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Die Stimme · 1937-05-27 · Heft 646 (27.5.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 646 (27.5.1937)
Date
1937-05-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIB STIMM! Nir. 646. — Wien, Donnerstag, 97. Mal 1037. EISEN Feinwurst u. Selchwaren unerreichter Qualität in UNENTBEHRLICH FÜR WEEKEND UND REISE FILIALE BADEN, RAINERRING 18 «.ennurT PRATER HAUPTALLEE (PRATERFEE) GEÖFFNET Amerika und die Vorgänge in Brest-Litowsk Warschau, 24. Mai. (JTA.) Der amerikanische Generalkonsul begann mit der Sammlung von Material über^ die Ausschreitungen von Brest-Litowsk, um sie dem Auswärtigen A m t in Washington zuzuleiten. Unter anderem liegt eine Anzahl von photographischen Aufnahmen vor, die als Beweis dienen, daß die Polizei von Brest-Litowsk dio Plünderer zur Fortführung ihrer Vernichtungsarbeit ermutigt hat. Die amerikanische Presse widmet den antijüdischen Exzessen und insbesondere dem Pogrom in Brest-Litowsk ihre Aufmerksamkeit-. In zwölf großen Zeitungen des „Hearst-Verlages“ erschienen Leitartikel, die sich mit den tragischen Ereignissen befaßten. Interpellation im Sejm .Warschau, 24. Mai. (JTA.) In der Sejm- Sitzung vom 21. Mai hat der Vorsitzende des Jüdischen Parlamentsklubs, Abg. Doktor Emil S o mm er s t ei n, an den Ministerpräsidenten und Innenminister General Slawoj Skladkowski eine Interpellation über „die Plünderung jüdischen Eigentums in Brest-Litowsk am 13. und 14. Mai 1937“ gerichtet. Die Interpellation umfaßt sieben Maechinenschriftseiten. Sie enthält eine detaillierte Schilderung des Pogroms und erklärt, daß die Vorfälle nur möglich waren, weil der größere Teil der polnischen Presse ununterbrochen die Bevölkerung gegen die Juden aufreizt und eine Partei, die ihren Hauptsitz in Bia l a-P o d 1 a s k a bei Brest-Litowsk hat, eine dauernde judenfeindliohe Propaganda entfaltet. Die am 13. Mai abends in Brest-Litowsk aus Warschau eingetroffenen Polizeiverstärkungen hätten es verabsäumt, am 14. Mai die Ruhe und Ordnung in Brest-Litowsk aufrechtzuerhalten. In der Interpellation wird sodann da-s Verhalten der Polizei während der Ausschreitungen geschildert. Es wird betont, daß es zu keinen Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Plünderern kam und daß in den Vorstädten auch am zweiten Tag jüdische Läden und Häuser geplündert und demoliert wurden, obwohl es damals bereits 390 Polizisten in der Stadt gab. Zuin Schluß wird an den Ministerpräsidenten die Frage gerichtet, welche Maßnahmen er zu treffen gedenke, um die Wiederholung solcher Vorfälle in Zukunft zu verhindern, und was unternommen worden sei, um die Schuldigen der Bestrafung zuzuführen. Es wird weiter verlangt, daß die Regierung den Opfern Entschädigung gewähre und ihnen die Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebes ermögliche. Die Jüdischen Deputierten beim Ministerpräsidenten Die Abgeordneten Dr. Sommerstein, Dr. Gottlieb und Rabbi Rubinstein wurden vom Ministerpräsidenten Skladkowski empfangen. Die Abgeordneten schilderten dem Ministerpräsidenten die Lage in Brest-Litowsk nach dem Pogrom und dessen tragische Folgen. Es wurde dabei die Frage der Entschädigung für die Opfer des Pogroms aufgerollt. Schließlich wurden auch die antijüdischen Exzesse der letzten Tage in einer Reihe anderer polnischer Städte zur Sprache gebracht. Die Unterredung dauerte eine volle Stunde. Der Ministerpräsident hat seiüe Zustimmung zur Durchführung einer großen Geld Sammelaktion der Jüdischen Gemeinden in Polen zugunsten der Juden von Brest-Litowsk erteilt. Die Aktion wird einen vollen Monat dauern. Mehr als sechzig jüdische Gemeinden haben bereits ihre Mitarbeit zugesagt. agitatoren und Geschäftsleuten, die eich weigerten, ihre Läden zu schließen. Ferner kam es zu Zusammenstößen zwischen Zionisten und Kommunisten. Die Polizei verhaftete 25 Personen. Brest-Litowsk bankrott Warschau, 25. Mai. (JTA.) In Warschau ist der Bürgermeister von Brest-Litowsk eingetroffen. Er hat, bei der Regierung finanzielle Hilfe für die Sadtgemeinden verlangt, da infolge der Unruhen ein Defizit, von mindestens 200.000 Zloty zu erwarten sei. Die jüdischen Kaufleute und Hauseigentümer von Brest- Litowsk würden nicht in der Lage sein, die städtischen Steuern zu bezahlen. •WJ Restaurant STEFANIE 3= II., Taborstraße 12 Telephon R 4. 4 46 HUGO und JULIE BERLIN RER, geh. ZÖLLNER Erstklassige renommierte Küche# Große Auswahl,reichhaltige Menu v. S 1.60 aufw. # Exakte Bedienung, schöner schattiger Garten # Angenehmer Aufenthalt Das Minderheitenrecht in Oberschlesien Genf, 24. Mai. (JTA.) Dem Memorandum, welches das Exekutivkomitee des Jüdischen Weltkongresses im Namen der Millionen von ihm vertretenen Juden der französischen, englischen, italienischen und japanischen Regierung, wie dem Völkerbund Uber die deutsch-polnische Oberschlesien-Konvention vom 15. Mai 1922 überreicht hat, sind die Gutachten von zwei hervorragenden Professoren des Völkerrechts befgeftlgt worden, des französischen Professors Georges S c e 11 e und des holländischen Professors J. H. W. V e r z i j I. Die vier genannten Regierungen hatten sich seinerzeit ein Interventionsrecht vorbehalfen, um die loyale Einhaltung der vom Deutschen Reich und von Polen übernommenen Verpflichtungen sicherzustellen. Die bei den vier Regierungen unternommene Demarche bezieht sich auf die Rechte aller oberschlesischen Minoritäten. Sie ist jedoch von besonderer Dringlichkeit für d i e J u d e n Oberschlesiens, die aufs schwerste durch die deutsche Rassengesetzgebung bedroht sind, deren Anwendung ihnen dank der Oberschlesien-Konvention bisher erspart geblieben ist. Wie erinnerlich, hatte der Völkerbund Im Verfolg einer Petition des oberschlesischen Juden Bern he im sich mit dieser Frage beschäftigt und heim Deutschen Reich die Nichtanwendung dleserGesetzg e b u n g in Oberschlesien durchgesetzt. Es ist unvorstellbar — heißt es in dem Memorandum — daß diese Gesetzgebung, die zur Zeit der Volksabstimmung und der Teilung Oberschlesiens nicht existierte, nun in einem Gebiete Anwendung ßnden soll, das unter der Geltung der hohen Rechtsprinzipien gestanden hat, auf denen die Idee und die Existenz des Völkerbundes beruht. Vereinigung der Hechaluz-Verbände Aufruf des Sejmklubs Die jüdischen nationalen Organisationen und der jüdische parlamentarische Klub richteten an die jüdische Bevölkerung Polens einen Aufruf, in welchem die Regierung im Zusammenhang mit den letzten antijüdischen Ausschreitungen in Brest-Litowsk der Tolerierung dieser Vorfälle und der Ausrottungspolitik gegenüber den Juden beschuldigt wird. In dem Aufruf werden alle jüdischen Industriellen, Kaufleute und Gewerbetreibenden, sowie Arbeiter aufgefordert, am Montag, den 24. Mai, für zwei Stunden als Protest gegen den Brester Pogrom den Betrieb ruhen zu lassen und jede Arbeit einzustellen. Der Aufruf lautet: „An die Juden Polens! In die Reihe der tragischen Ereignisse, die das polnische Judentum in dem letzten Jahr durchzumachen hatte, trat nun die Tragödie der Judeu von Brest-Litowsk und nimmt auch gleich den ersten Platz ein. Die alte jüdische Gemeinde von Brest, die auf eine ruhmvolle und historische Vergangenheit zurückblicken kann, ist auf schändlichste Weise vernichtet, ausgeraubt und niedergetrampelt worden. Das Vernichtungswerk, das volle 16 Stunden gedauert hat, übertrifft an Niedertracht und in ihrem Ausmaß bei weitem alle unsere traurigen Erlebnisse in der letzten Zeit. Fast die gesamte jüdische Bevölkerung von Brest hat ihr Vermögen, ihre Arbeitsstätten, ihre Wohnheime und Einrichtungen verloren. Dutzende Personen wurden verletzt; man hat ihnen den jedem Menschen gebührenden primitiven Schutz versagt. Die Tragödie von Brest ist das Ergebnis der verbrecherischen antisemitischen Hetzpropaganda, die seit längerer Zeit ungestraft betrieben und durch den herrschenden Kurs der Ausrottung der jüdischen Bevölkerung ermutigt wird. Juden von Polen! Wir wissen, was ihr im Augenblick empfindet, wir verstehen den Schmerz, die Empörung und die Erregung, die in eurer Seele zittern. Gebet diesen Gefühlen einen starken und einheitlichen Ausdruck in Form eines entschlossenen Protestes gegen die traurigen Geschehnisse! Bekundet den unerschütterlichen Willen, die jüdischen Rechte zu verteidigen und das, was brutal zerstört wurde, wieder aufzuhauen! Am 24. Mai zwischen 12 und 2 Uhr ruhen zum Zeichen des Protestes und der Solidarität alle jüdischen Werkstätten, Büro«, Geschäfte und Fabriken. Wir wollen auch in dieser schweren Zeit, die wir jetzt durchzumachen haben, nicht den Glauben an die Kraft unseres Volke« verlieren. Wir rufen die jüdische Bevölkerung Polens zu einem entschlossenen und zähen Kampf für Recht und Gerechtigkeit auf“ Abgesetzte Beamte Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Brest-Litowsk hat Ministerpräsident Skladkowski den Starosten, des Bezirkes, Franciszek C z e r n y k und den Bezirkshauptmann Kazimir R o 1 e w i c z abgesetzt, weil sie nicht genügend energische Maßnahmen zur Unterdrückung der Ausschreitungen getroffen hatten. Jerusalem, 26. Mai. Auf Veranlassung der Immigrations-Abteilung der Jewish Agency wurde eine Einigung erzielt und ein Vertrag unterzeichnet zwischen dem Hechaluz, Hechaluz Hamisrachi und den beiden Hechaluz-Verbänden der Allgemeinen Zionisten zwecks Gründung einer Vereinigung aller Hechaluz- Verbände. Die Tätigkeit der neuen Vereinigung ist wie folgt gedacht: Gemeinsame Vertretung innerhalb der Zionistischen Organisation und der Körperschaften, die sich mit Hachßchara beschäftigen; gemeinsame Regelung aller finanziellen Angelegenheiten; die Schaffung gemeinsamer medizinischer Hilfsinstitutionen; gemeinsame Regelung aller Angelegenheiten, die das Ghaluzwesen betreffen; Schaffung eines Arbeitsvermittlungsamtes; regelmäßige Zusammenkünfte zwecks gemeinsamen Studium® der Probleme der Chalu zb cw egumg. Es wird abzuwarten sein, oh diese Gründung ernst gemeint ist oder oh sie nur stattgefunden hat, weil die Kongreßwahlen vor der Tür stehen. England sondiert bei den Arabern Hilfe aus aller Welf Warschau, 25 Mai. (JTA.) Die Direktoren des Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn und David Schweitzer, sind in Brest-Litowsk eingetroffen, um die Verteilung des vom Joint zur Verfügung gestellten außerordentlichen Hilfsbeitrages von 20.000 Dollar zu überwachen. Auch in Polen selbst ist die Hilfsaktion schon in vollem Gange. Mehrere große jüdische Gemeinden haben größere Summen nach Brest-Litowsk überwiesen. New York, 25. Mai. (JTA.) Das New-Yorker jüdische Arbeiterkomitee hat 5000 Dollar für die Pogromo^füi von Brest-Litowsk überwiese^ Paris, 25. Mai. (JTA.) Das Komitee des Verbandes der jüdischen Gemeinden Frankreichs hat beschlossen, für die Pogromopfer von Brest-Litowsk eine Summe von 25.000 Francs zu überweisen. Der Proteststreik der luden Warschau, 25. Mai. (JTA.) Bei dem am Montag, den 24. Mai, zwischen 12 und 2 Uhr mittags in ganz Polen abgehaltenen Proteststreik der jüdischen Bevölkerung gegen den Pogrom von Brest-Litowsk kam es in Warschau zu Zusammenstößen zwischen Streik- Kairo, 24. Mal. (JTA.) Emin Said, ein politischer Mitarbeiter des „Mokattaim“, befaßt sich in einem größeren Aufsatz mit den Plänen und der Aktion der englischen Regierung in den arabischem Ländern im Zusammenhang mit dem Bericht der Peel- Kommission. Dar Verfasser erklärt, die Regierung habe den Leiter der Qrientabteilung des Foreign Office beia/uftragt, eine Reise durch die arabischen Länder zu unternehmen, um sich über die Haltung der arabischen Staatsoberhäupter gegenüber den Vorschlägen zur Lösung der Palästinafrage zu orientieren. Der Beauftragte ha/be den Irak, Hodschas und die Länder am Persischen Golf sowie Ägypten besucht und mit den regierenden Kreisen alle ihr Verhältnis zu England und ihre Be- PENSION ECKSTEINneu renovier) Ziehung zu Palästina berührenden Fragen erörtert. Der volle Inhalt dieser Gespräche könne noch nicht veröffentlicht werden, doch stehe bereits fest: die arabischen Herrscher hätten einmütig verlangt, daß das Palästinaproblem in einer Weise gelöst werde, die sowohl sie als auch die Araber Palästinas zufriedenste!!! Atrf diese Weise werde England den Frieden in den arabischen Ländern sichern. Einige Fürsten hätten erklärt, es würde ihnen im Kriegsfall schwer sein, in ihren Ländern die Ordnung aufrecht zu erhalten, wenn das Palästmaproblean nicht in dem gewünschten Sinn erledigt wird. Der Plan ein er T ei 1 u ng P al äs tinas sei von den arabischen Herrschern abgelehnt worden. Nur „ein großer arabischer Führer" (offenbar Emir A b d u 11 a), sei anderer Ansicht. Dieser habe in einem Gespräch mit Lord Peel die Vereinigung Palästinas mitTransjordanien befürwortet und sich dafür ausgesprochen, daß die jüdische Einwanderung nach Palästina eingestellt, nach Transjordanien dagegen unter gewissen Einschränkungen zugelaesen werden soll. Auf dieser Basis werde jetzt von dem betreffenden arabischen Führer in London mit Load Peel und den britischen Staatsmännern weiter verhandelt. Zum Schluß erklärt Emin Said, palästinensische Araber hätten ihm vor einigen Wochen gesagt, daß in Palästina ein zweiter Aufstand ausbreohen werde, falls in dem Bericht der Königlichen Kommission nicht allen arabischen Forderungen Genüge getan wird. England werde dann gezwungen sein, zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung nicht wie das erstemal 40.000, sondern 100.000 Mann nach Palästina zu bringen. Zwei Morde in Palästina Jerusalem, 24. Mai. Ein achtjähriger Knabe, Sohn jemenitischer Juden, wurde in der Nähe von Rehovoth erdrosselt aitfgefunden, nachdem er über Nacht von den Eltern vermißt worden war. Eine Person wurde verhaftet. * Jerusalem, 25. Mai. (JTA.) Auf dem Eisenbahndamm in der Nähe der deutschen Kolonie Wilhelmina wurde der jemenitische Jude Abraham Ben Josef erschossen aufgofunden. Paßsperre in Deutschland? Berlin, 24. Mai. (JTA.) Im Reichsgesetzblatt ist ein neues Gesetz über die Reisepässe und über dio polizeiliche Praxis gegenüber Auslandsrcisenden veröffentlicht worden, da« dem Innenministerium dio Vollmacht einräumt, alle b is h o r i g e n d 1 e «- b e z ü g 11 c h o u ß e s t i m m u n g e n a u fz i.i hebe n. Wiewohl der eigentlich,o Zweck der Reform aus dom Wortlaut des Gesetze« nicht hervorgeht, kann angenommen worden, diaß sie eine Neuregelung der Auslandsreisen roiolisideutsoher Staatsbürger im Sinne einer weiteren Einschränkung bezweckt. Bereits jetzt lehnen die Polizeibehörden die Bewilligung au Auslandsreisen ab, h a u p t s ä c h- 1 i c h J u den gegen ü b o r. In anderon Fällen wurden oinigen Reichsdeutschen die Pässe überhaupt entzogen. Die Ringsektion des Sport-Clubs Hakoah, diio in der Mannschaftsmeisterschaft von Wien ungeschlagen führt, trägt am 81. d., uim 20 Uhr, in ihrem Heime, Wien, II., Praterstraße 48, den vorletzten Frtihjahrsniannschafts-Meisterschaftskanipf gegen den Wlener-Sport-Cluib aus. Da dio IIakoah-Mannschaft bisher keinen Verlustpunkt aufzuweisen hat, gilt sie auch gegen den Wiener Sport-Club als hoher Favorit und voraussichtlich Frühjahromoister. JÜDISCHE** KALENDER 28. Mal bis 3. Juni 1937, 18. bis 24. Sh™ 589? Freitag (28.) Sabbath'EIngang 722 Samstag (29.) Sabbath-Ausgang 8§5 Wodienabsdinltt: 8‘haalotcha

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