Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 16 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3062972-3063212-3063228--03018-3069741- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8. Die Wahrheit Nr. 16. abgeholfen werden, daß den Parteien bei jedem Sterbefalleine Jnftruktion ins Haus geschickt wird, welche sie über alles unterrichtet und auf dem Friedhofe der Einfluß der Delegierten der Chewra erhöht und ihre Zahl vermehrt wird. Sehr wünschenswert wäre es auch, wenn die Bestimmung getroffen würde, daß jeder Grabstein wenigstens eine Zeile mit hebräischer Inschrift erhalten müsse, damit auch dadurch der jüdische Charakter des Friedhofes erkentlich wäre. Kais. Rat Wilh. Pollak sieht sich veranlaßt, als Obmann-Stellvertreter der Friedhof-Sektion auf die Anregungen des Vorredners zu reagieren. Bezüglich der Wahl der Delegierten glaube er nicht, daß im Kultusvorstand sich ein Widerstand gegen die Vermehrung derselben erheben würde. Bezüglich der Uebelstände bei den Beerdigungen, so sei gewiß noch Vieles zu richten, aber ^manche Verfügungen zur Verbesserung seien bereits getroffen worden und die Friedhof-Sektion werde auch fernerhin notwendige Reformen durchführen. Den Vorschlag, mit den Schmiramännern gleich eine Instruktion ins Trauerhaus zu senden, halte er für diskutabel und es könnten auf diese Weise auch manche Uebelstände beseitigt werden. Seine Lieblingsidee wäre es auch, die Leichenbegängnisse der armen Leute auch vom Hause aus würdiger zu gestalten, aber um die diesbezüglich bereits in der Friedhof-Sektion von ihm vorgeschlagenen Reformen durchzusüh'eu, bedarf es vielen Geldes und darum müsse man die Durchführung aus längere Zeit hinausschieben. Herr Jacob Schick plaidiert für die Wahl des gesamten Vorstandes durch die Generalversammlung und bedauert, daß bisher noch nicht aus dem Kreise des gegenwärtigen Vorstandes, dem er für seine Tätigkeit Anerkennung zollt, eine Persönlichkeit für das Präsidium nominiert wurde. Ueber eine Anfrage des Herrn Goldschmidt bezüglich Bestattung eines christlichen, respektive getauften Kindes in einer jüdischen Familiengruft entspinnt sich nach gegebener Aufklärung durch Herrn Adjunkten Freistadtl eine lebhafte Debatte, an welcher die Herren Adolf Hofbauer, Dr. Bloch, Jakob Jeiteles, Salo Cohn, kais. Rat Pollak,. Sigm. Kauders teilnehmen. Dr. Bloch stellt bezüglich Bestattung Andersgläubiger auf dem jüdischen Friedhofe einen Antrag, dessen erster Teil vollinhaltlich und dessen zweiter Teil nach einer von den Herren Vorsteher Salo Cohn und Jakob Jeiteles vorgeschlagenen Modifikation angenommen wird. Herr G o l d m a n n interpelliert wegen der Einzäunung des Friedhofes und der Zwischengräber. Kultusvorsteher Salo Cohn konstatiert in letzterer Beziehung, daß in Folge Platzmangels am Friedhofe sich die Notwendigkeit ergeben habe, die Gräber einander näher zurücken. Dies könne um so weniger vermieden werden, als bei der großen Anzahl von Gratisleichen (6673 % aller Beerdigungen) die Gemeinde große Opfer für die Beerdigung der armen Glaubensgenossen bringe. Aber bei allen seinen Verfügungen halte der gegenwärtige Vorstand am Gebote der wahren Menschenliebe fest und werde demselben auch in Zukunft stets treu bleiben. Auch Kultusvorsteher Sigmund Kauders konstatiert, daß die Zwischengräber so angelegt sind, daß selbst das konservativste Gefühl dadurch nicht verletzt wird. Ueber Antrag der Revisoren Jakob Jeiteles und Josef Jellinek wird dem Vorstand das Absolutorium erteilt. Herr Jakob R i p p e r wendet sich gegen die von Herrn Jacob Schick angemeldete Resolution bezüglich der Wahl des Präsidenten und der direkten Wahl des Gesammtvorstandes. Der Vorsitzende Dr. Markus Spitzer erklärt, daß der Kultusvorstand weder das Recht noch die Ambition habe, auf die Wahl des Präsidenten der Chewra Einfluß zu nehmen, und sobald der Vorstand komplett sein werde, werde auch die Wahl des Präsidenten vorgenommen werden. Da er weiters zusichert, daß der Vorstand sich mit der Frage der direkten Wahlen beschäftigen werde, zieht Herr Schick seine diesbezügliche Resolution zurück. Das während der Debatte vorgenommene Skrutinium ergab folgendes Resultat. Als gewählt erscheinen: Jakob Kann, Samuel Steiner und Moriz B r e i t n e r.. Nach Verkündigung des Wahlresultates schließt der Vorsitzende die Generalversammlung. Verschiedene Uachrichleu. Wien. (Gegen den Abfall.) Ueber dieses Thema sprach am verflossenen Peßachfeste Herr Rabbiner Dr. Schmiedl im Leopoldstädter Tempel in besonders eindringlichen Worten, die er ani letzten Sabbath, am Rosch-chodesch Isar, sortsetzte. Redner erwähnte, daß gerade im Jjar, der sich mit dem Wonnemonat Mai decke, im Mittelalter, namentlich zur Zeit der Kreuzzüge, die größten Leiden über unsere Borfahren kamen und viele, viele Tausende ihr Leben lieber Hingaben, bevor sie den Väterglauben treulos verlassen hätten. Wenn daher fromme und gefühlvolle Brautpaare in der „Sephira" nicht unter den Trauhimmel treten wollen, zeigen sie ihr Mitgefühl nlit den großen Märtyrern unseres Volkes, deren Andenken stets unter uns fortleben wird. Redner wandte sich an die Mütter in Israel, die zu allen Zeiten für Gott und seine heilige Lehre nmtig eintraten, und ermunterte sie, auch heute ihrer heiligen Pflicht gegen die Heranwachsende Generation eingedenk zu sein, um diese fürs Judentum zu erhalten. Beide Reden machten allseits den tiefsten Eindruck und hätten wir nur den einen Wunsch, daß sie in Druck gelegt- und die größtmöglichste Verbreitung erlangen mögen. Unsere Frauen und unsere intelligente Jugend werden sie mit großem Interesse lesen. „Isch jehudi". Wien (Predigt.) Freitag, den 22. April 1904 im Tempel des achtzehnten Bezirkes. Wien. (O e st e r r e i ch is ch-is rae li t is che Union.) Donnerstag, den 28. April 1904, abends 1I2S Uhr, findet im Restaurant Guth, II., Stefaniestraße 14, die neunzehnte ordentliche Gen er al-Versammlung der Oesterreichisch-israelitischen Union statt. Tagesordnung: 1. Mitteilungen des Vorstandes. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Kassabericht. 4. Wahlen in den Vorstand. 4. Anträge und Interpellationen. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Durch den plötzlich eingetretenen Trauerfall im Hause unseres Präsidenten mußte die für den 23. d. M. bestimmte Generalversammlung des Vereines zur Hebung der Gewerbe vertagt werden. Dieselbe findet nun am Samstag den 30. d. M. 8 Uhr abends in Kuhners Restaurant, 1., Adlergasse Nr. 6 statt. Wien. Am 10. April fand unter Vorsitz Sr. Ehrw. Herrn Rabb. S. Fürst und in Anwesenheit des Gesamtvorstandes die Prüfung an der Privat-Religionsschule der Adaß Jßroel (Schiffschul) statt. Die zahlreichen Gäste, darunter Herr Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer, Herr Inspektor Professor M. Kanitz, in Vertretung der Kultusgemeinde Herr Offizial Braun, Herr Oberkantor Bauer, die Vertreter vieler Vereine rc. folgten der Prüfung, welche von 1/29 bis ^12 dauerte, mit gespannter Aufmerksamkeit. Der Eifer, mit dem der Lehrkörper, bestehend aus den Herren Oesterreicher, Feuerring und Dr. Rosenfeld seiner schwierigen Aufgabe obliegt, erweckt in den Schülern eine solche Liebe zum Studium der heiligen Sprache und Schriften, daß Erfolge erzielt werden, die bei der karg zugemessenen Unterrichtszeit nahezu unglaublich erscheinen. Hochbefriedigt verließen die zahlreicheu Gäste die Schule mit der Ueberzeuguug, daß es nur vieler solcher Schulen bedürfe, um die Zukunft des Judentums zu sichern. Den Freunden jüdischen Geistes und Wissens möchten wir aber nahelegen, der Anstalt durch Spenden zu ermöglichen, eine steigende Anzahl von Gratisschülern am Unterrichte teilnehmen zu lassen. Wien. Vorigen Mittwoch, wurde Herr Carl E p st e i n, Bruder des bekannten Gelehrten Abraham Epstein, im Alter von 60 Jahren zu Grabe getragen und erschienen bei der Beerdigung außer den tiefgebeugten Familienangehörigen die Herren Hofrat Professor Müller, Adolf von Sonnenthal, Baurat Stiaßny u. A. Rabbiner Dr. Taglicht hielt eine ergreifende Trauerrede und Oberkantor Singer mit dem Tempelchore hatte die liturgische Funktion. Der allzufrüh Verblichene ruhe in Frieden! Wien. (To y n b e e - H a l l e.) Unter den diesjährigen Sommerkursen befindet sich auch ein solcher für Buchhaltung (doppelte, amerikanische) gegeben von dem Vorstandsmitgliede Herrn Hermann Berliner, der in einem ersten Fabriksgeschäste die Stellung eines Oberbuchhalters bekleidet. Dieser Kurs findet jeden Sonntag Vormittag von 8 bis 1j210 Uhr statt, beginnend mit dem 1. Mai. Wien. (Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk.) Am 17. d. M. fand die Prüfung der von dem Vereine unterhaltenen Religions- und Bibelschule statt. Während seiner kurzen dreijährigen Tätigkeit hat dieser rührige Verein seine Schule auf ein solches Niveau zu heben verstanden, daß dieselbe sowohl seitens des Kultusvorstandes, wie auch der Fachkreise, die vollste Anerkennung gefunden hat. Die Schule im neunten Bezirke zählt heute zu den mnstergiltigen Privatanstalten in Wien. Außer dem Vereinspräsidenten, Herrn Primarius Dr. S. Kornfeld und dem Vereinsvorstande waren erschienen: In Vertretung des Kultusvorstandes Herr Prof. Ehrmann, ferner die Herren Prof. Dr. Kanitz, Rabbiner'Dr. A. Kaminka, Vertreter des Schulvereines „Adass Isrosl" Wolf Pappenheim, in Vertretung des Roßauer Kinderbekleidungsvereines Herr Josef Steiner, M. Brunner vom Tempelverein „Ohel Abraham" rc. Der Obmann des Brigittenauer Tempelvereines Herr Hermann Eltbogen entschuldigte schriftlich sein Fernbleiben. Nach einer Begrüßung der Gäste nnrnimmmr im