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Die Stimme · 1934-11-30 · Heft 405 (30.11.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 405 (30.11.1934)
Date
1934-11-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 405 — 30. November 1934 OIE STIMME Seite 3 Kapelle J. spiell ab 1. Dezember täglich im Sonn- und Feie:tag Nach m ittags-Konzert bei normalen Kaffeehauspreisen Um das Schicksal der Saar-Juden Genf, 27. November. (2. T. A.) Dr. Nahum Goldmann, Vorsitzender des Comit£ des D616gations Juives und der Exekutive für den Jüdischen Weltkongreß, der vor kurzem in Paris mit dem französischen Außenminister Pierre Laval vor dessen Abreise nach Genf eine längere Unterredung hatte, traf während seines Aufenthaltes in Genf mit dem Vorsitzenden des Rates des Völkerbundes und Außenminister der Tschechoslowakischen Republik, Dr. B e n e §, mit einem Mitglied der englischen Völkerbund-Delegation, mit dem Volkskommissar des Äußern der Sowjetunion, M. L i t w i n o w, mit dem rumänischen Außenminister T i t u 1 e s c u und mit einer Anzahl anderer Delegierter der Völkerbundversammlung zusammen. In allen diesen Unterredungen setzte Doktor Nahum Goldmann unter anderem die Notwendigkeit eines internationalen garantierten Schutzes der Rechte der jüdischen Einwohner d e r S a a r für den Fall der Rückgabe dieses Gebietes an Deutschland auseinander. Die Tagung des Völkerbundrates zur Regelung der Saar-Fragen wird nicht vor dem 3. Dezember stattfinden können. * Rabbiner Dr, Rütf vertäßt das Saarland Saarbrücken, 26. November. (2. T. A.) Rabbiner Dr. R ii 1 f in Saarbrücken, der Idie Ehre und die Interessen der saarländischen Judcnschaft miit Mut und Unerschrockenheit verteidigt hat. verläßt am 1. Januar 1935 Saarbrücken, um nach Palästina zu übensiedeln. An seine Stelle wurde Dr. Lothar Rothschild aus Basel zum Rabbiner des Kreises Saarbrücken gewählt. Tschechische Regierung gegen Schächtverbot Wie seinerzeit mitgeteilt, beschloß die Gemeindevertretung Eger, die Sohlachthofordnung abzuändern und das rituelle Schlachten zu verbieten. Gegen diesen Beschluß überreichte die Kultusgemeinde in Eger, vertreten durch Dr. Paul Freundlich, eine Beschwerde, welcher von der Bezirksbehörde mit Bescheid vom 25. Oktober 1933 Folge gegeben wurde, indem ßie den Stadtvertretungsbeechluß a 1 s gesetzwidrig aufhob. Die Behörde verwies darauf, daß das rituelle Schlachten eine religiöse Institution sei, deren Übung durch die Verfassung gewährleistet ßei. Gegen 'diesen Bescheid berief die Stadtgemeirude Eger. Die Berufung wurde von der Landesbehörde abgewiesen, und zwar mit der Begründung, daß unter dem Begriff der Ausübung der Konfession, der Religion oder des Glaubens nicht bloß rein rituelle Zeremonien zu verstehen 6eien, sondern alle«, was durch die Religionsgemeinschaft an Pflichten den Angehörigen auferlegt werde. Prinzregent Pavie empfängt Croßrabbiner DrJsac Alhalay Belgrad, 26. November. (2, T. A.) Der Prinzregent Pavie von Jugoslawien empfing den Großrabbiner Dr. Isac A1k a 1 a y in Audienz. Prinzregent Pavie erklärte, daß an höchster Stelle die tiefe Anteilnahme der Juden an der Nationaltrauer Jugoslawiens mit größter Zufriedenheit zur Kenntnis genommen wurde. In einer längeren Unterhaltung interessierte sich Prinzregent Pavie lebhaft für die Lage der Juden und zeigte eine rege Teilnahme für daß zionistische Aufbauwerk und die Renaissance der hebräischen Sprache. Reisebüro Das Polnische \ ••I veranstaltet zu den Weihnachtsfeiertagen eine Gesellschaftsreise nadi Krakau, Lemberg und Stanislau zu besonders billigen Preisen Abfahrt: 22. Dezember 1934 abends Rückkunft: Montag, den 7* Jänner 1935 Bedeutend ermäßigte Visagebühren Anmeldungen und Auskünfte im Polnischen REISEBÜRO „ORBIS“ Wien, I. Kärntnerstraße 4b Tel. R-26-I-43 Der Oberkommissär für das Flüchtlings wesen denkt nach über 5000 Juden im ersten Halbjahr 1934 in USA• ein gewandert New York, 27. November. (2. T. A.) Auf der fünften Jahrestagung der amerikaniß oh-j ii dis ch en Einwanderer-Hilfß- und Schutzgesellechaft HI AS teilte der Vorsitzende, S. Polakoff, mit, daß von Januar bis Juli 1934 5048 Jaden, von denen etwa die Hälfte Deutschland- Flüchtlinge waren, als Einwanderer nach den Vereinigten Staaten gekommen sind. Im „Ausweg, Zeitschrift für Umschichtung, Wanderung und Siedlung“, einer Pariser Zeitschrift, schreibt James Mac- Donald, der Oberkommißsär für die Flüchtlingßfünsorge beim Völkerbund, über die Judenfrage. Er sagt: „Was die Juden heute in Palästina leisten, beweist klar ihre Fähigkeit, die Traditionen ihrer Väter zu erneuern. Indessen bin ich der Meinung, daß dieser Versuch nicht auf Palästina beschränkt bleiben darf, daß er auf alle Länder ausgedehnt ’verden sollte, deren Bevölkerung ein jüdisches Element enthält. Es wäre viel gewonnen, wenn es den Juden gelänge, eine wirtschaftlich normalere Schichtung zu erzielen, wenn sie sich auf das Land verteilen würden, statt konzentriert in den großen Städten zu bleiben, wenn sie sich der Landwirtschaft, der Industrie und dem Handwerk ebenso widmen würden, wie den kommerziellen und freien Berufen.“ Hie Der 1930“ Motto: Steifung der Juden in Dänemark Kopenhagen, 26. Nov. (2. T. A.) Kopenhagener jüdische „Verein von hat eine Kundgebung unter dem ,Antisemitismus und Kultair“ veranstaltet, in welcher Abgeordnete der vier dänischen politischen Parteien sprachen; der Führer der Konservativen Partei Christmas Möller, der Liberale B r o, der Radikale R a g e r und der Sozialdemokrat Ras müssen. Sämtliche vier Redner haben ihrer Verblüffung Ausdruck gegeben, daß sie als Redner zu dieser Versammlung cingeladon wurden, da ja Antisemitismus in Dänemark überhaupt nicht existiere und man sich nicht denken könne, daß dieses Übel jemals in Dänemark Wurzel fassen könnte. Der Konservative Christmaß Möller bemerkte zwar, daß eine Inkorporation von 100.000 Fromdstilmmigen für D’änomark unerträglioh wäre, die dänischen Juden werden aber nicht als Fremde betrachtet und kein anderer, als der Judo Georg Brandes war der beste Verteidiger der dänischen Nation und der glänzendste Stillst der dänischen Sprache. Der Radikale Rager unterstrich die Kulturfeindlichkeit des Antisomitißniuß. Der Sozialdemokrat Rasmussen bemerkte, daß antisemitische Gefühl o in gewissen Kreißen existieren, die man energisch bekämpfen müsse; sie entspringen hauptsächlich der Konkurrenzfiucht, und dem Neid gegen jüdischen Initiativgedst und gegen jüdische Tüchtigkeit. Das sind gerade keine neuen Entdeckungen. Seit Jahren wissen die Juden bereits, daß viel gewonnen wäre, wenn sie eine wirtschaftlich normalere Schichtung erzielen könnten, und es dürfte sich allmählich auch biß zu dem Oberkommiseär herumgesprochen haben, daß die Juden aller Länder mit stärkerer jüdischer Siedlung mit diesem Problem beschäftigt sind, daß aber alle Mühe vergeblich bleibt, solange nicht die Staaten mithelfen. Dazu aber ist nirgends die Bereitschaft vorhanden. Würden Staaten wie Polen, Rumänien, Ungarn, Österreich — von Deutschland wollen wir nicht reden, obzwar Herr MacDonald in gewissem Sinn diesem Staat seine hohe Stelle zu danken hat — den Juden Boden und Geld zur Verfügung stellen, eo könnte ein Ab hießen der jüdischen arbeitß- und lernhungrigen Jugend aus den Städten erreicht werden, was auch in politischem Sinn gesund wäre. Die Juden finden hiefür bei den Regierungen kein Verständnis, aber es wäre doch eine sehr dankenswert« Aufgabe für den Oberkommiseär, seine durch intensives Nachdenken gewonnene Anschauung durch seinen Einfluß zu realisieren. Und wenn ihm dies nicht gelingt, so bleibt ihm noch ein anderer Weg, von der mechanistischen Führung der Flüchtlingsfürsorge zur produktiven zu kommen. Es ist ja Palästina da, und Herr MacDonald weiß die Leistung der Juden ihrem vollen Werte nach einzuschätzen. Wir nehmen an, daß er über die politische Tätigkeit Englands genügend unterrichtet ist. Da dürfte ihm doch nicht entgangen sein, daß von englischer Seite nicht nur die jüdische Arbeit nicht unterstützt wird, daß die Staatsländereien Palästinas nach wie vor den Judeai vorenthalten bleiben, und daß die jüdische Besiedelung künstlich eingeengt wird; daß der böso Begriff von der illegalen Einwanderung geschaffen worden ist, der nur für Juden, nicht aber für Araber gilt, und daß schließlich durch die Abtrennung Transjordanions ein Gebiet verschlossen ist, das heute sämtliche jüdische Flüchtlinge aufnehmen und zu einer normalen Schichtung uniformen könnte. Herr MacDonald hat bei der Durchführung der Flüchtlingsfürsorge bisher sehr, seht geringfügige Ergebnisse erzielt. Die arische Öffentlichkeit hat ihn allerdings nicht unterstützt, sie hat alle Aufrufe mit herzlichen Worten des Mitfühlens beantwortet, aber keine Hilfe geleistet. Aber die Judenschaft hat den Oberkommissär nicht im Stiche gelassen. Sie bringt sogar das sehr ansehnliche Budget auf, aus dem die Leiter und Beamten der Fürsorge, den Oberkommissär mit eingeschlossen, sehr hohe Einkünfte beziehen. Da hätte der Oberkommissär doch auch etwas Sichtbares leisten können. Er reist in der ganzen Welt hemm, und er hat überall — zu den reichen Juden gesprochen und sie zum Geben veranlaßt, wozu man, weiß Gott, seine Intervention nicht benötigt hätte. Aber was ist mit dem Geld geschehen? In Belgien, in Holland, im Frankreich haben einzelne jüdische Flüchtlinge mit ihrem Kapital und mit ihrer Orgamisationsfähigkeit kleine Industrien geschaffen und in diesem Gebieten sogar zur Herabmiinderung der Arbeitslosigkeit beigetragen. Die große Menge der Flüchtlinge aber — insoweit sie nicht von Palästina absorbiert wurde, was ebenfalls nicht Herrn MacDonalds Verdienst ist — darbt und hungert und hat durch ihre bloße Existenz eine neue Form des Antisemitismus erzeugt. Das Amt des Oberkommissärs hat auf der ganzen Linie versagt, und jetzt, nach einem Jahr, kommt der Leiter der Fürsorge zu der melancholischen Erkenntnis, daß sich eigentlich die Juden selbst helfen könnten, wenn sie aus den Städten abwa.nderten. Der Mann mit der neuen Zeitung! Jedes Wort findet seinen Ort. MacDonalds Ausführungen werden gelesen und bieten denen, die den Juden immer die Überzahl in den freien Berufen ankreiden, neuen willkommenen Stoff zur Agitation. Ein Berliner nationalsozialistisches Organ hat neulich erklärt, daß der Zionismus wenig tauglich sei, da sich die Juden davor fürchten, von ihrer Hände Arbeit loben zu müssen. Und da kommt der Mann, der von Amte wegen mit jüdischer Fürsorge betraut ist, und sagt eigentlich mit anderen Worten dasselbe. Von der Hitlerei erwarten wiir nichts anderes; der Oberkommissär, der aus den Flüchtlingsgeldern so gut lebt, müßte sich denn doch etwas mehr anstrengen und1 seinen Einfluß bei den christlichen Regierungen und Völkern aufbieten. Mit Ratschlägen sind wir gut versehen. RONACH I., Seilerstatte 9. Tel. R 24 2-20 IM DEZEMBER! der Clowns FERRY CO H WEY und das weitere große Weihnachfsprogramnt mit GRITL VERNON ARMIN BERG neuem Programm ® 1 neue Stars Wochentags: 4 und 8 Uhr Sonn- und Feiertags: 2, 5.15 und 8.30 Uhr Keine antijüdisdien Tendenzen der irisdien Opposition illllllllllllllllill London, 26. November. (2. T. A.) In den jüdischen Kreisen Irlands war infolge von Äußerungen einzelner Führer der zur gegenwärtigen irischen Regierung in Opposition stehenden United Ireland Party der Eindruck entstanden, daß die Partei, seitdem sie die Führung im Lande abgeben mußte, einen antisemitischen Kurs eing es ch lagen habe und daß ihre Rückkehr zur Macht möglicherweise gegen die Juden gerichtete gesetzgeberische Maßnahmen zur Folge habeai könnte. Dies liat einen der Führer der Dtibliner Jüdischen Gemeinde, A. Newman, veranlaßt, den Herausgeber des offiziellen Organs der Partei, des „United Irishman“, Senator E. B 1 y t h e, zu ersuchen, den Standpunkt der Partei zu dieser Frage neuerlich zu präzisieren, obwohl bereits der seinerzeitige Parteiführer General O'Duffy dem Gerücht, daß die Partei antisemitisch sei, energisch entgegengetreten war. Der Aufforderung A. Newmans hat Senator Blythe durch folgendes Schreiben entsprochen: „loh versichere Ihnen, daß Ihre Befürchtungen in Bezug auf die Einstellung der United Ireland Party zur Judenschaft im Irischen Freistaat völlig unbegründet sind. Wie Sie zweifellos wissen, ist unsere Partei jederzeit für "'oieranz und volle Freiheit aller den Gesetzen sich fügenden Bürgen sämtlicher Bekenntnisse eingetreten. Bei der Behandlung der Bürger hat sie niemals einen Unterschied zwischen Personen verschiedenen Religionsbekenntnisses gemacht und beabsichtigt dies auch in Zukunft nicht zu tun, da sie der Ansicht ist, daß jedermann, der die Gesetze des Staates achtet, Anspruch auf vollen Genuß der Bürgerrechte, ohne irgend welche gegen ihn gerichtete Diskriminierung hat. Das Gerücht, daß unsere Partei eine Kampagne zur Unterdrückung der Angehörigen irgend einer Religionsgemeinschaft durchzuführen beabsichtige, ist absurd und geht auf heimtückische Motive zurück.“ Tel-Aviv Hotel-Pension «Atlantic» Elieser Ben Jehutia Str. 21 Comfort ables Haus am Meer, kulanteste Bedienung-, feinsto Küche unter Aufsicht des Oberrabbinats. Portier bei Schiff und Hahn. Informationen bei Nord. Reisebüro, I., Graben 10, Telephon R 24-2-31

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