Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 117 (13.3.1930)
- Date
- 1930-03-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 OIE STIMME Nr. 117 , .■ vr-.’ ■ wellDerQhmlen amrrlhanlsdien sind bereits eingetroffen und werden in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich sein mxtrwiwiND müü-yaa'nw’JNö PlüNIStBEWIIZ MÜTIOS -VEBTRUB Wien, 2. Bczlrh, Fugitadigassc Nr. 24 (NordbalinsfraOe 38) Telephon Nr. R 25-9-32 und ß 48 9 82 Filfate: lg. Frost, 2. Bez., Haidgassa 9, Telephon Nr. A 41-8-64 rorfd haben, denn am 31. Oktober 1827 wurde in der Vertretersitzung neuerlich beschlossen, den Aktuar Vcith zu beauftragen, in dem zweiten Schulzinuner des gemeinschaftlichen Hauses Nr. 49-1 einen Schrank zur Unterbringung der Registratur nufzustellen, worin alle Dekrete, Zustellungen, Korrespondenzen, Berichte, Gesuche, Aeunerungcn etc. «aufzubewahren seien, und darüber förmliche Register zu führen. Dieses Register, resp. das gemeinschaftliche Archiv, sollte unter Aufsicht des Aktuars bleiben, der für die Ordnung und Evidenzhaltung aller vorhandenen und später einlangenden Urkunden etc. verantwortlich war. Den Charakter eines Archivs erlangte die Registratur erst dank den Bemühungen des Sekretärs Ludwig August Frankl, der in den Jahren 1840 und 1841 zum erstenmal eine Sichtung des vorhandenen Materials vorgenommen und für die Unterbringung der Afchivnlien den damaligen Verhältnissen zweckdienliche Räume im Gemeindehause erwirkt hat. Besondere Verdienste hat sich der Archivar Siegmund Husserl erworben, der von 1905 bis 1912 das Archiv leitete. --- Von 1913 bis 1925 leitete das Archiv Dr. Pink.as Heinrich. -- Im Jahre 1925 wurde uns Gemeindearchiv einer Reorgar.isaoitn unterzogen, um dir Materialien für die wissenschaftliche Forschung besser i:('nützbar zu machen. Mit der Ordnung und Leitung wurtU Schreiber dieser Zeilen betraut. Durch die Anlage von Zettelkatalogen und Standardbüchern ist eine rasche Orientierung in den vorhandenen .Materien ermöglicht worden. Das Archiv wird oft von jüdischen und nichtjüdischen Gelehrten beniit/t. und viele Studierende nehmen das noch vielfach unbekannte Material für ihre Doktorarbeiten in Anspruch. «Unsere Weltanschauung ist in jüdischer Geschichte und Religiosität verankert. Was von liberaler Seite gegen Palästina gesagt wird, kann nicht aus religiösem Empfinden stammen. Palästina ist auch für den jüdisch-religiösen Geist das letzte Hochziel, Palästina-Liebe und Palästina-Hoffnung sind im jüdischen Volke durch die Jahrtausende tief verankert. Wer gegen sie redet, spricht gegen Religiöses und Geschichtliches. Baeck hat gesagt, daß für uns der Primat des Judentums eine Selbstverständlichkeit ist. Unser Deutschtum ist hundert Jahre alt. Ich weiß nicht, ob man aus irgendeinem Grunde eine tausendjährige Treue brechen soll, die auch die Garantie dafür gibt, daß man die hundertjährige Treue hält.-* Dr. Alfred Klee. (Aus einer Rede i. d. Berliner Repräsentantenversammlung.) Die Bibelschule wie sie ist und wie sie sein soll Von J. Herzberg. Es ist eine bekannte Tatsache, daß Elternhaus und Schule gemeinsam miteinander und nicht gegeneinander bei der Erziehung des Kindes arbeiten sollen, indem sie sich ergänzen und dadurch die richtige und für das Kind geeignete Umgebung wählen und bestimmen können. Jeder jüdische Lehrer, der sich mit der jüdischen Erziehung in Wien ernstlich befaßt hat, muß mit Schrecken feststellen» daß bei der Erziehung des jüdischen Kindes diese drei Hauptfaktoren — Elternhaus, Schule und Umgebung — entweder zur Gänze, fehlen oder nur von kleiner Bedeutung sind. Das jüdische Haus ist leider unjüdisch geworden. Aus welchem Grunde diese Er.tjudung gekommen ist, ob durch die schlechte materielle Lage der jüdischen Ellern oder unter dem Einfluß einer falschen Ideologie, soll hier nicht untersucht werden. Allein von einer jüdischen Erziehung Im Elternhause kann schwerlich gesprochen v/erden. Wie oft muß der jüdische Lehrer das Fehlen der primitivsten Begriffe von jüdischen Dingen beim Kinde wahrnehmeh. Die Schule, der zweite Faktor der Erziehung, hat mit der rein jüdischen Erziehung nichts Gemeinsames. Es sind für den Religionsunterricht ein bis zwei Woclienstunden bestimmt. Es kann daher von einer jüdischen Erziehung in der Schule, wie sie in Wien beschaffen ist, gar keine Rede sein. Höchstens kann der Religionslehrer dem Kinde das Hebräischlesen oder sehr wenige Brocken aus der biblischen Geschichte beibringen. Und so steht das jüdische Kind nach Vollendung der Volksschule bar jeder jüdischen Erziehung und jüdischer Kenntnisse. Diese trostlose Lage ist schon seit langer Zeit bekannt. Um dem abzuhelfen, wurde die Errichtung von Bibelschuicn in die Wege geleitet. Die Bibelschule, die hauptsächlich für Kinder der Volksschule bestimmt ist, hat somit den Zweck, das jüdische Kind mit dem Judentum vertraut zu machen. Als Mittel zu diesem Zwecke wurde die Einführung in das jüdische Schrifttum gewählt. Die Bibelschule in ihrer jetzigen Form hat aber bisnun ihren Zweck, wenn auch nicht zur Gänze, verfehlt, so doch nur in kleinem Maße erreicht. Die Gründe hiefür sind folgende: Erstens die Anwendung der alten Methode. Daß diese Methode falsch ist, ist schon des öfteren bewiesen worden. Zweitens: Da der Unterricht in der Bibelschule sich fast nur auf das Hebrüischlcsen erstreckt, fehlt dem Kinde, v/ie auch den Eltern, jedes Interesse liiy diese Institution. Drittens, weil die Kinder die Ibelschule nicht aus freien Stücken besuchen und auch die dem diesen Besuch nicht immer für notwendig erachten. Vr betreffende Religionslehrer, wenn er zufällig auch der hr:r der Bibelschule ist, bringt eigentlich die Kinder ■: -: r x ’ U« j . Daraus ergibt sich, daß ein fortlaufender Besuch der Bibelschule fast nicht besteht, da mit dem Wechsel der Lehrer auch ein Wechsel der Kinder vor sich geht. Der Erfolg ist somit ein minimaler und ein undauerhafter. Um die Bibelschule so zu gestalten, daß sie wirklich eine Stritte für die Pflege des Judentums und jüdischen Wissens werden soll, gibt es nur folgende Mittel: 1. Einführung der neuen und modernen Methode in der Volksschule sowie in der Bibelschule, wodurch dem Kinde nicht das mechanische Syllabisieren, sondern ein verständiges Hebräischlesen beigebracht wird. 2. Die hebräische Sprache als Unterrrlchts- und VortravHsprache einzusetzen. Auf diese Weise werden dem Kinde die Pforten zum jüdischen Schrifttum geöffnet und das Interesse wachgerufeiw 3. Einberufung der Lehrer der Bibelschulen und der Eltern der Kinder zu gemeinmsamen Beratungen. Der Erfog solcher Beratungen kann von großer Bedeutung werden, nicht nur für das jüdische Kind, sondern auch für die jüdischen Eltern, indem sie angeregt werden, ein jüdische*. Haus und eine jüdische Umgebung zu schaffen. 4. Eine rege und gesteigerte Propaganda für den Besuch der Bibelschule und der Erlernung der hebräischen Sprache. Denn jedes Kind, das Hebräisch gelernt hat, wird für immer dem Judentum Treue und Liebe bewahren. «z. . . Nun haben Sie mir eine in deutscher Sprache und Schrift gedruckte Broschüre geschickt, mit der gleichzeitigen Entschuldigung, daß Sie hiezu gezwungen waren, damit das Volk, welches des Hebräischen unkundig sei, verstehe. Ich sage Ihnen, daß — obwohl Sie Recht haben mögen, daß dies ein Erfordernis der Zeit sei — dies meines unmaßgeb enden Erachtens trotzdem nicht berechtigt ist, daß Rabbiner, welche auf dem Richterstahl sitzen, Gott fürchten und Seinen Namen achten, welche berufen sind die Kinder Israels za hüten, die Religion zu stärken, damit wir in unserem Glauben und in unserer Sprache leben, daß diese Rabbiner eine Kundgebung erlassen und in Überwiegender Anzahl in deutscher Sprache fertigen. Denn es hat den Anschein, daß sie Gott behüte die heilige Sprache verachten und zugeben, daß dieselbe, in dieser Zeit nicht notwendig sei, daß man nur in Sprachen der Völker sprechen möge, unter deren Schutz wir wohnen. Wer eigentlich soll sich befleißen, seinen Sohn hebräisch unterrichten zu lassen, wenn er zusieht, daß gottesfürchtige Rabbiner sich einer fremden Sprache bedienen?! . . .* Rabbiner Abraham Samuel Benjamin Sofer (Ktaw-Sofer). (Aus einem Briefe an Rabbiner Jakob Etlinger in Altona aus dem Jahre 1845.) Jugend und Kultusgemeinde Von Dr. Henriette Rappaport, jugendreferentin des Zionistischen Landeskomitees. Die Erziehung der Jugend ist die vornehmste Aufgabe jeder Generation. Immer war es und ist es Pflicht der Aelteren, die Kinder auf den Lebensweg vorzubereiten, ihre Eigenart mitzubestimmen, um sie zu Fortsetzern und Neuschöpfern der Gemeinschaft zu machen. Während aber früher die Erziehung Privatsache des einzelnen war, wird sie jetzt immer mehr und mehr zu einer öffentlichen Angelegenheit. Dies ma«g zum Teil mit den materiellen Verhältnissen Zusammenhängen, die dem einzelnen nicht die notwendige Zeit und nicht die Mittel übrig lassen, um das Kind den gewünschten Lehrgang gehen zu lassen. Hauptsächlich aber hat diese Erscheinung ihren Grund in der veränderten sozialen Einstellung unserer Zeit. Der Mensch ist aus seiner Vereinzelung herausgehoben und in die Gemeinschaft gesetzt, er strebt nach Ausbildung seiner Persönlichkeit durch die Gemeinschaft und erhofft die Erfüllung seines Menschtums durch die anderen und mit den anderen. Aus dieser neuen Einstellung heraus ist die Verselbständigung der J.ugend, ihre Absonderung und betonte Eigenart zu verstehen. So kann man es aucli begreifen, daß sie Hilfe und Förderung nicht von einzelnen, sondern wieder von der Gemeinschaft erwartet und verlangt. Verkörperung der jüdischen Gemeinschaft in der Galuth ist die Kultusgemeinde. Was aber erwartet die jüdische Jugend Wiens von ihrer Kultusgemeinde? Wünsciic und Vorschläge wurden schon so oft wiederholt, daß sie ihre Wirksamkeit fast verloren haben. Aber gerade darum ist es notwendig, sie immer von Neuem zu wiederholen. Denn es handelt sich um den Fortbestand der jüdischen Gemeinde. Die Jugend will, daß ihr die Möglichkeit gegeben wird, geistig und körperlich sich voll zu entwickeln, sie will, daß aus ihr starke, wissende, gute Juden hervorgehen. Und um diese« Ziel zu erreichen, Ist es vor allem notwendig, das jüdische Schulwcrk auszubauen. Die Kinder sollen den jüdischen Kindergarten, die jüdische Volks- und Bürgerschule besuchen. Auch die Bibelschulen sollten auf neue Grundlage gestellt und popularisiert werden. Das jüdische Realgymnasium und das hebräische Pädagbgium kämpfen um ihre Existenz. Und doch sind gerade diese Lehranstalten zwei der stärksten Aktivposten im jüdischen Leben Wiens. Ihre Schüler sind die berufensten Träger der Hebräisierung der Jugend. Um diesen Prozeß zu beschleunigen und in immer weitere Kreise dringen zu lassen, müssen die bereits bestehenden H e b r ä i s c h k u r s e entsprechend subventioniert und die Gründung neuer muß begünstigt werden. Die hebräische Sprache ist Mittlerin zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Geigenwart und Zukunft, und darum eines der stärksten jüdischen Kräfte, deren soziologische Bedeutung richtig erkannt und benützt werden sollte. Eine dringende, immer wiederkehrende Forderung ist die Unterstützung der jüdischen Jugendverbände und ihrer Heime. Dort findet der junge jüdische Mensch das jüdische Milieu, den Kreis junger, gleichgesinnter Menschen, die ihm Rückhalt und Lebensform bedeuten. Die Wander- und Pfadfinderbewegung der europäischen Jugend wird hier mit jüdischen Werten erfüllt. Aber wirklich fruchtbare Arbeit ist nur dann möglich, wenn die Jugend ihr Heim hat. Und gerade daran mangelt es in vielen Fällen, denn es fehlt das nötige Geld für diesen Zweck. Unter dem gleichen Mangel leiden die jüdischen Turn- und Sportverbände, die nicht Imstande sind, Turn- und Sportplätze zu erhalten, die ihre Mitgliederzahl infolge der hohen Beiträge nicht erhöhen können. Es ist wohl nicht notwendig, auf die Bedeutung hinzuweisen, die der körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend zukommt. Aber diese Verbände sind nicht nur deshalb von größter Wichtigkeit, weil sie helfen, eine gesunde und kräftige Generation heranzuziehen, sondern auch, weil sie diese nach körperlicher Betätigung drängende Jugend auf jüdischer Basis, mit bewußt jüdischem Programm zusammenfassen. Daß diese jungen Menschen, wenn sie sich enttäuscht sehen, unsere Reihen verlassen und sich andersgesinnten Verbänden zuwenden, ist eine allzu bekannte Erscheinung, die zeigt, wie dringend eine Reform auch auf diesem Gebiete ist. Die jüdische Jugend Wien« hofft auch, daß ihre Kultusgemeind« der Chaluzbewegung vertieftes Interesse widmen wird, daß sie vor allem dort, wo es in ihrer Macht steht, also bei der Hachscharah, der Ausbildung für Palästina, die Arbeit der Jugend erleichtern und begleiten wird. . Wie viel auf dem Gebiete der Jugendarbeit geleistet werden kann und wie erfolgreich diese Arbeit ist, zeigt die Tätigkeit der Berliner Kultusgemeinde. Wir wissen, VERBAND ZIONISTISCHER MITTELSCHÜLER SEKTION IX Samstag, den 15. Matz, 8 Uhr abend«, findet anläßlich des einjährigen Bestände« der Sektion im Saale des Jüdischen Vereinsheimes, VIII., Bennoplatz 1 A, eine BUNTE AKADEMIE statt. Das reichhaltige jüdische Programm gestalten die Künstler: JULIUS SCHWARZ (Violine) IGO GRÜNBERG (Jüdische Lieder) STELLA MANN (Tanz-Produktionen) ClLLl MÜNTZ (Klavier) FRITZ PALME (Rezitationen) HUGO ROSENFELD (Charakter-Komiker) ARRANGEMENT: KAWlNAR-KOESER Karten zu S V— und S 2'— bei den Sektionsmitgliedern mmstm