Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 405 (30.11.1934)
- Date
- 1934-11-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MdL Neu* Adresse der Redaktion und Administration „Die Stimme" ab 30. November: JHB9 äßr Wien, I., Marc-Aurei-Straße 5. Telephon: U 22-3-91. V& Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. Heute 12 Seiten stark Chanukkah - Beilage Seite 7 bis 10 jüdische zeitung Die vorzüglichen/ großen Luxusschiffe „GERUSAIEMME“ UHD „PHSNA“ der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA LLOYD TRIESTINO (Abfahrten jeden Mittwoch um IS Uhr) fahren nur eine erste und eine Touristenklasse Audi in der Touristenklasse höchster Komfort (xwcl- und mehrbettigc Kabinen) und täglich vier sehr gute Mahlzeiten Auskünfte: Lloyd Trieftlno, Wien, I., Kärntnerring 6, Tel. U-47-1-60 Nr. 40s I Wien, 30» November 1934 I Redaktion und Administration: Wien, I., Marc-Aural-8traße B, Tel.: U 22-3-61, Redaktlonssctiluß Montag und Mlttwooli vorm. I (A3. Kioiew $695) [ 8. Jahrgang Rückkehr zum Licht Von Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des zionistischen Landesverbandes für Österreich „Ströme von Druckerschwärze und Tinte werden in diesen Tagen wieder einmal fließen, unzählige Makkabäerreden werden gehalten werden, Chanukah wird gefeiert werden. Dann wird der graue Alltag wieder besser ein lebender Hund als ein toter Löwe. Daß es zwischen diesen Extremen Schattierungen gibt, ändert nicht das Bild. Auch auf der Seite unserer Gegner wiederholt sich der Kampf, dessen Vorkämpfer einmal Antioohus Epiphanes hieß. Der Name tut nichts zur Sache: Antioohus genossen und der Siegespreis hieß: Einheit Epiphanes lebt noch. In unseren Tagen von Nation und Religion. setzt er zum Generalsturm gegen das Seit fast zweitausend Jaihreh wiederholt Judentum an. Er läuft Sturm gegen unsere sich dieser Kampf der Geister, der Kampf Religion, gegen unser Ethos und gegen unjener Juden, die im Geiste Juda Makkabis sere wirtschaftliche Existenz. Er läßt alle kommen und alles wird sein wie zuvor!“ und seiner Nachfolger handeln und jener Minen der Strategie springen, vom diplo- Das sind die Gedanken von Menschen, de- Juden, die bereit sind, Schweine auf den matischen Ränkespiel bis zur rohen Gewalt, nen der wütende Ansturm des Antisemitisjüdischen Altären opfern zu lassen. Bedin- Vor seinem Ansturm brechen die Positioinus und Haß und Zwietracht im jüdischen gungsloser Einsatz der Persönlichkeit für nen der modernen Assimilation zusammen. Lager den Lebensmut gebrochen haben. Solche Menschen werden Chanukah feiern, weil es die Liturgie oder das Herkommen so verlangt. Künftige Geschichtsschreiber werden uns ein kleines Geschlecht nennen, weil wir - dieses Fest der Lichter nicht zum höchsten Fest des Jahres erhoben haben. Denken wir doch ein wenig über dieses Fest nach. Es wird zur Erinnerung an die Siege Juda Makkabis über die gewaltigen Heere der Griechen und zur Erinnerung an die Wiederaufrichtung des Tempels gefeiert. In den Tagen Juda Makkabis und seiner Nachfolger aus dem Geschlechte der Hasmonäer ist aber mehr geschehen. In dem Zusammenstoß mit der griechischen Kultur hat das Judentum sein Gesicht erhalten. Es hat sich damals der nichtjüdischen Welt als ein Kollektivum repräsentiert, das nicht bereit ist, seine eigenen Auffassungen von Leben, Religion und Sittlichkeit, von Gerechtigkeit und Frieden aufzuopfern. Antiochus Epiphanes hat auf dem Altar des heiligen Tempels in Jerusalem Schweine geopfert, um die Juden zu demütigen und zu beschimpfen. Juda Makkabi und seine Heldenscharen ließen diesen Schimpf nicht auf sich sitzen und griffen zum Schwert, das zu führen sie nicht gewohnt waren. Sie hatten erkannt, daß eine Auseinandersetzung mit den Griechen nicht möglich war, weil die Griechen sie nicht als gleichberechtigt ansahen und von ihnen die Preisgabe dessen verlangten, was ihnen als unberührteres Heiligtum galt, ihrer Religion und ihrer Auffassung von Sittlichkeit. Andere Zeitgenossen Juda Makkabis gingen den Weg des geringsten Widerstandes, der Assimilation. Dieser erste weltgeschichtliche Assimilationsvorsuoh wurde durch die Siege der Makkabäer gebrochen. Die Hasmonäer blieben Sieger gegenüber den Griechen, Sieger aber auch im Kampf der Geister gegen die eigenen Volksdie Einheit und Reinheit des Volkes ist der j Und doch beginnt sich in unseren Tagen Leitsatz der einen. Der der anderen heißt: das Bild in entscheidender Weise zu ändern. Lindenkeller l.# Rotenturmstraße 12 GANSBRUST MIT SCHOLET GANSBIEGL MIT RITSCHERT FLADEN jeden Samstag Präsident Knox erklärt: Die Zukunft dev Saavjuden düster Haag, 28. November. (Z. T. A.) Ein Mitarbeiter der führenden holländischen Wochenschrift „Haageobe Post“ fragte den Präsidenten der Regderungs kommission im Saargebiet, den Engländer Knox, wie er sich die Zukunft der jüdischen Bevölkerung im Saarland denke. Präsident Knox erwiderte: „Ich habe über die Position der Juden im Saarland ernst nachgedacht. Gegen die antisemitische Verhetzung der Massen hin ich resolut eingeschritten und habe Zeitungen, die die Bevölkerung gegen die Juden aufhetzten, mit Verboten belegt. Das Pogrom-Blatt „Der Stürmer“ wurde für die Dauer von der Verbreitung im Saarland ausgeschlossen. Solangeich hier im Saarland die Regierung innehaben werde, muß und wird Rechtsgleichheit für alle Glieder der Bevölkerung herrschen. Die jüdischen Kinder“, fuhr Präsident Knox fort, „haben es in den allgemeinen Schulen schwer, und zwar nur darum, weil sie Juden sind; wir schritten darum an die Errichtung eigener jüdischer Schulen. Gegen den öffentlichen Boykott der Juden trete ich mit aller Energie auf, aber ich bin nicht in der Lage, zu verhindern, daß die Boykottpropaganda und der Boykott selbst geheim fortgesetzt werden. Das Gesetz gibt mir keine Handhabe, zu fordern, daß man jüdische Geschäfte nicht meidet.“ Auf die Frage des Korrespondenten, was mit den Juden geschehen werde, wenn das Saarland an Deutschland zurückfällt, erwiderte Knox: ,,Ich glaube nicht an Pogrome, weil es ja auch in Deutschland zu solchen nicht gekommen ist; sicher aber ist, daß die Juden an der Saar einer düsteren Zukunft entgegengehen. Mehr denn je, werden sie boykottiert, gequält und verhöhnt werden.“ * Wenn Präsident Knox gemeint hat, daß es in Deutschland zu Pogromen nicht gekommen sei, so hat er nicht an diie neue Form des Pogrome gedacht, der sich nicht in Massenüberfällen ansdrüokt, sondern darin, daß einzelne Juden, nur weil sie Juden sind, verschleppt, in Konzentrationslager gesteckt und gefoltert werden. Übrigens gab es ja in Günzenhausen und in anderen Orten Frankens und der Pfalz regelrechte Pogrome. Auch die Erschießung der vier jüdischen Bürger in Hirschberg und von Juden in anderen Städten Schlesiens nach dem 30. Juni ist Pogromen gleichzuwerten. Es sei daran erinnert, daß erst vor einiger Zeit die Namen und Daten von weit mehr als 100 deutschen Juden, dio seit Beginn des Hitler-Regimes in Deutschland gewaltsam vom Leben zum Tode befördert wurden, bekannt und veröffentlicht wurden. BESTE QUALITÄTEN I ANTHRAZIT KOHLE KOKS VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., ALSERSTBASS?? BASCH IV. ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL SERIE U 47-5-40 Immer deutlicher wird es, daß sich die Reihen des Judentums schließen. Ohne jede Überheblichkeit kann schon heute gesagt werden, daß diese bedeutsame Wendung in erster Linie das Verdienst der zionistischen Bewegung ist. Ist doch Palästina das Ziel der Sehnsucht von Millionen Juden und ihre einzige Rettung. Wer die jüdische Geschichte versteht, muß erkennen, daß das Judentum nie seinen Willen aufgegeben hat, sich als Kollektivum zu erhalten Wir Zionisten waren die Vorkämpfer der Selbsterhaltung und Selbsfcbefreiung. Wir setzten die Tradition fort. Die Verteidigung Jerusalems im Jahre 70, Jochanan ben Sakkai, Bar Köcbba, Rabbi Akiba, Jehuda ha Levi, Moses Maimonides, „die Männer, die ins Feuer und ins Wasser gingen, um Seines heiligen Namens willen“, sie alle kämpften für die Erhaltung unseres Volke«. Die Märtyrer der spanischen und portugiesischen Inquisition, die Helden des jüdischen Selbstschutzes in Rußland und der Ukraine haben durch ihren Tod das Wunder der Wiedergeburt des jüdischen Volkes vorbereitet. Sie haben den Geist fortgepflanzt, der Juda Makkabi und seine Krieger beseelte. Und es kamen die Männer der Chowewe Zion, die Männer der Bilu-Bewegung, es kam Theodor Herzl. Wie Juda Makkabi seine Getreuen sammelte, so tat es Theodor Herzl. Und es begann der einzig dastehende Kampf der zionistischen Bewegung: Gegen den Antioohus Epiphanes unserer Zeit und die Hellenisten unserer Zeit. Dieser Kampf begann zu einer Zeit, da das Westjudentum sich anschickte, auf dem Altar des Judentums Schweine zu opfern. Der Zionismus hat den schweren Kampf bestanden. Das ganze Erez Israel ist der heilige Tempel, an dessen Errichtung und Weihe wir Zionisten arbeiten. Wir führen die Jugend zurück zum Judentum, wie es Juda Makkabi tat und — was ungleich schwerer ist — wir führen die Erwachsenen, die Frauen, Männer und Greise zurück ins jüdische Lager. Die gleich Jeremias noch kürzlich klagten: „Mi jitnoni hamidbar melon orchim ... Oh, daß ich in der Wüste lebte, in der Herberge der Wanderer, daß ich mein Volk verlassen und von ihm gehen könnte...“, sie kommen heute 5, pczialverkehr nach Palästina Gütertransporte, liftvans, über NI ngen Ullmann, Rink 3t Co. Wien 1/ Kurrcntg. 12 Tel. U 22254