Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 10 (7.3.1902)
- Date
- 1902-03-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 10. Beilage Zur Organisation. Unter Vorsitz -es Präsidenten Obercantor Heller in Brünn fand Sonntag, den 2. März 5 Uhr Nachmittags im Saale der Brunner Cnltusgemeinde eine sehr stark besuchte Generalversammlung des „Mähr. Eantorenvereines" statt, welche sich im Principe sür den Anschluss an die Organisation erklärte und zu diesem Bchuse ein fünfgliedriges Comitv einsetzte, das mit dem Vorstände des österr.-ungar. Cantoren- Bereines die diesbezüglichen Verhandlungen pflege solle. In Vertretung des österr.-ungar. Eantorenvereines waren aus Wien der Präsident Obercantor Singer und der Vicepräsident Obercantor Bauer eingetroffe». Ausführlicher. Bericht in nächster Nummer. _ Än -Nl verrhrlicheu Vorstand des Orsterr.-ungar. Cantorrn-Vereines Men. KorkLufige uothgedrungeue HrKkaruug. Der Leitartikel in Nr. 8 der „Oesterreichisch-Ungarischen Eautoreu-Zeitung" beschäftigt sich zu meiner nicht geringen Überraschung in der Hauptsache mit meiner Person und enthalt eine zwar sebr zartgefasste, aber doch nicht mißzuverstchende Aufforderung au mich, ein „Räthsel", vor dem der Verfasser des Artikels stehe, zu lösen. Der Inhalt dieses vermeintlichen Räthsels ist der scheinbare „Zwiespalt von Zusage und A u s f ü h r u n. g", die aus meinem Auftreten als Referent in Sachen „der Bildung einer Cantoren- Section im Rahmen der jüd. Lehrervereine im deutschen Reiche" auf dem Verbandstage in Hamburg resultrrt wird. Vorausgeschickt wird der Passus eines von mir an den verehrlicheu Vorstand des Oesterr.-Ungarischen Cantoren- Bereiucs unter dem 6. November 1901 gerichteten Briefes, der besagt, dass ich den Anschluss der deutschen Cantoren an die Bestrebungen des Allgemeinen Cantoren-Verbandes empfehlen werde. Ebenso wird aus dem Sitzungsberichte des Lehrervcrbandstages iw Hamburg folgender Satz angeführt: „Zu befürchten sei auch die Hinüberziehung zu jetzt angestrebten Bereinigungen". Hiezu habe ich zu bemerken, dass der angezogene Brief vom 6. Nov. aus freier Entschließung, ohne irgend welche Anregung seitens des Vorstandes des'^Oesterr.-Ungar. Cantoren- Vereir.es, lediglich im Interesse der Bestrebungen desselben, die ich nach wie vor vollkommen würdige, hervorgegangen ist. Von einer „Zusage" kann hierbei keine Rede sein, da ich weder einem Wunsche noch einem förmlichen Aufträge von Außen dabei gefolgt bin. Wenn es mir nach Lage der Sache zu meinem Bedauern in Hamburg nicht möglich war, einem Anschlüsse an den geplanten Allgemeinen Cantoren-Verein das Wort zu reden, so habe ich dessen Bestrebungen bedeutsam genug betont, wie dies aus meinem Referat ersichtlich ist. Der Passus aus dem Sitzungsbericht, der in Ihrem Artikel, abweichend von der Quelle, aus welcher Sie denselben geschöst, mit Gänsefüßchen versehen ist, befindet sich in meinem Manuscript nicht, er ist lediglich als eine Reflexion des oder der Berichterstatter anzusehen. Sollte sich aus dem Geiste der Debatte dieser Schluss ziehen lassen, so konnte sich derselbe keineswegs auf die Wiener Bestrebungen beziehen, sondern aus diejenigen in Deutschland, die ich als übereilt, überhastet auch noch heute bezeichnen möchte. Ich behalte mir vor, im Interesse unserer gemeinsamen Bestrebungen, in einem besonderen Artikel zur Klärung der Vcihölrmße in Deutschland, unttr denen unsere Berufsgenossen M MM haben, ein Scherflein beizutragen. Aber schorr heute kann ich Sie versichern, dass nicht Indolenz und Theilnahmslosigkeit die College» in Deutschland von einer activerr Betheittgung der geplanten Vereinigung abhält, sondern $tr Versihiedttcheit der obwaltenden Verhältniße, sowie hieschwierige Lage, in der sie sich hier befinden, ihnen die vorläufige refervirte Haltung zu beobachten gebieterisch fordern^ Leipzig, 26. Februar 1902. Mit collegialer Begrüßung ganz ergebenst B. Jacobs ohn. m. Serie — Nr. 19. Bon Obercantor- I. SiNALr-Wrerr (Fortsetzung.) Diese Vorausschickung darf jedoch keineswegs zur Annahme hinleiten, als dürften oder könnten die erwähntem Ausschreibungen überhaupt nicht nachgesungen werden; wirleben der sicheren Ueberzeugung, dass dieselben auch in derpraktischen Verwerthung die Feuerprobe bestehen werden- Bezüglich der letztangeführten Nutzanwendung dieser, namentlich traditionellen Gesänge sehen wir uns jedoch veranlasst^ auf eine Schwierigkeit aufmerksam zu machen, die sich ausder vom Verfasser gewählten Notifizirung ergibt; wir meinen die Einkleidung der Töne in rhythmische Notenwerthe. Die Töne dieser Jigdal-, Adon olom-Recitative sind Kinder der* Freiheit und können, unseres Erachtens, niemals unter die Botmäßigkeit eines Rhythmus gebracht werden, ohne an ihrein Werthe zu verlieren, selbst wenn der Taktvorschreibung? das etwas beschränkende „Parlando" vorangestellt erscheint- Man dürfte uns entgegenhalten, dass gerade die herrlichen Texte der beiden ersten Nummern „Jigdal und Adon olom" beinahe von den synagogalen. Componisten insgesammt einestreng rhythmische Bearbeitung erfahren haben, daher in prosodischer Beziehung keinerlei Bedenken obwalten können. Dashat seine Richtigkeit, doch Eines schickt sich nicht sür Alle. Dort, wo von vornherein ein Ehorsatz in Aussicht genommen,, demnach der Text musikalisch-mehrstimmig zu illustriren ist„ muß selbstredeno ein strenggefügter Rhythmus das Szepter führen; doch hier beim einstimmigen Sprechgesang (Recitativ)„ wo das Wort lediglich durch den Ton eindringlicher gestaltetwerden soll, darf vor Allem die Grundbedingung des Wort- und Redeflusses durch Taktgesetze nicht beeinträchtigt werden. Wir halten uns bei dieser scheinbar unwesentlichen, für uns jedoch überaus wichtigen Angelegenheit nur deshalb auf, um in der Beurtheiluug vorliegender Recitative Jrrthümeru und falschen Auffassungen namentlich des Lernenden vorzubeugen. Die Ausschreibungen sind correft und werden allenthalben ihre volle Wirkung üben, wenn der angegebene % Takt ganz außer Acht gelassen und der Vortragende von der unnatürlichen Fessel des Rhythmus befreit ist. Auch im weitern Verlaufe der Friedmann'schen (Berlin) Recitations-Aufzeichnungen macht sich die beruhigende Wahrnehmung bemerkbar, dass der Autor die Gruppen streng, sondert, so dass auch der Mindereingeweihte schon beim flüchtigen Durchblättern erfährt, welche Nummer in diesem oder jenem Steiger, oder aber in gewöhnlich moderner Weise verzeichnet ist. Der Autor arbeitet vornehmlich im Geiste der drei traditionellen Haupttonarten: Mögen owaus-, adonoj moloch- und ahawo-rabboh=0tetger, trotzdem, wie aus seinen ab und zu vorfindlichen Aufzeichnungen ersichtlich, auch die Abnormitäten der sogenannten combinirten oder gemischtere Steiger ihm vollauf bekannt sind.