Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 405 (30.11.1934)
- Date
- 1934-11-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Z DII ITIMMI Nr. '405 — 30. November 1034 Besuchet Eminsers Gaststätten am Praters n!!L!i!ni!':i!>:i:!M!iUH;'i:!iiii;ii!iiiiiiiiiii!iijiiiiiiiii!iii!iiiiiiniiii|[|||iii!iiiiiiiiniiiiii:iiiiiiiiiii!iiiiiiuniuii|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||l|||||||||||||||||l|l|||||||l|||||||||||l|l|||||||||l||||||||||||||||||||||l|,|||||||^ .. zu uns, stolz und glücklich, befreit vom Alpdruck der Assimilation. Sie schließen unsere Reihen, sie blicken mit Begeisterung nach Erez Israel, sie grüßen mit uns die tiift.ber unserer Sehomrim und Chahtzim Trurnpeldors und Arlosoroffe, die jüdische Stadt. Tel-Aviv und den blühenden Kranz der jüdischen Dörfer. In unserer traurigen Zeit ist das größte Wunder geschehen; Es ist das neuerwachte Leben unter der blau-weißen Fahne in E t e z Israel und in der G a 1 u t h. Darf man da verzagen? Wir sind berufen und auserwählt Chanukah zu federn. Es muß das Fest der nationalen Wiedergeburt werden. Wir «teilen an der Schwello der Zeit, da Antiochus Epiphane.s dem geeinten jüdischen Volk gegenüberstehen wird. Denjenigen aber, die noch zaghaft abseits stehen, möchten wir ein wunderbares Wort unseres unvergeßlichen Oberrabbiners Chajes zumfen: „Ihr wißt es nicht; aber wir wissen es, wir, in denen das Judentum der Jahrtausende lebt; Auch dieses Geschlecht trägt Zukunft in sich, trägt daß Wunder im Schoße. Wie eine Frau, die ein Kind im Schoße trägt und des Wunders inne wird. So wird und muß auch unsere Wirklichkeit das* Wunder gebären.“ Soll ah.er nach zweitausendjähriger Not und Verbannung der Tempel wieder geweiht werden, dann müssen wir, wie Juda Makkabi nicht nur äußerlich, nicht nur durch die Wiederbelebung der Sprache und den Aufbau des Landes die Rückkehr zum Judentum vollziehen. Wir müssen den jüdischen Geist erneuern, jene Ideale von sozialer Gerechtigkeit, die unsere Propheten predigten. Wir sind zweitausend Jahre umhergewandert und schleppen so manchen Baal-Kult nach Erez Israel und müßten doch einsehen, daß weder Marxismus, noch Faschismus an die Ideale unserer Propheten heranreicht. Zionismus muß Rückkehr zum Gerechtigkeitsideal, zum Geiste der Propheten sein, sonst ist er blauweiße Assimilation. Wir können nicht zur Ruhe kommen, wenn wir nicht den alt-neuen Typus der sozialen Gerechtigkeit im neuen Gewände erstehen lassen. Daran müssen wir arbeiten. Der Friede, den wir meinen, muß kommen. Niemand wird ihn uns bescheren. Wir selbst müssen um ihn kämpfen, solange, bis das große Ghanukahfest kommt, wo Millionen Chanukahliohter der Welt verkünden werden, daß wir heimgefunden haben, niemandem zum Leid und uns zur Freude, Es kommt die Zeit. Die Zeit wird kommen, wo die idyllischen Verse des alten Chronisten über die Zeit des Hohepriesters Simon wieder wahr sein werden: „Esrael war hoch erfreut. Ein jeder saß unser seinem Weinstock und Feigen bäum, ohne daß sie jemand aufßchreckte. Es war niemand mehr, der sie auf Erden bekriegte...“ Das Ist das Chamikafest, zu dem wir rüsten wollen. Gemeingut vieler geworden. Und so appellierte Oberrabbiner Feuchtwang an die Wiener jüdische Gemeinschaft, das jüdische Sohulwerk, diese voikserhaltende Schöpfung des großen Oberrabbiner«, zu ßtärken und auszubauen und auf diese Welse das Andenken an den großen Führer in Israel zu ehren. Die Rede des Herrn Oberrabbiners machte auf alle Anwesenden tiefen Eindruck. Die kantoralen Funktionen versah in gewohnter Weise Oberkantor Matyas. Die Prager Straßentumulte In Prag hat es Straßenkrawalle gegeben, die nach Berichten der deutschen und tschechischen Presse stellenweise antijüdischen Charakter annahmen. Der Anlaß au den Unruhen lag darin, daß die deutsche Universität ihre Insignien an die tschechische Universität auszuliefern hatte, dies jedoch verzögerte. Wegen dieser fünf Zepter, einem Dutzend Halsketten und einem Fakultätssiegel kam es zu Kundgebungen; die deutschnationalen Studenten proklamierten einen Hörerstreik und stellten Streikposten auf,* die tschechlsohnationalen Studenten remonstrierten und drangen in das Carolinum ein, dann be gann die Straße mitzureden, es gab Aufzüge, eingeechlagene Scheiben und — wie schon gesagt — antijüdische Akte. Jüdische Passanten sollen, so wurdo aus Prag berichtet, mißhandelt worden sein. Die Meldungen sind wahrscheinlich übertrieben. Aber Tatsache ist, daß vor dem jüdischen Volksheim feindselige Demonstrationen stattfanden, und daß antisemitische Rufe laut wurden. Die Juden haben mit dem Streit um die Zepter und die Halsketten nicht das geringste zu tun, und so muß der Antrieb zu dem „hanba zidum“ anderswo gesucht werden; es muß nicht lange gesucht werden. Die Juden sind da, Das genügt; der Straße sowohl, wie den Politikern, die auf dom Instrument der Straße so gut zu spielen verstehen, Die „nationale Opposition“, die aus den Nationaldemokraten und der Stribrny-Fraktion besteht, ist mit der Regierung unzufrieden, und so wunde eine büchet nebensächliche Angelegenheit aufgebauscht, und da die Massen nun einmal in Bewegung waren, stellte sich „der Jud“ im gegebenen Moment ein. Das ist die automatische Funktion dee Juden t-uros, und die antisemitische Stimmung Gedächtnisfeier der Wiener Kultusgemeinde für Oherrah biner Chajes s. A. Anläßlich der 7. Wiederkehr des Todestages unseres unvergeßlichen Oborrabinners Zwi Perez Chajes veranstaltete die Wiener Kultnsgemeindo am Montag, den 25. d., im Anschluß an den Abendgottesdienst im Stadttempel eine Trauerandacht für Zwi Perez Chajes s. A„ zu der sämtliche zionistischen sowio mehrere umonistische Kultus* Vorsteher, mit Präsidenten, Staatsrat Doktor Fried mann an der Spitze, erschienen sind. Vom Zionistischen Landesverband für Österreich war Präsident Dr. Oskar Grünbaum anwesend. Die Gedenkrede hielt Herr Oberrabbiner Dr. David Feuchtwan g, der das segensreiche Wirken des unvergeßlichen- Oberrabbiriers schilderte und insbesondere daran erinnerte, daß Oberrabbiner Chajes drei Tage vor seinem Tode erklärt hatte, ,,das von ihm geschaffene Schulwerk werde ihn überleben.“ In der Tat ißt das Ziel und der Sirm der jüdischen Schule, von OberrabbJiier Chajes schon vor Jahren als Grundlage jüdischen Seins erkannt, heute 1 The | ASHRAI BANK Coop. Soc. Ltd. 1 P.O.B, 119, Telephone 963-964 | Cab|eAddresse: „ASHRAIBANK" Tel-AYIV | TEl AVIV | Ausführung sämtl. Bankgeschäfte | The | PALESTINE ASHRAIBANK LTD. | Hacfar Hacarmcl | P, 0. B. 950, Telephone 344 I Cable Addresse: „ASHRAIBANK" HAIFA i HAIFA bricht immer durch, wenn in politisch nervösen Zeiten widerstreitende Maohttendenzen aufeina,uderstoßen und sich um die Gunst der Masse bewerben. Das Geschrei wider die Juden «tollt einen gewissen Ausgleich her; Antisemitismus ist so der gemeinsame Boden, auf dem sich alle finden, und so hat das „Nieder mit den Juden!“ eine entspannende Wirkung, Das ist überall so, und Prag bildet darin keine Ausnahme. Es muß mit Dank anerkannt werden, daß die leitenden Behörden ihre Pflicht voll getan haben, und daß die Erklärung des Innenministers Cerny an den jüdisch-nationalen Abgeordneten Dr. Goldstein ausreichend war. Auch die ernste tschechische Presse hat die Kundgebungen gerügt und ihren demagogischen Hintergrund aufgehellt. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, daß auch in dem demokratischen tschechischen Volk der antijüdische Atavismus kräftig auf die Entwicklung drückt. Das ist freilich angesichts der territorialen Situation der Tschechoslowakei erklärlich. Das Land ist von Deutschland umschlossen, und die geistigen Einwirkungen der nationalsozialistischen Seuche müssen sich in so naher Nachbarschaft sehr stark fühlbar machen. Die Juden sind der Ort des geringsten Widerstandes; eine gewisse antiijüdische Indikation ist bei dein Mann auf der Straße immer vorhanden, und sie wird dadurch gestärkt, als er wenige Stunden von Prag entfernt ein großes Reich weiß, in dem es ja wirtschaftlich sehr schlecht bestellt ist, in dem aber Judenhaß die tragende Säule des Systems bildet. Es existieren auch im tschechischen Volk Strömungen, die mit dem Hitlertum sympathisieren, ohne zu bedenken, daß bei einem Zusammensturz der Demokratie in der Tschechoslowakei ihr Volk rettungslos seinen Gegnern ausgeliefert wäre, Die Beziehungen zwischen Juden und Tschechen waren eigentlich in der Vergangenheit nicht seid echt, Juden lebten reich, Belgien und Polen, die über diie Ak*< tion in ihren Ländern berichteten. Es wurden drei Ausschüsse gewählt, die die Fra.i gen der B o y k o 11 s t a t i 8 t i k, der Ermittlung neuer Bezugsquellen zum Ersatz der vom Handel ausgeschlossenen deutschen Waren, der und Information zu Unfcermyer unterbreitete für Organisierung einer zur Leitung der Boykottbewegung. Die p o 1 n i« c h e Delegation unterbreitete Vorschläge über Ausübung eines moralischen Drucks auf Boykottbrecher; solche sollen sich vor gesellschaftlichen Gerichten zu vorantworten haben. Eine „schwarze Liste“ soll regelmäßig die Propaganda behandeln haben, die Richtlinien Weltkörpcrsohaft otr ^to GASTSTÄTTE FÖR JEDERMANN I.. Kärlnerstrafje Nr 61 Beslfzer Offo Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise In allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer ruhig und unangefochten innerhalb der tschechischen Landbevölkerung, und die beiden Völker sind sich sehr nahe gekommen. In der Gegenwart haben die leitenden und vor der Geschichte verantwortlichen Führer des tschechischen Volkes der jüdischen Erneuerungsidee ihre werktätige Sympathie bewiesen. Das tschechische Volk ist ein im Innersten gesundes, verständiges und freiheitliebendes Volk. Es wird es empfinden, daß ein Angriff auf die jüdische Minderheit ein Angriff auf den Stolz der Republik ist, ein Versuch der geistigen Assimilation an den Todfeind der tschechischen Selbständigkeit, an den Nationalsozialismus Münchner Prägung. Die Boykott-Konferenz London, 27. November (2. T. A.) Im Rahmen der gegenwärtig in London tagenden Internationalen Unparteiischen Konferenz für Boykott der Waren und Dienste Hitler-Deutschlands fand unter dem Vorsitz des Ohaohams der englischen Sophardisohen Gemeinde, Dr. Moses G a ö t e r, emo Sonderkonferenz der jüdischen Delegierten aus den verschiedenen Ländern und Erdteilen statt. Dr. G a s t o r führte aus, der Boykott- Gedanke habe wie ein Funke die zivilisierte Welt ergriffen, und auch das Judentum habe die ihm «eiten« der Hitler-Regierung ins Gesicht geschleuderte Beleidigung al« eine Herausforderung zu neuer Solidarität empfunden. Wir erhoben uns, um unsere Ehre, unsere Würde und unser Menschentum zu verteidigen und haben der Welt gezeigt, daß keine noch eo mächtige Nation os wagen darf, uns wle Heloten oder Sklaven zu behandeln. Wir führen keinen Krieg, wir verteidigen uns nur; wir können nicht schweigend mitansehen, wie versucht wird, die Geschichte ine Mittelalter zurückzuschrauben. Samuol Untormyer, Präsident der amerikanischen Antl-Nazi Loague, orklärto: „Wenn auch die Juden das erste Opfer des Hitler-Regimes in Deutschland geworden «ind, eo ist die Boykottaktion keine jüdische. In Amerika sind alle Elemente der zivilisierten Gemeinschaft an der Boykottbewegung interessiert. Die Federation of Labour, mit ihren fünf Millionen Mitgliedern, steht hinter der Aktion. Alle Elemente dos Fortschrittes Stehen in einer Schlacht; es Ist dies kein Angriffskrieg, sondern ein Verteidigungskrieg. Ja, c« i«t nicht einmal eine Boykottbewogurig, sondern eine Gegen-Boykottbewegung* denn Hitler hat mit dem Boykott arigefangenj* Es «prachen dann Delegierte aus Frank- Namen der unverbesserlichen Boykottbrecher der Öffentlichkeit mitteilen. J üdische B o y k o 11 b r e c h e r sollen kein Mandat a l e Abgeordnete, als Stadträte oder als M i t g H eder einer jüdischen Gemeindet repräsentanz bekleiden dürfen, auch sollen ihnen die Ehrenämter in den Synagogen entzogen werden. Be-, rufevereinigungen, wirtschaftliche, soziale, humanitäre und wissenschaftliche Institutionen sollen verpflichtet werden, B o y*i kottbrecher au «zu schließe m Alle auf den Boykott Bezug habenden Ma-i terialien sollen in einem Archiv vereinigt werden. In der zweiten Sitzung beschloß die jüt diieche Sektion, mit den unparteiischen Boykottorgamsationen in der ganzen Welt zusammemzuarbeiten und sich der zu schaffenden zentralen Boykottleitung zu unter-* stellen. Der Sekretär des Londoner Gewerk-* «chaftsrateß, A. M. Wall, hielt eine An*« spräche an die jüdischen Delegierten und versicherte sie der Sympathie und der Mitarbeit «einer Organisation. Nur durch die organisierte Macht des Volkes, sagte er, werden wir die Regierung Deutschlands dazu bringen, in ihrem Eerstörungswcrk innezuhalten. Die englische Gewerkschaftsbewegung wird in diesem Kampf eine bedeutsame Rolle spielen. Wir alle, Juden und Nichtjuden, müssen zusammen« tehen gegen die menschenfeindlichen Taten des heutigen Deutschland. Siotetifer MlOUft trinfen mit Qhfolg ^®oue‘,Bvu,m Abordnung der litauischen Juden beim Präsidenten Smetonas Kowno, 27. November. (2. T. A.) Eine aus führenden Persönlichkeiten des litauischen Judentum« sich zusammensetzen de Abordnung besuchte den Präsidenten der litauischen Republik, Smetonas, und informierte ihn über die Lage der jüdischen Bevölkerung Litauens, dio eich sowohl wirtschaftlich als auch ln bezug auf den bürgerlichen Status dev Juden zunehmend verschlimmert; dies nicht zuletzt infolge der wachsenden antisemitischen Agitation, die aus Deutschland genährt, wird. 85. S e h u I j a h r Tel. U 46-4-37 Neues Wiener Konservatorium Musikvereinsgebäude, I., Bösendorferstraße 12 UnUirriclit in Ocmuig-, Klavier mul allun OrclioNUuiiibtrumonton von den eietun Anftliifron bin zur UliiiötluriucljI„| Ausbildung- Hl»Qim K I M<1'• rub tei I ii ii (r- Aiii>h*IiIiiii/<-i,ii liiul AnIhmImi-iirltf'iin-riMi Ui,;lieh \urmul imelimillnif.s miiss <t h 11 (i U 11« li im MuniltveriiiuMH'tiljiiudtt.