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Die Wahrheit · 1899-03-22 · Heft 11 (22.3.1899) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 11 (22.3.1899)
Date
1899-03-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Gesterreichisch-ungarische Cantoren-Aeitung." Seite 14. Nr. 11. gegen war Lewrindümski die musikalische Säule Lichtenstem's. Beide ergänzten sich gegenseitig, und man kann behaupten, wir hätten keinen Lewandowski ohne Lichtenstein, und wiederum hätte Lichtenstein nicht diese Bedeutung, allerdings nur für Berlin, erlangt, wenn er nicht das Glück gehabt hätte, einen Lewandowski als Dirigenten zu besitzen. Diesen beiden großen Männern gesellte sich später Marksohn zu, welchen die hiesige Gemeinde von der 21LN an die alte Synagoge an die Seite Lichtenstein's berief. Marksohn ist eine lief musikalisch beanlagte Natur. Während der selige Lichtenstein durch seine eminenten Stimmmittel die Gemeinde zu begeistern suchte, gewann Marksohn neben seiner großen Stimme durch seine reiche Phantasie und edle Gesangsweise die Herzen der Beter. Zur Ehre des seligen Lewandowski sei hier erwähnt, dass er von Musikalisch begabten Cantoren, namentlich, die aus Russland stammten, sich oft Vorsingen ließ, um seine Phantasie zu bereichern. Und so ist auch die Entstehung mancher Piece des Lewandowski'schen „Kol- Rinn oh" der Anregung Marksohn's zu verdanken. Seine Bedeutung liegt auf dem Gebiete des Recittrens. Hier bietet er dem Hörer reiche musikalische Abwechselung und viel Modulation. Wer ihn „Jom- Kippur-Koton", die „Kinnoth" und „Malchiot, Sichronot, Schofrot" vorttagen hörte, lernte ihn erst in seiner Größe kennen und musste voller Begeisterung ausrufen: „Er ist ein Chasanl" Dieses ist seine musikalische Seite. Als Mensch erfreut sich Marksohn bei Allen, die ihn näher kennen, großer Verehrung und Werthschätzung. Seinen Kollegen stand er oft mit seiner reichen Erfahrung in musikalischen Angelegenheiten bei. Mehrere Cantoren, die heute in Amt und Würden sind, verdanken ihm ihre Ausbildung. Für arme und auch kranke Kollegen, welche hier Heilung suchten, trat er oft in Gemeinschaft mit seinen Amtscollegen bei den hiesigen Behörden ein und verschaffte ihnen die nöthigen Mittel. Auch im Vorstand des Cantoren-Vereines saß er mehrere Jahre und war eifrig thätig für die Bereicherung der „Hilfscasse". So kann Marksohn auf eine gesegnete Thätigkeit zurückblicken. Da unsere Gemeinde infolge ihres großen Beamtenkörpers von einer Feier beim Abgänge eines Beamten, wie es sonst in Provinzialgemeinden üblich ist, absieht, so mögen diese Zeilen Herrn Marksohn zu dem Bewusstsein erheben, dass Alle, die sich an seinem Gesänge erbaut haben, ihm ein ehrendes Andenken bewahren werden. Und wir, seine Kollegen, begleiten seinen Abgang mit dem innigen Wunsche, dass die gütige Vorsehung ihn im Kreise seiner Familie noch recht viele Jahre erhalten möge, auf dass wir noch oft mit Stolz und Verehrung auf unseren ehemaligen Kollegen, Herrn Arnold Marksohn, blicken können. A. Fried mann-Berlin. Verschiedene Nachrichten. Wien. Sonntag, den 12. d. M., fand im Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Fräuleins Margaretha Bloch, Tochter des Herausgebers der „Oesterreichischen Wochenschrift", Dr. Bloch, mit Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald aus Hamburg statt. Dem Trauungsacte, welchen Oberrabbiner Dr. Güdemann nnd Obercantor Singer vollzogen, wohnte ein zahlreiches, distinguirteS Publicum bei, darunter der Vorstand der Cultusgemeinde unter Führung des I. Vicepräsidenten Dr. Stern, mehrere Gemeinderärhe, Vertreter und Vertreterinnen verschiedener Vereine, Schriftsteller rc. Wien. Herr Jacob Singer nnd seine Frau Josefine feierten Tage das Fest der goldenen Hochzeit. Bemerkenswerth ist, dass das Ehepaar Wien nur dreimal die Wohnung gewechselt hat. Seit 1867 wohnen sie is VH Bezirk, Laudongasse. Beide erfreuen sich vollster Gesundheit. Wien. Am vorigen Donnerstag fand die Beerdigung des im 79. Lebeni! jahre verstorbenen Herrn Samuel Löw S'T, Chef der Firma Löw & @of)tj bei großer Betheiligung seitens der Verwandten und Freunde statt. An Bahre würdigte Rabbiner Dr. Schmie dl die Verdienste und Frömmigkrs des Dahingeschiedenen und richtete Worte des Trostes an die trauerm Gattin, mit welcher der Heimgegangene nahezu fünfzig Jahre in glücklichstil Ehe lebte, wie auch an die tiefgebeugten Kinder (drei Söhne und stis Töchter). Wie«. Der bestbekannte Tanzmeister, Herr Julius Singer, eind der meistbeschäftigten Wiener Tanz-Arrangeure, versendet einen interessantes statistischen Nachweis über sechsundsiebzig von ihm persönlich arrangir! Bälle im heurigen Fasching, laut welchem bei den angeführten Fester 16 284 Paare zu den Cotillon-Ouadrillen angetreten sind. Mit Vergnügt constatiren wir die Thatsache, dass die vornehmen jüdischen Vereine, wil „Ferienheim", „Humanitas", „Frauen-WohlthätigkeitS-Verein Josefstadij Leopoldstadt, Brigittenau" rc. das Arrangement ihrer Abende mit Vorlich Herrn Singer übertragen, der das in ihn gesetzte Vertrauen auch jederzeis glänzend bewährt. Die Zöglinge des renvmmirten Tanz-Institutes Hi mann, welchem Herr Singer als Director vorstehl, wissen am besten vors den Vorzügen ihres Lehrers zu erzählen. Budapest. Vorige Woche ist nach langem Siechthum der ad Philanthrop und Wohlthäter allgemein geschätzte und geachtete Herr Alexandd Wahr mann gestorben. Der Verstorbene, ein jüngerer Bruder des verewigtem Reichstags-Abgeordneten Moriz Wahr mann, war in früheren Jahre» Mitchef des einstigen Bankhauses Wahrmann & Sohn, zog sich jedoch bal» in's Privatleben zurück, um sich literarischen Studien und Arbeiten, namentlicil aber den öffentlichen Angelegenheiten seiner Vaterstadt Budapest und de» Wohlthättgkeits-Anstalten der israelitischen Gemeinde zu widmen. Jahr» hindurch war Alexander Wahrmann als Mitglied der Stadrepräsentan» thätig und wir erinnern uns aus dieser Periode seines Wirkens namentli» der Hingebung mit der er zur Zeit der Ueberschwemmungsgefahr permamnll in Action war und dabei nicht selten seine Gesundheit aufs Spiel setzte. Mit! seltenem Fleiß nnd Feuereifer förderte der nun Verblichene die Wohlthätigkeits | Institute seiner Gemeinde und ebenso die allgemeinen confessionellen Angelegenheiten, für die er ein seltenes Interesse bekundete, namentlich di» ^llianee Israälits Universelle zählte ihn zu den größten ContribuentenI Testamentarisch hinterließ der Verblichene 400.000 fl. zu wohlthätigen! und Humanitären Zwecken, davon 300.000 fl. zur Errichtung einerl israelitischen Mittelschule in Budapest. Für dieses Legat wurde die Pesterl israelitische Gemeinde zum'Testamentsvollstrecker bestellt, welche auch darüber« zu entscheiden hat, ob ein Gymnasium oder eine Realschule errichtet Werdens soll. Mit 40.000 fl. errichtete der Erblasser einen Fonds zur Heiratsausstattung armer jüdischer Mädchen, jedoch mit der Beschränkung, dass aus! diesem Fonds dreißig Jahre lang nur der Familie Wahrmann angehörige Mädchen bedacht werden können; nach dreißig Jahren hört diese Beschränkung auf. 60.000 fl. vermachte Alexander Wahrmann an mehrere humanitäre! Institute, Spitäler, Schulen und Vereine; die Liste der Betheiligten wird später bekanntgegeben werden. Das Leichenbegängnis fand am 12. d. Ü)ü unter überaus imposanter Theilnahme statt. Unter den Trauergästen sah man | zahlreiche Notabilitäten unseres öffentlichen Lebens, darunter Bankdirectoren, Advocaten, Aerzte rc. Der Vorstand der Pester israelitischen Gemeinde war! fast vollständig erschienen. Obercantor Lazarus leitete den gesanglichen I Theil der Trauerceremonie, während Oberrabbiner Dr. Kohn dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf widmete. Der Trauerzug war so imposant, dass der Verkehr auf dem Karlsring zeitweilig unterbrochen wurde. Dem Leichenwagen wurden die Fahnen von acht Wohlthätigkeits Vereinen vorangetragen, welche der Verblichene Zeit seines Lebens unterstützte. In dem nahezu endlosen Conducte befanden sich auch die Zöglinge des israelitischen Knaben- und Mädchenwaisenhauses, welchen der Verewigte seine besondere Fürsorge widmete. Budapest. Nach dem Ausweis des statistischen Landes-Centralbureans für den Monat Jänner betrug die Zahl der Eheschließungen in den Ländern der ungarischen Krone 22.568, wovon auf Kroatien-Slavonien 3111 entfallen. Im Ganzen wurden nur 1544 gemischte Ehen geschlossen; zwischen Juden und Christen wurden 15 Ehen geschlossen, wovon in 7 Fällen der Bräuttgam, in 8 Fällen die.Braut sich zur jüdischen Religion bekannte.

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