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Die Wahrheit · 1904-04-15 · Heft 15 (15.4.1904) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 15 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 8. Die Wahrheit Nr. 15.!, f bericht. 2. Kassabericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Aenderung des § 10 der Statuten. 5. Vortrag des Hof- und Gerichts-Advokaten Herrn Dr. Leo Munk: „Der Geschäftsmann und die Steuerbehörde." 6. Anträge und Interpellationen. Wien. (Solenne Sederfeier.) lieber 100 Handwerkszöglinge nahmen an der diesjährigen Sederfeier teil, die heuer in den Sälen „zum goldenen Widder" in der Taborstraße abgehalten wurde. Der „Verein zur Verbreitung der Handwerke unter den inländischen Jsraelititen", einer unserer ältesten Wohltätigkeitsvereine, hat sich, wie in den Vorjahren,' auch beuer wieder um das Arrangement dieser so schönen Feier besonders verdient gemacht und erschien der Gesamtvorstand unter Führung des Präsidenten des Herrn Gemeinderates und Architekten D. Zifferer und des Schriftführers Herrn Dr. Rich. Reis; der Kultusvorstand war durch sein Mitglied Herrn Emil Horner vertreten. Besonders aufmerksam lauschte die mehrhundertköpfige Zuhörerschaft dem Festvortrage, den Prof. Antscherl hielt und der tiefen Eindruck machte und sang bei den Festgesängen begeistert mit, die Herr Kantor Pekarnik sehr schön exekutierte. Die Feier verlief programmgemäß und machte allseits den besten Eindruck. Wie». (Chewra-Kadischa.» Die diesjährige Generalversammlung der Chewra-Kadischa findet Sonntag, den 17. April 1904, lO Uhr vormittags. im Saale des „Hotel Post", I., Fleischmarkt statt. Wien. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald wird Freitag, den 15. April 1104, beim Abendgottesdienste im Tempel zu Fünfhaus eine Predigt abhalten. Wien. (Bethausverein, EL, Fugbachgasse 7.) Wie seit Jahren so hält auch Heuer Herr Rabbiner Dr. Daniel Fink in den Sefirawochen täglich nach dem Minchagottesdienste populär-wifienschaftliche Vorträge über die „Sprüche der Väter". Wien. (Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk.) Am 17. d. M., 10 Uhr vormittags, findet die öffentliche Prüfung an der Privat-Religionsschule dieses Vereines in dessen Vereinslokalitäten, IX., Pramergasse 5, statt. Wien. Infolge Erkrankung des Herrn Oesterreicher, Oberkantor im Tempel des XX. Bezirkes, sah sich der Bethausvorstand veranlaßt, zur Vertretung den Herrn B. Klein, früher Oberkantor in Mähr.-Ostrau, für die zwei letzten Pessachtage einzuladen, die Funktionen, zu übernehmen. Obwohl ganz unvorbereitet, hat er es verstanden, in vorzüglicher Weise die ihm übertragenen Funktionen auszuüben, was mit Anerkennung^ von Seite der Tempelbesuchcr ausgenommen wurde. Baden. (25jähriges Jubiläum der Kultusgemeindc.) Gleich dem eben erschienenen, alles neu belebenden Frühling hat auch der Tempel der hiesigen Kultusgemeinde ein heiteres und anmutendes Aussehen angenommen, indem er mit vielem Kostenaufwande neu restauriert und auf das geschmackvollste hergerichtet wurde. Der Kultusvorstand hat es nicht an Mühe, Beharrlichkeit und Opferwilligkeit fehlen lassen, um dem Gotteshause jenen herzerfreuenden Anblick zu verschaffen, der einer geheiligten, gottgeweihten Stätte gebührt. Von Tempeln, den Pulsadern der jüdischen Gemeinden, soll bei jeder Gelegenheit in der jüdischen Presse gesprochen werden. In ihnen spiegelt sich das Charakterbild der betreffenden Gemeinden und die geistige Fähigkeit ihrer Repräsentanzen ab, wie beim Eintritt in das Innere eines jeden Hauses sich sofort der schlecht oder gut waltende Haushaltungssinn zu erkennen gibt. Die Kultusgemeinde Baden kann mit Stolz darauf Hinweisen, daß sie in den verhältnismäßig kurzen Jahren ihres Bestandes ein schönes Stück Arbeit geleistet, eine Arbeit, die nicht wenig geistige und physische Anstrengung in Anspruch genommen hat. Ein Bierteljahrhundert ist vorübergegangen, und va lohnt es sich, einen Rückblick auf dasselbe zu werfen, um zu zeigen, was guter Wille und heiliger Effer zustande zu bringen vermögen. Am 10. Juni 1878 fand die erste konstituierende Borstandssitzung der Kultusgemeinde statt, in welcher der noch jetzt an der Spitze der Gemeinde-Repräsentanz stehende Herr Moriz Lettner als Präses gewählt wurde. Und welches Bild boten die Gemeindeverhältniffe zu jener Zeit dar! Die frühere Verwaltung hatte der neuerstandenen Kultusgemeinde eine erdrückende Schuldenlast als unliebsames Andenken zurückgelaffen. Der Tempel samt Nebengebäuden stand stündlich in Gefahr unter den Hammer zu kommen, Bangen und Zagen erfaßte die Mitglieder ob der Zukunft der kaum erstandenen Gemeinde und keine Phantasie vermochte sich eine glückliche Aussicht vorzuzaubern. Wie von einer unsichtbaren Hand stand „Auflösung" auf der getünchten Wand geschrieben, und wenig fehlte, daß dieses drohende Unheil in Wirklichkeit umgesetzt worden wäre. In dieses Wirrsal griff eine glückliche Hand ein. Es war eine göttliche Fügung, daß beherzte, tapfere Männer, Männer mit berechnendem Sinn und weitausschauendem Blicke die Leitung dieses jungen Gemeindelebens in die Hand nahmen. Wie eine liebende Mutter mit sorgendem Blick auf das in Lebensgefahr schwebende Herzenskind unaufhörlich achtet und sich keine Ruhe gönnt, bis nicht die drohende Gefahr vorüber ist, so hat der damalige Kultusvorstand, zielbewußt von seinem Präses geleitet, keinen Moment gerastet, bis nicht die kritischen Zustände der Gemeinde saniert waren und Hoffnungsstrahlen wieder in dieselbe hineinleuchteten. Inzwischen aber stiegen aus dem Schoße der Gemeinde selbst neue düstere Wolken aus. Die Rabbinerfrage im Jahre 1879 regte die Gemüter auf, führte zu Meinungsverschiedenheiten, zu heftigen Auseinandersetzungen und schließlich zu zwei einander scharf gegenüberstehenden Parteien: die eine, welche die tristen ungarischen Gemeindeverhältnisse sich zum Muster nahm, wollte einen in dieser Couleur schillernden Rabbiner haben; die andere, welche ein festgefügtes Gemeindewesen im Auge hatte, suchte einen mit solchen Eigenschaften ausgestatteten Seelsorger, dem es vermöge seiner Fähigkeiten möglich sein sollte, im Vereine mit den Gleichgesinnten in der Gemeinde dieses schöne Ziel zu erreichen. Als nun im darauffolgenden Jahre der in der Gemeinde leorech. jomim noch jetzt wirkende Rabbiner, Herr Wilhelm Reich, die Seelsorge übernahm, toste der Sturm zwar noch eine Weile fort, aber allmälig begann seine Heftigkeit nachzulassen, die Dissidenten erkannten, daß kluger Sinn und feste Hand am Steuerruder der Gemeinde sitzen, .sie glichen sich mit den gegebenen Verhältnissen aus. und Ruhe und Zufriedenheit zogen als Engel des Friedens wieder in die Gemeinde ein. Und wo Friede, da ist Segen. Nach und nach entstanden humanitäre und Wohlfahrts-Institutionen in der Gemeinde — von denen der Frauenverein mit besonderem Lobe hervorzuheben ist — die ihr^um Ruhme gereichen. Munifizente.Spenden des weitberühmten Philanthropen Herrn David Ritter von Gutmann gaben der Gemeinde die Möglichkeit, eine Vergrößerung oder einen Neubau des Tempels zu planen, was, so Gott will, in späteren Jahren zur Ausführung gelangen wird. Aber in seinem bisherigen, ganz unentsprechendem Zustande konnte der Tempel nicht belassen werden, und ist es dem energisch eifrigen Streben des Kultusvorstandes zu danken, daß der Gemeindetempcl nach seiner jetzigen inneren Ausschmückung zu den schönsten Gotteshäusern in Oesterreich gezählt werden kann. Das Arrangement leitete Herr k. k. Baurat Stiaßny, in faktisch künstlerischer Weise führte Herr Karl Kaufmann (Wien) die Malerei aus und das stilvolle Galeriegitter.lieferte der Kunstschlosser Herr Adolf Neurat (Mödling». Prachtvolle Tempelfenster spendeten die Herren: Salomon Klauber, Alfred Leitner, Max Scheu, Alexander Pollak, Friedrich Schiller und die Chewra-Kadischa Baden. Die nach sechswöchentlicher Abschließung erfolgte Wiedereröffnung des Tempels, u. zw. am ersten Pessach-Abend, gestaltete sich zu einem höchst feierlichen Akte. Bor Beginn des Abendgebetes intonierte Herr Oberkantor Seifert mit dem Chore das Ma-towugebet, worauf Se. Ehrw. Herr Rabbiner. Wilhelm Reich nach Verrichtung eines herzergreifenden Gebetes, das an jenes des Königs Salomo bei gleicher Veranlassung erinnerte, das Ner-Tomid anzündete. Nach dem Gottesdienste wurde deni Präses Herrn Moriz Leitner von vielen Tempelbesuchern spontan eine Ovation dargebracht. In der am darauffolgenden Tage beim Mussafgebet gehaltenen Predigt sprach Herr Rabbiner Wilhelm Reich dem Vorstande für die volle Hingabe zu diesem schönen Werke im Namen der ganzen Gemeinde den Dank aus, was auch in dem vom Sekretär Herrn Jnfeld verfaßten und vom Oberkantor Seifert vorgetragenen Mi-scheberach feierlich zum Ausdrucke kam. Klattau. Der neugewählte Rabbiner unserer Gemeinde,Herr Doktor Bret, trat am 25. März sein Amt an, aus welchem Anlasse vom Vorstande ein Festgottesdienst veranstaltet wurde. Der Präses Dr. I. Fleischer und besten Stellvertreter Herr Josef Feigl erwarteten den Rabbiner am Bahnhofe. Abends, vor Beginn des Festgottesdienstes, wurde Dr. Bret vom Gemeinde- und Chewra-Vorstande von seiner Wohnung abgeholt und in den festlich beleuchteten Tempel geführt, woselbst ihn der Kultuspräses im Namen der Gemeinde begrüßte. Nach' Aufführung eiues Psalmes durch Oberkantor Kornitzer unter Mitwirkung des Chores, bestieg Rabbiner Dr. Bret die Kanzel und hielt seine Antrittsrede, welche auf das zahlreich erschienene Publikum einen nachhaltigen Eindruck übte. Ledeö. Am zweiten Tag ohol hamoed scliel pesach, das ist am Sonntag den 3. d. M., 3 Uhr nachmittags, fand wie alljährlich im Lokale der hiesigen israelitischen deutschen Volksschule die Generalversammlung unserer alten „Chewra Kadischa" statt. Der Jahresbericht über die Vereinstätigkeit, sowie der Kassabericht wurden genehmigend entgegengenommen und dem langjährigen Kassier Herrn I. Freud das Absolutorium erteilt. Der Vorsteher der Chewra, Herr D. Bauer, dessen Sparsinn und gemeinnützige ersprießliche Tätigkeit als Leiter dieses humanitären Vereines in unserer Gemeinde allgemein anerkannt wird, machte bei dieser Gelegenheit einige notwendige Resormvorschläge, welche allgemeinen Beifall und auch die Zustimmung der Generalversammlung fanden; so z. B. sollen die noch in jüdisch-deutscher Schrift geschriebenen, über 100 Jahre alten j-nj pr, in zeitgemäße Statuten umgearbeitet werden, so daß der Verein der Aufnahme .neuer Mitglieder zugänglicher gemacht und auch die sonstigen Vereinsagenden freier, unbeschränkter ausgeführt werden könnten. Endlich wurde auch dem Projekte einer Chewra Sude, wie selbe in früheren Jahren öfter stattfanden, nähergetreten, doch ist hierüber noch kein Beschluß gefaßt worden. Mähr.-Ostrau. Herr Adolf Türk, der viele Jahre in unserer Gemeinde als Oberkantor fungierte und seit einer Reihe von Jahren bereits in Pension war, ist am 26. März plötzlich gestorben. Das Leichenbegängnis fand am 30. unter außerordentlich zahlreicher Teilnahme statt. Lemberg. In derselben Woche, da den Manen Sulzers der gebührende Tribut geleistet wurde, haben wir einen unserer gefeiertsten, weit über die Grenzen des Heimatslandes geschätzten Kantoren konservativer Richtung zu Grabe geleitet. Baruch Schorr, ein Greis von 64 Jahren, der durch Jahrzehnte Tausende frommer Glaubensgenossen durch seinen herrlichen Gesang entzückt und erhoben, auch längere Zeit als berühmter Chasan in Amerika wirkte, wurde am letzten Tage des Passahfestes in der städtischen Synagoge, während unzählige Besucher dichtgedrängt seinem Vortrage des Mussafgebetes lauschten, infolge eines Herzschlages seiner irdischen Wirksamkeit entrissen. Dieser Todesfall rief allseits umso aufrichtigere Teilnahme hervor, als der Verstorbene auch wegen seines regen Wohltätigkeitssinnes in weiten Kreisen geschätzt wurde. Ehre seinem Andenken! Lemberg. Der einförmige Gang des Gemeindelebens dürfte durch die für Ende Mai, beziehungsweise Anfang Juni anberauinten Kultusrats - wählen, bei denen statutengemäß die Hälfte der 30 Mandate zur Neubesetzung gelangt, eine lebhafte Unterbrechung erfahren. Denn abgesehen davon, daß wie in früheren Jahren den von offizieller Seite aufgestellten Kandidaturen so manche Gegenkandidaten gegenübergestellt werden, rüsten

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