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Die Wahrheit · 1903-08-28 · Heft 33 (28.8.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 33 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die N)ahrheii Nr. 33 Baden, 19. August. Die Trauung des Frl. Hedwig Bäcker, der Tochter des Amtsleiters der Wiener Cultusgemeinde, Herrn Joachim Bäcker, mit Herrn Professor Dr. Robert Bäcker aus Sereth fand gestern nachmittags 2 Uhr in den festlich erleuchteten Räumen der hiesigen Synagoge, welche auf Anordnung des überaus thätigen Gemeindepräses, Herrn Moriz Lettner, auf das geschmackvollste ausgestattet wurde, statt. Nach dem einleitenden Gesang des Mah t<mu, durch Herrn Obercantor Seiffert mit seinen. Sängern trefflich vorgetragen, hielt Herr Rabbiner Dr. Reich die Trauungsrede, in welcher er mit packenden Worten das Verhältnis der Kinder zu den Eltern schilderte und dem Brautpaare wärmstens ans Herz legte, den Traditionen, die sie im Elternhanse miterlebt, trat bleiben zu wollen fürs ganze Leben. Die Ansprache machte sichtlichen Eindruck, ebenso wie die hierauf von Obercantor Seiffert vorgetragenen 7 Segensprüche allgemein beifällig ausgenommen wurden Beim Trauungsakt im Tempel waren außer dem Vorstande der Badener Cultusgemeinde, den Herrn Präsidenten Moriz Lettner und Vicepräses Anton Schneider, auch noch Herr Oberrabbiner Dr. M. Güdemann sammt Gemalin, sowie Obercantor Singer sammt Gemalin und Tochter, Rabbiner Dr. Bach sammt Gemalin, ferner die Herren Rabbiner Dr. Abeles, Dr. Bauer sowie die beiden Herren ersten Cantoren Blatt und Schiller, ebenso die Herren kais. Räthe B. Steinhof, Dr. Modry und Powolny der Chewra Vorsteher Herr Kann, Herr S. M. Wasservogel, Herr Dr. H. Löwy mit Gemalin, sowie ein zahlreiches distinguirtes Publikum der besten Wiener Kreise anwesend. Nach der auf den Trauungsakt folgenden Gratulation versammelten sich die meisten der Festtheilnehmer bei dem in „Hotel Rausnitz" veranstalteten Diner, welches betreffs der Anordnung und der Güte der Speisen dem berühmten cnlinarischen Rufe der Rausnitz'schen Restauration zur vollsten Ehre gereichte. Herr Obercantor Singer weihte den ersten Toast selbstredend dem Brautpaare, gab aber auch gleichzeitig dem freudigen Gefühle Ausdruck, daß es ihm, nachdem er Jahrzehnte lang mit dem Hochzeitsvater Schulter an Schulter in ernster Arbeit vereint, nun auch gegönnt sei, an dem freudigen Familienfeste der Verehelichung seiner Tochter Antheil zu nehmen; Der Redner machte das Brautpaar darauf aufmerksam, daß es blos den im Elternhause erlebten Eindrücken zu folgen brauche, um alsbald auch das Glück des eigenen Hauses zu kräftigen und zu festigen. Auch die Herren Cantoren Blatt und Schiller toastirten in launiger Weise. Den Schluß der Tischrede hielt der durch Funktionen verhinderte und erst später zur Tafel erschienene Rabbiner Dr. Reich in bekannt liebenswürdiger und eleganter Weise. -Das freundliche Fest, welches allen Theilnehmern noch lange in Erinnerung kleiden wird und als gütiger Vorbote für das künftige GlüüHdes jungen Paares gelten möge, verlief in der schönsten Weise und können wir nicht umhin, dem stets rührigen und um den Ruf der Badener Cultusgemeinde so lehr bedachten Herrn Präsidenten Moriz Leitner für seine auch bei diesem Trauungsacte bewiesene freundliche Mühewaltung hiemit öffentlichen Dank auszusprechen. Die allgemein freudige Antheilnahme an diesem Familienfeste fand auch in den eingelangten 300 Telegrammen,. 200 Korrespondenzen und zahlreichen werthvollen Hochzeitsgeschenken beredten Ausdruck. L. Hibeufchütz. Am 31. d. M. findet in der hiesigen Cultusgemeinde die feierliche Einweihung der neuerbauten prachtvollen Leichenhalle statt. Somotau. Am 29. August feiert unser allgemein geachteter und beliebter Obercantor und Rabbiner Sigmund Rosenberger das 25jährige Jubiläum seiner Amtsthätigkeit in hiesiger Gemeinde. Herr Rosenberger versieht in unserer Gemeinde seit einem Vierteljahrhundert .Me Functionen iu gewissenhaftester und pflichtgetreuer Weise und hat sich im Verlaufe seines Wirkens allsei ige Sympathien erworben. Heptitz. Die Regentin des Fürstentums Lippe erschien anläßlich der Kaiserfeier im Teplitzer israelitischen Gotteshause. Die hohe Frau folgte mit gespanntem Jntercffe dem Gottesdienste, bei welchem Rabbiner Dr. Kurrein eine warme, patriotische Ansprache hielt und Obercantor Dawison sich wieder als ein auserwählter Vertreter modernen Tempelgesanges erwies. Fast als Letzte verließ die hohe Besucherin den Tempel. Staniska«. Freitag den 14. August fand das Leichenbgängnis der Frau Sabine N i m h i n, Mutter des hiesigen Bürgermeisters, Herrn Dr. Nimhin, unter zahlreicher Theilnahme der Bevölkerung statt. Die Verstorbene war eine große Wolrhätcrin und wurde allgemein verehrt. Rabbiner Dr. Broude hielt an der Bahre eine ergreifende Rede und der Obercantor mit dem verstärkten Chore trug die liturgischen Gesänge erhebend vor. Dagy Major«. Am Sabbath Parschath Ekew weilte Herr Bezirksrabbiner Marmorstein aus Szenicz bei seinen Eltern hier zu Gast und benützten der hiesige Oberrabbiner S. Jungreis und Herr Vorsteher Carl Klein diese Gelegenheit, um den Gast mit einem Vortrage zu beehren. Herr Bezirksrabbiner L armorstein folgte dieser Einladung und bereitete der ganzen Gemeinde durch seine geistreiche Rede einen wahren Oneg schabbos. Koheuems. Ein großartiges, hier allerdings in den letzen Jahren schcn gewohntes Bild, ein jüdischer Seelsorger, der vor einem nach Hunderten zählenden vornehmen christlichen Publikum, Herren und Damen aus den gebildetsten Volksschichten, öffentliche Vorträge über moderne Naturwissenschaft hält und stürmischen Beifall einheimst. Unserem, ja weithin als brillanten Redner bekannten Landrabbiner Dr. Tänzer war dies, wie schon so oft, am 22. d. M. beschieden, wo er in den Säälen des „Hotel Post" einen 1 r/zstündigen, vollständig freien Vortrag auf Einladung des hiesigen Werkmeister-Verbandes hielt über die Entwicklungslehre, die Gasträa-Thorie, Polypen und Cevatodus, Geologie und Astronomie, kurz .jäher ptmp 9üpf+ Unn fflpfpfrrfnmfptf ^tphip/ipiffi/ro Jvirnfio. hjpfog „rrimpnSpTt Mannes würdig beleuchtete. Allgemeine, ungeteilte Verehrung sind der Herrn Dr. Tänzer reichlich zuteil werdende Lohn seines gemeinnützigen, erfolgreichen Wirckens, das hier eine antisemitische Strömung im Keime erstickt hat. ' __ Littemtur. Der „Union-Kalender“. Soeben erschien der neue Jahrgang 5664 (1903—4) des von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" herausgegebenen „Kalenders für Israeliten". Auch dieser Jahrgang weist wesentliche Verbefferungen und Ergänzungen auf. Dem kalendarischen Teile wurde die größte Sorgfalt gewidmet. Der schematische Teil erweist sich durch, die Vollständigkeit und Aktualität der Daten betreffend die österreichisch-ungarischen Kultusgemeinden, ihre Vorstehungen, Funktionäre und rituellen Institutionen als ein unentbehrliches Hilfsuud Nachschlagebuch, dessen gründliche Bearbeitung die vollste Anerkennung verdient. Auch dem jüdischen Vereinswesen wurde die größte Sorgfalt gewidmet. Neu ausgenommen erscheinen die politischen Jsräeliten- Gemeinden Mährens mit ihren Funktionären und alle zionistischen Vereinigungen Oesterreichs. Der litterarische Teil bringt höchst interessante Reiseerinnerungen des jüngst nach Wien berufenen Rabbiners, Herrn Dr. D. Feuchtwang, unter dem Titel „Holländisches Judenthum" und eine spannende Erzählung, „Josua Dorn", aus der alten Ghettozeit vom Direktor des Wiener Blindeninstitutes, Herrn S. Heller. Die handliche Form und die elegante Ausstat'ung des Kalenders werden auch diesmal gewiß vollen Anwert finden. Der billige Preis (Kr. 1-60) ermöglicht auch den Minderbemitelten die Anschaffung. Der Kalender ist durch das Bureau der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union", Wien, I., Dorotheergasse 12, sowie durch alle. Buchhandlungen zu beziehe»._ Isr. Bethaus-Verein „Brigittenau“ Trauungen und Confirmafionen werden angemeldet bei dem Vereins-Obmann, Herrn Hermann Eltbogen, Wien, XX., Rafaelgasse 12. von Salomon Sulzer anlässlich seines lOOjähr. Geburtstages sind in schönster Ausführung zu beziehen von der Buchhandlung J. Schlesinger 'Wien, 1. Bezirk, Seitenstettengasse silr. 5. Schneidermeister Wien, I., Tiefer Graben Kr. 14, Oplfl mm Erstes Wiener Specialgeselialt für Synagogeu-Ornate und Adjustirungen liefert den P. T. Herren Rabbinern und Cantoren nach Uebe reinkommen zu ermässigsten Preisen und guten Conditionen. Muster und Illustrationen auf Verlangen gratis und franco. Kundmachung. Es wird hiermit zur Kenntnis gebracht, dass auschliesslich die nachbenannten. Verkaufsstellen für Koscherfleisch unter der besonderen Aufsicht des Kabbiiiates der Cultusgemeinde stehen: Lm 1. Bez. Ignatz Weinstein, Seitenstettengasse 3. „ 2. „ J Axelrad, Krummbaumgasse 2. „ 2. „ J. Re iss, Leopoldsgassse 31. „ 6. „ Joh. F 1 e i s c h h ac ke r, Schönbrunnerstr. 15. „ 14. „ Ernst Fuchs, Sechshauserstrasse 35. „ 16. Franz Schwad osch, Hofferplatz 10, „ 17. „ Heinrich. K o h n, Ottakringerstrasse 86. „ 18. „ Thomas Sch waiffe r, Schulgasse 25. „ 20. „ Eli Kälter, Jägerstrasse 22. Kur für die. hiergenannten \ erkaufsstellen übernimmt das Rabbinat die Verantwortlichkeit in Betrefi des Kaschrus. W i e n, im August 1903. _J _____:_JL-_w/>- -_

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