Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 12 (18.3.1904)
- Date
- 1904-03-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12. Die Wahrheit Leite 9. die ..Herzensworte", welche ein fünfzehnjähriger jüdischer Knabe, Stefan Hirschberg aus München, verfaßt hat. - Man muß tatsächlich staunen über die Meisterschaft, mit welcher der jugendliche Hirschberg die deutsche Sprache beherrscht. Und besonders rühmenswert ist es, daß der junge Dichter seine Muse in den Dienst der Religion gestellt hat. Die ..Herzensworte" sind nämlich ..Gebete in Versen für meine kleine Schwester",*) wie der Verfasser schreibt, wir sind aber überzeugt, daß auch gereifte Mädchen und Jünglinge diese Gebete mit Vergnügen lesen werden. Von dem Gedanken geleitet, daß die schönste Schilderung oder Charakterisierung ohne Proben kein richtiges Bild geben kann, seien einige Stellen aus den ..Herzensworten" wiedergegeben. Das erste Stück betitelt sich „Gebet beim Eintritt ins Gotteshaus". Die Anfangsstrophen lauten: „Sei mir gegrüßt, du friedlich stilles Haus, Wo wir Gott naher treten im Gebet, Wo wir im frommen Dienste ihn verehren, Wie es in seiner heil'gen Lehre steht. Dem wunden Herzen, schwer von Schmerz und Leiden, Gibt hier der Allerbarmer Trost und Heil; Dem Glücklichen, der jauchzen will und danken, Wird himmlische Befriedigung zuteil. Und sei's ein Greis, gebeugt durch lange Jahre, Und sei's ein Kind mit innigem Gemüt, Sie beten all zu einem einzigen Gotte, Der alles hört, der jede Träne sieht. Ebenso schön und gemütsinnig sind auch die übrigen Gebete (Morgengebet, Tischgebet, Abendgebet, Gebet am Sabbathe und den Festen re.) Wir wünschen dem Büchlein, das in schöner Ausstattung bei der Verlagshandlung Seitz und Schauer in München erschienen und dem Rabbiner Dr. C. Werner daselbst gewidmet ist, recht viele Leser; dem jungen Dichter aber rufen mir ein ein inniges koach" zu. Dr. B i a ch-B r ü x. Verschiedene Nachrichten. Wien.- (Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 13. März 1904, unter dem Vorsitze des I. V i z e-P ras identen Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags.) An Spenden.sind eingelaufen : Von den Damen Jda Fließ, Marie Bondy, Melanie Rie, und Herrn Oskar Bondy zur Errichtung einer Bettstiftung im israel. Siechenhause zum Andenken an ihre dahingeschiedene Mutter Pauline Bondy X 12.000 —. Sammlung der Administration der „Neuen Freien Presse" zur Ausspeisung armer isr. Schulkinder im XX. Bezirke X 160.—. Von Herrn Fritz Weiß für den isr. Waisenverein X 10.—. Bon K. S. für arme Wöchnerinnen X 4.—. „Jahrestag" für wohltätige Zwecke 4.— Sammlung der Redaktion des „Neuen Wiener Tagblatt" für die armen isr. Schulkinder in der Brigittenau X 2.—. Entnahme der Sammelbüchsen im Stadttempel K 34.37. Den Spendern wird der Dank votiert. Im Einlaufe befindet sich weiters ein Dankschreiben des Herrn Dr. Gustav Freund für die ihm anläßlich seines 80. Geburtstages seitens des Kultusvorstandes ausgesprochenen Glückwünsche; ferner die Mitteilung des Vorstandes der „Chewra-Kadischa" über die Wiederwahl der Delegierten für, die Sitzungen der Friedhofs-Kommission, der Herren S. Heit und Adolf Rosenbaum, für die diesjährige Funktionsperiode. Weiters wird das Dankschreiben der Kultusgemeinde Amstetten für den Betrag von X 200.— zur Herstellung einer Friedhofsmauer in Hbbs zur Kenntnis gebracht. Vor Uebergang zur Tagesordnung nimmt der Vorsitzende Anlaß, Herrn Architekten Max Fleischer zu der ihm durch Verleihung des Titels eines k. k. Baurates gewordenen Allerhöchsten Auszeichnung namens des Kultusvorstandes auf das herzlichste zu beglückwünschen. Die wohlverdiente Auszeichnung Fleischer's hat in den weitesten Kreisen lebhafte Genugtuung hervorgcrufen, speziell aber in der Wiener Kultusgemeinde, die in Fleischer eines ihrer treuesten und hingebungsvollsten Vorstandsmitglieder verehrt, dem sie für die seit Jahrzehnten der Gemeinde in vortrefflichster und völlig uneigennütziger Weise geleisteten vielfachen Dienste zu wärmstem Danke verpflichtet ist. (Lebhafter Beifall.) Im Präsidialberichte gibt der Vorsitzende einen Bericht über die Einnahmen der Kultusgemeinde in den abgelaufenen Monaten im Vergleiche mit den diesbezüglichen Ziffern des Vorjahres. lieber Ansuchen der Gesellschaft zur Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums wird derselben zu den Kosten einer anläßlich des 100. Geburtstages Salomon Sulzer's zu veranstaltenden Feier im Musikvereinssaale ein Beitrag bewilligt. Den nächsten Gegenstand der Tagesordnung bildet die Angelegenheit des Gottesdienstes in Döbling. Der Tempelverein im XIX. Bezirke, welcher bis Ende des abgelaufenen Jahres gegen eine entsprechende Subvention der Kultusgemeinde für die Veranstaltung eines Gottesdienstes in Döbling gesorgt hatte, steht im Begriffe sich aufzulöseu und hat seine Tätigkeit eingestellt. Um die ungestörte Fortsetzung des Gottesdienstes zu ermöglichen, hat sich der Kultusvorstand mit dem Kuratorium des Blindeninstitutes ins Einvernehmen gesetzt, welches sich bereit erklärt hat. die Veranstaltung eines täglichen und öffentlichen Gottesdienstes im Betsaale des Blindeninstitutes gegen einen entsprechenden Beitrag zu übernehmen. Der Antrag des Vertreter-Kollegiums auf Bewilligung dieses Beitrages in der Höhe der bisher dem Döblinger Tenrpelvereine gewährten Subvention wird genehmigt. Verliehen werden: Die Jsak Leeb- und Lea Weinberg-Stiftung, für jüdische Hochschüler (2 Plätze ä X 600.—); ferner 13 Plätze ä X600 — der Dr. Adolf Sacks-Techniker-Stiftung. Bezüglich des 14. Stiftplatzes wird die Rückverweisung an das betreffende Stiftungskomitee beschlossen. Ansuchen der Direktion der Simon Edler von Lämel-Schule in Jerusalem um Subvention: Das hierüber erstattete Referat besagt, daß gemäß eines im Jahre 1888 abgeschlossenen Vertrages zwischen der Wiener Kultusgememde einerseits und dem Frankfurter Vereine zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina andererseits letzterer die Erhaltung der Schule übernahm, wogegen ihm die Zinsen der Lämel-Stiitung seitens der Kultusgemeinde alljährlich zur Vcrfi'lgung gestellt werden. Durch im Laufe der Jahre vorgenommene Vergrößerungen der Schule ist das Budget derselben bedeutend gestiegen, so daß der Beitrag aus der Lämel-Stiftung von jährlich X 4000.— derzeit nur den geringeren Teil der Ausgaben deckt. Die Schule, welche ihre Entstehung einer österreichischen Stiftung verdankt, steht unter dem Schutze der österreichischen Regierung und hat sich über die Leistungen der Schule der österreichische Generalkonsul wiederholt in außerordentlich belobender Weise ausgesprochen, lieber die Frage der Subventionierung entwickelte sich eine lebhafte Debatte, in welcher von einzelnen Rednern hervorgehoben wird» daß es nicht Sache der Kultusgemeinde sein könne, vielmehr der Privatwohltätigkeit überlassen werden müßte, die Schule in größerem Ausmaße zu unterstützen. Die Wiener Kultusgemeinde könne in vielen Fällen zu ihr näher liegenden Zwecken nicht in dem Maße beitragen, als es erforderlich wäre. Nach durchgeführter Debatte, an welcher sich die Herren Vize- Präsident Dr. Stern, Vize-Präsident Dr. Kohn, Dr. Berger, Salo Kohn, Dr. Sal. Ehrmann, Dr. Rappaport, Dr. Markus Spitzer und Theodor Ritter von Tauffig beteiligen, wird beschlossen, der Lämelschule für das Jahr 1904 einen Beitrag von 1000 Francs zu votieren Dem Vereine „Tefilas-hanorim" wird für die Veranstaltung eines Gottesdienstes an den diesjährigen Passah-Feiertagen ein Beitrag bis X 300.— bewilligt. Schluß der Sitzung 2 Uhr nachmittags. Wien. Herr Kultusvorsteher Salo Cohn hat anläßlich der im Kultusvorstände stattgehabten Debatte über die Subventionierung der Lämel-Schule in Jerusalem erklärt, sich an der zu veranstaltenden Subskription für dieselbe mit einem Beitrage von 1000 Francs zu beteiligen. Wien. (Zur Sulzerfeier.) Sowohl die Wiener Kantoren, als auch die zur Sulzerfeier hier eintreffenden auswärtigen Kantoren werden ersucht, sich Sonntag, den 20. d. M, 10 Uhr vormittags, im Sitzungssaale des österr.-ungar. Kantoren-Vereines, I., Seitenstettengasse 4, 4. Stock, einzufinden. Das Festkomitee. Wien. (Vorträge aus jüdischer Geschichte.) Montag, den 21. März 1904, präzise 1/28 Uhr abends, im Festsaale des niederösterreichischen Gewerbevereines/ I., Eschenbachgasse 11, Herr Dr. Max Grunwald: Geschichte der Juden in Deutschland und Oesterreich. (Fortsetzung.) Mit Vorführung von Lichtbildern. Der Eintritt ist frei. Wien. (Ausstellung von Erzeugnissen ans den jüdischen Kolonien in Palästina.) Montag den 14. vormirtags ist in der Habsburgergaffe 1 die Ausstellung von Erzeugnissen aus den jüdischen Kolonien in Palästina in feierlicher Weise eröffnet worden. Der Vizepräsident der Kultusgememde Dr. Alfred Stern begrüßte im Namen des Komitees die zahlreich erschienenen Gäste und betonte, daß die jüdischen Kolonien in Palästinadie von Baron Edmund Rothschild vor 25 Jahren gegründet worden sind, immer mehr im Aufblühen seien. Die jetzige Ausstellung gebe einen deutlichen Beweis für die stetige Entwicklung des Landwirtschaftswesens in den jüdischen Kolonien Palästinas. Dr. Stern erklärte sodann die Ausstellung für eröffnet, worauf Oberrabbiner Dr. Güdemann in einer Rede dafür eintrat, die Kolonien in Palästina zu fördern, und denselben bestes Gedeihen wünschte. Die Besucher der Ausstellung waren voll des Lobes über die einzelnen Objekte. Die Ausstellung ist in der Tat höchst interessant und gibt ein anschauliches Bild von der reichen Produktion in den jüdischen Kolonien Palästinas. Wien. In der jüngst stattgehabten Generalversammlung des Vereines „lovaeoll Ewjonim" ergab die Vorstandswahl folgendes Resultat: Obmann: Oberkantor Mayer Schorr, Obmann-Stellvertreter: Siegmund Figdor, Kassier: Isidor Belf, Schriftführer: Arnold Rosenseld, Kontrollor: Michael Figdor. Ausschuß: Naftali Ardel, Gvza Braun, Wilhelm Kohn, Emil Kritzler, Leopold Richter, Berthold Stroh, Arnold Weiner. Revisoren: Dr. Isidor Reiniger. Wolf Pappenheim. In dem letzten Berichte soll es an betreffender Stelle statt Markus Bond» richtig! Ahron Bondy heißen. *) München, Verlagshandlung Seitz und Schauer 1903.