Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 526 (25.2.1936)
- Date
- 1936-02-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054243-3054282--5701-3061465- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 DIE STIMME Nr. 526 — 25. Februar 1966 Das Budget der Kultusgemeinde SONDERZUGE zull Ostern Polen und Czernowitz Abfahrt 1. und 5. April t,0R3l$“, I., Kärntnorstraße 41, Tel. R 21-5-78 0E8T€RR. VERKEHR3BÜ 40,1., Frledrichstr. 7, Tel. B 27-500 u. OHSTERR. VERKEHRSBÜRO, I., Graben 20, Tel. U 29-0-35 Reisebüro „IRUT". I., Karlsplatz 1, Tel. ü 44-5-79 der Meinung ist, daß eine Gefährdung des Friedens vorliegt. Nun ist es sehr fraglich, ob den Stauten das Schicksal der deutschen Juden tatsächlich als wichtig genug erscheint, um einen internationalen Prozeß zu führen. Trotzdem aber ist die Entschließung der Union von hohem Wert. Sie reiht sich an den Brief James MacDonalds an und verhindert es, daß sich die Regierungen die Ohren verstopfen. Wenn auch die Minister schweigen wollen — es bildet sich eine Allianz der Kulturmenschen, die die Existenz des Dritten Reiches als eine Schande der Welt auffassen und sich mit den „inneren Angelegenheiten Deutschlands“ nicht zu- (friedengeben wollen, weil diese inneren Angelegenheiten, der Pogrom gegen die Juden, die Unterdrückung der Gewissensfreiheit für Katholiken und Protestanten Seuchenkeime sind, die sich nicht an Grenzen halfen. , Übrigens gibt es auch noch eine dritte Stelle, die über Deutschland zu beraten und zu beschließen hat: das Komitee zur Verteilung des Nobel-Preises, dem jetzt ein von einigen hundert Wissenschaftlern und Politikern Unterzeichneter Antrag vorliiegt. dem seit 1933 in einem deutschen Konzentrationslager festgehaltenen Pazifisten 0 s s i e c k i den Friedenspreis zu verleihen. Es ist bekannt, daß Knut Hamsun, der sich schon seit langem als Rassenantisemit und Verehrer Hitlers betätigt, gegen eine Ehrung Ossieokis aufgetreten ist. Damit hat er aber nur erreicht, daß alles, was in der nordischen Literatur Rang und Ansehen hat, unter der Führung der katholischen Schriftstellerin Sigrid U n d s e t sich öffentlich für Ossiecki und gegen Hitler erklärt hat. Das Nobel-Preiskomitee wird jetzt seine Entschlüsse zu fassen haben. Es ist das Komitee, das Einstein, Haber, Willstätter, Ehrlich, Friedländer, Koranyi und noch sieben jüdischen Gelehrten die höchste internationale Reverenz erwiesen hat. Das Dritte Reich verjagt die jüdischen Lehrer, annektiert aber ihre Ehre für sich. Es wird sich jetzt erweisen, ob das Osloer Komitee abseits von politischer Opportunität oder vor Angst vor dem Teutonengebrüll sich auf die Seite der Ehre Europas stellen will. Moses Weiner gestorben Samstag ist in Wien der pensionierte Militäroberrechmragsrat I. Klasse Moses Weiner gestorben. Weiner hatte seit Jahren mit seiner Familie in Palästina gelebt und war vor Monaten nach Wien zurückgekommen, um hier Heilung von einem schweren Leiden zu suchen. Leider blieben alle Bemühungen der Ärzte erfolglos. Mit Weiner verliert die zionistische Bewegung einen ftelbstlosen, begeisterten Kämpfer, der sich um den Aufbau der Wiener Organisation große Verdienste erworben hat. Er hat viele Jahre, namentlich in der Sektion des IX. Bezirkes, führend mitgearbeitet. Auch auf charitativem Gebiet war Weiner von beispielgebendem Eifer. Moses Weiner wurde im Jahre 1865 in Sereth geboren. Er widmete sich dem Beruf des Militärbeamten. Kurz vor dem Krieg wurde er nach Wien transferiert, wo er seine weitere Karriero machte. Er wurde ins Kriegeministeriurn eingeteilt und diente hier biß zu seiner Pensionierung. Nachdem er den Militärrock ausgezogen hatte, arbeitete er noch einige Jahre als Privatbeamter. Das Begräbnis Weiners findet Dienstag um 12 Uhr mittags auf dem Zentralfriedhof (4. Tor) statt. Moses Weiner wird von seiner Frau Rebekka, seinen Kindern Luzie, Jakob, Siegfried und Blanka. von seinem Schwiegersohn Leopold und einem Enkel betrauert. Der Voranschlag für das Jahr 1936 siebt Gesamtausgaben im Betrage von S 6,228.730 vor, die sich auf folgende Kapitel verteilen: Kultusgruppe.S 1,021.240 Schulgruppe .. 588.920 Friedhofgruppe .„ 924.690 Fürsorgewesen.. 2,649.940 Matrikenwesen.. 56.900 Gemeindeverwaltung.. 456.030 Steueramt 262.420 Gebäudeverwaltung.. 148.590 Reservekonto., . . „ 120.000 Gegenüber dem Voranschlag von 1935 sind die präliminierten Ausgaben um S 225.070 größer. Die Gesamteinnahmen sind mit S 6,027.970 errechnet worden, so daß sich ein Defizit von rund S 200.000 ergibt, das zum Teil aus nicht in Anspruch genommenen Reserven des vergangenen Jabres gedeckt werden soll. Überdies rechnet die Finanzverwaltung mit höheren Steuereingängen, als sie im Voranschlag vorgesehen sind. Entgegen den tatsächlichen Steilereingängen des Jahres 1935 im Betrage von S 2,404.168 sieht der Voranschlag für das Jabr 1936 S 2,300.000 vor. Trotzdem im Jahre 1935 3748 Zensiten teils infolge wirtschaftlichen Niederganges, teils durch Ableben im Steuerkataster gelöscht werden mußten, ist durch die Heranziehung von 3466 neuen Zensiten die Z a h I der Steuerzahler mehr oder weniger auf der gleichen Höhe geblieben und betrug am Ende des Jahres 1935 49.400. I. Kultus- und rituelle Angelegenheiten Der Gesamtausgabenetat von S 1,021.200 umfaßt die Ausgaben für die Erhaltung der sechs ständigen Gemeindetempel und der temporären Bethäuser, die Kosten des Rabbinats und des Kosoherfleisohwesens. In letzterer Post ist ein besonderer Rückgang an Einnahmen zu verzeichnen. Gegen S 218.851, welche an Einnahmen im Jahre 1934 auf dem Kapitel Kosoherfledscbweeen erzielt, wurden, sieht das Präliminare 1936 lediglich S 188.000 vor. Dieser starke Rückgang an Einnahmen/ hängt in hohem Maße mit den wirtschaftlichen V e r h ä 11 n i s s e n d e r jüdischen Bevölkerung zusammen, wodurch der Fleischkonsum bedeutend gesunken ist. Für die Erhaltung des rituellen Bades sind S 42.490 vorgesehen, für die rituelle Verköstigung und Pessach-Unterstützungen S 65.250. Mit Rücksicht auf die bedrängte Lage der Tempel- und Bethausvereine sieht der Voranschlag für Subventionen auf diesem Kapitel einen Betrag von S 190.000, somit eine Erhöhung von S 20.000, vor. Von der Kultusgemeinde werden subventioniert 15 große Tempelvereine und 51 Bethausvereine. II. Schule und Unterricht Dieses* Kapitel sieht an Ausgaben S 588.920 vor und umfaßt die Kosten des Religionsunterrichtes an Volks- und Hauptschulen, Bibelschulen, die Kosten des Jugendgottesdienstes, der Bibliothek, der Kindergärten und der eigenen Volksschule im II. Bezirk, Castellezgasse. Den Religionsunterricht an Volks- und Hauptschulen versehen 28 Lehrer der Kultusgemeinde und 8 Lehrer, welche von der Gemeinde Wien übernommen wurden. Der verringerten Zahl der jüdischen Bevölkerung entspricht auch die geringere Zahl jüdischer Schüler an Volks- und Hauptschulen. Während im Schuljahr 1932/33 an Volksschulen 7959, an Hauptschulen 4288 Schüler und Schülerinnen, also zusammen 12.247, zu verzeichnen waren, sank die Zahl der Schüler im Schuljahre 1934/85 an Volksschulen auf 5661 und an Hauptschulen auf 4270. Die Zahl der Mittelschüler und -Schülerinnen betrug im Schuljahr 1932/33 in den Untermitteischulen ( 1. bis 4. Klasse) 5157, in den Oberklassen (5. bis 8. Klasse) 1800, im Schuljahr 1933/34 4860, beziehungsweise) 2127, im Schuljahr 1934/35 4786, beziehungsweise 2217. Es ist daher an Mittelschulen ein, wenn auch geringer, Zuwachs zu verzeichnen. An Mittelschulen unterrichten 34 Religionslehrer. Dieses Problem veranlaßt den Kultusvorstand, sich mit der Frage der Berufswahl der jüdischen Jugend zu befassen und die Überleitung der Schüler aus den Mittelschulen in Gewerbeschulen und zu Handwerker- und landwirtschaftlichen Berufen zu beeinflussen und zu fördern. Der Voranschlag pro 1936 sieht Stipendien für Schüler an Gewerbeschulen und namhafte Beträge für die Ausbildung junger Menschen in landwirtschaftlichen sowie in Handwerkerberufen vor. Diese Ausbildung fördert auch in hohem Maße die Auswanderung nach Palästina. Im Jahre 1935 konnten mit Unterstützung der Kultusgemeinde 618 Personen nach Palästina auswandern. Um die sittlich-religiöse Erziehung zu fördern und die Kenntnis der hebräischen Sprache zu verbreiten, sieht der Voranschlag pro 1936 einen Betrag von S 35.790 für Bibelschulunterricht vor. Dank den Bemühungen der Schulkommission und des Inspektorats wuchs die Zahl der Gemeindebibelschulen von 21 im Schuljahr 1932/33 auf 34 im Schuljahr 1934/35. In diesen Bibelschulen unterrichten 57 Lehrkräfte 2735 Schüler und Schülerinnen; überdies sicht die Kultusgemeinde Subventionen an Vereinsbibel- und hebräischen Schulen, welche von 1856 Schülern und Schülerinnen besucht werden, vor. Da an dem Unterricht in den Gemeindebibel- und Vereinsseh ulen hauptsächlich Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren teilnehmen, ergibt sich, daß von den 14.717 Schülern und Schülerinnen dieser Altersklasse 4591 Kinder, somit diesem Unterricht 31.2% obliegen. Die im Schuljahr 1934/35 gegründete Volksschule der Kultusgemeinde in Wien, II. , Castellezgasse 35, weist 29 Schüler auf und wird im Schuljahr 1936/37 die 2. Klasse angliedern, wofür im Voranschlag bereits Vorsorge getroffen wurde. Für Kindergärten sind im Voranschlag' S 26.180 vorgesehen, für den Jugendgottesdienst, welcher im Schuljahr 1934/35 eine Frequenz von 137.286 Schülern auf weist, S 28.520. Die Frequenz beim Jugendgottesdienst stieg seit dem Jahre 1932/33 um 33.859 Schüler. Für Subventionen an Vereine, Lehranstalten, Sport, und Turnvereine sieht der Voranschlag 1936 S 155.000 vor. Es werden von der Kultusgemeinde subventioniert: 4 vollständige Lehranstalten, darunter die israelitisch-theologische Lehranstalt, deren Budget im Betrage von rund S 30.000 pro Jahr fast zur Gänze von der Kultusgemeinde bestritten wird, 25 Bibel- und hebräische Schulen, 8 wissenschaftliche Institute, 8 Studentenvereine, 33 Jugendvereine und 9 Turn- und Sportvereine. Im Jahre 1935 richtete die Kultusgemeinde das von ihr übernommene Josefine M e n d 1 s c h e Stift ungshaus im 20. Bezirk, Denisgasse 33, für Jugendheime und Bibelkurse ein. Der Voranschlag pro 1936 sieht die Erhaltungsspesen vor. Die historische Kommission, die in den letzten Jahren zwei beachtenswerte Werke herausgab, bereitet für das kommende Jahr die Herausgabe eines Werkes unter dem Titel: „Nachträge zu den zehn bisher* erschienenen Bänden der Quellen und Forschungen zur Geschiohto der Juden in Österreich von Artur Goldmann, B. Wachstein, I. Taglicht und Max Grunwald“ vor. Die Gesamtausgaben der historischen Kommission werden von der Kultusgemeindo getragen. III. Fürsorge Die größten Ausgaben werden auf dem Kapitel „Fürsorgewesen“ mit S 2,649.940 vorgesehen. Hiovori entfallen auf das Altersheim und dessen Krankena b t e i 1 u n g S 405.620. Das Altersheim beherbergt nach der im Jänner 1935 erfolgten Erweiterung 447 Insassen. Für das Spital werden Ausgaben im Betrage von S 826.490 präliminiert, in welchem Betrage S 200.000 für die Aufnahme von kranken, mittellosen, in Wien lebenden Juden auf Kosten der Kultusgemeinde enthalten sind. Für d/ie sogenannte offene Fürsorge (Gnadengaben, Unterstützungen usw.) sieht der Voranschlag pro 1936 S 781.800 (gegen S 731.800 im Präliminare 1935) vor, außerdem für die Winterhilfsaktion S 107.000. Zur Deckung der Kosten dieser Aktion dient der 20%ige freiwillige Zuschlag, welcher zum Teil auch zur Deckung der Überschreitung im Fürsorgewesen im Jahre 1935 verwendet wurde. Die Winterhilfsaktion der Kultusgemeinde umfaßt: Ausspeisungen in den Bezirken II. (inklusive Prater): 4 Ausspeisestellen, IX 2 Ausspeisungsstellen und X, XII/XV, XVI/XVII und XX je eine Ausspeisungsstelle, zusammen 10 Ausspeisungsstellen, in welchen täglich insgesamt zirka 1600 Personen unentgeltlich ausgespeist werden. Ferner werden über 2000 Lebensmittelpakete und 231.000 Kilogramm Kohle an 4576 Parteien zur Verteilung gebracht. In der im Winter 1935/36 neu eröffneten Tagesheimstätte der Kultusgemeinde in der Aspernbrückengasse 1, werden täglich zirka 70 schulpflichtige Kinder verpflegt und von drei Aufsichtspersonen betreut. Mit Eintritt der stärkeren Kälteperiode richtete die Kultusgemeinde in den Ausspeisehallen auch Wärmestuben für die arme Bevölkerung ein, welche dort in den Naehmittagsstunden sich aufhält und mit Tee und Brot bewirtet wird. Für das bevorstehende Pessach-Fest ist im Voranschlag pro 1936 der Betrag von S 65.250 vorgesehen, welcher Betrag es ermöglichen soll, zirka 25.000 Kilogramm Mazzoth, 2500 Lebensmittelpakete, zirka 28.000 Kilogramm Kartoffeln und 15.000 Stück Speisemarken unentgeltlich zu verteilen. Die Pessach-Aktion des Jabres 1935 erforderte einen Betrag von S 75.807, für die Mehrausgaben werden außerordentliche Spenden in Anspruch genommen werden. Der Voranschlag für die Jugendfürsorge sieht S 157.000 vor. In Fürsorge stehen 5070 Knaben und Mädchen. Von den Befiirsorgten sind 3898 Kinder in Wien geboren, 99 in Österreich, 453 im Ausland; in 620 Fällen konnten der Abteilung für Jugendfürsorge keine Dokumente vorgelegt werden. Im steten Anwachsen ist besonders die Zahl der Beftirsorgten aus intellektuellen Berufständen begriffen. An Verpflegskosten für die in Heimen ständig untergebrachten Kinder sind ira Voranschlag S 75.000 vorgesehen. Eine besondere Ausdehnung erfuhr dio Sommeraktion, die sich im Jahre 1935 auf 3295 Kinder und Jugendliche erstreckte. Für die Erwerbung eines eigenen Kinderheimes in .Payerbach- K ü b zu Lasten der Eduard und Rosa Gottlieb-Stiftung streckte dio Kultusgemeinde aus eigenen Mitteln bisher S 100.178.19 vor, weil der für die Erwerbungdieses Hauses bestimmte Fonds aus der Gottlieb-Stiftung noch nicht realisiert wurde. Überaus zweckmäßig war die Errichtung einor Tagesheimstätte für erholungsbedürftige Kinder im ehemaligen Waisenhaus, XIX., Ruthgasse, in welcher 500 Kinder auf Kosten der Kultusgemeindo Erholung fanden. Für das Sonncntagoshoim in der Rauseherstraße, in welchem im vergangenen t Jahr 832 tuberkulös verdächtige Kinder tagsüber Unterkunft und Verpflegung fanden, ist ein entsprechender Betrag im Budget pro 1986 vorgesehen. Für dio Aktion „Kinder aufs WOLLEN SIE GRATIS NACH PALÄSTINA 14« März, in die Soflensäle zum Purim-Ball des Club „Erez Israel“