Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 10 (7.3.1902)
- Date
- 1902-03-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 vie Wahrheit. Seite 7 VerschiMue Nachrichten. . ,< ^^^kss-Kädischa, "Betern für frömmle und .'V'.SjL Smne .'des §;20*;. bVr Vereins-Statuten witzdWvlMtäg', ^ddl5. MäEl. I. am Vorabende^ des '2V nwi um* ■6 U^t Abends 7i'T Betraust, Innere' Stadt, ScKenWtengäffe„ sine' Gedächtnis-Andacht für Ke.im abgelaufenen Zahre verstorbenen Vereins- : initglieder abgehalten werden. ' '. Wie«. (Oesterr. israel. Un-i o n.) Samstag, den 1. Marz halb 8 Uhr Abends fand im Festsaale des niederösterr. Gewerbevereines ein gutbesuchter Vortragsabend der österr. israel. Union statt, bei welchem Herr-Heinrich Mayer-Cohn aus Berlin über das Thema „Pflichten und ‘ .Rechte" einen überaus interessanten, zeitgemäßen und. beifällig aufgenomi menen' Vortrag hielt. -; ‘ Wien (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Am Samstag, V Den -S: d. M. i/z8 Uhr-Abends findet in Khuners Restaurant, 1. Bez., ' Mlergasse, eine Plenarversammlung mit folgender Tagesordnung statt: ' Freie Discusskvnen, eingeleitet von unseren Mitgliedern, Herrn k. k. Bau« . räth Wilhelm Stiaßny und Architekt Friedrich Schön. ' " ' .! Wie«. Der Buchvruckerei-Besitzer und Herausgeber der „Neuzeit", .Herr Morrz Waizner, feierte Dienstag, den 4. d. M. seinen siebzigsten Geburtstag in seltener körperlicher und geistiger Frische. Trotzdem der Jubilar diesen Tag nur irn engsten Familienkreise begieng. kamen ihm Äennoch aus den weitesten Kreisen unzählige Glückwünsche und Sympathieckundgedungen zu. . ... Wien. (^V e r e in für jüd. Geschichte und L itteratur.) Sonntag, den 2. März, sprach Herr' Wolf Pappenheim im Festsaale des jüdischen Volksvereines über »Moses Sofer und seine Zeit'". Ohne nur zu versuchen, die gewaltige Bedeutung dieses Weisen für die jüdische Wissenschaft der überaus zahlreichen Hörerschaft zu entwerfen, weckte der Redner durch seine starke Fähigkeit, die Tiefen dieses reichen Lebens, ^uch in den Bildern seines alltäglichen Seins zu zeigen, wie durch den mngesuchten, persönlichen Ton seiner Sprache stürmischen Beifall. Der -junge Verein kann mit Genugthuung sich dieses Abends erinnern, der ihm einen ungewöhnlichen Erfolg gebracht. — Sonntag, den 9. März: ,Stuv. med. A. Feuerring»Cultur und Judenthum-, im Festsaale des jüdischen Volksvereines. Wien. Am 17. d. M. feiert der Amanuensis der Cultusgemeinde- Bibliothek, Hexr Dr. Bernhard Münz, das sünsundzwanzigjährige Jubiläum seiner Promovirung, sowie des Beginnes seiner schriftstellerischen Thätigkeit. Seiner fruchtbaren, namentkich auf philosophischem Gebiete -so vieles leistenden Feder sind u. A. eine Serie über die griechische -Philosophie, die in Dr. Münz einen ausgezeichneten Interpreten hat, entsprungen, ferner erschienen zwei Bände über den Forscher Frohschammer, Hann eine besonders gewürdigte Arbeit »Lebens- und Weltsragen-, sowie zahlreiche geistig vollendete Werke, unter welchen die Essay's eine hervorragende Rolle spielen; letztere waren M. Lazarus (1900) und Hieronymus Lorm fzugedacht. Auch hielt Dr. Münz bei der von der ^Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst-und historischen Denkmälern des Judenthums" im Dezember v. I. abgehalienen Lorm- Feier die Festrede. Wien. Sonntag, den 16. März, veranstaltet das Tempelbau- -Comite in Stockerau im Prachtsaale des Hotel „Baierischer Hof", Wien, . -2. Bez., Taborstraße, unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte einen Unterhaltungsabend mit Tanzkränzchen, dessen Reinerträgnis dem Fonds zur Erbauung eines Tempels in Stockerau zusließt. Karten im Vorverkauf sind erhältlich in Wien: Cafs Fränkl, II., Taborstraße 49; Hotel „Baierischer Hof", II., Taborstraße 39; Cafe Foncisre, I., Schotten- -ring 18; Cafe Schwenderhos. XIV., Mariahilferstraßc. Fest-Comitö- Local: Stockerau, Sparcafsaplatz 8. Wng.-ZSrod. Der Nestor unserer altehrwürdigen Gemeind.-, der in lder ganzen Umgebung eines ausgezeichneten Rufes sich erfreuende R. Jeremias Grün, wurde am Sabbath nisn'B im patriarchalischen Alter -von 91 Jahren ins bessere Jenseits abberufen. Ohne Todeskampf und -vorhergehende Krankheit erfolgte sein Hingang, zu welchem die Mitglieder der Chewra-Kadischa aus der nahen Synagoge vom Morgengottesdienste geholt wurden. Bei der am Sonntag stattgehabten Beerdigung, an der Hie Herren Rabbiner Dr. Jung. Bürgermeister Schön, Cultusvorsteher Brammer, Oberlehrer Riesenfeld, Lehrer Glück, und fast sämmtliche Gemeinde-Mitglieder theilnahmen, widmeten Prediger Grün aus Wien mnd Rabbiner Dr. Frankl-Grün aus Kremsier ihrem in Ehren ergrauten Vater tiefempfundene Nachrufe, die auf alle Anwesenden einen ergreifenden Eindruck machten. Eantor Nußbaum trug das Hazur tomim und El mole rachamim in der Ceremonienhalle vor, woselbst auch nach ' dem ts”np die ntnan miyc gereicht wurde, da Dr. Frankl die übliche Trauerzeit in Kremsier zu halten bemüffigt war. Das Andenken dieses wahrhaft frommen, ehrwürdigen Mannes sei und bleibe zum Segen! .Tl'2'5f,3Tl 3?rag. (Aus bem Prager Vereinsleben.) Am 19. Februar fand hier die 2, Veranstaltung der jüdischen »Toynbeehalle" statt. Herr I. Wertheimer hielt einen Vortrag (Czechisch) über „die Entwicklung des Welthandels und die Juden", der großes Jntereße erregte, wie auch der Liedervortrag der Frau Ada Klein, die vom Fräulein Dick .auf dem Clavier begleitet wurde. Die künstlerischen Leistungen des Violinvirtuosen, Herr.» M. U. C. Fleischmann und Recitationrn des Herrn M. U. C. Georg Fischer beschlossen die gelungene Veranstaltung. Am 22. Februar fand hier im Grandhotel ein geselliger Abend des „Jüdischen Fraueaverereines" statt, dessen Reinertrag znr Gründung einer jüdischen Koch- und Haushaltungsschule bestimmt ist. AurLö.Februar veranstalte, tzer Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten ' einen Vereinsabend, an welchem Herr Siegfried Fleischer. Secretär der „Oesterp.-israel. Union" in Dien über „die"Htech:sorgan:- sation der österreichischen Judenschaft" sprach. Wohl selten bot sich uns Gelegenheit, einen so fesselnden und hochbeveutsamen Bortrag zu hören der das politische Leben und Txeiben, die Drangsalen und Verfolgungen aus unseren Tagen und die. Abwehrbewegungen dieses Vereines tu nahezu zweistündiger spannender Rede erörterte. An. der geselligen Zusammenkunft fand eine anregende Debatte statt, an der sich Gäste und Vereins- Mitgliederin lebhafter, Weise betheiligten. Am solgeadsn rAbend fand im selben Locale ein Bortrag im Vereine „Asike Jehuda" statt. Herr Rabbiner Dr. Biach aus Brüx sprach über Maimonides und Mendelssohn in ihrer Bedeutung für die Zukunft des Judenthnms. Der hochbedentsame Vortrag erregte frenetischen Beifall. In den letzten Tagen fand auch im Verein der jüdischen Hochschüler „Bar Kochbah" eine Reihe voiffVorträge» des Herrn Aronowitsch über die jüdische Litteratur der neuesten Zeit statte Herr Aranowitsch übersiedelt demnächst nach Jaffa, wo er einen Posten als Lehrer an einer hebräischen Schule bekleiden wird. WqrienSad. Sonntag, den 23. Februar fand der letzte jener schönen Vortragsabende statt, die in diesem Winter unsere Gemeindemitglieder -mit ihren Familien stets fast vollzählig zur Pflege edler Geselligkeit vereinen. Die bisher veranstalteten Abende waren der Behandlung ernster jüdischer Themen gewidmet. Den Reigen der Vorträge eröffnete am 23. November unser vom Geiste des Judeuthums ebenso wie vom Geiste der Zeit erfüllte Seelenhirte, Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Ph. Goldberger mit einem gleichermaßen populären, wie inhaltsreichen Essay »Volksideale und Jdealvolk". — Am!5. December folgte Herr Dr. Ruff aus Karlsbad der an ihm ergangenen Einladung und bot eine gemütstiese Darstellung jüdischer Sitten und Bräuche in seinem Bortrage: „Leid und Freud' im jüdischen Hause". — Am 29. December würdigte unser Vorsteher-Stellvertreter, Herr Alois Kohn, Redacteur der „Marienbader Zeitung", anknüpfend an die Denkmalsenthüllung in Paris „Heinrich Heine" als deutschen Dichter, den wir mit Recht den unseren nennen können. — Am 28. Januar gab uns unser Gemeindemitglied, Herr I. U. Dr. Josef Steiner, eine Uebersicht über „Rechtsverhältniße der Inden mit besonderer Berücksichtigung des Privatrechts"", die lebhaftem Interesse begegnete. — Am 23. Februar endlich folgte der erwähnte Vortrags- und Unterhaltungsabend, an welchem besonders die weibliche Jugend zu Worte kam; es wurden declamatorische und scenische Borträge, sowie musikalische Darbietungen der zahlreichen Zuhörerschaft zu Danke, zu Gehör gebracht. Wudapeft. (Ein religiöses Festma h l.) Seit zwei Jahrzehnten existirt in Budapest (Theresienring 4) unter den Namen „Chinuch- Reorim" ein Verein, der es sich zur Aufgabe machte, jüdischen Jünglingen, welche armuthshalber oder aus anderem Grunde keine Gelegenheit hatten, sich das correcte Beten in hebräischer Sprache, sowie das Verständnis der Bibel anzueignen, gründlichen Unterricht unentgeltlich zu ertheilen. Die Kosten werden von den Mitgliedern bestritten. Der Unterricht ist für die schulfreie Zeit anberaumt. Ferner werden die Zöglinge auch mit der jüdischen Liturgie bekannt gemacht. Die Confirmanden werden im Tefillin-Legen unterrichtet und die Unbemittelten auch mit Talis, Tinllin, Gebetbuch und Chumisch zur Ba-Mizwah-Feier beschenkt. Dieser Verein, welcher ursprünglich nur zur Erziehung der israelitischen Jugend ge-- gründet wurde, hat im Laufe der Zeit seinen Wirkungskreis erweitert und auch die Abhaltung von Talmudvorträgen für Erwachsene in sein Programm ausgenommen. Am 20. Februar feierten die Mitglieder dieses Vereines anlässlich der Beendigung des Talmudtrackates Psachim das usuelle Sijum-Fest im Prunksaale des jüdischen Kindergarten-Vereines. Der Vereinslector, Herr Rabbiner Simon Goldberger, leitete die Feier mit einem halachischen Bortrage ein, welcher sowohl von großer Belesenheit als von Geistesschärfe zeigte. Sodann begann das Festmahl. Den ersten Trinkspruch hielt der neuerwählte Rabbiner; Herr Moritz Feldmann, welcher sich hier großer Beliebtheit erfreut. Nachher ergriff der Präsident des Kindergarten-Vereines, Herr Dr. Alexander Groß, das Wort, um sowohl den Gründer des Vereines, Herrn Rabbiner Goldberger, als das geschätzte Präsidium hochleben zu lassen. Hierauf folgte ein« Ansprache des sehr beliebten Schuldirektors. Herrn Nathan Holüs, welche die Aufmerksamkeit des ganzen Auditoriums auf sich lenkte. Professor Dr. Sigmund Gindo erhob das Glas am das Wodl des Präsidenten, Herrn Jacob Mehriuger, den er zum Schlüße mit dein Bibilvers apostrophirte: „Nicht Jacob heiße Dein Name, sondern Israel denn Du hast gekämpft mit Mächte» und mit Menschen und Du hast gesiegt!"" Großen Beifall erntete auch der Trinkspruch des hiesigen Buchhändlers Osias Geyer, welcher an die Schlusssätze des Tractates Pesachim anknüpfend, für die Kräftigung des Vereines „Chinuch-Neorim" plaidirte. Hieraus sprachen die Herren Emanuel Szenes, Max Szökely, die Brüder Ernst und Hugo Schey und der Bice-Präses Adolf Weißfeld. Wreska». Montag, den 24. Februar ist Herr Rabbi ier De Phil. Pinkus Reustadt. Ritter deS kgl. Kronenordens, der Vater des Herausgebers des hiesigen „Jüd. Bolksblatt", gestorben. Der Verblichene war einer der vornehmsten Mitarbeiter dieses Blattes und erfreute sicch i» den weite,reu Kreisen allgemeiner Hochachtung uns Wertschätzung.