Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 646 (27.5.1937)
- Date
- 1937-05-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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t, Donnerstag, 27. Mal 1937. — Nr. 040. Oll STIMM! Seit» 5 Im Ghelto 'von Eisensiadl Eingang ins Eisenstädter Ghetto Niciht alle wissen, daß es knappe zwei Fahrt-1 Museumsraum ist mit kostbaren mittelalterstunden von unserer Großstadt entfernt, ein liehen Möbeln und Runstgegenständen eingerichtiges Ghetto gibt, das Einblick gewährt1 richtet, ein anderer stellt eine liebliche Biederin eine Welt, wie es jene war, darin wohl j meier-Sbube dar und enthält Erinnerungen an noch die Großeltern von manchem von uns die Tänzerin Fanny Elßler. Ein Zimmer entim Osten auf wuchsen. Die Gemeinde Eisen-1 hält Haydn-Reliquien. Aber auch an Schätzen stadt war das Ziel des Ausfluges, den das aus der jüdischen Vergangenheit Landeskomitee für Gesinnungsfreunde veranj ist das Museum reich, so enthält es wunderstaltete. Die Reise, die wegen des schlechten Wetters unter schlimmen Auspizien angetreten wurden, nahm einen glänzenden Verlauf. Als wir mit den Autobussen in Laxenburg anlangten, hatte der Regen bereits aufgehört. Wir besichtigten die auf einer Insel des Parkteiches gelegene Franzensburg: der romantischen Zeitstimmung entsprechend hatten die Erbauer eine mittelalterliche Burg hingestellt, deren Einrichtung jedoch ein Konglomerat von zusammengesohleppten Kunstgegenständen aus alten Burgen, Kirchen und Klöstern der Monarchie darstellt. Längere Zeit ging dann die Fahrt durch das niederösterreichische Flachland, anmutige, bewaldete Hügel und Weinpflanzungen zeigten schließlich an, daß wir uns bereits im B u r g e n 1 a n d befanden. In Eisenstadt begrüßte Herr Wärndorfer in Vertretung des Kultusvorstehers Schneider, der durch da« Ableben seines Vaters einen schmerzlichen Verlust erlitten hatte, die Wiener Gäste, worauf Direktor ^uchabaum auf Hebräisch die Reiseteilnehmer in der Kehilla willkommen hieß. Doktor Grttnbaum dankte ftir den freundlichen Empfang namens des Landesverbandes. Der Eingang in das Ghetto wird durch zwei an den beiden Seiten der Judengasse befindliche kurze Steinquader gekennzeichnet, welche am Sabbatih durch eine Eisenkette verbunden werden, so daß die strenge Feiertagsstille nicht durch Unbefugte gestört werden kann. Denn Eisenstadt-Oberndorf mit seihen dreißig alten Häusern ist die einzige politische Gemeinde Österreichs mit einem jüdischen Bürgermeister, der zugleich der Kultusvorsteher ist. Die Gemeinde ist alt, sie reicht in ihren Ursprüngen bis in die Zeit der Kreuzzüge, doch ist sie in der Gestalt, die sich bis heute erhalten hat, eine Neugründung des Wiener Hoffqktors Samson Wertheimer; in den dribtha'lb Jahrhunderten des Bestehens bat sie sich der Gunst ihres Schutaherrn, des Fürsten Eszterhazy, stets erfreut und auch da« Zusammenleben mit den christlichen Mitbürgern — es gibt Christen, die im Ghetto wohnen und also der jüdischen Verwaltung unterstellt sind wie auch Juden, die bereits in Eisenstadt selbst ihren Wohnsitz haben — ist bis heute ziemlich harmonisch geblieben. Wir besuchten das Museum, das Sandor Wolf in jahrzehntelanger, mühevoller Arbeit aufgebaut hat. Die Familie Wolf, in deren Händen bereits seit dem Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts ein großer Teil des burgenländisohen Weinhandels liegt, und die umfangreiche Kellereien besitzt, hat überhaupt Großes sowohl für dio jüdische Gemeinde als auch für Burgonland selbst geleistet. Mit der Gründung des Museums hat Herr Sandor Wolf eino kulturelle Leistung vollbracht, die nicht genug hoch oingeschätzt werden kann. Das Museum enthält prähistorische und römische Altertümer, bemerkenswerte Stücke aus dem Mittelalter und neuerer Zeit, die sich auf Eisenstadt oder auf die Judengeraeinde beziehen. Uns interessierten vor allem dio Zimmer, die Erinnerungen an berühmte Persönlichkeiten enthalten; ein Burgonländer war der berühmte jüdische Goiger J o a c h i m, aus Westungarn stammte Karl G o 1 d m a r k. Ein schöne Kultgegenstände, alte Megilloth, Ehebriefe, Urkunden aus der politischen Geschichte der Kehilla, Reminiszenzen an Rabbi Akiba Eger (an den auch die Gedenktafel am Hause Wolfs erinnert) und an Rabbiner Doktor Hildesheimer, die hier wirkten. Die Haupt Synagoge ist im nüchternen Stil der Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts erbaut, doch besitzt sie prächtige handgestickte P a r o c h e s, während die schönen alten Kultgeräte, Kidduschbecher, Büchsen, Thorasebmuck in der Gemeindes t u b e, die sich in einem besonders charakteristischen alten, winkeligen Haus befindet, zur Schau gestellt werden. Von der Verwurzelung der Gemeinde im Boden legt der alte Friedhof Zeugnis ab, dessen verwitterte Grabsteine in einem monumentalen Werk von Wa einst ein bearbeitet wurden, aber auch die vom Bund jüdischer Frontsoldaten errichtete Gedenktafel, welche die Namen von im Weltkrieg gefallenen Elsen Städter Juden enthält. Gegenwärtig ist die materielle Situation der Gemeinde, die etwa vierhundertfünfzig Seelen zählt-, nicht besonders günstig. Erfreulich ist, daß ein großer Teil der Bevölkerung mit dem Zionismus sympathisiert. Dr. Grünbaum konnte am letzten Sonntag in Eisenstadt die seinerzeit bestandene zionistische Ortsgruppe reaktivieren. Von Eisen-Stadt wurde am Nachmittag ein Abstecher nach Rust gemacht, von wo man durch einen schmalen Verbindungskanal in den grauen Neusiedlersee gelangt, dessen Ufer dicht mit Schilf bewachsen sind. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir gemütlich in Gesellschaft der Eisenstädter Juden in dem kleinen, bei Eisenstadt gelegenen Waldrestaurant Gloriette, einem ehemaligen Jagdschloß, und beendeten unsere Exkursion mit einem Spaziergang durch die Stadt mit ihren schönen alten Bürgerhäusern, dem Eszterhazyschloß und dem Haydn-Haus. Der von Herrn Ignaz Müller arrangierte, durchaus gelungene Ausflug rief in allen den Wunsch hervor, auch andere Teile des Burgenlandes, vor allem aber ö d e n b u r g, kennenzulernen. Dr. A. Werner. Freddie Bartholomew fllckey Rooney Jackle Cooper» DreiMdiieOmijster mit Jan Hunter, Pewv Conklin Ein Schauspiel aus den Seitengassen der Großstadt — SCHWEDEN-KINO - gebung der Solidarität nach innen und nach außen — allen unseren Feinden der Welt zum Trotz — ist der zionistische Schekel. Der Schekel bildet für jeden Juden und für jede Jüdin den Beweis der Zugehörigkeit zur Bewegung, die bestrebt ist, dem Jischuw im gegenwärtigen Augenblick den Frieden und die Bedingungen für seine Entwicklung zu sichern. Der Schekel ist die Ehrenlegitimation eines jeden Juden, der an der Erlösung des Volkes und am Ausbau des Landes Anteil nimmt. Die Anzahl der Schekelinhaber muß heuer der ganzen Welt zeigen, daß der Jischuw nur die Avantgarde bedeutet, die vor dem Weltjudentum in seinen Bestrebungen, das Land unserer Väter, auch unserer Söhne zu erlösen und zu erneuern, einherschreitet. Ich rufe das ganze jüdische Volk, jeden einzelnen Juden auf, daß alle in Erkenntnis dieses geschichtlichen Augenblickes ihren Namen mit dem großen Werk der Renaissance verknüpfen. BAD ISCHL ■nw Hotel-Pension Neue Welt ntfs pnnört fö Die einzige unter Aufsicht eines eigenen Schächters, des Ehrw. Rabb. Josef Babad der Wiener Kultusgemeinde, stehende streng rituelle Pension Volle Pension von S 6*— aufw. Auskunft IX., Porzellangasse 49 (Schuhrep.) und n., Novaragasse 24 (Tel. R 61-1-12 und A 18-608) Alter Hof im Ghetto TAWIG-TAPETEN sind billig und schaffen ein freundliches gemütliches Heim Wir reduzieren unser Lager und haben auch unsere Preise gewaltig reduziert TAWIG A. G. 1., SehottenlHKtei 10, Telephon ü 28-4-72 M. Ussischkin, Präsident des Aktionskomitees: Der Schekel, das Ehrendokument des Juden Wir stehen vor dem 20. Zionistenkongreß. Am 2. Ellul vor 40 Jahren proklamierte der Schöpfer der Zionistischen Organisation Herzl in Basel die Bildung dieser nationalen Institution. Seit diesem historischen Tage sind vierzig Jahre verflossen (ebenso lange dauerte die Wanderung der Juden durch die Wüste auf dem Wege von Ägypten nach Palästina). Diese Jahre waren voll Sorgen für unser Volk, in allen Ländern der Zerstreuung. Die gegenwärtige Lage der Juden ist viel bedrohlicher als zur Zeit der Entstehung des Kongresses. Die stände war, große Wüstenflächen in Felder und blühende Gärten, in Handels- und Industriestädte zu verwandern. Die wiedererweckte hebräische Kultur durchdringt den Jischuw, von wo aus sie ihre Strahlen in alle Länder der Galuth aussendet, den Glauben und die Hoffnung, den nationalen Stolz und den Willen zur vollständigen Erlösung erweckt. Aber gleichzeitig mH unserem Fortschritt zur Erlösung und Freiheit schreitet vorwärts „der ewige Haß gegen das ewige Volk“ — wie sich Nahum Sokolow ausgedrückt hat. Die einzige Hoffnung, die das Volk in seinem Her- Söhne Edonis und Jismaels haben sich in zen hegt, der einzige Stern, der die Dunkelheit ] diesem Haß die Hände gereicht, da sie sich mit der Galuth erhellt, ist jener heilige, historische j der Renaissance und der Erlösung des jüdi- Erdenfleck, der mit der Seele des Volkes durch | sehen Volkes nicht abflnden können. Die Erdie Jahrtausende verbunden blieb: Erez eignisse des letzten Jahres in unserem Lande Israel. Während die größten jüdischen Grupgeben den schlagenden Beweis, wohin blinder pen in vielen Ländern, insbesondere in Rußj Haß führen kann. Es ist eine traurige Zeit, sie land, dem Untergang geweiht sind, entsteht; hat aber auch ihre positive Seite. Die Haltung und wächst auf diesem historischen Erdenfleck, j des Jischuw in diesen schweren Tagen ehrt das auf einem starken Fundament das Heim des ganze jüdische Volk. Der Jischuw hat sich jüdischen Volkes — zum dritten Male in un- J weder zurückgezogen noch hat er kapituliert, serer Geschichte. Aus einer kleinen Schar. im Gegenteil, der Jischuw schreitet mit noch alter, kraftloser, armer und seelisch gebrochegrößerem Glauben und noch größerer Energie ner Juden, die auf ihre zukünftige Erlösung in die Zukunft. vertrauten, sind wir ein großer Jischuw vonj In den Tagen des 20. Kongresses muß der 400.000 Seelen geworden. Diese Zahl entspricht { Jischuw fühlen und das Bewußtsein haben, daß zwei Dritteln der aus Ägypten erlösten Juden, hinter ihm das ganze jüdische Volk steht, das Dieser Jischuw besteht zum Großteil aus kraftbereit ist, an dem großen schür*‘ierischeri Werk strotzender und schöpferischer Jugend, die im-1 teilzunehmen. Die würdigste Form der Kund- Die Katastrophe des „Hindenburg" Nun wird auch die „Hindenburg“-Katastrophe in Lakehurst zu einer ant-ijirdischen Aktion verwendet. Die Presse des Dritten Reiches und mit ihr die übrige im Berliner Sold stehende österreichische Provinzpresse spricht plötzlich von einer „jüdischen Hetz e“. Es ist aus einem Interview mit Dr. Ecke ner bekannt geworden, daß das Reich die für den Ankauf von Heliumgas notwendigen Devisen nicht zur Verfügung gestellt hat, und es waren nicht die Juden, sondern die Zeitungen der ganzen W e 11, die festeteilten, daß Deutschland die Devisen für seine Rüstungiskäufie braucht. Diese Konstatierung hat einerseits starke Erregung in Amerika hervorgerufen, anderseits aber auch auf dio Öffentlichkeit in Deutschland gewirkt. Da müssen eiben wieder die Juden herhalten. In diesem Zusammenhang muß aber doch gesagt werden: Wie hätte die Hakenkreuzmeute gesebrien, wenn eine jüdische Unternehmung derart gehandelt hätte, wie die Zeppelin-Gesellschaft, das verhätschelte Liebkind des braunen Systems! 21 Fahrten, so wird erzählt, hat der „Hindenburg“ gemacht. In allen Berichten der gut arbeitenden Reklamestelle wurde immer wieder dem gläubigen Publikum von der unbedingten Betriebssicherheit der Luftschiffe erzählt, und Tausende von Passagieren glaubten daran und wußten nicht, daß nicht Helium, sondern das ungemein gefährliche Wusserstoffgas verwendet wurde. Wie wäre doch das Thema vom jüdischen Betrug abgewandelt worden! In ihrer ersten Bestürzung hat die deutsche Propaganda das Stichwort von der Sabotage ausgegeben, das gehorsam von der nationalsozialistischen Presse aufgegriffen wurde. Aber da Amerika sofort schärfsten« protestierte, verstummte das Geschrei. Jetzt hat man wieder etwas Neues. Die Rettungsaubeiten in Lakehunst hat der New-Yorker Bürgermeister La Guardia geleitet, und während ihm die amerikanische Öffentlichkeit den Dank ausgesprochen hat, erklärt es Berlin als unfaßbar, daß der Judo La Guardia (der kein Judo ist) sich derart vordrängt. Und so dient die ganze traurige Affäre, bei der an 50 Menschen dem Devisensystem des braunen Systems und dem Leichtsinn zum Opfer gefallen sind, zur größeren Ehre der nationalsozialistischen Lehre, die das deutsche Volk und die ganze Welt mit Propaganda in Hypnose hält und die doch nichts anderes ist als Wasserstoffgas. 21 Fahrten sind g e 1 u n g e n, a her bei d e r 22. fiel ir g e n d wo ein Funke in das Gas..,