., Negerlegasfe 2 i von 7 bis lj.29 Uhr abends stattfinden, zu beteiligen. Wien. (R e l i g i o n s w e ch s e l.) Baron Viktor Schoßberger de Tornya ans Budapest, der sich vor mehreren Jahren in Wien ansässig gemacht hat, ist vor einigen Tagen mit Frau und Kindern vom Judentum zum katholischen Glauben übertreten. Wien. Herr David W i t t m a n, Sohn des Ober-Kantors der Schisssynagoge, Herrn Ezechiel Wittmann, hat sich mit Fräulein Laura H i r s ch l e r verlobt. Wien. Mit großem Bedauern sahen die Mitglieder des Bethaus- Vereines „Emunas-Awes" den beliebten Oberkantor M. B a l o g h von seinem Amte scheiden, da er sich nicht nur durch seine schöne Stimme und seinen ausgezeichneten Vortrag viele Freunde erworben hatte, sondern auch mit seinen Amtskollegen in vollster und schönster Harmonie zusammenwirkte. - Wien Donnerstag, den 14. d. M. fand im Hause des Herrn Kantors Eduard Regner eine Bris Milo-Feier statt. Als Mohel fungierte Herr Oberkantor Schorr, als Sandek Herr Michael Duldner. Unter den Gästen bemerkte man Vertreter des Tempelvorstandes der Rembrandtsynagoge, ferner Rabbiner Kramer, die Oberkantoren Bauer und Wittmann, Kantor Löwit u. v. A. Graz. (Vierzigjähriges Doktorjubiläum). Der Rabbiner der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Mühsam, feierte dieser Tage im engsten Familienkreise die vierzigste Wiederkehr des Jahrestages seiner Promotion. Er wurde am 16. April 1864 an der Universität zu Leipzig zum Doktor der Philosophie, promoviert. Jglau. (Intimer Tempel-Gesangvereins -Abend.) Zo oft unsere Vereinsgenossen von der Hochschule auf Ferien heimkehren, gaben sie den Hierweilenden die Anregung zur gesellschaftlichen Verbindung und ziehen dieselben in ihren lebensfrohen Bannkreis. Der Vereinsausschuß hat in kürzester Zeit sein Programm aufgestellt, so daß sich schon am 9. d. M. in Speils Mariensaale sämtliche Damen und Herren vom Vereine und deren Angehörige versammelten, um sich durch Spiel und Gesang der Mitwirkenden zu erheitern. Zuallerst führte der Vereinsdirigent I. Kohn den erstarkten Männerchor mit zwei Chören: „Hüte Dich!" und „Immer mehr" von Girschner und Seifert ins Treffen und wurden die ausgezeichneten Darbietungnn desselben mit lautem Beifall ausgenommen. Frl. Anna Hellmann und Herr Berthold Keller spielten vierhändig die Ouvertüre von „Tannhäuser" mit verständnisvoller Sicherheit und Klarheit und wurde beiden reicher Applaus zuteil. Zwei Deklamationen heitern Inhaltes, von denen die Eine „das Salzfaß der Ehe" betitelt war, wurden von den jungen Damen Elise Schulz und Elsa Schwarz in sehr wirkungsvoller Weise vorgetragen und wirkten diese heitern Kinder der Muse nachhaltig auf die Lachmuskeln der Zuhörer. Beiden Damen wurde volles Lob für die Deklamation gespendet. Die erste Sängerin unseres Vereines, Frau Rosa Epstein, sang zwei Lieder: „Des Glockentürmers Töchterlein" von Löwe und „Die Prinzessin" von Grieg, wie immer mit ihrer schön ausgeglichenen Sopranstimme, mit vollen Hellen Tönen und erntete durch ihre Vortragsweise wahre Beifallsstürme. — Ein Schüler des Chormeisters Kohn, Hans Rosenberg, spielte Henry Lahee's Romanze und ein Menuett für das Violoncello mit Geläufigkeit und Präzision, wofür der Cellist mit Beifall überschüttet wurde. Auch unser Lieblingssänger Oberkantor D. Weiß har nebst einem Schubertffchen Liede, noch ein von unserem Chormeister komponiertes „Scheidelied" meisterhaft vorgetragen und schmeichelte sich mit seiner angenehmen, glanzvollen Baritonftimnie in alle Herzen ein. In hellem Jubel erschollen die Beifallsbezeugungen, welche er für seine Darbietungen einheimste. — Als ein sehr gewandter Klavierspieler trat noch einmal an diesem Abend Herr Berthold Keller auf, und absolvierte die Piecen „A la bien ahne" von Eduard Schutt und die „Flirt-Gavotte" von Alfred Grünfeld, mit besonderer Meisterschaft. Unter der musikalischen Leitung unseres Chormeisters wurde die Operette in einem Autzug „Verkannte Genies" von Louis Konymann. von den Vereins- Mitgliedern Armin Spielmann (Sänger Tremvlini), Karl Weiner (Komponist Notenquetscher), Ernst Pollak (Dichter Blumentau), Hugo Müller (Maler Schmierecke), Fritz Jolesch (Restaurateur Pantschke) aufgeführt. Die gesanglichen Leistungen und das mimische Spiel waren durchwegs vortrefflich und erzielten die Darsteller durch Extemporieren und Zusatzkouplets auf den Gesangsverein und gewisse Zustände im Vereinsleben großartige Lacherfolge. Dem Drängen der Tanzlustigen nachgebend, beschloß man den Abend mit einem regelrechten Kränzchen. — Den geehrten Bereinsgenossen danken wir für ihre Mitwirkung; gleichwertigen Dank svrechen wir unseren allverehrtern Herrn Obmännern Gustav Hellmann und Albert Pokorny, welche sämtliche Kosten für diesen Abend allein bestritten, im Namen Aller aus. A. B. Königsberg. Es dürfte für weitere Kreise von Interesse sein, zu erfahren, daß der Herr Oberkantor Eduard Birnbaum am 1. Mai d. I. aus eina 25jährige Wirksamkeit iu der hiesigen Gemeinde zurückblicken darf. Herr Birnbaum, einer der bedeutendsten Schüler des sel. Professor Salomon Sulzer, war vorher vier Jahre erster Kantor in Beuthcn und zwei Jahre Kantor in Magdeburg. Berlin. Die „Hilfskasse für israel. Kultusbeamte deren Witwen und Waisen in Deutschland" veranstaltet anläßlich des 100. Geburtstages Salomon Sulzers Sonntag, den 24. April, abends Vj., Uhr, in der Gemeindesynagoge, Lützowerstraße 6, ein Konzert, in welchem jynagogale Kompositionen zum Bortrage gelangen sollen. Aus diesem Anlasse hat sicb aus hervorragenden Mitgliedern der Gemeinde eiu Ehrenkomitee gebildet. San Francisco (S u l z e r f e i e r.) Mittwoch, den 28. März fand hier im Tempel Emanu-El anläßlich des 100. Geburtstages Salomon Sulzers eine Gedächtnisfeier statt, welche noch dadurch besondere Bedeutung erhielt, daß die Leitung des die Hauptsache bildenden musikalischen Teiles in die Hände des Kantors E. I. Stark gelegt war, der als hervorragender Exponent der Snlzer'schen Schule ganz besonders geeignet war, der Feier die rechte Weihe zu geben. Kantor Stark ist, wie der berühmte Sulzer aus Hohenems, Vorarlberg, Oesterreich, gebürtig und hat seine Ausbildung bei seinem Vater genossen, der ein Schüler des großen Sulzer war. Auswahl und Durchführung des gediegenen Programmes machten dem genialen Anhänger der Sulzer'schen Schule, Kantor Stark, alle Ehre. Die musikalischen Nummern waren bis auf zwei Ausnahmen Sulzer's Werk „Schir Zion" entnommen. Das zur Durchführung gebrachte Programm der weihevollen Gedächtnisfeier lautete: 1. Orgel-Borspiel „Hebräische Melodien": 2. Chor Psalm 21 „Adonoi Beos'cho"; 3. Gebet, Rabbiner Dr. Jakob Voorsanger; 4. Gesang des Kantors mit Chorbegleitimg. „Tow L'hodos" (Psalm 17); 5. Chor, Psalm 29, „Howu Ladonoi": 6. Festrede, Rabbiner Dr. Boorsanger; 7. Gesang des Kantors mit Chorbegleitung, Psalm 16, „Schiwifi", komponiert und dem Andenken Salomon Sulzers gewidmet von Kantor E. I. Stark; 8. Orgelsolo, Herr W. A. Sabin; 9. Schlußhymne „Adon Olam", gesungen vom Kantor mit Chorbegleitung; 10. Segen, und Gebet. New-Aork. (S u l z e r f e i e r.) Die Donnerstag, den 22. März vom Vereine der amerikanischen Kantoren anläßlich des 100. Geburtstages Salomon Sulzers im Tempel „Ahavath Chesed Shaar Hashomayim" in New-Pork veranstaltete Feierlichkeit nahm einen überaus imposanten und erhebenden Verlauf. Das Programm war folgendes: Präludium (Prof. G. Froelich); Ma towu (Rev. S. Rappaport und Chor); Prayer (Rev. Wm. Loewenberg); Psalm 122 (Rev. A. Kaiser); Abendgebet (Rev. Th. Guinsbury und Rev. D. Cahu); Vortrag „Salomon Sulzer" (Rev. A. Kaiser); Psalm 29 (Chor); Bortrag „lieber die Musik in der Synagoge" (Rev. Dr. I. S. Moses); Psalm 111 (Rev. H. Silverman und Chor); Olenu und Kaddisch (Rev. Ed. Kartschmaroff); Adon Olam (Rev. H. Martin); Schlußgebet und Segensspruch (Rev. Dr. Josef Silvermann). Sämtliche anfgeführte Kompositionen waren dem „Schir Zion" entnommen und die Chöre der einzelnen Synagogen hatten ihre Mitwirkung freiwillig und unentgeltlich angeboten. Kiteratnr. „Geflügelte Wort e". Zum einundzwanzigsten Male hat soeben der Verlag der Haude & Speuerschen Buchhandlung in Berlin Georg Buchmanns „Geflügelte Worte" hinausgehen lassen in die Welt, und wieder werden sie ihren Weg über den Erdball nehmen und freundliche Aufnahme finden überall, wo der Pulsschlag regen deutschen Geisteslebens sich bemerkbar macht. Buchmann, der die geflügelten Worte gesammelt hat und Robert Tornow, der nach Buchmanns Tode sein Nachfolger war, haben in Dr. Eduard Jppel, dem Direktor an der königlichen Bibliothek