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Die Wahrheit · 1903-11-06 · Heft 41 (6.11.1903) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 41 (6.11.1903)
Date
1903-11-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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«cfe« DieW-hch-it. 41 Mm Ä)r. Alfred Ross Lg*). DieFreundebLt. Palästina-Kolonisation ebensowohl wie die VlrchünHer der uLtiouuljüdischen. Strömungen stehen heute vor einer eigenartigen Erscheinung. 'Widersprechende Nachrichten, rvidersprechende Auffaffungeu, welche sie nach zwei direkt entgegengesetzten. Richtungen drängen wollen, stürmen auf'sie ein: Während «iMrseirs die treuesten Berichte über die-Entwickelung desspMMuknstschen -Kolonisalionstverkes günstiger sind, als je zuvor, wird» nuö auderseits verkündet, das; man vorläufig auf nUse Wrstvebungvi in Palästina verzichten und sich nach anderen Kolouisarions-Gebieteu umschauen müsse. Zn der Thal bedeutet tKö.kEMbringen.des ostasrikanjfchen Projektes durch die zionisttsche-Hatteitriuiug unter allen Umstände«, selbst wenn die Idee nicht rM tBrunirklichung gelangen sollte, eine prinzipielle Aen- Leruyg rder bisherigeu natiorraljüvischeri Kolonisations-Politik. Denn eschesagt nichts anders, als daß der politische Zionismus stzinen Kamps um Palästina für.absehbare Zeit aufzugeben gedezM. Die große Frage ist: Stehen wir vor einem Bankerott i er ganzen ^Palästina-Bewegung überhaupt oder nur vor dem der. drpbiuu arischen Bestrebungen um Palästina? Hat diese neu- ^tLrW«Mtttg in der jüdischen Kolonial-Politik auch eine genüg«che MLKtjündung? Und. ist der Plan der Schaffungeines autonö»en s -jüdischen Gemeinwesens außer halb des palästinensischen Löwda^PÄses: Lhatsächlich aussichtsreicher, als die unentwegte FMlhchMtgjdLschalüstiuensischen A siedlungswerks, trotz der gegenivLMge» Politischen Schwierigkeiten, als eine zähe Palästina- ^chitrk MN-ler Kermeihuttg aller Umwege und aller Kraftzersplitteruug?c äLUersucht «nur reu Gegenstand näher, so überzeugt UW«q«h,-Hast-es sich hier, im Grunde genommen; um ein kolorchMechMtzchB Problem handelt. Die Frage lautet : Allmähliche ÄesiedAuug uuter stufenweiser Anstrebung immer höherer politischer Mchte — wder vorangehende Sicherung der höchsten politischen HvGe und. nachfolgende, möglichst rasche Massenkolonisation? WvAmf gründet sich die Ueberzeugung von der Untanglich- ^iit .-der -langsamen Kolonisation? Auf die wenig befrievigender« Rchultäte . der ersten kleinkolonisatorischen Versuche der Jaden i»-Palästüla. Aber tvar thatsächlich der! kleine Maßstab der Mstchejl«lgMHLtigkeit an dercn Mißersolgen schuld? Keineswegs. Mou Keustt Lie Ursachen der letzteren ganz genau.- Es sind dies: chie rEi-KstumrgiPer Kolornsationsthätigkest ohne vorangehende Gt^Orschuttg^es Landes, bei völliger Unkenntniß der klimatischen nutz MNchsihasUichen Verhältnisse eine Quelle verhängnisvoller Fchlor; der-chirchjchaftliche Haupstshler, das irrige P oduktionsfystku^.nämlich die «ussMiestUche Pflege des Weinbaues ohne gleichzeitige Organisation des Absatzes; die allzu kostspielige wtd philautrophisch-bevornumdeiide Administration Rothschild's, welche fürMe-Bedürstiisie der Ansiedler^ sorgte und sie dafür dne. WiMhschaÜüch.n Jnittativc, Selbständigkeit und Verantwort-- lichte« beraubte.; endlich die geringe Eignung der heutigen Inden üchmchaupl. zum Ackerbau und zur^Kolonisalionslhäligkeit. Laß piche Umstände und mcht di« Kleinkolonisation als solche das reliuip^Mrßgtückcn ber ersten Versuche veranlaßt haben, beweisen sosgelue Thatsachen: Esgrdl jüdische Kolonien in Palästina, welche» azrsk eigerwr Initiative, auf genossenschaftlicher Grundlage emstauden stua, nicht nur- Weinbau, sondern auch Getreidebau PKegM.ru'.L zu.Mwthschastiicher Selbständigkeit gelangt sind.. Auch Rothschtlv'scheu Kolorüen befiuden sich, seitdem ihre. Verivalmng von der J. C. A. übe»nommen wurde, entschieden aus-dem W«ge-Dch witthschastlichen Sarrierung, und zwar Dank der .Aeform per-Adiniulstra l > ou, der Selbstäudigmachung der Kolonisten dhk Drgaustaliou des Absatzes, der Einsüyrnng neuer Knltnrarten und ver VertheiLuug der Kolonisten auf eine größere Laudfläche. Man schränkte die bevormundende Wirksamkeit der Äptwulsnug auf «« Minimum ein, verwies die Bauern auf ihre eigure Kraft, verlangte von ihnen persönliche Arbeit ans den Feldern uns verweigerte ftrnere Zuschüsse. Die moralischen *) Afstrat, gehalten in der Versammlung des Vereines „Esra" in Berlin am 19. Oktober 1903. und wirthschäftlichen Wirkungen dieser Maßnahmen waren vor- ' züglich. Fastüberall- ^begännen / die Kolonisten die ihnen vorgeschosseneli Summen regelmäßig zurückzuzahlen. Da die'Weinbestände des Hamburger Lagers vollständig verkauft wurden und gute Preise erzieltenso konnten auch die Preise, welche den jKolonisten von der Administration gezahlt 'werden, erhöht jwerden, ja, es-stellte sich zum erstenmale seit der Begründung! der Koloniendie wirthschaftliche Nothwendigkeit heraus, neue Wein-Pflanzungen anzulegen, um der Nachfrage zu genügen. Auch die Baumpflanzungen und die Versuche mit Hausindustrie, welche den Zweck hatten, den Bauern der Weinkolönien andere Einnahmequellen zu verschaffen, hatten einen guten Erfolg. So darf man also heute mit vollem Rechte sagen, daß die schwerelangjährige Krise unserer Wein-Produktion in Palästina vorüber ist. Einen noch größeren Erfolg erreichte man, indem man in der Nähe von Liberias neue Kolonien gründete, welche sich nicht mehr mit Weinbau, sondern mit Getreidebau beschäftigen. Aus dem letzten Jahresbericht der J. C. A erführen wir, daß die Kolonisten von- Iammah gleich im ersten Jahre einen Reinertrag von.1700 Frcs. pro Familie erzielten, demnach völlig selbständig wurden. Auch in Meshah . war der'Ertrag ein sehrbefriedigender. Auf der ganzen Linie erscheint demnach das jüdische Ansiedlungswerk in Palästina heute als ein gesundes und wirklich aussichtsreiches. Mit Recht bemerkt daher Herr Dr. Friedemann auf Grund seiner Palästina-Reise in der „Welt" : „Auch die J. C. A. wird sich dem Eindruck dieses Erfolges - nicht entziehen können und weiter kolonisiren müssen, nun man ihr' den Nachweis geliefert hat, daß die Kolonisation wohl sortzusühren ist. Welche Gründe will sie heute noch für ihr „Nein" anführen?" Ich hätte diesen Worten nur noch Eines hinzuzufügen: Und welche Gründe will die Partei des Herrn Dr. Friedemann, der politische Zionismus, heute noch, nach diesen Erfolgen, für sein „Rein" anfühl en? . Und gleichzeuig sei darauf hingewiesen, daß auch vom politischen Standpunkte, von dem der letzen Ziele der Besiedelungsthätigkeit, kein stichhältiger Grnnd znm Verzicht auf Palä-- sti n a vor liegt, d aß das System des allmählich en Vorrückens auch' aus diesem Gesichtspunkte als das zweckmäßigste bezeichnet werden muß. Die politischen Aussichten sind, insoweit die Zukunft in Betracht kommt, ungeachtet der momentanen Schwierigkeiten, in der alten Heimat der Jaden besser,'als anderwärts. Das türkische Reich ist ein in politischer Umgestaltung begriffenes Gebilde. Bei dem fortwährenden Flusse der Dinge auf dem Balkan erscheint es auch dem nüchternsten Politiker durchansnicht unwahrscheinlich, daß die Ertheilung der Autonomie in gewissen Grenzen an ein jüdisches Palästina, welche henke dem Sultan unzulässig vorkommt, in relativ kurzer Frist ihm oder seinem * Nachfolger, dem neuen - Pharao, mit den türkischen Interest en sehr wohl vereinbar erscheinen wird. Ans diesen Moment aber müssen - die Inden sich vorbereiten; dieses Ziel müssen sie stets vor Augen haben und es zu beschleunigen suchen, nicht indem sie ihre kolonisatorische und staatenbildende Thätigkeit einem ganz änderen Kontinent zuwenden, sondern indem sie dieselbe aus Palästina und die Nebenländer konzentriren und auf diesen Gebieten, ausschließlich aus diesen Gebieten, planmäßig entfalten. (Forts: s:) verschiedene Nachrichten. Nie«. Der Herausgeber unseres Blattes, Herr Obercantör Jacob Bauer, hat durch das am 2. d. M. erfolgte Hinscheiden seiner geliebten Mutter, Frau A. n n a Bauer geb. B e ck, - einen tiefschmerzlichen Verlust erlitten. Die im 77. Lebensjahre Verblichene wahr eine seelengute, fromme und biedere Frau, die sich bis in ihre letzten Lebenstage außerordentlicher -geistiger Frische und körperlicher-Regsamkeit erfreute. Mit Stolz und Freude konnte sie auch auf ihre wohlgerathenen Kinder und Enkelkinder blicken, die ihren Lebensabend in ungetrübtem Familiengliick verschönten. Nebst dein ältesten Sohn, Obercantör Jacob Bauer, hinterließ die Dahingeschiedene noch drei Söhne, Salomon, Herm unr und Adolf Bauer, sämutliche angesehene'Kaufleute in Wien, und zwei Töchter, Marie und Juliette, deren Gatten die. beiden-bekannten Maler Karl Zewi und Isidor Kaufmann sind. Außer den Kindern trauern 25 Enkel und 5 Urenkel um die theure Großmutter und Urgroßmutter. Das Leichenbegängnis fand Mittwoch den 4. d. halb 1.0 Uhr vormittag vom Trauer«

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