Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Die Wahrheit Seite 9. ■ Adresse. Eine Deputation des Verbandes der Religionslehrer an Mittelschulen, unter Führung des Obmannes, Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang, des Unterstützungsvereines der Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen „Palme", Sprecher Herr B. Fuchs, überreichten nebst einem silbernen Becher als Ehrengabe sämtlicher Religionslehrer prachtvolle Adressen und priesen die Verdienste des Gefeierten. Im Namen des Vereines „Esra" beglückwünschte Herr M. Antscherl den Jubilar. In sichtbarer Ergriffenheit dankte Herr Dr. Langselder und schilderte seinen Werdegang von seiner Kindheit bis zur gegenwärtigen, von ihm nie geahnten Höhe und pries die Vorsehung, die es ihm vergönnt, diesen Tag in der ersten Gemeinde der Monarchie und in diesem Kreise zu erleben. Eine wahre Herzensfreude wurde nicht nur dem Jubilar, sondern allen anwesendeir Lehrern durch die anerkennenden Worte des Landesschulrates Dr. G. Kohn bereitet, die gewiß beitragen werden, die Religionslehrer für ihre schwere Aufgabe zu begeistern und ihr Bestes einzufetzeu. Nicht niinder begeisterte Aufnahme fand ine tiefdurchdachte Ansprache des Herrn Dr. M. Spitzer, der von der hohen Zinne des Philosophen die schöne Feier beleuchtete. Mit einem Festchore (Ascher, Kohn, Lifschitz. Rotter) mit unterlegten Text aus Psalm 118 von si(. Rotter fand der offizielle Teil der Feier seinen Abschluß. Shiti wurde das Tischgebet von Obercantor Gutmann mit inniger Wärme und unter ganzer Entfaltung seiner herrlichen Stimme vorgetragen und feierlich und stimmungsvoll fand der herrliche Abend seinen Abschluß. R. Der Vorstand der Wiener Kulmsgemeinde richtete an den Jubilar folgende Adresse: Sehr geehrter Herr Doktor! Die Feier Ihres siebzigsten Geburtstages hat bei dem Vorstande der Kultusgemeinde freudigen Widerhall erweckt. Ist es ja die Festesfreude eines Mannes, der sein ganzes Leben dem Dienste der Religion und der Wissenschaft gewidmet. Ihre Tätigkeit als Rabbiner ist noch heute, nach drei Dezennien, in verehrungsvoller Erinnerung jener Gemeinde, in der Sie gewirkt. Die hohen Aufgaben Ihres Berufes erkennend, haben Sie die Jugend in ihr Herz eingeschlossen, sie am Seile der Liebe und Milde geleitet, unl durch den Religionsunterricht die Liebe zu unserem Glauben wachzurufen und zu erhalten und Geist, Gemüt und Charakter zu bilden. An heiliger Stätte verkünden sie mit Wärme und Ueberzeugung das Wort Gottes, unsere Jugend im Herzen erbauend, im Glauben stärkend. Mit ungeheuchelter Liebe blicken Schüler und Lehrer auf Sie, den durch Bildung und Gelehrsamkeit ausgezeichneten Mann. Ihre auf mehrfachen Gebieten fruchtbringende Tätigkeit behinderte Sic aber nicht, sich auch in den Dienst der Wohltätigkeit zu stellen. Und so geben wir an Ihrem Jubeltage gerne der vollsten Anerkennung Ihrer Leistungen Ausdruck und wünschen heute mit Ihnen: Möge die Saat, die Sie in die Herzen der Schüler durch Wort und Beispiel gestreut, fortwirken und lebendig bleiben, auf daß unsere Jugend heranreife zur Ehre unserer Gemeinde und an ihr in Erfüllung gehe der Spruch : 'imr n-nsna rr=s und an Ihnen selbst erfülle sich das Wort: v-- b*;sh p-n' -ny Wien, am 17. Jänner 1904. Der II. Bize-Präsident: Der I. Vize-Präsident: D r. G u st a v Kohn D r. Alfred Stern. D r. Adler Sekretär-Stellvertreter. Wien. Am 24. d. M. fand in der Zeremonienhalle des Josefstädter Tempels, im VIII. Bezirk, Neudeggergasse 12, die 20. Generalversammlung des Tempelbauvereines Josesstadt statt. Da der Bericht über diese Versammlung erst nach Schluß des Blattes einlangte, werden wir denselben erst in nächster Nummer ausführlich wiedergeben. Wien. Zur Feier des 50jührigen Bestandes des Bethauses und der mit demselben verbundenen Chemra-Machasike-Thora, veranstaltet der Vorstand des „Schönlatern-Bethaus-Vereines" Sonntag, den 31. Jänner l. I., nachmittags 4 Uhr, im Bethause, I., Schönlaterngasse 6, einen Festgottesdienst, bei welchem Se. Ehrwürden, Herr Oberrabbiner Dr. M. Güdemann, die Festrede halten wird. Wien. Son'ttag, den 31. Jänner. 5 Uhr abends, findet im Bethause, II.. Fugbachgasse 7, die ordentliche Generalversammlung des Bethaus-Vereines „Am Volkert", mit nachstehender Tagesordnung, statt: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht der Revisoren und Erteilung des Absolutoriums. 3. Wahl von Skrutatoren. 4. Wahl von 6 Herren in den Ausschuß mit dreijähriger und eines Herrn mit einjähriger Funktionsdauer. 5. Wahl von 2 Revisoren mit einjähriger Funktionsdauer. 6. Eventuelle Anträge. Wien. (Vorträge aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag, den 4. Februar l. I., präzise 7 Uhr abends, im Festsaale des niederösterreichischen Gewerbevereines. I., Eschenbachgasse 11, Herr Dr. Max Grunwald: „Geschichte der Juden in Deutschland und Oesterreich." (Fortsetzung.) Mit Vorführung von Lichtbildern. Der Eintritt ist frei. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Am Montag, den 1. Februar l. I., 8 Uhr abends, findet in Khuners Restaurant, I., Adlergasse 6, ein Dlskussionsabend statt. Tagesordnung: Besprechung wichtiger Berufs- und Vereinsangelegenheiten. Wien. (Religionslehrerverein „Esra".) Dieser im Jahre 1895 zur Förderung der geistigen und materiellen Interessen der Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde Wien gegründete Verein hielt am 3. Jänner a. o. im Bereinslokale, I., Seitenstettengasse 2, seine 9. Generalversammlung ab. Herr Religionslehrer Moritz Antscherl, der seit zwei Jahren die Öbmannstelle bekleidete, hielt zunächst einen Rückblick muf die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Jahre, betonte die Notwendigkeit dieser Bereinigung und stellte hierauf aus persönlichen Motiven seine Obmannwürde dem Vereine zur Verfügung. Die Versammlung bedauerte lebhaft den Rücktritt ihres Obmannes, sprach demselben auf Antrag des Schriftführers, Herrn M. Rindskopf, den aufrichtigsten Dank für seine ebenso umsichtige als hingebungsvolle Führung aus und schritt zur 'Wahl der neuen Vereinsleitung. Mit absoluter Stimmenmehrheit wurden gewühlt, die Herren: Adolf Roller zum Obmann, Dr. Jakob Weis zum Obmannstellvertreter, Max Rindskopf zuin Schriftführer, Lazar Wiesner zuni Kassier und die Herren: Wilhelm Breuer, Max Deutsch und und Markus Stengel zu Ausschußmitgliedern. Sämtliche Gewählte erklärten, die Wahl anzunehmen, worauf die Sitzung mit einer Ansprache des neugewählten Obniannes Herrn Rotter, in der er das Wohl des Vereines nach Kräften zu fördern verspricht, geschlossen wurde. RI. Wien. ^S ch u l i u s p e k t r o n des S ch u l v e r e i n e s im IX. Bezirke.) Mit dem heurigen Schuljahre ist die Schule des jüdischen Schulvereines im IX. Bezirke, Pramergasse 5, in das dritte Jahr ihrer segensreichen Wirksamkeit getreten. Daß diese jüdische Lehranstalt geradezu ein Bedürfnis für unsere Glaubensgenossen im IX. Bezirke ist, erhellt am eklatantesten ans dem regen, stets zunehmenden Besuch der Schüler, welche seitens der Bewohner dieses Bezirkes dieser Anstalt zngeführr werden, was wohl anderseits gewiß nur dem Vertrauen, welches sich diese Schule in der kurzen Zeit ihres Bestandes erworben, znzufchceiben ist. Sonntag, den 24. d. M. wurde nun diele Schule von dem Inspektor für den israelitischen Religionsunterricht der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Professor M. Kaiutz, einer mehr als einstündigen, eingehenden und umsichtigen Inspektion unterzogen. Nachdem sich derselbe von dem Leiter der Schule, Herrn Religionslehrer D. H. Oesterreicher, über die regelmäßige Frequenz der Schüler in den verschiedenen Abteilungen genaue Angaben geben ließ, wurde die Abteilung, die gerade unterrichtet wurde, in den verschiedenen Lehrgegenständen einer eiugeheuden Prüfung unterzogen. Die Schüler beantworteten die an sie gerichteten Fragen in präziser und exakter Weise, was aus den Herrn Inspektor den günstigsten Eindruck machte. Mit dem Bemerken, gelegentlich auch die höbere Abteilung zu inspizieren, verließ Herr Professor Kanitz sichtlich befriedigt die Schule. Wien. Der theologische Verein der Hörer an der isroelitischtheologischen Lehranstalt bringt hiemit zur Kenntnis, daß Samstag, den 30. d. M.. um 9 Uhr beim Morgengottesdienste, das Vereinsmitglied, Herr G. Sicher, im Betha-Midrasch (IX.. Tempelgasse 3) eine Predigt halten wird. Wien. Herr Ignatz Löwy, Hausbesitzer im XX. Bezirk, begeht am 2. Februar l. I. mit seiner wackeren, ihm in Liebe und Treue zngetanen Gattin Frau «ofie Löwy, geborene Feigl, im engen Familienkreise die Feier der silbernen Hochzeit. Herr Löwy, ein treuer Sohn seines Glaubens, der unter vielen anderen Wohltätigkeits-Vereinen und Korporationen auch dem Synagogen-Bereine „Beth Israel" und dem Kranken- Unterstützungs-Vereine „Mazmiach Jeschna" als Mitglied angehört, erfreut sich wegen seines gediegenen Charakters, seiner humanen Gesinnung und seines echt jüdischen Herzens, die er bei jeder Gelegenheit betätigt, sowohl in seinem Bezirk als auch im Kreise der genannten Vereine der allgemeinen Achtung nrid Symvathie, und ist es demselbem zu wünschen, daß es ihm beschieden sein möge, an der Seite seiner Gattin noch lange Jahre im Dienste der Humanität zu wirken, und in voller Geistes- und Körperfrische die goldene Hochzeit zu feiern. 8. Budapest. Im hohen Greisenatter von 80 Jahren ist nach längerem Leiden die Witwe Frau Jacob L. Stern, geborene Charlotte Rothenstein, die treffliche Stammesmntter einiger vornehmer hauptstädtischer Familien von hinnen geschieden. Sie lebte still und bescheiden in ihrem Zelre, umgeben von der Liebe ihrer Kinder und stillbeglückt durch ihren blühenden Enkelkreis. Ihre große Herzensgute, ihr stets reger Wvhltütigkeitssinn, wie nicht minder ihre Frommgläubigkeit, die frei mar von jeglicher Frömmelei, sichern ihr ein dauerndes Gedenken bei allen denen, die sie gekannt, und eben deshalb auch verehrt haben. An der Bahre der Seligentschlasenen trauert ihr einziger Sohn Arthur Szecsy, der Redakteur des „Politischen Volksblattes," ihre beiden Töchter, eine Schwiegertochter, zahlreiche Enkel und ein großer Perwandtenkreis. Sie war die vielverehrte Schwiegermutter des Magnatenhausmitgliedes S i g m u n d B r o d y, des hauptstädtischen Advokaten und Stadtreprüsentanten Dr. Samuel B r o d y und des Großhändlers Markus S ch m i d e k. Die Leichenfeier der tiefbetrauerten Matrone fand letzten Sonntag in der Zeremonienhalle des Kerepescher isr. Gräbergartens statt und gab Zeugnis von der ungewöhnlichen Beliebtheit, deren sich die Vollendete während ihres langen und schönen Lebens zu erfreuen hatte. Eine förmliche Wagenburg belagerte die stille Todteustadt und die Trauerhalle, in welcher die Bahre errichtet war, konnte die überaus große Zahl der den besten Kreisen angehöreuden Trauergüste gar nicht fassen. Oberkantor Professor Adolf Lazarus besorgte, unter Assistenz seines tüchtigen Chorpersonales, die Trauei^eremonie mit gewohnter Künstlerschaft. Rabbiner Dr. Julius Weiszburg hielt einen mächtig ergreifenden Nachruf. Der Prediger würdigte' in gedankreicher Rede die Vorzüge der Heimgegangenen, schilderte sie als Frau und Mutter, der es vergönnt gewesen, bis in ihr selten hohes Alter, ihre Familie, der ihr Leben geweiht, in Glück und Zufriedenheit um sich geschaart zu sehen. Sie war eine glückliche Frau! Doch bei so vielem hellen Sonnenscheine kanns ja auch an Schatten nicht fehlen. Die Verklärte mußte der Bahre ihres Gatten folgen und mußte ihre heißgeliebte Tochter vor der Zeit in die Gruft senken sehen! . . . . Frau Charlotte Stern wurde in der Sigmund Brody'schen Familiengruft an der