Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 33 (28.8.1903)
- Date
- 1903-08-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Die Wahrheit Seite 7. denn von ihm wird, wie von jenem Stamme Lewi, mit Recht erwartet, daß er „trage die Lade des Ewigen", d. h. die Thora lerne und lehre, jüdische Wissenschaft pflege und verbreite, „aufrecht stehe im Dienste Gottes" auf der Basis des überlieferten Judentums in Gesetzestreue und die Thora wieder zu Ehren bringe, daß er „Gott biene" und „in seinem Namen Segen spreche" und spende mit allen Kräften und mit hin gebender Aufopferung. In diesem Sinne wolle er wirken, sagte der neue Rabbiner, bereit, /die Last zu tragen und aufrecht stehend den Dienst zu versehen. Aber auch der Gemeinde schreibt die Thora vor, was ihre Aufgabe ist, indem sie sagt: „Und nun Israel, was verlangt der Ewige von dir, als nur, Gott zu fürchten und in seinen Wegen zu wandeln". Wenn beide Teile ihre Pflicht erfüllen, dann werde das Ziel sicher zum Heile und Glücke für sie erreicht werden, dann könne die Mission erfüllt werden, welche der Prophet in den Worten zeichnet, „zu verstehen, Matte und Müde durch das Wort zu wecken u. s. w." Der priesterliche Segen werde sich dann erfüllen : „Es segne dich der Herr und behüte dich u. s. w." Rabbiner Dr. Feuchtwang wurde nach Beendigung des Gottesdienstes von allen Seiten beglückwünscht und Alles war tiefcrgriffen. Die Vorsteher beglückwünschten einander. Der sechste Zionistencongreß. Den Berathungen des heurigen Zionistencongresses in Basel, über welche wir in nächster Nummer ausführlich berichten werden, sieht man heuer allgemein mit besonderer Spannung entgegen, zumal man von der obersten Organisarionsleitung nähere Mittheilungen über die praktischen Erfolge des politische» Zionismus erwartet. Der Eongreß wurde Sonntag, den 23. d. Abends von Dr. Theodor Herzl eröffnet und nach Begrüßung der Versanmlung theilte er mit, daß er im Oktober vergangenen Jahres einigen Mitgliedern des britischen Kabinets den Vorschlag unterbreitete, ' den Zionisten eine Landkonzession für die Sinai-Halbinsel zu bewilligen, damit sie dort eine Ansiedelung für die jüdischen Emigranten gründen. Es wurde ihm bedeutet, daß das Territorium egyptisch sei. Die britische Regierung gab anheim, als vorbereitenden Schritt die Entsendung einer Kommission voll Fachleuten anzuordnen, um den Landstrich auf seine Eignung zur Besiedelung zu prüfen. Die Kommission brach Anfang Februar nach der Sinai-Halbinsel auf. Nach langwierigen Verhandlungen erklärte die egyptische Regierung, sie sei nicht in der Lage, auf die Sache weiter einzugehen. Hieraus wurde englischerseits an Stelle des früheren die Bewilligung eines anderen Landgebietes zum Zwecke der jüdischen Kolonisation vorgeschlagen. Es handelt sich dabei um eine autonome jüdische Ansiedelung in Ostafrika mit einem jüdischen Oberbeamten au ihrer Spitze, unter britischer oberhoheitlicher Ueberwachung. Hum Schluß berichtete Herzl noch über seine jüngste Reise nach Rußland. Er bemühte sich, einige Verbesserungen der traurigen Lage der dortigen Juden zu befürworten. Rach den Mitteilungen des Dr. Herzl zeigte sich die russische Regierung bereit, die Expatriationsbestrebungen der Zionisten in Rußland nach Kräften zu fördern und die Auswanderung der Juden sogar durch Geldmittel zu unterstützen. Auch will die russische Regierung beim Sultan auf die Genehmigung zur Gründung jüdischer Kolonien in Palästina hinwirken. Die Wahl des Bureaus ergab als Präsidenten Dr. Herzl, als Vizepräsidenten Dr. M. Nordau, Dr. M. Mandelstamm, Sir Francis Montefiore, Dr. M. Booenheimer._ verschiedene Nachrichten. ■ Des Kaisers Hevurkstag. Aus Anlaß des Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers fanden am 18. August vormittags in sämtlichen Gemeinde-Bethäusern der Wiener Cultusgemeinde feierliche Gottesdienste statt. Besonders Mich gestaltete sich der Gottesdienst in den Tempeln der inneren Stadt und der Leopoldstadt. Unter dem zahlreichen Festpublikum, welches sich daselbst eingesunden hatte, bemerkte man: als Vertreter des Cultusvorstandes die Herren Vice-Präsidente» Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav Kohn, ferner Cultusvorstand Dr. Berger. Bethaus-Vorsteher Flaschner, Gemeinderat Zifferer, die Beamten der israelitischen Cultusgemeinde unter Führung des I. Sekretärs, kaiserlichen Rat Dr. Lieben und des. Sekretärs Dr. Adler. Die Festrede hielt im Stadttempel Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann, im Leopoldstädter Tempel Herr Rabbiner Dr. Schmied!; die cantorale Funktion versah in ersterem Obereantor Singer, in letzterem Erster Cantor Blatt. — Im Tempel der israelitischen Cultusgemeinde, Wien XV., Turnergasse, war der Festgottesdienst besonders zahlreich besucht. Die Festrede hielt der neugewählte Rabbiner Dr. Max Grunwald, der be, diesem patriotischen Anlässe zum ersten Male vor seiner Gemeinde sprach und durch seine glänzenden, geistvollen Ausführungen die Weihe des Gottesdienstes erhöhte. Den gesanglichen Teil der Feier versah Erster Cantor Jurberger. — Im Währinger Tempel der Cultusgemeinde hielt der neue Rabbiner Dr. David Feuchtwang die Festpredigt, die cantorale Function versahen I. Cantor Peterselka und Cantor Silbermann. — Auch im Tempel zu Floridsdorf fand ein solenner Gottesdienst statt, zu welchem sich ein distinguirtes Publikum und der Gesamtvorstand mit dem Präses und dem Vicepräses an der Spitze, einfand. Die Feier wurde mit dem von Herrn Obereantor Löwy unter Chorbegleitung wirkungsvoll vorgetragenen Na Towu eingeleitet. Die Festpredigt hielt Bezirksrabbiner Dr. M. Rosenmann, der mit begeisternden Worten die Liebe unseres Monarchen für seine sämtlichen Völker ohne Unterschied der Consession schilderte und sodann vor offener Bundeslade den göttlichen Segen aus das Haupt unseres Kaisers und des ganzen Herrscherhauses herabflehte. Mit dem Absingen der Volkshymne, in' die di« ganze Versammlung einstimmte, schloß die erhebende Feier. — In Baden fand Dienstag den 18. d. M. um halb 11 Uhr Vormittags im Tempel der Cultusgemeinde der Festgottesdienst statt. Anwesend waren die Vertretungskörper der Cultusgemeinde mit ihre» beiden Leitern, dem Präses und dessen Stellvertreter, den Herren Moriz Lettner und Anton Schneider, nebst einer großen Anzahl andächtiger Festgäste. Rabbiner Dr. Wilhelm Reich hielt die Festrede, welche überaus stimmungsvoll und von patriotischem Gefühle durchweht war. Rach der Festpredigt sprach der Rabbiner bei offener Bundeslade das Kaisergebet, woraus Herr Cantor Seifert unter Chorbegleitung den Königspsalm in wirkungsvoller Weise recitirte. Den Schluß der Feier bildete die Absingung der Volkshymne durch den Chor unter Mitwirkung eines Teiles der Schuljugend. — Auch im isr. Tempel in Mähr. Ostrau fand ein Festgottesdienst anläßlich des Geburtstages unseres Kaisers statt. Es waren die Spitzen der Staats- und Localbehörden, sowie die Vertreter des Ostrauer Schützen- und Veteranen-Vereines erschienen. Herr Rabbiner Dr. Spira hielt die Festpredigt. Der gesangliche Theil des Gottesdienstes wurde vom stellvertretenden Oberkantor, Herrn Kläger, in äußerst weihevoller, ansprechender Form zum Vortrag gebracht. Wien. (Kaiser Franz Josephs-Ferienheim.) In der vorigen Woche fand in den vom Vereine „Ferienheim" erhaltenen Kolonien der letzte diesjährige Serienwechsel statt. Die aus Kolonien und Heilbädern nach vierwöchentlichem Aufenthalte zurückgekehrten 200 Schützlinge wurden durch die gleiche Zahl ersetzt. Der 18. August war für die Ferienkolonisten ein besonderer Freudentag. In würdiger und imposanter Weise wurde des Kaisers Geburtstag in den Ferienkolonien festlich begangen. Ein feierlicher Gottesdienst leitete das patriotische Fest ein, das sich insbesondere im eigenen Heime, im Kaiser Franz Josephs- Ferienheime in Tischnowitz, glanzvoll gestaltete. Mitglieder des Vereinsvorstandes wohnten in den einzelnen Kolonien: Tischnowitz, Petra», Austerlitz und Bad Hall der Kaiserfeier bei. An die Kabinetskanzlei wurden Huldigunzstelegramme für den Kaiser abgesendet. Wien. Die feierliche Installation Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald sindet Freitag, den 23. August 1 903, abends 6 Uhr, im Gemeinde-Tempel, XV. Bez., Turnergassr 22, statt. Wie«. (Obereantor Mayer Schorr.) Am 12. September d. I. werden es zehn Jahre, seitdem die Synagoge des Beth-Jsrael-Vereines in Wien ihrer heiligen Bestimmung übergeben und vom Obereantor Schorr, der als erster Funktionär an dieselbe berufen ward, feierlichst eingeweiht wurde. Wenn auch der Abschluß eines Decenniums in der Wirksamkeit eines Funktionärs im Allgemeinen kein besonders bedeutsames Moment bildet, so beabsichtigen dennoch die zahlreichen Verehrer und Freunde Schorr's die zehnjährige Jasreswende seines Amtsantrittes festlich zu begehen. Seine hervorragenden cantoralen und musikalische» Fähigkeiten, leine herrliche Stimme und die besondere Pflege, die er dem altjüdischen Gesänge bei seinen gottesdienstlichen Vorträgen angedeihe,i läßt, brachten ihm vom ersten Moment seiner heutigen Wirksamkeit allgemeine Anerkennung und reiche Erfolge, die am eclatantesten dadurch zum Ausdruck kommen, daß die Synagoge in der Leopoldsgaffe eines der bestbesuchten Wiener Gotteshäuser ist, in welchem stets ein zahlreiches Publikum mit Spannung den Vorträgen Schorr's lauscht Aber auch sein biederer Charakter, sowie die rege Thätigkeit, die Obereantor Schorr auf humanitärem Gebiete, als Mitglied vieler Wiener-Wohltätigkeitsvereine und insbesondere als Obmann des Humanitären Vereines ll'omsok Ewjonim entfaltet, haben ihm in den weitesten Kreisen vielfache Sympathien erworben, die jetzt anläßlich der geplanten tOjähr. Amtsjubiläumsseier sicherlich zum vollen Ausdruck gelangen werden. X. Ch.