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Die Stimme · 1930-03-13 · Heft 117 (13.3.1930) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 117 (13.3.1930)
Date
1930-03-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 117 DIE STIMME Seite 9 nechanisch gelesen und übersetzt, so ist das Ergebnis kaum besser als beim Religionsunterricht. Die Bibelschule muß lehraisiert und intensiviert werden. Die bestehenden Sprach- «nd Bibelschulen und Talmud-Thoras müssen von der Gemeinde so dotiert werden, daß der Unterricht ganz unentgeltlich erteilt werden könne; sie sollen auch mehr kontrolliert und inspiziert werden. Neue hebräische Z e n t r a I b ii b e 1 s c h u 1 e n müssen in den judenreichen Bezirken errichtet werden, kleinere an der Pheripherie, für Jede Schule ein verantwortlicher Leiter bestellt werden. Die guten Erfahrungen, die die Gemeinde mit der Hebraisierung Ihrer größten Bibelschulc in der Othmargasse gemacht hat, sollte konsequenterweise zur Hebraisierung auch der anderen Bibelschulen führen. Ich stelle mit Genugtuung fest, daß meine diesbezügliche beharrliche Forderung in der Unterrichtskommission in diesem Schuljahr zum Teil erfüllt wurde: Die Gemeinde bat fünf neue Bibelschulen errichtet und so 350. Kinder wieder erfaßt. Die Institution des Jugendgottesdienstes am Samstag nachmittags ist für die auch am Sabbat die öffentliche Schule besuchende Jugend von großer Bedeutung. Aber auch diese muß ausgebaut und nach amerikanischem Vorbild mit dem sogenannten «seif government» der Jugend, wo diese selbst ihre Gottesdienste abhält, wobei sic lernt, selbst als Vorbeter, als Chor und im Thora-Leinen mitzuwirken, eingerichtet werden. Diese Art des Jugendgottesdienstes, die auch in Frankfurt a. M., Hamburg, Luzern u. a. eingeführt ist, belebt das Interesse der Jugend ganz anders als die hier übliche. Ich habe auch hier an der von mir gegründeten hebräischen Sprach- und Bibelschule beim polnischen Tempel den Jugendgottesdienst, an dem allsabbatlich 100 Knaben teilnehmen, so eingerichtet, daß nur der Lehrer und die Schüler mitwirken und dabei die Vorzüge dieser Art gegenüber den schematischen, von den Kantoren zelebrierten Jugendgottesdiensten in anderen Tempeln, feststellen können. Aber auch für die der Schule entwachsenen, bereits am Beginn der Berufstätigkeit stehenden jungen Menschen muß ein Zentrum geschaffen werden mit der Zielsetzung, ihnen eine lebendige Beziehung zu echten jüdischen Gütern zu geben und sie lebendiger jüdischer Gemeinschaft einzuordnen. Hier sollen sich junge Menschen der verschiedensten Richtungen treffen in der Atmosphäre der gemeinsamen Achtung und sich mit hebräischer Sprache und l.iteratur, jüdischer Geschichte, jüdischer Musik, jüdischer Philosophie, Wohlfahrtsarbeit und sozialer Pflege befassen. Der Ansatz dazu ist im «Jüdischen Zentrum» in der Unteren Augartenstraße vorhanden. Wenn unsere Gemeinde schon nicht selbst Initiatorin ist, so soll sie doch wenigstens die vorr handenen Energien ordnen, die von außen an sie herangetragenen Fordeningen erfüllen und von anderen Faktoren Inauguriertes befestigen und ausbauen. Wir In Wien sind in der Gemeindestube nur eine Minorität. Wir tragen trotzdem mit die Verantwortung und unsere Mandatare arbeiten Jm Präsidium und in den Kommissionen eifrig und sachkundig, zum Teil mit Aufopferung mit. Aber um unser Erziehungsprogramm müssen wir schwer kämpfen und bedürfen der Unterstützung .der breiten jüdischen öeffentlichkeit, die uns durch ihr bekundetes Interesse an diesen Problemen in der Durchsetzung helfe. Der Majorität aber sagen wir: Caveant consules! Mögen uns Weltanschauungen trennen, mögen wir in bezug auf die Zukunft des jüdischen Volkes verschiedener Meinung sein, eines haben wir gemeinsam: unsere Kinder, unsere Jugend, die wir alle, alle dem Judentum erhalten wissen wollen. Die Geschichte wird entscheiden, wer recht behalten wird, die Zionisten oder die Herren vom «Deutschen Kulturkreis». Wir glauben zuversichtlich anden Sieg der Bewegung, welche die Inkarnation des jüdischen Willens ist zum Wiederaufbau seines Volkes und seines Landes, zur Wiederaufrichtung der jüdischen Würde, zur sozialen Umschichtung, zur Rückkehr zur Scholle, zur Wiederbelebung der hebräischen Sprache, mit dem Endziel der Wiedererrichtung des jüdischen Nationalheims, des Judenstaates in Erez Israel. Mögen jene anders denken und hoffen, aber unsere, ihre Jugend darf nicht weiter aus Verschulden der Gemeinde der Entjudung verfallen! Caveant consules! «. . . Und wenn manche die heilige Sprache nicht verstehen und ihre Rinder in derselben nicht erzogen haben, das ist ja schon an und für sich sehr schlecht un4 traurig, unsere reine und schöne Sprache zu verschmähen, dieselbe von sich zu werfen, da sie ihren Kindern dieselbe nicht beibringen. Und es gereicht uns zur Schande unter den Völkern, daß jede Nation in ihrer eigenen Sprache spricht und dieselbe liebt und wir sollen unsere heilige Sprache vernachlässigen? Man unterrichtet die Kinder Französisch, Latein und Aehnliches und man vernachlässigt die eigene Sprache. Oh weh! Das soll Eure Weisheit und Eure Kultur in der Völkerfamilie sein? . . .» Rabbi Akiba Eiger. (A'.s einem Briefe an das Hamburger Rabbinat vom Jahre 1819.) Xeopoid fdkisdta Wien, H., Krurambaumgasse 1 Telephon R 47*2-63 offeriert sämtliche Spezerei waren bestens und billigst. Provinzversand. Sammlungen der jüdischen Gemeinde in Wien Von Saul Chajes, Archivar der israelitischen Kultusgemeinde zu Wien. Um Leistungen von Personen oder Institutionen ihrem wirklichen Werte nach richtig einzuschätzen, ist es erforderlich, dieselben zu kennen. Während sonst die Anstalten unseicr jüdischen Gemeinde in der großen Öeffentlichkeit, mehr oder weniger bekannt zu sein scheinen, hat von ihren interessanten und sehr wertvollen Sammlungen, der Bibliothek und dem Archiv, nur ein kleiner Kreis Kenntnis. Zweck dieser Zeilen ist es, der jüdischen Öeffentlichkeit ein Bild dieser Institutionen zu geben, ihr Entstehen und ihre Entwicklung zu schildern und die Mitglieder unserer Gemeinde mit den hervorragenden Leistungen auch auf diesem Gebiete wenigstens teilweise bekannt zu machen. Bibliothek: Den Grundstein zur Errichtung einer jüdischen Gemeinde-Bibliothek legte merkwürdigerweise ein Christ, der bekannte Buchdrucker Anton Schmid, der im April 1814 den Vertretern der Wiener Judenschaft zum Zeichen seiner größten Hochachtung und in Dankbarkeit «für die ganze israelitische Nation», je ein Exemplar von den, von ihm seit mehreren Jahren in Druck gelegten und noch vorrätig vorhandenen hebräischen Büchern, in sehr feinem Einband, überreichte, mit der Bestimmung, dieselben im Bethause im Dämpfingerhofe aufzustellen. Laut der in der Gemeinde befindlichen hebräischen Schenkungsurkunde, befanden sich in dieser Widmung 133 Bände. Diese Sammlung, vermehrt durch eine Schenkung von 50 Bähden, des- Hermann Dukes, bildete bis zum Jahre 1850 den ganzen Bestand der Bücherei der Wiener Juden. Erst im Jahre 1850 erfuhr die Bibliothek durch die Bemühungen des Religionslehrers Leopold Breuer eine Erweiterung. Ueber dessen Vorschlag bewilligte der. Vorstand für die Bücherei, die als Gemeinde- und Schulbibliothek bestimmt war, eine jährliche Dotation von 60 Gulden. Außerdem richtete der Vorstand auf Veranlassung des damaligen Sekretärs und Archivars Dr. Ludwig August Frärikl ein Gesuch an die Oberste Polizeibehörde, jene hebräischen und auf das Judentum bezüglichen deutschen Werke, die als Pflichtexemplare an dieselbe abgeliefert und zu amtlichen Zwecken nicht verwendet werden, der Bibliothek der Wiener Religionsschule zu überlassen. Das Gesuch wurde bewilligt. Die Zuwendung der Polizeibehörde bestand zumeist aus in Galizien und Ungarn gedruckten talmudisch-halachischen oder kabbalistischen Werken. Aber all das vermochte nicht die Bestände der Bibliothek, die auch schon katalogisiert wurden, beträchtlich zu vermehren. Auch durch die Bemühungen des späteren Oberrabbiners Adolf Jellinek, der als Direktor der Religionsschule die Oberaufsicht über die Bibliothek ausübte, konnte die Sammlung nicht in dem gewünschten Ausmaße erweitert werden. Erst dem gelehrten Religionslehrer Prof. Samuel Hammerschlag, der im Jahre 1857 die Leitung der Bibliothek freiwillig übernommen hatte, gelang es, die Sammlung der Bibliothek systematisch zu vergrößern. Dieser erste Bibliothekar verstand es, den Gemeinde-Vorstand zu bestimmen, die Dotation von Zeit zu Zeit zu erhöhen. Während dieselbe noch 1853 100 Gulden ausmachte, stieg sie im Jahre 1857 auf 150, 1864 auf 200, 1883 auf 500, 1897 auf 750 Gulden usw. Ebenso sahen sich dank seinem Einfluß viele Gemeindemitglieder zu größeren Schenkungen an die Gemeinde-Bücherei veranlaßt. Im Jahre 1864 wurde für die Bibliothek der erste hebräische Katalog, der mit Recht als wissenschaftliche Leistung bewertet werden darf, von der Hand des in der Bibliothek vorübergehend beschäftigten, bekannten jüdischen Gelehrten Salomo Gottlieb Stern (1807—1883) angelegt. In der ersten Zelt war die Bibliothek in einem kleinen, engen Kabinett untergebracht. Die Bücher mußten in Doppelreihen aufgestellt werden, was die Benützung derselben naturgemäß erschwerte. Da der kleine Raum kaum vier Personen Platz bieten konnte, war die Benützung der Bibliothek nur im Wege der Entlehnung möglich. Trotzdem hatte schon damals jeder, der sich mit jüdisch-wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigte, die Bibliothek der jüdischen Gemeinde benützt Im Jahre 1880 wurde zum ersten Male ein kleines Schulzimmer als Leseraum eingerichtet, der sechs Stunden wöchentlich geöffnet war. Im Winter 1888 richtete der Bibliothekar Prof. Hammerschlag an den Vorstand die Bitte, man möge ihm, mit Rücksicht auf eine schwere Erkrankung, die eine dauernde Gesundheitsstörung zur Folge hatte, einen Hilfsbeamten beistellen, worauf im Herbst 1889 Dr. Bernhard Münz ,zum Amanuensis ernannt wurde. Trotz seiner Krankheit setzte Prof. Hammerschlag seine Arbeit für die Bibliothek in idealer und uneigennütziger Weise bis an sein Lebensende fort. Im Jahre 1893 wurde ein größerer Leseraum eingerichtet und die Bibliothekszeit beinahe verdoppelt. Nach dem Ableben Professor Hammerschlags (1903) wurde die Leitung Dr. Münz übertragen, der an der Bibliothek bis zu seinem 1919 erfolgten Tode wirkte. Im Jahre 1903 wurde der jetzige Bibliotheks- Direktor, Regierungsrat Dr. Bernhard Wachstein, als Amanuensis bestellt. Mit dem Eintritte Dr. Wachsteins in die Bibliothek begann für diese eine neue Epoche. Zusehends vermehrten sich die Bibliotheksbestände, teils durch Käufe, teils durch» Schenkungen. Das ständige Wachstum der Bücherei erforderte auch eine Erweiterung der Bibliotheksräume. Im Jahre 1906 übersiedelte die Bibliothek in den zweiten Bezirk und bezog das ganze erste Stockwerk des Gemeindehauses in der Ferdinandstraße 23, wo sie sich noch heute befindet. Während der Kriegsjahre übernahm Dr. Wachstein die Leitung der Bibliothek. Die von ihm verfaßten wissenschaftlichen Kataloge, über die von Salo Cohn gemachten Schenkungen aus den Sammlungen des Gelehrten HaIberstam7Bielitz und des Rabbi Friedmann- ALBERT HARDT WIEN, I., FREISINGERGASSE N*-1 (Sehe BauernmarM) Original englische Damenmänlel und Herrertmodesloffe Sadagora, verschafften der Bibliothek einen Weltruf. — Der jetzige Bibliotheks-Direktor hat es verstanden, mit Unterstützung der ihm zur Seite stehenden Beamten, die Bibliothek auf das Niveau zu bringen, auf dem sie sich jetzt befindet. Die Bibliothek der Wiener jüdischen Gemeinde ist jetzt nicht nur zu einem Mittelpunkt des geistigen jüdischen Lebens in Wien, sondern zu einem Zentrum der jüdischen Wissenschaft im Allgemeinen geworden. Mit ausländischen wissenschaftlichen Instituten wird ein reger Verkehr gepflegt. Das System der Katalogisierung der Gemeinde- Bibliothek kann auch anderen jüdischen Bibliotheken als Muster gelten. Jeder Laie ist in der Lage, sich in kürzester Zeit über alles fachgemäß zu orientieren. Wenn diese Kataloge einmal in Druck erscheinen sollten, werden sie unserer Gemeinde Ehre verschaffen und der Wissenschaft einen großen Dienst erweisen. Vorläufig sind außer den zwei erwähnten Katalogen der Cohn’schen Schenkungen nur noch eine Bibliographie der Gedächtnis- und Trauervorträge in zwei Folgen und ein Verzeichnis der Spinoza-Literatur in Druck erschienen. (Eine dritte Folge der Bibliographie der Gedächtnis- und Trauervorträge erscheint demnächst.) Unter der jetzigen Leitung wurde die Zahl der wöchentlichen Lesestunden auf 36 erhöht. Durch die Ueberlassüng der Bibliqtheksräume und wegen mangelnder Sicherung gegen Feuersgefahr, mußte im Jahre 1926 ein Teil der Bibliothek in den Parterrelokalitäten desselben Hauses untergebracht werden. Die Bibliothek besitzt auch eine große Anzahl von seltenen alten Werken (darunter 32 hebräischen Inkunabeln). Im Jahre 1925 veranstaltete die Bibliothek anläßlich des XIV. Zionistenkongresses in Wien eine Ausstellung der vorhandenen Erstdrucke der verschiedenen Druckorte. Eine besondere qualitative Vermeherung des Bestandes ijt der letzten Zeit bedeutet der Ankauf der wertvollen Handschriften der hiesigen israelitisch-theologischen Lehrn>u.Lalt im Jahre 1926. Dieselbe Sammlung hat nicht nur antiquarischen, sondern auch einen hohen wissenschaftlichen Wert. Durch ihren Uebergang in den Besitz der Gemeinde- Bibliothek ist diese Handschriftensammlung einem größeren Kreise zugänglich gemacht worden. Im vergangenen Jahre wurde die Bibliothek von 9321 Personen besucht, an die 17.187 Werke in 24.422 Bänden ausgegeben wurden. Die Zahl der Entlehnungen betrug 2059 Werke, bezw. 2623 Bände. Archiv: Ich will auch einige Worte dem Archiv unserer Gemeinde widmen. Während die Bibliothek in den letzten Jahren eine gewisse Popularität erworben hat, wird dem Archiv, welches ebenfalls unschätzbare Kultur werte in sich birgt, picht jene Aufmerksamkeit zugewendet, wie es das Interesse des gesamten Judentums erheischen würde. /Man pflegt zu sagen: ein Archiv gehört der Vergangenheit, die Sammlung von alten, vergilbten Papieren und ist eine Sache der Pietät. Im Alltagsleben hat die Gc\... .ide, die infolge der allgemeinen kritischen finanziellen Lage um die Bedeckung des Budgets kämpft, andere Sorgen. Schon der Anlaß der Gründung dieses Institutes bezeugt seine Notwendigkeit Am 17. Juni 1792 wurde der Wiener Judenschaft gestattet, aus der Mitte der Tolerierten, Bevollmächtigte, sogenannte Vertreter zu wählen. Behördliche Erlässe, die an diese Vertreter gelangten, standen in krassem Widerspruch zu den früheren Begünstigungen, die in früheren Erlässen enthalten waren, wurden glatt abgeleugnet. Aus diesem Grunde wurde in der Sitzung vom 30. Juni 1816 von den Vertretern der Beschluß gefaßt, den Aktuar Markus Stern zu veranlassen, alle Aktenstücke, die in Angelegenheit der hiesigen Israeliten ergingen, zusammenzufassen, «um sie zu einem gewissen Gebrauche zu verwenden». Die Ausführung des Auftrages scheint sich jedoch verzögert zu fl oma*? niiö mSeita I Palästina-Orangen I und I Palästina-Weine B zu den billigsten Preisen liefert direkt ins Haus I SAMUEL HALPERN I Wien, 11., FSntergaue 6 Telephon-Nr. R-40-4-12

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