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Die Wahrheit · 1904-04-15 · Heft 15 (15.4.1904) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 15 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15 Die Wahrheit Seite 7 Zielen und Bestrebungen treffen wir uns alle, mögen auch die Wege, die j wir gehen, verschieden sein. Die mehrtauscudjährige, ruhmvolle Tradition; unseres Volkes unseren Nachkommen zu überliefern, wie sie uns von; unseren Vorfahren überkommen, das Zusammengehörigkeitsgefühl aller - Schichten unseres, durch gemeinsames Leid geeinigten Volkes zu heben und Hu fördern, ist unsere große, gemeinsame Aufgabe.! Meine Herren, vor 37 Jahren, nach 3ö-jähriger Amtstätigkeit, ist ein ausgezeichneter Mann, ein Mann.. der in seinem ganzen Leben j durch Wort, Schrift und Tat für das Recht unserer Glaubensgenossen, \ nicht blos in Oesterreich, eingetreten ist und sich unvergängliche Verdienste > erworben hat, von der Stelle geschieden, an welcher Sie mich heute be- ] rufen haben. Josef Ritter von Wertheimer, an dessen Seite lange i .Jahre, bis zu seinem Tode gewirkt zu haben, zu meinen schönsten und; unvergeßlichsten Erinnerungen gehört; er hatte damals die Vorsteher und! Vertreter der Gemeinde um sich versammelt — keiner von ihnen weilt mehr unter den Lebenden — und in seinen Abschiedsworten als die Leit-? sterne aller seiner Handlungen bezeichnet: „Wahrung des Friedens, Hebung \ des Ansehens und der Würde unserer Gemeinde." Diese Worte waren die. \ Grundsätze seines langen Wirkens, waren die Leitsterne aller seiner Amts-! Nachfolger, sie werden auch die Leitsterne für die Tätigkeit sein, zu welcher! Ihr Vertrauen mich heute berufen hat. Nochmals herzlichsten Dank!" Bei der hierauf vorgeuommenen Wahl des I. Vize-! Präsidenten wird Dr. G u st a v K o h n mit 27 von 29 abgegebenen Stimmen geivählt und richtet unter lebhafter! Akklamation folgende Dankeswortc an den Vorstand:! „Gestatten Sie, daß ich in kurzen Worten für die nahezu einstimmig ’ erfolgte Wahl zum I. Vize-Präsidenten Ihnen meinen wärmsten Dank ausspreche. Ich betrachte diese Wahl als ein Vertrauensvotum, als eine Anerkennung, daß Sie mit meiner bisherigen Tätigkeit nickt unzufrieden sind, und ich verspreche Ihnen, meine Herren, nach wie vor mit meiner ganzen Kraft mich dem Dienste der Gemeinde zu widmen. So wie bisher an der Seite des allverehrten früheren, zu unserem lebhaften Bedauern aus Gesundheitsrücksichten aus dem Vorstande geschiedenen Präsidenten kais. Rat Klinger, so will ich von nun ab an der Seite unseres nunmehrigen, hochgeehrten Präsidenten Dr. Stern im Vereine mir jenem Kollegen, den Ihr Vertrauen zum II. Vize-Präsidenten berufen wird, an der Leitung der Gemeinde Mitwirken." Bei der Wahl des H. Vizepräsidenten erscheint kais. Rat Monz Hirsch mit 26 Stimmen als gewählt. Derselbe wird allgemein beglückwünscht und hält folgende Ansprache an die Versammlung: Für die auf mich gefallene, so hochehrende Wahl zum II. Vize- Präsidenten erlaube ich mir Ihnen, meine Herren, meinen besten Dank zum Ausdrucke zu bringen. Ob ich den Erwartungen gerecht werde, die Sie vielleicht an meine Wahl knüpfen, weiß ich nicht; ich weiß nur, daß ick mit aller Kraft und aller Hingebung bemüht fein werde, Ihr Vertrauen zu rechtfertigen. Es entspricht dem Prinzips meiner bisherigen Wirksamkeit, in erster Linie für die Aufrechthaltung des Gleichgewichtes im Gemeindehaushalte zu sorgen und in diesem Sinne werde ich auch in Hinkunft zunächst tätig sein. Ich danke Ihnen, meine Herren, nochmals für die mich ehrende Wahl!" I. Vizepräsident Dr. Kohn referiert über Einführung des Jugendgottesdienstes für die Mittelschüler des 8. und 9. Bezirkes im Tempel des 9. Bezirkes. Die diesbezüglichen Anträge des Vertreterkollegiums, daß die Kultusgemeinde für die Kosten der Exhorte mit einem Betrage von 800 bis 1000 K aufkomme, wurden nach kurzer Debatte einstimmig angenommen. Heber einen iveiteren Antrag (Referent Dr Gustav Kohn) im Tempel des li. Bezirkes einen allwöchentlichen Jugendgottesdienst für Volks- und Bürgerschüler mit einer 14 tägigen Exhorte versuchsweise einznführen und für die Kosten der Exhorte mit einem Betrage von zirka 300 K aufzukommen, entwickelt sich eine lebhafte Debatte, an welcher die Herrren Kauders. Dr. Spitzer, Dr. Steiner, kais. Rat Wilh. Pollak (pro) und Oberfinanzrat Dr. Rapoaport (kontra) reilnahmen. Schließlich wurde der Antrag angenommen. Sekretär - Stellvertreter Dr. Adler referiert eingehend über die Wirksamkeit und die finanzielle Lage des Verbandes zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen. Da sich im Jahre 1903 ein Gebahrnngsdefizit von K 3000 ergab, beantragt das Vertreterkolleginm, diesen Fehlbetrag als außerordentliche Subvention zu bewilligen. In Anbetracht der außerordentlich ersprießlichen und gemeinnützigen Tätigkeit des Verbandes wird der Antrag ohne Debatte einstimmig angenommen. Ritter v. Goldschmidt referirt über Abänderungen einiger Bestimmungen der Friedhofordnung, deren Genehmigung vom Obmannstellvertreter der Sektion, kais. Rat Wilh. Pollak, in längerer Ausführung warm befürwortet wird. Ueber das Referat, sowie über die von den Herren kais. Rat Jonas Weil und Dr. Spitzer vorgebrachten Wünsche, die Leicheubegägnisse armer Leute und verarmter Gemeindemitglieder durch unentgeltliche Beistellung eines Kantors, respektive Kantors und Rabbiners würdiger zu gestalten entsteht eine längere Debatte an welcher außer den Genannten dio Herren Salo Kohn, Dr. Stern, Dr. Rappavort und der Referent teilneymen. Rach einigen vom Adjunkten Freistadtl gegebenen Aufklärungen wird das Referat genehmigt und hierauf die öffentliche Sitzung geschloffen. In der hierauf folgenden vertraulichen Sitzung wird der vom Vorstände der Chewra Kadischa gewählte Herr Salomon Simon zum Vorstandsmitgliede desselben ernannt. Uertchiedenc Nachrichten. Wien. (Allerhöchste Auszeichnung.) Der Reichsrats- und Landtagsabgeordnete Herr Dr. Heinrich Kolischer wurde von Sr. Majestät mit dem Orden der eisernen Krone ausgezeichnet. Wien. (Allgemeiner Kranken-Unterstützungsverein ,.Nächstenliebe".) Die von diesem Vereine in der letzten Generalversammlung beschlossenen Statutenänderungen haben bereits die behördliche Genehmigung erlangt und werden hierdurch weitere bedeutende Benefizien für die Bereinsmitglieder eingeführt. Als die wesenrlichsten wären zu erwähnen: Die unentgeltliche ärztliche Behandlung auch der Frauen und Kinder der Vereinsmitglieder; die Heranziehung von Spczialürzten in besonders wichtigen Fällen, sowie die Erhöhung des Witwengeldes. Außerdem wurde, um auch den in den entlegeneren Bezirken wohnenden Mitgliedern den ungeschmälerten Genuß der Vereutsbenefizien zu bieten, die Anstellung eines Bereinsarztes speziell für diese Bezirke beschlossen. Es ist zu hoffen, daß durch diese neuen Benefizien ein weiterer Aufschwung dieses bereits seit dem Jahre 1868 bestehenden und tadellos geleiteten Vereines herbeigeführt werden wird. ■ Wien. (Schauturnen des ersten Wiener jüdischen Turnvereines.) Am 26. März d. I. fand im festlich geschmückten Ballsaal Ronacher das diesjährige Schauturnen des genannten Vereines unter starker Beteiligung der besten jüdischen Kreise statt. Es dürften an 600 Personen dem Feste beigewohnt haben. Besonders bemerkt wurde die Anwesenheit Dr. Herzl's nebst Gattin, des verdienten Ehrenmitgliedes des Vereines Herrn Fabrikanten Hermann König, des Präsidenten des jüdischen Boisvereines Herrn Richard Rappaport, des Rabbiners Dr. Gelbhaus und Frau, zahlreicher Vertreter der zionistischen Landes- und Distriktsorgauisation, sowie fast sämtlicher zionistischen Vereine und studentischen Verbindungen. Die turnerischen Vorführungen selbst wurden programmgemäß unter der strammen Leitung des bewährten I. Turnwcutes Herrn Rudolf Pollak und unter großem Beifall der Zuschauer ausgeführt. An den Freiübungen der Herren beteiligten sich gegen 60 Turner, also fast doppelt soviel als im Vorjahre. Besonderen Anklang fand der Stabreigen, den 20 Turnerinnen in geschmackvoller Turnkleidung mit viel Grazie und besonderer Präzision zur Ausführung brachten. Desgleichen erzielte der von 16 Turnern exakt ausgeführte Keulenreigen großen Beifall. Das allgemeine Geräteturnen, das unter Musikbegleitung von 5 Riegen vorgeführt wurde, legte Zeugnis ab von den Fortschritten der Turner an den verschiedenen Geräten und erntete besonders die erste Riege, welche am breiten Pferd übte, starken Applaus. Die Riege der alten Herren zeigte am hohen Barren, daß sie hinter den jungen Kräften noch keineswegs zurückstehe. Den Schluß des turnerischen Programmes bildete ein Sektionsturnen, welches an drei in V-Form aufgestellten Barren ausgeführt wurde. Je drei Turnei: vollführteu auf Kommando die gleiche Uebuug und zwar derart, daß zuerst einfache Uebuugen und dann von den nächsten drei Turnern immer schwierigere und kompliziertere Hebungen zur Ausführung gebracht wurden. Besonders die Uebnngen der letzten Stufe, welcher die besten Turner des Vereines angehörten, fand stürmischen Beifall. — Nach kurzer Pause wurde der Tanz eröffnet, dem sich auch die Turner und Turnerinnen trotz der vorhergegangenen Anstrengungen mir echt turnerischer Ausdauer bis in die frühen Morgenstunden widmeten. Ter Abend brachte dem jungen Vereine einen vollen Erfolg und steht daher zu hoffen, daß die Bestrebungen des Vereines nach Schaffung einer in jeder Hinsichr entsprechenden Turnballe kräftige Unterstützung in allen jüdischen Kreisen finden werde. Schon heute läßt das stete Wachsen der Mitgliederzahl die baldigste Vergrößerung der Uebungslokaliräten unbedingt notwendig erscheinen. Mögen daher alle Juden, denen der Wert der körperlichen Kräftigung unserer Volksgenossen am Herzen liegt, durch moralische und materielle Unterstützung die gute Sache des Vereines fördern! Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien, I., Wipvlingerstraße 26.) Samstag, den 23. d. M., präzise 8 Uhr abends, findet in Kuhner's Saallokalitäten, I., Adlergasse Nr. 6, die XIV. ordentliche liche Generalversammlung der Vereines statt. Tagesordnuud: 1. Jahres-

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