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Die Stimme · 1936-02-25 · Heft 526 (25.2.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 526 (25.2.1936)
Date
1936-02-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 5Z6 | Wien, «5. Februar 1936 | ( («. AdarS69«) | 9- Jahrgang Frei« dieser Nummer 20 g V. b. b PURIMREISEN NACH PAISSTINA VOM 19. FEBRUAR BIS 26. MÄRZ AUF HIN- UND RÜCKFAHRKARTEN 50% Ermäßigung für die I. und II. Klasse 30% Ermäßigung für die Touristenklasse Auskünfte: Generalagentur, Wien, I., Kärntnerring 6 und alle Reisebüros JÜDISCHE ZEITUNG Jeden Sonntag „Francopol“-Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz Riickf.: 3., 17., 81. März 1936. Erstes Poln. Verkehrsbüro „Francopol“, III., Schwarzenbergplatz 7 (Ecke Rennweg), vis-ä-vls dem Poln. Konsulate, Tel. U 16-4-90, Reisebüro Gerngroß, VIL, Mariahilferstr. 42. Tel. ß 38-2-68. Der Flüchtlingskommissär über seine Aufgaben Aus London, 20. d., wird gemeldet: Generalmajor Sir Neil Malcolm, der, wie berichtet, zum Oberkommiseär für die jüdischen und anderen Flüchtlinge aus Deutschland ernannt worden ist, gewährte einem Vertreter der Londoner JTA. eine Unterredung, in der er sich über die mit seinem Amt verbundenen Aufgaben äußerte. Ich werde mich, erklärte er, ausschließlich mit den politischen und rechtlichen Fragen befassen, die Personen von dem Zeitpunkt ab, an dem sie Flüchtlinge geworden sind, betreffen. Das heißt, daß ich mit den inneren politischen Verhältnissen in Deutschland nichts zu tun haben werde. Der Völkerbund befaßt sich nur m.it dem politischen und rechtlichen Status von Menschen, nachdem sie Flüchtlinge geworden sind. Er befaßt sieh dagegen nicht mit ihrer wirtschaftlichen Lage; um die sich Institutionen zu kümmern haben, die wir als philanthropische oder fürsorgerische bezeichnen können. Es wird eine deutliche Abgrenzung der Arbeitsgebiete stattfinden. Das, was der Völkerbund jetzt tun will, ist weit entfernt von dem, was früher der Völkerbundkommissar getan hat. Ein österreichisches katholisches Blatt über Streicher Am Rödertor in Rothenburg o. T. wurde am Geburtstag des Gauleiters Streicher eine M a h n t a f e 1 angebracht mit der Inschrift: „Die Weltgeschichte nennt die Namen clor Völker, ' die am Juden zugrunde gingen. Ihr tragisches Ende ist eine furchtbare Mahnung für die Völker, die noch am Leben sind. 12. Februar 1936. Julius Streicher. Hiezu schreibt der „Tiroler Anzeiger“ (Innsbruck) am 19. Februar: Wie ein Imperator unterschreibt der „Stürmer“ dieses Ediktum, von dem er wähnt, daß es länger erhalten werde, als die ganze Stadt. In Wirklichkeit bescheinigt diese unsinnige „Mahntafel“ die Dummheit und die gefährliche Halbbildung gewisser Halbgötter, die heute noch im schönen Deutschland auf die Menschheit losgolasseu werden. Es wäre müßig, diese Mahntafel zu widerlegen. Bis jetzt kennt die Weltgeschichte mehr Völker, die an sich selbst, ihrer „Sitten- und Glaubomslosigkeit“ und ihren sogenannten Führern zugrunde gingen, als durch die Schuld fremder Völker. Und Spanien? An der Judenvertreibung! Wo Juden „mltwirkten“, war es meist das unersättliche Macht- und G enußstreben Regierender, die sich ihres Reichtums bedienten und durch Lebenswandel und falsche Politik ihre Völker schädigten. Uder will Streicher vielleicht den Untergang der nordamxerikauificben Indianer, der) stolzen Atlantis und unserer megalithisohen Vorfahren den Juden zusohieben? Er müßte wirklich „die Namen nennen“ und die Nennung nicht der Weltgeschichte überlassen. Die lebenden Völker sollen sich allerdings an die Möglichkeit des Volkssterbens und der politischen Erledigung öfters erinnern. Nur hat das alles nichts m/it „dem Juden“ zu tun, sondern mit der Sittlichkeit der „Arier“ und den geistigem Qualitäten politischer Führung — und den geistigen oder ungeistigen Strömungen im Volke. Vielleicht kommt Streichers Tafel — was soll sie im schönen, stillen Rothenburg? — einmal in ein Museum, das den Untergang „des Dritten Reiches“ veranschaulicht. Das könnte sehr wohl der Fall sein. Es sieht nicht gut aus mit der Nürnberger Herrlichkeit. Gegen die braune Gefahr In Paris ist dieser Tage das Mittelmeerkomitee unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten S a r r a u t zusnanmengetreten. Das Komitee besteht aus dem Außenminister Flandin, aus den Ministern für Kolonien, Heerwesen und Marine, dem Generalgouverneur von Algier, den Generalresidenten von Tunis und Marokko und einem Vertreter des Oberkommissärs von Neue Aktion des Keren Hajessod Der Besuch des bekannten Schriftstellers Dr. Sammy Gronemann in Wien beginnt seine Früchte zu zeitigen. Am Mittwoch, den 19. Februar hat in den Räumen der WIZO, I., Schottenring 25, die erste Sitzung der Freunde des Keren Hajessod stattgefunden. — Referent war Herr G. Biso v-B e n Aba. Sämtliche anwesenden Damen und Herren haben es übernommen, sofort mit den Sammlungen für den Keren Hajessod zu beginnen und allwöchentlich zusammenzutreffen, um über die Arbeit zu berichten, und neue Richtlinien zu geben und entgegenzunehmen. Es ist geplant, ähnliche Keren-Hajessod- Freunde-Vereine in allen Bezirken zu gründen. Die nächste Versammlung findet statt: für den III. Bezirk im Wiener Ring-Caf6 am 25. d. M. und eine Vollversammlung in den Räumen der WIZO am Montag, den 2. März. Besonderer Wert wird darauf gelegt, daß Neuzahler für den Keren Hajessod erfaßt werden, nachdem festgestellt wurde, daß bisher nur ein viel zu kleiner Prozentsatz für den Aufbau Palästinas herangezogen wurde. Jüdische Weltkonferenz in Paris Aus Paris, 22. Februar, wird uns gemeldet: Heute nachmittags wurde hier die auf dem Zionistenkongreß in Luzern beschlossene Jüdische Weltkonferenz eröffnet, die den Problemen des „Jüdischen Weltkongresses“ gewidmet ist. Zu der Konferenz haben sich Delegationen der jüdischen Organisationen aus allen Teilen Europas eingefunden, sowie Abgesandte aus Amerika. Am zahlreichsten sind die Abordnungen aus Polen und den Randstaaten, vertreten sind aber auch die Tschechoslowakei, Rumänien, Italien, die Schweiz und namentlich England. Der amerikanische Jüdische Kongreß wird vom Vizepräsidenten Luis L i p s k i vertreten. Besonders zahlreich haben sich die Vertreter der Zionisten aller Schattierungen eingefunden. Die führenden Organisatoren des Kongresses, der Vertreter der Jewish Agency heim Völkerbund, Dr. Nahuni Goldmann und Professor L i p s k i, besprachen die gegenwärtige Lage der Juden*in der ganzen Welt, die gekennzeichnet wird durch die Vorgänge in Deutschland, sowie durch die materielle Not der breiten Massen in Polen, wo hunderttausende als „Luftnienschen“ leben. Eine einschneidende Wendung im Schicksal der Judenschaft bilde die Erlassung der Nürnberger Gesetze und die in deren Gefolge erhöhte Auswanderungsbewegung, die das Problem der Neuansiedlung immer dringender erscheinen läßt. Luis L i p s k i wies darauf hin, daß die Bedrohung der europäischen Judenschaft in Amerika solchen Eindruck gemacht hat, daß nicht nur alle Schichten der Juden und alle politischen Schattierungen, insbesondere auch die Arbeiterschaft, sich zu dem Hilfswerk vereinigen, sondern namentlich auch das nichtjüdische Amerika moralisch und mit seiner praktischen Unterstützung sich auf die Seite der Notleidenden stelle. Das habe man namentlich wäh rend der Anwesenheit von Sir Herbert Samuel und Lord Berstrad gesehen, deren Darlegungen Amerika erschüttert haben und auch den Präsidenten Roosev e 11 zu seiner Sympathiekundgebung für die Verfolgten veranlaßten. Die Solidarität mit den Bedrängten sei heute eine Pflicht der Juden aller Richtungen, der sich niemand entziehen darf. Die Vertreter der osteuropäischen Judenschaft — Polen, Litauen usw. — schilderten die Verzweiflung, die sich der Intelligenz, besonders der Akademiker, durch die Beschränkungen der Ausbildungsmöglichkeiten und die Verweigerung der Gleichberechtigung in der öffentlichen Verwaltung bemächtigt haben. Dazu kommt die um sich greifende Boykottbewegung gegen Kaufleute und Gewerbetreibende, die ein namenloses Elend und eine hoffnungslose Proletarisierung des Mittelstandes zur Folge hatten. Am 3. März spricht im Ottenbach-Saal über „Die Wirklidikeit Palästinas" Karten im Büro des Zion. Landesverbandes, Wien, I., Marc Aurelstraße 5 (Tel. U 22-2-11); in allen Bezirks- Sektionen und bei der WIZO, Wien, I., Schottenring 25 (Tel. A 11-6-26); Bücherstube R. Lthvit, I., Wolizeile (i (Tel. R 25-1-53); Jüdische Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 8 (Tel. R 28-2-36); Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20 a (Tel. R 45-305); Bücherstube Lanyi, I., Kttrntnerstraße 44 (Tel. B 26-3-33). Syrien.. Der Generalgouvemeur von Algier erstattete einen alarmierenden Bericht über die Lage in Nordafrika, wo sieh im Zusammenhang mit dem Abessiimenkrieg und den Vorfällen in Syrien eine «starke fremdenfeindliche Propaganda bemerkbar macht. In Algier und Tunis wurde von den Kolonialbehörden eine politische Agitation aufgedeokt, deren Hauptträger der Präsident des Verbandes muselmanischer Delegierter in Algier, Dr. Ben Dj e 1lour sowie die Führer des m o h ain m edänischen Klerus, der Ulemas Ben Badis und Taieb ei Okbi sind. Diese Agitatoren haben an den Klerus und die Stammesführer geradezu revolutionäre Instruktionen erteilt, indem sie Nichtbezahlungder Steuern und der Zinsen für Hypothekar- Schulden, Niditbefolgiung der Gesetze usw. predigen. Zu bemerken ist, daß sieh diese politische Agitation in erster Li n i e gegen die Juden richtet. Hier wind der Einfluß von Agenten des Dritten j Reiches sichtbar, die gegen Frankreich I und England hetzen und den Judenhaß; predigen, um Plünderungen .und Unruhen i herbeizufüibreu. Diese Agitation leitet von | Kairo aus der Bruder des Ministers | Heß, und auch die deutschen diplomatischen Vertretungen haben sich in den Dienst gestellt.. Es ist wahrscheinlich, daß die französische Regierung die Beschlüsse des Komitees und ihr Material allen europäischen Kabinetten mitteilen und eine gemeinsame Aktion aniregen wird. Eine solche geht übrigens jetzt auch von der Schweiz a.us, die mach dem Verbot der nationalsozialistischen Landes- und Kreisleitungen von Deutschland bedroht wird und deshalb daran arbeitet, ein paralleles Vorgonen aller vom Hakenkreuz gefährdeten Kleinstaaten: Dänemark, Estland, Holland, Litauen, Tschechoslowakei lind Jugoslawien zustanclezubringen. Da die Großstiaaten ohnedies gegenwärtig in einer sehr lebhaften Diskussion über die deutschen Rüstungen und die Besetzung des Rheinlnndes stehen, wird die deutsche Frage in ihrem ganzen Umfang noch im Frühjahr aufgerollt. Es besteht auch eine, allerdings noch weniggefestigte Hoffnung, daß die deutscho Judengesetzgebung vor den Völkerbund gelangt. Die W e 11 u n i o n der Völkerb u n d 1 i g o n, in der 32 Staaten vertreten sind, hat beschlossen, ihren Protest gegen die Behandlung der Juden im Dritten Reich vor den Völkerbund zu bringeu. Wie dies geschehen soll, ist einstweilen nicht zu sehen. Nach dem Statut können Beschwerden nur durch ein Mitglied des Völkerbundes vor das Plenum gebracht werden. Es ist theoretisch möglich, daß auch eine Beschwerde gegen einen nicht ungehörigen Staat geführt wird, wenn ein Mitgliedstaat;

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