Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 140 (28.8.1930)
- Date
- 1930-08-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 t>n smm Nt. 140 i?11 n MlfitfgttilNkts AAifc AÜfflfe nachGemäldenberühmter WWK#din9i<ldla(h«r Maler HERZL-Gob.lins lli irttvgt Afiiltr Zahradnik ■ Wien, V., Anzengrubergasse Nr. 30 Tatorten U-40-R-17 if lall .5! chen sind. Eine Gruppe von zwölf Personen drang in der Nacht in die Wohnung des Kaufmanns Rothstein. Dabei wurde aus der Mitte der Gruppe auf Rothatein geschossen, der durch drei Revolverschüsse schwer verletzt wurde und ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Unter den Angreifern befinden sich auch zwei bekannte antisemitische Agitatoren. Die übrigen Mitglieder der Familie Rothstein wurden schwer mißhandelt und verletzt. In dem Kurort Tekirniol veranstalteten Mitglieder der «Eisernen Garde» antisemitische Skandale und überfielen 'üdäsche Einwohner und Kurgäste. Und in Bessarabien? Bukarest, 23. August. (J. T. A.) In der letzten Zeit kamen in Bessarabien weitere antisemitische Ausschreitungen vor. Im Dorfe Sturdzowka wurden die jüdischen Bürger Abraham Schönfeld, David Schönfeld, Schlomo Weißmann und Mersch Sadigurski schwer verletzt und beraubt. Drei Cuisten drangen in das Haus des jüdischen Bürgers Saul Gertowska ein, und verletzten das Familienoberhaupt durch einen Revolverschuß am Kopfe. Seine Gattin wiirde mißhandelt und gefesselt, sodann wurden die Wohnung und der “Laden zerstört und ausgeraubt. > Jüdische Jugendliche werden gefoltert Der gewesene Vizepräsident der rumänischen Deputier- .en-kammer, Herr Gr. Cazacliu, gewährte dem «Adeverul* ein Interview über die Zustände in Bessarabien, in dem er u. a. einen besonders krassen Fall von Folterungen jüdischer Jugendlicher bei der Polizei ausführlich behandelten «Adeveruj* Nr. 14.305 vom 16. August ist zu lesen: rin Zgufitza — erzählt Herr Cazacliu — hat eine Gruppe junger Burschen und Mädchen eine Bibliothek eröffnet. Diese jungen Menschen sind Kinder von wohlhabenden Leuten, man kann von ihnen also nicht annehmen, daß sie Kommunisten sind. Der Subinspektor der Sigurantza war jedoch anderer Meinung und ordnete deren Verhaftung an, obwohl ihn der Gendarmerie-Postenchef aufmerksam machte, daß es sich in diesem Falle absolut nicht um Kommunisten handeln könne. Am 12, Juni wurden die jungen Leute Srul Wattenberg, Meier Muck, Isaak Schwarz, die Schwestern Rosa und Cbannah Sosna verhaftet. / / * <Die Verhafteten wurden nach Chisinau überstellt and un Lokale der Sigurantza verhört. Zwei Tage hindurch wurden dort die Kinder in der gräßlichsten Weise geschlagen. An Händen und Füßen gefesselt, wurden sie, die Köpfe nach unten, mit einer Art Flaschenzug bis zum Plafond in die Höhe gezogen und von dort auf den Zementboden fallen gelassen. Diese Prozedur wurde in einemfort wiederholt und nur unterbrochen, um die Kinder durch Uebergießen mit kaltem Wasser wieder zum Bewußtsein zu bringen. Dies alles, weil die armen Kinder nicht eine Erklärung unterschreiben wollten, daß die - Kommunisten seien. Während der Tortur jammerten und schrien die Opfer natürlich fürchterlich und damit der Lärm nicht gehört werde, sang der Polizeikommlssär ganz laut, während ein Agent einen Automobil-Motor rattern Heß. Einer der Agenten, der die Tortur vollzog, hielt piötz- Sch inne tmd sagte: «Es geht nicht weiter, wir töten *ie sonst!» V Der Poüzeiagent wurde hierauf von den Kommissären Stefanescu und Comtza ebenfalls verprügelt tmd ein gesperrt wegen — Nichtbefolgung eines «dienstlichen* Auftrages. Nach zwei Tagen hatte der Kommissär die gewünschte Erklärung in Händen, in welcher die Kinder zugeben, daß sie Kommunisten sind. Sie wurden dann noch zwei Wochen in einem Keller gehalten und mit «kaltem Wasser behandelt», bis ihnen die Geschwülste vergingen. Nach zwei Wochen wurden sie dem Kriegsgericht in Jassy überstellt, obwohl Zgurrtza 26 km von der Grenze entfernt ist, also nicht in der Zone, des Ausnahmezustandes liegt. Das Kriegsgericht ließ dann alle frei, vollkommen unschuldig. y m ste waten Sir Jolui Philby zum Islam übergetreten Jerusalem. (J. T. A-) Aus Jedda wird berichtet, daß der englische Orient-Politiker Sir John Philby, der sich wiederholt jüdischen Persönlichkeiten, u. a. auch Dr. Magnes genähert hat, um im Namen der Araber Verständigungs-Angebote zu machen, zum Islam übergetreten ist. Amerika hat über zwei Millionen Dollar für Emergeney Fund gegeben New York. (J. T. A.) Der Direktor des Palestine Emergency Fund in Amerika, David A. Brown, teilt mit, daß die amerikanischen Juden für den nach den Palästina-Unruhen gc<!:finll(Mien Palvshne Emergeney Fund zum Wiederaufbau ('• r ^er.- '.örk'ii Tf'lo des Jlsclmw eine Summe von '!:f haben. Die Werbekosten lr*ben ■ . •; Macht. Der Sabbath-Weltkongreß in Berlin B e r 1 i n, 24. August Nach kaum zweijährigem Bestände des Weltverbandes für Sabbathschutz Schomre Schabbos ist es gelungen, Vertreter der ganzen jüdischen Welt zum 1. Sabbath-weltkon- Seß in Berlin zu vereinigen. 250 Delegierte aus aller Welt ben sich In Berlin eingefunden. Dfe Staatsbehörden, die schon seit längerer Zeit auf die Bestrebungen des Weltverbandes für Sabbathschutz aufmerksam geworden sind, und dieselben mit Interesse verfolgen, haben dieses Interesse anläßlich der Kundgebung in besonders eindringlicher Weise an den Tag gelegt. Die Reicbsregierung, die Preußische SLf&tsregferung, die Stadt Berlin und verschiedene sozialpolitische Gremien hatten ihre besonderen Vertreter zur Tagung entsandt. Eröffnung Der stellvertretende Vorsitzende des Weltverbandes, Herr RA. Dr. Sulzberger, efßffnete die Tagung und erteilte dem Präsidenten des Verbandes, Herrn Seminardozent Dr. S. Grünberg, das Wort zu einer Begrüßungsansprache. Begrüßungen An seine Rede schloß sich die Begrüßungsansprache von Herrn Legationsrat Prof. Dr. S 6 b e r n h 11 m im Namen der Reichsregierung, der Preußischen Staatsregierung und der Stadt Berlin. Der Vertreter der Reichsbehörden sicherte den Bestrebungen des Weltverbandes wohlwollendste Beachtung von Seiten der Regierung zu. Die Ehrung des Kongresses durch den Vertreter der Reichs¬ und Staatsbehörden fand stürmischen Beifall. Herr James G o I d s c b m i d t, der für die Jüdische Gemeinde Berlin und für den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden sprach, hob insbesondere den Zusammenhang des Weltverbandes mit der Jüdischen Gemeinde hervor. Herr Dr. Meier Hildesheimer begrüßte den Kongreß im Namen der Gemeinde Adaß Jisroel und des Halberstädter Verbandes. Herr Stadt» und Konferenzrabb. Dr. Unna - Mannheim begrüßte den Kongreß im Namen des Badischen Oberrats der Israeliten, des Traditionell-gcsetzestreuen Rabbinerverbandes, des Badischen Vereins zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums und der Vereinigung hessischer Synagogengemeinden. Herr Dr. Ansbacher -Wiesbader sprach für den orthodoxen Rabbinerverband. Doktor Wiener für den liberalen Rabbinerverband und für den sozialen Ausschuß des allgemeinen Rabbinerverbandes. Herr Moses Herz sprach für die Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen Landesverbände. Herr Alexander Levy für den Verband der jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins und der Hansastädte. Von stürmischem Beifall begrüßt, ergriff Rabb. Meir Berlin, Jerusalem, das Wort zu einer glänzenden hebräischen Ansprache namens des Waad Leuml, der Exekutive der zionistischen Weltorganisation und insbesondere in seiner Eigenschaft als Präsident des Misrachi in dessen Namen. An diese sich zu einem seelischen Höhepunkt der ganzen Eröffnungskundgebung steigernde Ansprache schloß sich ein warmherziger Gruß Jakob R o s e n h e i m s, des Präsidenten der Agadas Jisroel, deren Mitarbeit in Rahmen der Verbandsbestrebungen er zusicherte unter voller Anerkennung des Wesens und der Struktur der Organisation. Herr Kultusvorsteher Ba um i n g e r.begrüßte namens der Gemeinde Wien. Herr Richter Dr. Alfonds Pacjfici überbrachte den Gruß der italienischen Judenheit. Für , das Rabblnat und die Kultusgemeinde Warschau begrüßte Rabbiner Gutszechter dein Kongreß. Der bekannte Oberrabbiner $ c h a p i r o aus Kownö sprach im Namen der litauischen Judenheit. Zuletzt sprach Herr Rabbiner Segalow jtz aus Danzig im Namen des russischen Judentums. Dr. Bernhard Drachmen stattete die Grüße der amerikanischen Judenheit ab. Referate Nun ergriff Chiefrabbi Dr. 1. Herzog aus Dublin das Wort zu seinem Referat «Der Sabbath als heiligende Kraft an Israel*, in dem er eine geist- Und gehaltvolle Ideologie der Sabbathbewegung aurzrichnete, laran schloß sich das Referat von Herrn Rechtsanwalt Doktor Paul Sulzberger über «Sabbath und Wirtschaft», das die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Schomre Schabbos in markanten Zügen enthüllte. In einem Schlußwort von höchstem rethorisenem Schwung des bekannten Oberrabbiners Dr. Jos. Car leb ach aus Altena kam die Eröffnungskundgebung zu ihrem gehaltvollen Ausklingen. Nachraittagssitzung In das Präsidium wurden gewählt: Präsident Df. Grünberg und eine Reihe von"prominenten Delegierten des Iri- und Auslandes. Auf Antrag von Herrn Weichselbaum werden die zuständigen Kommissionen durch Angestelltenvertr^ter ergänzt. Es wird die Maßgabe des Vorstandes bekanntgegeben, bei der edngültigen Konstituierung der Kommissionen möglichste Weitherzigkeit ■ walten lassen zu wollen. Nach Schluß der sich an die Konstituierung der Kommissionen schließenden Erörterungen erteilt der Vorsitzende, Herr Doktor Grünberg, Herrn Rabf>. Dr. $ch äch t er aus Belfast das Wort, der den Kongreß im Namen der britischen Judenheit wärrastens begrüßt Der Rabbi aus Radzimin spricht Begrüßungsworte im Namen der Rabeim Polens. Das Wort ergreift nun Herr Rabbiner Dr. Ludwig Roeenthal, Köln, zu seinem Referat: Zur Frage der Kalenderreform. Der Redner legt die geistigen Grundlinien des Kalenderreformwird mit S .10,000 bis 15.000 zu einem in Betrieb befindlichen Heklameunternebmen gesucht. DIB Unternehmung I$t nachweisbar rentabel. ~ Anträge unter »Bas Geld dreht sieb“ an die Spedition dieses Blattes- Projektes und seiner Gefahren dar und gestaltet daraus eine ausgezeichnete Apologie der Sabbathiaae. In wirksamer Weise wird dieses Referat durch den darauf folgenden Redner Dr. T. Lewenstein aus Zürich ergänzt. In diesem Zusammenhang gestaltet Sieh die Erwähnung des plötzlichen Ablebens des verdienstvollen jüdischen Führers Lucian .Wolf zu einer erschütternden Trauer* Kundgebung, In dem sich der ganze Kongreß zu Ehret* des großen Toten von seinen Plätzen erhebt Nach einer längeren Pause ergreift der Präsident des ungarischen Schomre Schabbos-Bundes, Herr Stadtrat Desider K o r e i n, das Wort zu seinem Vortrag über: S o n n t a g 6ruhe, Kirchen- oder Sozialpolitik. Er schildert den Kampf der ungarischen Judenheit gegen unsoziale Bestimmungen der Sonntagsgesetzgebung. Im Namen der holländischen Delegation und des holländischen Schomre Schabbos-Landesverbandes berichtet Herr E. Asche** Begrüßungsansprache de* Vertreter* der Wiener Knltu*gemeinde Herrn Kultamte* Viktor Bauminger. Als Vertreter der Wiener Kultusgemeinde, der zweitgrößten Judengemeinde Europas, habe ich die Ehre und das vergnügen Sie aufs Herzlichste zu begrüßen und Ihren Beratungen gedeihlichen Erfolg zu wünschen. Die Wiener Judengemeinde, angeregt durch die fortschreitende Sabbath- Bewegung in der. ganzen Welt, hat letzthin durch eine Reihe von Aktionen und Maßnahmen dazu beigetragen, die Heilighaltung des Sabbaths wesentlich zu erleichtern. So haben wir bei der Landesregierung durchgesetzt, daß an jedem Sonntag der zwischen einem Sabbath und einem jüdischen Feiertage fällt, die gesetzliche Sonntagsruhe für die Juden teilweise aufgehoben und der jüdische Handel in Lebensmitteln freigegeben wird. Wir haben auch einen Erlaß des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht erwirkt, wonach die jüdischen Kinder an öffentlichen Schulen nicht dazu verhalten werden dürfen am Sabbath zu schreiben, ln den Verträgen der Wiener Judengemeinde mit ihren Bauunternehmern ist ein rechtverbmdlicner Passus enthalten dahingehend, daß keine wie immer gearteten Arbeiten für die Gemeinde am Sabbath 'ausgeführt werden dürfen. Auch bei Lieferungen ist die von mir vertretene Wiener Judengemeinde darauf bedacht, nach Möglichkeit und Tunlichkeit Schomre-Schabbos vorzuziehen. Insbesondere achten wir darauf, daß die Särge für die Toten nicht am Sabbath an gefertigt werden. Wir haben auch an unserem neuen Friedhof eine besondere Abteilung für Schomre-Schabbos geschaffen. Schließlich hat die Wiener Kultusgemeinde anläßlich der beabsichtigten Kalenderreform in Genf eine intensive Protestbewegung eingeleitet. An einem bestimmten Sabbath wurde in sämtlichen Tempeln und Synagogen über die Bedeutung der Kalenderreform gesprochen. Es war ein Propaganda-Sabbath für die Sabbat h-Propag an da mit dem Resultate, daß ein mächtiger, mit zwanzigtausend Unterschriften versehener Protest pamen$ der Wiener Judenheit dem Völkerbunde überreicht werden konnte. Hoher Kongreß! Es ist von großer Wichtigkeit, daß von hieraus eine Mobilmachung sämtlicher jüdischen Gemeinden der ganzen Welt für die Erhaltung des Sabbaths erfolge, ln bezug auf die Auswirkungen auf den Sabbath muß eine Einheitlichkeit des administrativen Verfahrens in den Verwaltungen der jüdischen Gemeinden in allen Ländern herbeigeführt werden. Auf diesem Kontiven Verfahrens in den Verwaltungen der jüdischen Gemeingresse sollen einheitliche, alle jüdischen Gemeinden gleich verpflichtende administrative Richtlinien hinsichtlich Arbeitsvergebungen, Lieferungen, Anstellungen und dergleichen aufgestellt werden. Die Sabbath-Frage wurde aus der Sphäre unseres Seelenlebens, in das Wirtschaftsgebiet der Völker, in die Gesetzesordnung der Staaten hinübergeleitet. Wir haben mit äußeren und inneren Schwierigkeiten zu kämpfen. Und es soll ohne weiteres zugegeben werden, daß beide sehr groß sind. Wir leben noch, nicht in jenen rosigen, verheißungsvollen Zeiten, von welchen der Midrasch sagt, daß selbst die Frucht sich dagegen auflehnen und protestieren werde, wenn sie am Sabbath gepflückt werden sollte. Heute protestieren selbst unsere eigenen Gemeinschaften leider noch viel zu wenig. Wir selbst lehnen uns noch viel zu wenig auf gegen die Verletzungen der Sabbath-Gesetze in unserem eigenen Lager. Es soll davor gewarnt werden, das Schwergewicnt des Saobath-Problems allzusehr auf die äußere Seite hin zu verlegen, denn tatsächlich handelt es sich in erster Reihe um eine innere Krise, um eine Krise unseres Jüdischen Volkslebens, unserer eigenen Seele. Unsere Väter und Großväter haben mitunter unter den gleichen Schwierigkeiten den Sabbath geheiligt, aber sie waren ausgerüstet mit einer opferbereiten Seele, mit einer Ueherseele, mit einer «neschama jeteira*. Diese schöne, heroische Seele geht uns und insbesondere unserer lugend verloren. Die jüdischen Gemeindeh in aller Welt, die Verwalter und Hüter unserer Volksseele, sollten dazu verpflichtet werden in ihrem eigenen Hause dem Sabbath mehr Aufmerksamkeit zu schenken, die jüdische Seele aufzufrischen und zu potenzieren, die «neschama jeteira» wieder zu erwecken und. aufzurichten. Von diesem Kongreß muß an die jüdischen Gemeinden der ganzen Welt der schmerzerfüllte Ausruf dös Talmuds mahnend erschallen: «Waj, abda nefesch h O weh, die Sabbath-Seele ist fort! Ein jüdischer Philosoph hat das Wort geprägt, daß noch mehr, als die Juden den Sabbath hielten, hat der Sabbath die Juden gehalten. Das entspricht auch den Tatsachen der jüdischen Geschichte, denn ohne Sabbath gab und gibt es kein Judentum. Der Sabbath ist die Seele des Judentums. Sie zu pflegen und zu erbauen, zu einer «neschama jeteira» zu potenzieren, ist die vornehmste Aufgabe dieses Kongresses, Den Völkern und Staaten soll aber gesagt werden: Vor vielen tausend Jahren haben wir der Menschheit das herrlichste soziale Geschenk gemacht. Wir sind die Urheber und Schöpfer des Ruhetages. Die!;esetzliche Sonntagsruhe in Europa ist kaum ein halbes ahrhundert alt. Wir sind berechtigt zu fordern, (faß unser Irheberrecht, unser historisches Verdienst, mit dankbarem Entgegenkommen belohnt werde. Das Volk der heiligen, sozialen Ruhe, wendet sich von dieser Tribüne aus an alle Völker und Staaten, um ihnen klar zu machen, daß es unbillig und undankbar sei, diese ihnen von ihm geschenkte Ruhe, mit seiner eigenen Unruhe zu vergelten t So hat dieser Kongreß nach zwei Richtungen hin zu arbeiten: Die Völker una Staaten zu gewinnen, die jüdischen Gemeinden zurückzugew innen, in diesem Sinne begrüße ich Sie namens der Wiener Kultusgemeinde und wünsche, daß in ihren Beratungen eine friedliche, sabbath liehe Stimmung herrsche und. daß der uott von Israel, von dem der Prophet uns sagt, daß Er dem Volke eine Seele ejnhaucht — «ha-el hansten neschama le-din» — auch dieser Tagung Niveau und Seele verleihe und ihr rinhauche eine Sabbath-Seele, eine «neschama jeteira!».