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Die Stimme · 1930-08-28 · Heft 140 (28.8.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 140 (28.8.1930)
Date
1930-08-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 140 .. —..... Kaufhaus Weinstuck gegründet 1899 Inhaber: Paul Weinstock Wien, II,, Untere Augartenstraße Nr. 13 Leopöldstätter Warenhaus der Zukunft Administration von. den Ereignissen hat überraschen fassen, erwiderte die britische Regierung, darin sei nichts Abnormales, weil ja die Unruhen nicht vorbereitet waren, wie dies die Mandatskommission ahnimmt. Die Reduzierung der Militärkräfte wurde auf Empfehlung des High Commissioners vorgenommen. Die britische Regierung gibt zu, daß die militärischen Kräste ungenügend waren, sie bestreitet aber, daß die Mandatskommission mehrmals vor einer einschneidenden Reduzierung gewarnt hat. Die Mandatskommission behauptet, daß die einheimischen Polizeielemente während der Unruhen, wie vorauszusehen war, versagt hatten. Aber die Mandatskommission kannte doch die Zusammensetzung der Polizei; wenn sie kein Vertrauen zu derselben hatte, warum machte sie die Mandatarmacht nicht rechtzeitig auf die Gefahr aufmerksam? Die britische Regierung kann nicht eine Methode billigen, die Landeseinwohner aus der Polizei ausschließt. , Die Mandatskommission erhebt gewisse Be* cchuldigungen wegen Nichterfüllung wichtiger Punkte des Mandates und scheint damit die weitghendsten jüdischen Thesen über die Bedeutung des Mandates sich zu eigen gemacht zu haben. Demgegenüber ist festzustellen, daß der Mandatarmacht nicht die Aufgabe auferlegt wurde/ das Jüdische Nationalheim zu errichten. — Diese Aufgabe fällt eigentlich den Juden, geführt von der Jewish Agency,/zu. Auf Grund dieser ihrer Bemerkungen kommt die britische Regierung zu dem Schlüsse, daß sie ihre Verpflichtung hinsichtlich der Entwicklung des Landes erfüllt hat. Die Mandatskommission hat die bereits geleistete Arbeit zur Entwicklung und Verbesserung der Lage in Palästina unerwähnt gelassen. Bisher hat die Mandatskommission niemals eine Unzufriedenheit mit dem erzielten Fortschritt bekundet. Die Bemerkungen der britischen Regierung schließen mit der Ankündigung, daß die britische Regierung den letzten Teil des Berichtes der Mandatskommission hin* sichtlich der zukünftigen Politik einer neuen,Prüfung unterziehen wird. (J. T. A.) Warburg bei Paßfield Wie wir bereits in der vorigen Nummer der «Stimme» berichtet haben, hat der britische Kolonialminister Lord Passfield an Felix Warburg, den Präsidenten des Administrativkomitees der Jewish Agency, eine Einladung zu einer Unterredung ergehen lassen. Warburg hat bekanntlich vor einiger Zeit bei dem britischen Botschafter in New York Vorstellungen erhoben, wobei er eine ernste Kritik an dem Verhalten der Mandatarmacht übte. Man vermutet, daß die vom Kolonialamt gewünschte Aussprache einer Klärung der britischen Palästinapolitik bringen soll. Warburg hat sich von Wiesbaden,, wo er zur Kur weilte, nach London begöben und wurde Freitag, den 22. August von Lord Pässfield empfangen. Vor der Besprechung mit Passfield hat Warburg eine Konferenz mit dem Vertreter des Board of Deputies D’Avigdör Goldshmith abgehalten. Montag, den 25. d. verließ Warburg London und begab sich nach Berlin zur Sitzuhg des Administrative Commitee. Gegen den Gesetzgebenden Rät in Palästina Jerusalem, 23. August. . «Doar Hajom» veröffentlicht einen scharfen Artikel gegen das Projekt, in Palästina einen Gesetzgebenden Rat zu schaffen. Das wäre, behauptet das Blatt, eine Liquidation des Zionismus. Die jüdische Bevölkerung Palästinas müßte die Wahlen zu diesem Gesetzgebenden Rat, wie auch die von ihm beschlossenen Gesetze und Steuern boykottieren. Der arabische Generalstreik — ein Fiasko J e r «i sä 1 e m, 24. August. (J. T, A.) Der gestrige arabische Proteststreik am Jahrestage des Ausbruches der Augustunruhen verlief in vollkommener Ruhe. Kaum die Hälfte arabischer Geschäfte war geschlossen. Das Organ des Großmufti «El Jansea et Arabia» wurde konfisziert wegen Veröffentlichung der Streikproklamation. Allei Kaffeehäuser, Restaurants, Gasthäuser usw, waren offen. Auch die Autodroschken waren wie gewöhnlich tätig. Die Araber erklären offen, daß der Streik eine lächerliche Angelegenheit w^r. DIE STIMME Seite 3 Vor dem Kongreß für das arbeitende Palästina JÜDISCHE ELTERN! Der Nestor der sozialistischen Arbeiterbewegung Eduard Bernstein hat dem Zentralbureau des Kongresses einen besonders herzlichen Brief zugeschickt, in dem er verspricht, am Kongresse teilzüneHmen. Der sozialistische Abgeordnete Louis Pierard wird auf dem Welfkongresse für das arbeitende Palästina ein Referat Über/Palästinamandat und der Völkerbund» erstatten. In Polen sind bis jetzt dem Zentralkomitee der Liga in Warschau bereits mehr ab 1Ö0 Personen gemeldet, die als Gäste am Weltkongreß teilnehmen wollen. - i . . - . ' . . .. ... , ■ Kauft Schulbücher für Eure Kinder nur in der ftttftscfiea Buchhandlung Marneau TlICtlllDf Wien, II«, Gr. Sftadtauta.» (Ecke Taborstraße 52) Tel. R-4I-4-20 Lehrbücher für alle Lehranstalten ln den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos! uie antisemitischen Exzesse in Rumänien und das Ausland Der Briefwechsel zwischen Luden Wolf und Grafenco von Chefredakteur Df. Manfred Reifer, Cemauti (Eigenbericht der «Stimme.) C e r n a u t i, im August. Es ist klar, daß die: gesamte jüdische Welt gegen die letzten antisemitischen Ereignisse in Rumänien Stellung nehmen wird; und ebenso selbstverständlich war es für uns, daß die rumänische Regierung durch die Duldung und stillschwvifc^nde Förderung der antisemitischen Bewegung in der gesamten zivilisierten Welt in ein schiefes Licht geraten, und daß Rumänien viel vom Ansehen und vom Prestige eines Kulturstaates einbüßen wird: Pies kann uns um so Weniger verwundern, als doch Rumänien heute das einzige Land, in der Welt ist,- wo die Juden unter den Augen der. pehörden verfolgt und mißhandelt werden. jf Der jüdische Parlamentsklub hat offen die Regierung an^eklagt und die -fcfcSSSaR. hrt-wieliariich nichts unterlassen, um zu beweisen, daß: alle Verbrechen, die an den Juden begangen wurden, bald offen, bald geheim, von.'der Regierung inspir i e rt w u r d e n.^Auf all diese Anklagen der rumänischen Juden gab die Regierung eine Antwort in Form von lügenhaften Kommuniques des Innenministeriums, welche soweit von der Wahrheit entfernt Waren, sie harmlos über die Geschehnisse berichteten, als ob es sich um kleine unbedeutende Zusammenstöße handeln würde. Diese Kommuniques riefen die tiefste Empörung bei der judenschaft Rumäniens hervor und erreichten genau das Gegenteil von dem, was sie bezweckten. Es war klar, daß diese Methode der Regierung eine scharfe Reaktion hervorrüfen wird, die in den Anklagen die Tatsachen vielleicht auch etwas übertreiben werde. Und so sind Gerüchte über die Unruhen in Rumänien im ganzen Auslände verbreitet worden, die qicht frei von Uebertreibungen waren, wiewohl sie sich überall an das Tatsachenmaterial hielten. /»‘Die rumänische Regierung beeilte sich sofort durch ihre Pressebureaus im Wege der Gesandtschaften diese Gerüchte zu dementieren und schlug dabei den Weg des anderen Extrems ein, indem sie glatt alles ableugnete und die Exzesse geradezu auf ein wirtschaftliches Nebengeleise abzuleiten suchte. Diese Methoden zeigten sich als nicht zweckentsprechend und durchaus verfehlt. In der am 23. Juli in Bukarest abgehaltenen Reichskonferiejsjiz/ der jüdischen Gemeinderepräsentanzen würde in kfärefi. und unzweideutiger Form, gegen die Regierung die Änidä^e erhoben; daß sie alle Exzesse geduldet und für, altfe Geschehnisse allein zur Verantwortung zu ziehen ist. Inzwischen beeilten sich die großen jüdischen Organisationen-iies Auslandes, ihre Vertrauensmänner nach Rumänien zu, ent§ehden, um an Ort . und Stelle Erhebungen zu pflegeiL Ein Sturm ging im ganzen Auslande gegen die rumänische Regierung los. Es protesierte der American Jjewish Congres, das American Jewish Committee, der Hijfsverein der Deutschen Juden, die Alliance Jsraelite Universelle in Paris und der Jewish Board of Deputies, der Joint Foreign Committee, die Anglo-Jewish-Association in England, alle repräsentive Körperschaften, welche in ihrem Lande, in der internationalen Weit und auch beim Völkerbund einen Einfluß besitzen. Uns liegt die Korrespondenz vor, die der Generalsekretär des Jewish Board of Deputies ®nd the Anglo-Jewish Association, Herr Lucie Wolff mit dem Unterstaatssekretär des Aü$,wirtigen Amtes, Herrn Grafenco, im Wege der rumänischen Botschaft in London betreffend die letzten Judenexzesse in Rumänien geführt hatte, die in einem solchen Geiste abgöfaßt ist, daß es den Eindruck erwecken muß, dio Regierung sei an den Ereignissen unschuldig, welche das Werk einiger unreifer Elemente sind. Liest man die telegraphische Antwort des Unterstaatssekretärs Grafenco an Luden Wolff, so kommt man zum Schiß: entweder ist die Regierung von ihren unteren Behörden falsch informiert, oder informiert sie bewußt selbst falsch. Was soll das bedeuten, wenn Herr Grafenco drahtet, daß die Unruhen erst seit der Wahl Cuzas eingesetzt haben, daß sie das Werk einzelner unverantwortlicher Elemente seien, daß sie keinen antisemitischen Charakter tragen, sondern wirtschaftliche und soziale Hintergründe haben. Und zum Beweis für diese Behauptungen fühft! Herr Unterstaatssekretär Grafenco an, daß in Succava die, rein rumänische Bank «Sucevei», die rumänische Natiohalbänk und die Finanzadministration von den aufrührerischen Bauemmassen angegriffen Und geplündert wurden. Woher Herr Grafenco diesen Bericht hat, ist uns allen unverständlich und unerklärlich. Schreiber dieser Zeilen hat nach den Ereignissen sofort Succava besucht und festgestellt, daß Plünderungen bei Juden durchgeführt wurden, daß Juden mißhandelt wurden und fand nirgends auch nur eine Spur davon vor, daß rumänische Banken und die Finanzadministration geplündert wurden. Dieser Bericht des Herrn Grafenco gehört ins Reich der Phantasie. Aber auch den «jüdischen Wucher» als Ursache für die Ausschreitungen gegen die Juden anzuführen, ist eine; vollkommene bewußte Entstellung der Tatsachen. Jh Gegen- : wart des Generalsekretärs des Innenministeriums Cadere wurde eine Bank-Enquete in Succava durchgeführt und ein- deutig festgestellt, daß die jüdischen Großbanken mit der Bauernbevölkerung keine Wechselgeschäfte tätigen und daß! die bäuerliche Bevölkerung hauptsächlich unter der Wucherlast der rein - rumänischen Banken zu leiden hat. J^nd zum Schluß muß noch auf eine Stelle in diesem Telegramme hingewiesen werden: Die rumänische Regierung sucht aus der Tatsache, daß die Judenschaft Rumäniens politisch nicht geeint ist, Kapital zu schlagen. Wie- : der eine falsche Methode. Es ist wahr, daß der jüdische Pariamentsklub (im Kampfe mit der U. E. R. stellt, allein in einem Punkte sind beide sich bekämpfende jüdische Parteien doch sicherlich einig, daß die Regierung diese Ausschreitungen geduldet hat und daß der Innenminister Vaida Voevod gemäß den letzten Enthüllungen des «Viitorub die ganze antisemitische Bewegungausdengeheimen Fonden subventioniert hat. Beide politische Parteien klagen die Regierung an und beide ziehen dieselbe zur Verantwortung. Warum also politisch Kapital aus dieser Uneinigkeit schlagen? Man könnte ja noch auf einzelne Details in diesem Telegramme Grafencos eingehen und feststellen, daß ein ordentliches Gericht Codreanu befreit hat, daß alle Welt die Hetzer und Aufwiegler sieht, nur nicht das Auge der Regierungsorgane, daß noch heute die Judenschaft im Lande unter einer schweren Depression leide, daß noch jetzt Uebergriffe Vorkommen und daß die Regierung noch nichts getan hat, um den Schaden wieder gutzumachen. Mit Kommuniques und mit Erklärungen des Innenministers ist uns lange nicht geholfen. Wir fordern wahrheitstreue Berichte. Wir verlangen die sofortige Inangriffnahme der Arbeiten für den Wiederaufbau der zerstörten Ortschaften und den vollständigen Schutz für Leben und Eigentum derjüdi sehen Bevölkerung in diesem Lande. Wenn Herr Vaida Voevod aus unseren jüdischen Steuermitteln die Organisationen unserer Todfeinde und ihre Haß, Mord und Todpredigende Presse subventionieren kann, dann muß er sich doch endlich aufraffen, die zerstörte Borsa und Baleceana aufzubauen. Wir Juden haben es satt, unsere Wunden mit Kommuniques zu heilen, wir fordern Taten. f Die Zeitung «Vfitorul» erklärt, Beweise in Händen zu haben, daß der Innenminister Vaida-Voevod die antisemitischen Agitatoren aus den Fonds des Außenministeriums unterstützt hat. «Vfitorul» schreibt wörtlich: «Die Summe, welche aus dem Fonds des Außenministeriums den antisemitischen Agitatoren übermittelt wurde, Hit auf den Namen der Organisationen und der Zeitschrift «Garda de fler» des Corneliu Zelea Codreanu angewiesen worden. Der Zahlungsauftrag wurde Ende des Monates Juni ausgefolgt.» «Vfitorul» erklärt sich bereit, dem Innenminister Vaida auch mitzuteüen, wer diesen Betrag einkassiert hat und wann dies geschehen ist. Die große liberale Zeitung «Adeverul» reproduziert-die Kopie einer Autorisation, die vom Innenministerium ausgestellt ist und für die Gewährung von Freifahrten auf der Eisenbahn gilt. Es erregt allgemein große Verwunderung, daß Vaida Voevod bisher auf die gegen ihn. erhobenen schwerwiegenden Beschuldigungen nichts erwidert hat. Je 15 Tage Gefängnis für die mazedo-mmänischen Studenten Bukarest, 23. August. (J. T. A.) Die sieben mazedorumänischen Studenten, die dem Attentat gegen den Uhterstaatssekretär Anghelescu Vorschub geleistet haben, wurden zu je 15 Tagen Gefängnis verurteilt. Ausschreitungen im Balti-Kreis Und in Bessarabien Die oppositionelle Zeitung «Adeverul» meidet aut Bessarabien, daß im Balti-Kreis, wo die Juden schon frühei unter dem Terror der Antisemiten gestanden hat, und wc mehrmals schwere antisemitische Ausschreitungen stattgefunden haben, aufs neue antisemitische Exzesse ausgebro-

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