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Die Wahrheit · 1903-08-28 · Heft 33 (28.8.1903) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 33 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Hie Wahrheit. Nr. 33 Landknappheit leidenden galiläischen Kolonien erzielt hat, verdankt sie dem ebenso einfachen, wie eigentlich ganz selbstverständlichen Entschlüsse, den nothleidenden Kolonisten Land zuzukaufen. Diese Landankaufe im Umfange von ca. 6000 Ha. sind erfolgt einerseits in der Nähe von Tiberias. Bislang sind auf den neuen Ländereien vier Kolonien, nämlich Meskah, Dalayka, Abadje und Jamma gegründet worden. Im kommenden Winter sollen drei weitere Kolonien auf dem neuen Boden errichtet werden. Jeder Kolonist erhält eine vollständige Ausrüstung, bestehend aus einem Haus von drei Räumen, Scheune, Stall, Vieh (6 Ochsen, 2 Kühe, 1 Esel, 20 Schafe und 20 Hämmel), Ackergeräthe nebst 41 Ha. Land für eine Familie von 5 Köpfen. Auf diese Weise sind bis jetzt 70 Familien installirt worden. Es wird beabsichtigt, diese Familien nach erfolgter Einrichtung vollkommen sich selber zu überlassen und sie nicht im geringsten zu bevormunden. Bis jetzt liegen die ersten Ergebnisse von 3 Kolonien vor: In Iamma wo die Aussaat noch rechtzeitig erfolgen konnte, haben 11 Kolonisten für 20,809 Frs. Brotfrucht geerntet. Das macht das schöne ^Einkommen von 1700 Frs. pro Familie aus. In Meskah und Dalayka konnte die Besitznahme des Bodens nur sehr spät erfolgen. Die Bestellung konnte nicht rechtzeitig vorgenommen werden, und das Ergebniß war für die 22 Kolonisten von Meskah 33,163, und für die 25 von Dalayka nur 5517 Frs. 16) Rosch-Pinah. Diese 2942 Ha. umfassende Kolonie besitzt nur 1364 Ha. ertragfähigen Bodens. Das Getreide brachte 60,940, die Weinberge 10,129, und die von den Kolonisten arg vernachlässigte Seidenzucht 2178 Frs. Die Gesammtsumme von 73,252 Frs. reicht nicht aus, um 43 Familien zu ernähren, zumal von diesem Gesammtbetrag noch 21,600 Frs. Steuern abgehen. Es sollen daher noch 8 Famimilien in den neuen Kolonien untergebracht werden, so dag die Zurückbleibenden Land genug übrig behalten sollen, um aus ihm ein Einkommen von 1700 Frs. erwerben zu können. Der Tabacksbau hat 275 Kilo pro Ha. ergeben. 17) I e s s o d - H ä m a a l o h. Die Kolonie hat sehrguten Boden, aber ein sehr schlechtes Klima. Ihre Lage in einer nach dem Meromsee sich öffnenden Thalschlucht bewirkt, daß der Sirocco ungehindkrt über den Boden der Kolonie streicht und deren Fluren versengt. Jessod Hamaaloh hat schon hintereinander drei Mißernten gehabt. Nur die Tabackernte war glänzend und hat ca. 600 Kilo pro Ha. ergeben. Die Getreideernte brachte nur 36,676 Frs., was zur Ernährung von 32 Familien umsoweniger ausreicht, als der Steuerpächter die Kolonien geradezu ausgeplündert und ihnen 33 pCt. ihrer Ernte als „Zehnten" abgenommen hat. Die Kolonisten werden wohl etwas mehr Boden bekommen müssen, damit ihre Existenz gesichert ist. — 18) M e t h u l e. Von den 60 Kolonisten dieser nördlichsten Kolonie Palästinas fittb 21 in den neuen Kolonien untergebracht worden, so daß die 774 Ha. anbaufähigen Bodens dieser Kolonie nebst den in der Nähe erworbenen Terrains von Merdj und d'Abel für die zurückgebliebenen 39 Familien vollkommen ausreichen. Die Kolonisten haben neue Wohnungen erhalten, die alle zusammen von einer Mauer und einem breiten Graben umgeben sind, um sie so vor. den Ueberfällen der Drusen zu schützen. Der Tabacksbau hat 286 Kilo pro Ha., der Getreidebau 18,646 Frs. ergeben. 19) M i s ch m a r H a j a r d e n. Die 12 Kolonisten Ion Mischmar müssen immer noch unterstützt werden, da die Kolonie nur 250 Ha. anbaufähigen Bodens besitzt. Es sind deshalb 146 Ha. Land hinzugekauft worden: 20) S e d j e r a. Die Ernteergebnisse dieser in eigener Verwaltung der „I. C. A." mit Hilfe von jüdischen Taglöhnern bewirtschafteten etwa 1700 Ha. umfassenden Bodenkomplexe läßt sehr viel zu wünschen übrig, da Dürre und Sirocco seit zwei Jahren die Ernten vernichten. Bis jetzt sind 567 Ha. in Anbau genommen. (Fortsetzung folgt.) Amtsantritt des Rabbiner Dr.Fenchtwaug in Wie». Freitag, den 14. August, vor dem Abendgottesdienste, wurde Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang im Sitzungssaale des Tempelgebäudes in der Schopenhauerstraße vom Bethausvorstande in feierlicher Sitzung begrüßt. In Vertretung des Obmannes, Herrn Em. Hoffmann, hielt Herr Vorsteher I akob Frankel eine herzliche Ansprache, in welcher er bemerkte, daß es der Gemeinde zum Stolze und Glücke gereiche. Herrn Dr. Feuchtwang als Rabbiner begrüßen zu können. Ferner sprachen Vertreter der Chewra Kadischa und des Beamtenkörpers. Nachdem Se. Ehrwürden erwidert hatte, wurde er von sämtlichen Vorstandsmitgliedern zu seinem Sitze in die festlichgeschmückte Gemeinde-Synagoge geleitet, woselbst ihm ein boruch haboh und hallelujah entgegentönte, das derChor unter der Leitung des. Herrn Cantors Serebrenik anstimmte. Darauf folgte der besonders feierliche Gottesdienst. Samstag, den 15. August, hielt Herr Dr. Feuchtwang seine Antrittsrede. Die Synagoge war überfüllt. Sämtliche Vorsteher, viele Freunde und Verehrer des neuen Seelsorgers hatten sich aus allen Bezirken eingefnnden. Es waren auch die Rabbiner Dr. Grnuwald, Dr. Bauer und Dr. I. S. Bloch anwesend. Der Gottesdienst gestaltete sich zu einem wahrhaft, erhebenden. Als der neue Rabbiner .zur Thora gerufen wurde, wurde ihm vom I. Cautor Herrn Peterselka und auch vom Cantor Herrn Serebrenik je ein von diesen beiden Herren verfaßter Ni Zvböberaeb gemacht. — Die Antrittspredigt hatte kurz folgenden Inhalt: Ansgehend von. dem Satze „Mein Herr, und Gott gab mir die Zunge oer Belehrung, daß ich verstünde, Matte durch das Wort zu erquicken u. s. w.", wurde in der Einleitung kurz der Inhalt dieses Wortes erklärt und daun gefragt, ob die hier geschilderte Aufgabe des Gottesmannes den diesbezüglichen Anordnungen der Thora entspreche und ob sie auch heute noch Geltung - und Bedeutung habe. Die Frage wurde in der Behandlung des Themas beankwortet, das sich an das Wort des Wochenabschnittes anlehnte: „Um jene Zeit schied der Ewige den Stamm Lewi aus." Es war die Zeit nach dem Auszuge und der Erlösung aus Aegypten, unmittelbar nach der Offenbarung auf Sinai und der Versündigung durch das goldene Kalb. Denn vorher waren alle Anserwählte Priester. Erst damals wurde der .Stamm Lewi ausgeschieden, nachdem die Priesterkronen der Tat und des Gehorsams von den Häuptern der Volksgenossen gefallen waren. Gleichzeitig wurde aber die Aufgabe der Auserwählten klar gezeichnet, .nämlich: „zu trage u die! B u n d e s l a d e des Ewigen, zu st e h e n vor dem Ewigen und ihm zu dienen und in seinem Namen zu segnen. Diese, vier Aufgaben machen nach Vorschrift der Thora die Aufgaben und den Beruf des Priesters und der Leviten aus. Das Erste ist das Tragen, Bürde nicht Würde allein. Die Last ist aber eine kostbare, die T h o r a. Sie zu pflegen und zu lehren undzu halten ist erste Pflicht. Dann zu stehen, aufrecht und unbeeinflußt, als ein überzengungsfester Mann; Gott, nicht Menschen zu diene n, und zu segne n. Ein Segen allen Bedürftigen und Schwacheil zu sein, der ganzen Gemeinde. Darum hatte Lewi keinen Besitz unter seinen Brüdern, es mußten aber, nach Erklärung der Weisen, diese dafür sorgen, daß der Auserwählte sich sorgenfrei und ungestört seinen großen Pflichten widmen könne. Ganz Aehnliches gilt von dem Rabbiner unserer Zeit. Auch dieser Stand wurde in der Zeit der Not ausgeschieden. Denn vor ungefähr 50 Jahren, kurz uach der Erlösung aus der Bedrückung moderner Egypter, kurz nach Offenbarung der Freiheitsgesetze, stellte sich die Notwendigkeit der. Rabbiner, Prediger und Seelsv'ger ein. Vorher war jeder jüdische Bürger imstande und in der Lage, fein eigener Priester zu sein. Alle - kannten die Thora und das Gesetz, die meisten kannten einen Teil' der jüdischen Wissenschaft. Nun aber diente man fremden, . nicht immer goldenen Göttern. Um so schwerer und verantwortungsvoller ist aber die Aufgabe des auserwählten .Priesters,

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