Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 41 (6.11.1903)
- Date
- 1903-11-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 41 Die Wahrheit Seile 7 hause 'II.' Novaragasse 21 unter überaus zahlreicher Theilnahine statt. Unter den Trauergästen bemerkten wir: den Vicepräjidenten der türkischen Gemeinde Licco Adutt und die Vorsteher A. M. Elias/Danoii,, Albachary, Gerson, Jaques M Ruffo (der Präsident, Herr Marcus M^Rüffy,. hatte sein Fernbleiben entschuldigt), den Vicepräsiventen der Chewra Kadiscka, Cultusvorsteher Dr. Marcus Spitzer, mit Herrn Borsteher Kann, Bethausvorsteher Julius Wolf, den Präsidenten des Josefstädter Tempelvereines Hermann Beck und Vorsteher Adolf Beck, die Rabbiner Dr. David, Dr. Feuchtwang, Kramer. Chacham Papo. Dr. Rosemeld, Oberrabbiner Rachmann aus Jerusalem, die Obercantoren Singer, Gutnnann, Dünmann, Schorr, Wittmann, ersten Cantor Sch iller, die Cantoren Löwit. Rothwein. Regner, Segal, Kühner Weißmann, den Präsidenten des Polit. Bolksvereines Dr. Fialla. den Obmann der Pezirkscommiffion vom I. Bezirk Dr. Leopold Kohn, Professor Dr. Jerusalem. Lanquier Freyberg. Dr. Rabl. Dr. Jg. Weiß, Dr. Jul. Weiß, Dr. Kuh. Ingenieur Marbach. Architekt Stern u. v. A. Erster Cantor Blatt fuNgirie mit dem Chore im Trauerhaufe und am Friedhofe in wirklich erhebender Weise, und Rabbiner Dr. Schiuid! entwarf in seiner Trauerrede ein treffendes Bild der Verblichenen. Am Grabe sprach, namens der trauernden Familie, Rabbiner Dr. Kahan aus Znaim, der Gatte der Enkelin der Dahingeschiedenen, in tiefer Bewegung wahrhaft' ergreifende Worte des Abschiedes - von der theuren Todten. Wien. (Sültanseier.) Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Sultans Abdul.Hamid, findet Freitag, den 6. November halb 12,Uhr vormittags, im türkich israel. Tempel ein Festgottesdienst statt. Vien. Freitag, den 6., d. M. wird Herr Rabbiner Dr. David beim Abendgottesdienste im Leopoldstädter Tempel ferne Antrittspredigt hallen. ' - - ■ / *. j Wien. (Die Wiedereröffnung der Toynbeehalle.).. Samstqg, den 31. October halb; 8 Uhr,Abends, fand die. Wiedereröffnung der jüdischen ToynbeehaÜe ^sür ' die'; Wintervorlesüngen im' alen Heim XX.'Karajangaffe in überaus solenner Weise statt'.'Lange vor Beginn -der.Feier war bereits der Saal vün einer-großen Schaar jüdischer Männer m;d Frauen aus »den bestem Meisem:bis ans .das letzte Plätzchen dickt gefüllt.'Feierliche Wtille .txat .-ein^ «als per Präsident.-«der ^otznöeehalle, Herr Profeffor Adolf.'.Schwarz Rector der jüd. theol. Zehränstalt, den Katheder bestieg,' Um'die Festrede zu hasten: Nach -einer herzlichen Begrüßung der erschienenen Notabel» und einem warmen Appell an die.besitzenden Kreise, 'die ethischen Bestrebungen des Vereines, die der Sonne, bedürfen, um zu gedeihen' und Früchte der Aufklärung .und. der Moral zu tragen, nach ^Kräften.zu fördern, polemisirt'e' der Redner vom rein theologischen Stand- Mnkte' gegen das Attentat, welches Prost Dr. Delitzsch auf die Heiligkeit deß asten-Testamentes .unserer Bibel-versuchte. Wir Juden, so sagte er, si.yd das--auserwählte'Polt deshalb, weil uns die große Mission wurde, osst monotheistischen Gedanken, die Erkenntnis eines einig einzigen Gottes, der gesam inte . Menschheit zu übermitteln. Das Judenthum hat nicht erst ustt^der Offenbarung am Sinai, sondern mit dem Patriachen Abraham begonnen. Am Sinai wurdeblos das Gesetz gegeben, welches wegen ftmeie ethischen Größe unvergleichlich in der ganzen Welt und für alle Zeiten dasteht. Eine Offenbarung ohne vorherige Erkenntnis wäre einfach undenkbar, und zwischen den in der Bibel niedergelegten monotheistischen und «ethischen Begriffen laffe sich keinesfalls eine Parallele mit der altbabYlonischen'Hamuraby-Lehre ziehen. Nack den geistvollen Ausführungen des ' Herrn. Necror Dr. Schwarz .setzte sich Herr Professor Brüll zum Clavrer und brachte einige von ihm componirte Piecen zum Entzücken deskunstsinnigen Auditoriums zu Gehör. Herr I. Cantor Don Fuchs sang ^hierauf zwdi Opernarien und fand seine schöne Tenorstimine und die exacte, Vortragsweise reichen Beifall. Zum Schluffe.hielt Rabbiner Dr.' Tcivro -eine unprovlstrie launige Rede, die in ihrer Schlichtheit entzückte /und -wegen ihres Inhaltes und der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit seiner Worte einen nachhaltigen Eindruck übte. Ich bin hier ein Fremder, sagte ,D'r^ .-David u. A., und wenn ich die hiesigen wohlhabenden und re-chen Glaubensgenossen in ihren Carossen in den Prater fahren sehe, so freue ich Mich aufrichtig. Ich bin, Gott dehüre, Niemandem neidiscb, aber als' ich-niich zur Eröffnungsfeier der ToynbeehaÜe begao, vermuthete ich in einen stolzen, schönen Tempel der Wissenichasc einzutreren, und befinde mich zu meiner Enttäuschung in einer engen niedrigen Stube. Nicht der englische Philosoph und Menschen freund Toynbce war der erste Begründer der Tohnbeehalle, sondern unser Erzvater Abraham, der in seinem Zeile auf freiem" Felde £er Fremden harrte, um sie physisch und geistig zu laben. Nebst einem schönen Frauen'kranze aus den besten jüdischen Familien bemerkte man unter den Anwesenden: den Vicepräftoenten der Eultusgemeinde, Herrn Landesjchulraih Dr. Gunav Kohn, Rev. Hechler von der -englischen. .Botschaft, Herrn Cultusvorsteher Oberfinanzrath Dr. Rappaport, Herrn Dr. Sänrue'li, Hevrn Obercantor I. Bauer. Herrn Rabbiner Dr. Grunwald, Herrn Obercantor Oesterreicher, den jüdischen Gelehrte» M: Weißmann, Hörer der jüd. theot. Lehranstalt,. viele Hochschüler und Mitglieder der zionistischen Vereinigungen mir Abzeichen z;. .A. Herr Professor Dr. Leon Kellner machte den Gästen die Honneurs. ' .' N. Chameides. " - Wie«. Der Vorstand der „Chewra Kadischa^ des XVI. und XVII. Bezirkes veranstaltet Sonntag, den 8. November präcise 3/*5 Uhr abends,^ fm Tenipel der isr. Cultnsgemeind.', XVI., Hubergaffe Nr. 8, eine Gedächtnisfeier für seinen unvergeßlichen, verewigten- Präses, Herrn. Pked^Är. Äütöri Löwy. . - ZSien. (Jüdische Fortbildungskurse des „Talmud-Thora Vereines" für die Bezirke XÜ—XV.) Seit dem 25. October d. I. werden von dem Unterzeichneten jeden Sonntag voü. 9 bis halb II Uhr in unserem Unterrichtsraum. Turnergaffe 22, neben dem Tempelgebäude, unentgeltliche Fortbildungskurs in jüdischer Geschichte und Littrratur abgehalten. Gleichzeitig bitten wir Um Zuwendung von Bücher« für unsere Bereinsbivliothek. Sowohl wissenschaftliche Werke. als auch Erzählung^litte>-atpr und ab» geschloffene Jahrgänge jüdischer Zeitschriften werden mir Dank entgegen» genommen. Der Obmann Dr. Max Grunwald. Wie». (Feierlicher Handwerkergottesdienst.) Sonntag, den 1. No» vember, an demselben Tage, an welchem für die neueingereihten Soldaten jüdischen Glaubens im Stadttempel ein feierlicher Gottesdienst abgehalten wurde, fand auch für die israelitischen Handwerkszöglinge, für die de» .Verein zur Verbreitung der Handwerke unter den inländischen Israeliten"' väterlich sorgt, d.e Eröffnung des diesjährigen Gottesdienstes im Tempel des IX. Bezirk, in der Müllnergaffe. statt, der einen sehr würdige» Verlauf nahm Herr Cantor Pekarnik trug Mincha mit Chorbegleitung vor, und hierauf hielt Profeffor Antscherl eine den zahlreich anwesenden jungen Leuten zu Gemüte gehende Ansprache, die unter lautloser Stille angehört wurde und mit den Worten aus der Sidra schloß: „Werde ein Segen!" Bei geöffneter Bundestage trug der Redner das Kaisergebet vor, uni» sangen am Schluste desselben die vielen Hunderte Vereinszöglinge voller Begeisterung die Volkshymne mit. In gehobener Stimmung verließen die Anwesenden das herrliche Gotteshaus. AuKovar. (Feierlicher Gottesdienst anläßlich der Installation eines Obergespans.) Mit dem Gefühle inniger Wonne berichte ich den geschätzten Freunden dieser viel gelesenen Wochenschrift von einer selten erhebenden Feier, deren Schauplatz am 29 v. M. vormittags halb l2 Uhr unser schöner Tempel war. Mit aufrichtiger Freude werden unsere Glaubensbrüder von dieser einzigen Feier Kenntn's nehmen, denn sie ist ein glänzender Beweis für die Gleichheit, welche. Dank der edlen Gesinnung unserer Obergespäne, in unserer Komitatsstadt zwischen den Conseffionen herrscht. Selbst im liberalen Ungarn war es noch nie der F.ill, daß die Jnstallatronsfeier eines Obergespans auch im Tempel begangen worden wäre. Wir feiern sie sckon zum zweiten Male in unserem Gotteshause.'Der neu ernannte Obergespan des Comitates Syrmien und der Stadt Semlin, Herr Emerich v. Hideghvty, äußerte den Wunsch, daß anläßlich seiner-Installation nicht nur in der römisch-katholische» Kirche, der er selbst angehört,.sondern-auch in der griechisch-orientaliscken Kirche^ sowie; im. israelitischen Tempel Gottesdienste abgehalten werden mögen, damit die Gleichheit' unrer den Conseffionen gewahrt und die Eintracht zwischen den Bürgern der verschiedenen Bekenntnisse auch bei diesem Anlaffe zum' Ausdruck gebracht werde. Der Gottesdienst in unserem Tempel konnte mit vollem Rechte, ein Akt des „Xickänavü Haacliem" genannt werden. Jllustre Gäste füllten unser prunkvoll decorirtes' Gotteshaus^. Mit unserem Obergespan erschienen: Geheimrat Minister für Kroatien und Slavonien, Ervin v. Eseh,, Landtagspräsident Gjurgjevic mit zahlreichen Reichstags- und Landtags abgeordneten, Obergespan von Chavrak. mit der Deputation des NachbarcomitateS Virovitica, Vicegespan von Cuvaj mit der Deputation des Komitates Pozega, Deputationen der Städte Effek, Mirrowitz, Karlovitz und Peterwardein unter Führung ihrer Bürgermeister, die Mitglieder der Komitatscongregation» unter denen sich viele katholische, serbische und protestantische Geistliche befanden, sowie ein den besten Kreisen unserer Bürgerschaft angehörendes Publikum. Biele erschienen in reichem Galakostüm. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten die Zuhörer^ die jedes Plätzchen der Männer- und Frauenabtheilung füllten, dem Gottesdienste, welcher mit dem vom Obercantor Adolf Schwarz und dem unter der Leitung des Cantors Turteltaub nehenren gemischten Chore weihevoll vorgetragenen „Llaü t<Swu“ (Grünzweig) eröffnet wurde, diesem folgte ein „Loa aeksorim^ (Naumburg!, bei welchem'das Solo vorzüglich zur Geltung kam. Herr Oberrabbiner Dr. I. Diamant sprach vor offener Bundeslade ein stimmungsvolles kroatisches Gebet für den König, de« Banns und den Obergespan, veffen Wahlspruch „Eintrach: und Gerechtigfeit“ sehr wirkungsvoll angewendet wurde. — Hieraus wurde Psalm 111 (Sulzer) vom Obercantor und Chor erhebend z.i Gehör gebracht. Die vielen Hunderte der erschienenen Gäste waren voll ves Lobes über den Gottesdienst in unserem Tempel. A. Sch. Kattowltz. Am 1. November fand hier das zwanzigjährige Stiftungsfest der Concordia-Loge des Bne - Briih - Ordens zu Kattowltz statt, an welchem der Delegat der Berliner Großloge, Herr Berget, Vertreter d» Logen Breslau, Würzburg» N iße, Gleiwitz, Königshütte, Bielrtz» Troppau rc. und die angesehensten Mitglieder der hiesigen Gemeinde lbeilnahmen. Zur Hebung der solennen Veranst.'ltung trugen insbesondere die vorgctragenen Festgesänge bei, und unter diese» der Festchoral und die Bne-Brith-Hymne, die beide von unserem Obercantor, Herrn Simon Singer, componirt und instrumentirt unter seiner Leitung von dem durch ihn gegründeten Logenchor mit instrumeittaler Begleitung der Gleiwitzer Infanterie - Kapelle zur Aufführung gelangten. Der Text der Bne - Brith - Hymne ist von Herrn Professor M. Antscherl in Wien versaßt worden. Der Eindruck der gebotenen musikalischen Aufführungen war ein überwältigender, und allgemein wurde sowohl die glänzende Instrumentation der beiden Musikpiecen, als auch die orchestrale Beherrschung seitens des Dirigenten bewundert. Der Delegat der Aroßloge und der Präsident der hiesigen Loge sprachen Herrn Obercantor Singer Dank und Anerkennung aus, und mn nächten Tage erhielt letzterer ern Schreiben des Chescedacteurs Deutsch vom ^Oberschles. Tagblatt.", in welchem ihm mitgetheilt wurde, daß er zun, Musikreferenten dieses BkatteS er» uannt worden sei.