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Die Stimme · 1930-08-28 · Heft 140 (28.8.1930) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 140 (28.8.1930)
Date
1930-08-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 14Ö DIE STIMME Seite 5 Warum? Auf Grund dar zweckmäßigen Zusammensetzung und der vorzüglichen Erfolge, welche von namhaften Aerzten und in zahlreichen Kliniken und Krankenanstalten mit Togal erzielt wurden, hat Togal in kurzer Zeit allgemeine Anerkennung gefunden. Alle Urteile stimmen darin überoin, daß Togal ein prompt wirkendes schmerzstillendes Mittel daretellt, das unübertroffen ist bei gichtischen, rheumatischen und nervösen Schmerzen, bei Schmerzen in den Gelenken und Gliedern, bei nervösen Zahnschmerzen und ferner bei Kopfschmerzen. rdes mttmn g ettetäßax irnrd) eilte fftabtofflerinfur, Me eine ■sßerbüit* mtttß bei f&Iuteä beUHrft, gegen ^erfotfung her lÖIuf» gefäfte borbeugt mtb hiefen boburd) Me itoitoenbi&ß Güa« ftijität erhält. fRabiofllerin ift fett fahren at4 £iitbemjtg4 mtb 'iöorbeugungsmittcl ärjtlich erprobt mtb frei berföaiflieh- JftabiumgehnTt nmtfidj überprüft. ^)epot nnfb Süiälmtft Stpoiljefte -Baijer, 3Bic«, I., SOoUseUc 13 fßrofpeit gratis ltitb frnttfn. Die letzten Unruhen in Palästina Von Mohamed el TawJl Wir setzen heute die Uebersetzung der Broschüre des Herrn Mohamed El Tawil, «Die letzten Unruhen In Palästina», fort. Diese Broschüre wurde sowohl in arabischer, wie auch in späterer hebräischer Ausgabe von der Palästina-Regierung konfisziert Die vorliegende Uebersetzung ist demnach die erste Veröffentlichung des Buches des Herrn Tawil, der, wie unsere Leser bereits aus dem in der «Stimme» veröffentlichten Interview (siehe «Die Stimme» Nr. 138) erfahren haben, ein Zionistenfreund und unerbittlicher Gegner des Jerusalemer Großmufti ist Wenn auch die Arbeit des Herrn Tawil in einem einfachen, well für die Fehachen bestimmten Stil gehalten ist so werden dennoch seine Ausführungen nicht verfehlen, großes Interesse und Aufsehen sowohl in jüdischen wie auch arabischen, und —* last not least — auch britischen Kreisen zu erregen. (Die Redaktion.) Die arabische Exekutive.4) Zehn Jahre schon existiert die arabische Exekutive und ihre Mitglieder beschäftigen sich schon zehn Jahre lang angeblich mit unserem nationalen Problem. Diesen Führern gelang es, im Laufe dieses Zeitraumes nicht irgendwelchen Nutzen uns oder unserem Vaterlande zu bringen. Sie sammelten mehr als 300.000 Pfund und teilten mit, daß sie diese Rlesensumme für das Volk ausgegeben haben. Das Volk weiß aber davon gar nichts. Und was sie erreichten, ist nur: Unruhen, unschuldig vergossenes Blut, Frauen, die um ihre Männer trauern, verwaiste Kinder, Anwachsen der Steuern, Verarmung des Fellachen usw. Die Lage des Fellachen ist katastrophal, und ist er es doch, der die ganze Stütze unserer Arbeit .ist und der uns ernährt. Man verachtet ihn, man raubt ihm sein Geld, man betrügt ihn auf jede mögliche Art. Kein Mitglied der arabischen Exekutive gab sioh Mühe, die Lage des Fellachen zu studieren. Der Fellache leidet unter den Steuern. Aber er kennt nicht die Ursache des Anwachsens dieser Steuern. Er macht dafür die Regierung verantwortlich. Alber wenn er die wahren Gründe kennen würde, würde er seinen ganzen Zorn gegen die arabische Exekutive richten und seinen ganzen Haß gegen die Führer, die angeblich mit der nationalen Frage sich beschäftigen und in Wirklichkeit an der unglücklichen Lage des Fellachen schuldig sind. Wenn man aber ein Mitglied der arabischen Exekutive fragt, warum der Steuerdruck so unerträglich ist, dann antwortet es, daß daran die Balfour-Deklaration und der Zionismus schuld seien. Doch diese Antwort ist nichts als eine bewußte Lüge. Die falsche nationalistische Politik der arabischen Exekutive trägt dl« Schuld am Steuerdruck. Diese dumme und engherzige Politik, die auch das Blutvergießen und die Schwächung der palästinensischen Araber hervorgerufen hat. Als die Engländer Palästina besetzten, betrug das jährliche Budget der Regierung 300.000 Pfund. Jetzt beträgt das Budget nicht weniger als 1 Millionen Pfund. Warum? Die Unruhen im Lande erforderten die Vermehrung der Regierumgsbeamten, die Vergrößerung des Polizeikorps und Garnisonierung britischer Truppenkörper mit ihren Panzerautomobilen, Flugzeugen, Kanonen usw. Wenn Friede herrschen würde, wäre all das nicht nötig. Die britische Regierung ist nicht verpflichtet, aus ihrem Staatsschatz die Ausgaben der Palästina- Regierung zu decken. Daher mußte die Palästina-Regierung zur Deckung dieser Unkosten die Landesbewohner heranziehen. Die Regierung ist also unschuldig. Denn wir waren die Ursachen dieser Lage. Wir haben gesät, jetzt ernte : wir. Jeder britische Polizist kostet die Palästina-Regierung zirka 30 Pfund monatlich, weil doch der Monatsgehalt des Polizisten 12 Pfund beträgt und dazu kommen noch die Auslagen für seine Kost und Quartier, zirka V2 Pfund täglich. Das alles müssen wir bezahlen an Steuern. Außerdem natürlich lasten auf vielen Städten und Dörfern die Geldbußen. Und schaue dich, teurer Leser, um in den Gefängnissen, da wirst du sehen: voll sind sie mit unseren Brüdern, die nach den Unruhen verhaftet wurden. Wenn unsere Führer verantwortlich gewesen wären, hätten sie die Katastrophe vorausgesehen. Aber keiner von ihnen hat etwas dagegen getan. Es wurden im Lande Nachrichten verbreitet, daß Juden die heilige Ömarmoschee erobern wollen. Die Zahl der Hetzer wuchs von Tag zu Tag, obzwar alle diese Nachrichten grundfalsch waren. Die Mitglieder der arabischen Exekutive wußten zwar ganz gut, daß alle diese Nachrichten nichts anderes als Lügen sind und daß sie nur den Haß zwischen den Juden und den Mohammedanern schüren, aber sie taten so, als ob sie nichts davon wüßten. Wenn die Mitglieder der arabischen Exekutive vor dem Ausbruche der Unruhen die einfache Wahrheit verbreitet hätten, dann wäre es bestimmt zum Blutvergießen nicht gekommen. Und das ist nicht das erste Mal gewesen. Immer haben sie uns belogen, immer haben sie uns auf Irrwege geführt, und wir, wiir folgten ihnen . . . So schickten sie, angeblich zu unserem Wohl, Delegationen nach London, einmal, zweimal, dreimal, doch die Delegatioen kehrten immer ohne Erfolg zurück. Zuerst forderten sie Unabhängigkeit, zur Zeit, als unser Land verwüstet war und wir weder eine geordnete Landwirtschaft, noch Handel, noch die Spur einer Industrie hatten. So wahr ich lebe: auch ein ganz dummer Mensch könnte diese Forderung unter diesen Umständen nicht aufstellen. Damals kehrte die Delegation aus London zurück, mit verschämtem Antlitz. Für die Besserung unserer ökonomischen Lage haben sie gar nichts nimmt Mfttelschüler(fn) ans gutem jüdischen Hanse in Pension. Eventuell Unterricht. Adresse : Wien 10. Bezirk, Neu* aetzgaese 4/14. Telephon Nr. U-40-9-69. lf) Siehe «Oie Stimme» Nr. i:w mH um. getan. Zehn Jahr« lang verbrachten sie in Versammlungen, in unnützen Protesten. Sie verschwendeten unser Geld, indem sie es für eich ausgahen, für Reisen und Vergnügungen, sie lebten von uns all diese Zeit in Wohlstand und Ueberfluß. Diese Menschen wußten ganz genau, daß wir für Selbständigkeit nicht reif sind, und daß wir, um einmal für sie reif zu werden, ganz anders arbeiten sollen.. Und dennoch haben sie sich um die Lage des Fellachen nicht gekümmert, wie es z. B. diie Juden tun. Im Gegenteil, sie begannen davon zu sprechen, daß es notwendig wäre, eine zweite Delegation nach London zu schicken und sagten, sie wollen es tun, weil sie die britische Regierung beeinflußen wollen, daß man d-ie Balfour-Deklaration ungültig erkläre und eine nationale Regierung in Palästina einsetze. Und das ist doch unmöglich, weil doch die Balfour-Deklaration in den Wortlaut des Palästina- Mandats aufgenommen wurde. Und das Palästina- Mandat wurde von allen Regierungen der dem Völkerbunde angehörigen Staaten bestätigt. Es ist also ein internationales Gesetz geworden, das England selbst nicht zunichte machen kann, Es war also ein Unsinn, die Zurückziehung der Balfour-Deklaration zu verlangen, von einem Staate, der sie nicht zurückzlehe» kann und der nur das Palästina-Mandat ausübt, Und wenn wir sogar annehmen würden, daß die britische Regierung bereit wäre, die Deklaration zu annullieren, würde doch der Völkerbund erklären: «Wenn England nicht gewillt ist, das ihm aufgetragene Mandat auszuilben, dann soll es Palästina verlassen und eine andere Regierung wird das Mandat verwirklichen , . .» Den Mitgliedern der arabischen Exekutive ist diese bittere Wahrheit zur Genüge bekannt und trotzdem belügen sie uns, sagend, wir werden erwirken, daß die Balfour-Deklaration ungültig erklärt wird. Und sie fuhren nach London, um vor dem Kolonialmiraster gegen die Palästina-Regierung zu protestieren, und gegen die Höhe der Steuern eine Beschwerde zu führen. Und es ist doch klar, daß man ihnen antworten mußte: «Kehret in euer Land zurück, trachtet, daß Friede im Lande herrsche, dann werden auch die Steuern kleiner werden. Arbeitet für die Hebung des Handels und dann kommt zu uns.» Und so kehrten wieder die Mitglieder der Delegation zurück, ohne irgendetwas erwirkt zu haben, und wir spendeten ihnen Beifall, ehrten sie, waren ihnen dankbar . „ . Ja, wenn die Führer unseres unglücklichen Volkes wirklich ihr Vaterland lieben würden und nicht immer nur Priva-tinteressen im Auge hätten, dann würden sie verzichten auf ihre Spaziergänge nach London und das gesammelte Geld für das Volk sparen. Sie würden im Lande wichtige und nützliche Werke gründen, würden in verschiedenen Institutionen ihre Söhne beschäftigen und könnten die Fellachen aus den Klauen der Wucherer befreien, könnten eine Agrarbank gründen für das Geld, was sic ausgegeben haben und noch immer ausgeben, um nach London spazieren zu fahren. Dann könnten sie auch verlangen von der Regierung, daß sie die mohammedanische Jugend in ihren Aemtern beschäftige, aber sie haben doch auf diese Aemter verzichtet zugunsten ihrer christlichen Freunde . . . Dieser Verzicht ist uns noch gut in Erinnerung. Es war im Jahre 1927, als bei einer Sitzung der arabischen Exekutive eines der mohammedanischen Mitglieder den Antrag stellte, daß man von der Regierung verlange, daß sie Mohammedaner in den Regierungsämtem beschäftige. Damals verließen alle christlichen Mitglieder der Exekutive zum Zeichen des Protestes diie Sitzung. Beschäftigt doch die Regierung in -ihren Aemtern 75 Prozent christliche Arbeiter. Und als unsere Führer sahen, daß die Christen die Exekutive verlassen haben, zogen sie ihren Antrag zurück. Dann erst geruhten die christlichen Mitglieder, in die Exekutive zurückzuikeh-ren. Wie lange noch werden wir der arabischen Exekutive glauben? Genügt uns noch nicht die zehnjährige Erfahrung? Ein Ministerium, das versagt, wird gestürzt, die Exekutive ist noch lange kein Ministerium und dennoch wurde sie bis jetzt nicht gestürzt. Zur Selbständigkeit wird man reif nicht durch Aufstände, sondern durch fruchtbringende Taten. Wir haben blutige Ereignisse im Lande hervorgerufen. Haben wir denn daduroh die Balfour-Deklaration zunichte gemacht? Ist es denn möglich, durch derartige wahnsinnige Ausbrüche sie zunichte zu machen? Was halben wir davon, daß wir die Juden morden? Die Balfour- Deklaration gibt ihnen das Recht, sich im Lande andusiedeln, ob wir es wollen oder nicht. Sollman denn seinen Bruder haßen, dessen Schicksal es ist, unter demselben Himmel zu leben? Wenn wir also die Selbständigkeit erreichen wollen, müssen wir folgendes tun: 1. Die heutige arabische Exekutive stürzen und anständigen, opferbereiten Männern, die gar keine Privatinteressen haben, die Arbeit für ihr Volk ermöglichen. 2. Sich fernhalten von jedem, der sich. zum Ziele gesetzt hat, Unfrieden im Lande zu stiften; mit den Zionisten in Frieden leben. 3. Dem Fellachen helfen und seine ökonomische Lage verbessern; Märkte suchen für unsere agrarische Produktion; verhindern, daß man aus dem Ausland« diese Produkte einführe. 4. Eine Agrarbank gründen, die den Fellachen niedrig verzinsliche Anleihen zur Verfügung stellen könnte. 5. Trachten, im Lande Industrien zu gründen, in denen unsere Arbeiter beschäftigt werden könnten. Das wäre wichtiger und leichter, als jetzt das Ausbeute ngsrecht des Toten Meeres zu verlangen, das wir keinesfalls bekommen können. 6. Von der Regierung fordern, daß sie in ihren Aemtern Mohammedaner beschäftigt. Wenn wir diese Arbeit verwirklichen, bin ich sicher, daß wir einen Aufstieg erleben werden, und dann wird auch die Balfour-Deklaration uns nicht schaden können. Wir werden sie nicht spüren, weil wir doch im Frieden mit den Juden leben werden. Wenn aber nach wie vor die arabische Exekutive die Leitung in ihren Händen behalten wird, wenn sie nach wie vor die vollständige Freiheit haben wird, zu machen, was ihr gefällt und wir schweigen werden, wie bis heute, dann ist es nicht ausgeschlossen, daß wir in der Zukunft unser Land werden verlassen müssen. (Fortsetzung folgt) Juden! Zionisten! Gedenket wahrend Eures sommeraurenthanes des Keren Kalemeth!

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