Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1928-03-08 · Heft 10 (8.3.1928) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 10 (8.3.1928)
Date
1928-03-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3053753-3053763--0159-3055420
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 4 DIE STIMME Nr. 10 t 'li 3? 1 ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii»^ Die weltberühmten und bevorzugtesten Amerikanischen Manischewitz Matzos goaooaoaaaaaaaaoaooaoaoa Grieß g niJco-rB'np®'jKo i Farvel aaaaoaaaaaoaaaaaaaaaaaaa ' sind bereits eingetroften und werden in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich sein Manischewitz Matzos-Vertrieb Wien, II., Fuabachgasse 24 (Nordbahnstraße 38) Telephon Nr. 75-9-32 und 42-3-58 Filiale: lg. Frost, II, Haidgasse 9 — Telephon Nr. 46-8-89 ^IIIIIIIllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll'IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII .V U' Heinrich Spitzer, der erste Gefallene am 13. März 1848. (Nach einem im Wiener Jüdischen Museum befindlichen Stich.) S - ■„; jl! kraft inne, die gerade wir Juden nicht unterschätzen sollten, denn nur durch unsere moralische Kraft haben wir uns waffenlos einer Welt von Feinden gegenüber 2000 Jahre hindurch erhalten. Heute, da wir ein gleichberechtigtes Volk, wie alle anderen Völker sind, ist eine moralische Verurteilung an uns begangener Verbrechen durch das internationale Forum der Völkerbundligen von außerordentlicher Wichtigkeit. Wir werden trachten, daß die Versammlung einen Referenten aus der Reihe der anderen Minoritäten bestellt, der die Aufgabe haben wird, die Vorfälle einer genauen Prüfung zu unterziehen und der nächsten Tagung zu referieren. Wir haben ein Interesse daran, daß diese Frage möglichst lange auf der Tagesordnung bleibe, womöglich so lange, bis die Uebelstände abgestellt sind. Aus der Internationalität der Gesinnung wächst eine neue moralische Kraft heran, die die Voraussetzung für die Befreiung des iüdischen Volkes ist. Es liegt dies nicht nur in unserem Interesse, sondern auch im Interesse der ganzen Menschheit, die es zu keinem wahren Fortschritt bringen kann, wenn in ihrer Mitte ein Volk lebt, das die. zur Selbstverständlichkeit Gewordene Gleichberechtigung nicht überall genießt, Wir werden unserer nationalen Moral eine internationale Moral entgegensetzen müssen und wenn das Einzelinteresse, das wir vertreten, in Gegensatz zu dieser internationalen Moral gerät, dann werden wir innehalten müssen und uns fragen, ob wir auf dem richtigen Wege sind. Wir wollen kein auserwähltes Volk sein, kein Volk der Ausnahme, sondern ein Volk, wie alle anderen, mit Vorzügen und vielleicht auch Fehlern behaftet. Hofrat Dr. Frankfurter dankte dem Redner für seine mit reichem Beifall aufgenommenen Darlegungen. det hat. Fast nahe den Tagen, die der Psalmist als Grenz- und Markstein des menschlichen Lebens bezeichnet, ging Frankl mit der Begeisterung eines Jünglings an die Gründung dieser erlösenden Bildungsstätte, der er gleichsam als Wiegengeschenk den Kongreß der Blindenlehrer und Blindenfreunde — dieser heute noch wichtigsten Institution des Blindenwesens — ins Leben rief. Wie treffend sprechen hiezu die Worte seines Freundes Moritz Rappaports im „Palast der Nacht" Und wenn im Leben Du sonst nichts vollbracht, Entzogen Dich dem rauschenden Getriebe, Nicht mitgeschlagen jene heil'ge Schlacht, Belebt von Seelenschwung und reinstem Triebe. Und nur begründet den Palast der Nacht, Gemildert Leiden, so unendlich trübe. Dein Angedenken wäre schon vermacht. Der Nachwelt, daß es unvergessen bliebe. Doch anders spricht der Mund des Weltgerichtes: „Er war ein Mann der Freiheit und des l ichtes, Nach Hohem streben war sein Lebensziel." Und ob Jahrhunderte im Wirbel schwinden, Zwei Monumente werden laut es künden: „Das Schiller-Bild — der Blinden Lichtasyl," .Der Lebensabend lud den Dichter zur Einkehr in sich .selbst ein. „Es ist die wichtigste, wohl aber auch die schwierigste Aufgabe in der Lebenskunst eines alternden Dichters, richtig herauszufühlen, wann für ihn die Zeit des Schweigens gekommen ist." Doch nicht in starrer Zurückgezogenheit verbrachte er sie. Nach wie vor bildete den Mittelpunkt des Wiener Kunstlebens sein gastliches Haus, wo Amerling., Saar, Pichler, Weilen, Franzos, Mosenthal, Greif, Brandes, Bjömson u. a. innig verkehrten. Am 12. März 1894 fand Frankls Leben, dessen Die iüdischen Achtundvierziger Aus Anlaß der achtzigsten Wiederkehr des 13, März. Von Prol. Dr. Jakob Bronner. Der Techniker Carl Heinrich Spitzer war der eine von den zwei in Wien lebenden jungen Juden, die in den stürmischen Tagen der Wiener Revolution des Jahres 1848 ihren Tod fanden. Er fiel als Opfer für „Recht und Freiheit" (so lautet die Aufschrift) vor dem Hause der Landstände in der Herrengasse, wohin er mit den revolutionären Studenten gezogen war. Das andere jüdische Revolutionsopfer war der politische Schriftsteller Hermann J e 11 i n e k, der Bruder des berühmten Wiener Predigers Adolf Jellinek. Er wurde am 5. November 1848 verhaftet und am 23. November kriegsgerichtlich erschossen. Beide, junge mährische Juden, der erste, der 18jährige aus Bisenz, der andere um acht Jahre älter, aus Ungarisch-Brod, waren von dem gleichen Geiste erfüllt: Die Welt erlösen, sich mit allen Menschenbrüdern eins fühlen. Sie waren aus dem gleichen Holze geschnitzt wie jene Wiener Brüder Frey, die in der französischen Hauptstadt das Bachanale der großen Revolution mit ihrem Leben büßten — alle durchaus sympathische, liebenswerte Menschen, vom Feuer der Ideale erfüllt und die Brust von edler Humanität geschwellt, letzten Endes aber nur tragische Opfer der jüdischen Assimilationsepoche. Dostojewski, Balzac, Flaubert, Tolstoi, Nietzsche usw. zu S 1, 2, 3 Kunstbücher in größter Auswahl BQcHerschwemme „VIENNA“, l. Boqnerg. Nr. 4 ehrenvolles Wirken der ihm verliehene Adelstitel „Ritter von Hochwart" bestens kennzeichnet, seinen Abschluß. Von Ferdinand von Saar stammt die folgende „G rabschrift auf Frankl" Es war ein Dichter, der uns schied, Wie Harfenton erklang sein Lied. Den Werken edler Menschlichkeit, War seines Daseins Kraft geweiht. So lebt mit seines Namens Ruf, Was er im Geist und Herzen schuf. Ludwig August Frankl war ein Bewegungsdichter, ideal und voll dithyrambischen Schwunges. Seine Prosaschöpfungen und Reden sind Kunstwerke und seine literarischen Porträts, meisterhaft gezeichnet, werfen für die Literaturgeschichte einen wertvollen Gewinn ab. Zu den Wegbereitern gehört er nicht; er hat nichts zu unserer Weltanschauung beigetragen. Rein, feinfühlig, geistig-vornehm, war er immer nur anregend, fast nie abschließend und ausgestaltend. Dennoch wirkte er auf seine Zeit nach manchen Richtungen und etwa in der Weise, wie Goethe von Sterne sagt: „Er war in Nichts ein Muster und in Allem ein Helfer und Erwecker." Frankls Einfluß vermag man erst zu würdigen, wenn man zugleich die Schar der Mitstrebenden kennt und die Aera, in der es einer besonderen Kraft bedurfte, sich durchzusetzen. Allen, die rings um ihn wirkten (und nicht nur diesen) war er ein Herold heller Verständigkeit und selbstloser Tüchtigkeit, ein schlichter Freund stillwaltender Liebe, deren Echtheit eine wohltuende Milde der Gesinnung erweckten und verbreiteten. Auch das allein wäre genug, diesem vir priscus ein bleibendes Gedächtnis zu sichern. Carl Heinrich Spitzer war der Sohn des gutsituierten Bisenzer Kaufmannes Leopold, dem er am 25. August 1830 geboren wurde. Seine Mutter Kathy starb im Kindbett. Sorgsam behütet wächst der überaus begabte Knabe im väterlichen Hause auf. 1842 kommt er nach Wien in das „Akademische Gymnasium" auf dem Universitätsplatze und bezieht nacht glänzenden Prüfungen im Herbste 1847 die „Polytechnische Lehranstalt" auf der Wieden. Er beteiligt sich an allen stürmischen Versammlungen der akademischen Jugend, mit der er dann auch am verhängnisvollen 13. März den Zug in die Herrengasse unternimmt. In dem hier herrschenden Gedränge und Wirrwarr werden große Reden gehalten. Der Techniker Spitzer befeuert die Menge, weil die ins Ständehaus entsendete Deputation verhaftet worden sei. Die revolutionäre Flamme lodert hoch auf, alle Gesichter glühen; Steine werden geschleudert, Fenster klirren; da — eine Salve der unter Erzherzog Albrecht vorrückenden Truppen und unter den Vierzehn, die sich in ihrem Blute wälzen, ganz vorne der junge Jude Spitzer. Ein anderer, um 14 Jahre älterer Mediziner hatte mehr Glück. Auch er hatte geredet und war mitgestürmt. Aber ihn hatte die Kugel verschont, ihn, Dr. Adolf F i s c h h o f, damals Sekundararzt am Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Auch ihn hatte das Jahr 1848 in die politische Bewegung hineingerissen. Neben Hartmann, Frankl, dem Dichter der ersten Revolutionslieder, Kompert und Jellinek, den jüdischen Feuergeistern aus den Sudetenländern, stand er an der Spitze der radikalen Freiheitskämpfer. Präsident des Wiener Sicherheitsausschusses, dann Abgeordneter des Bezirkes Matzleinsdorf für den Kremsierer Reichstag, wurde er schließlich nach Auflösung des Reichstages verhaftet und wegen Hochverrat und Aufruhr vor Gericht gestellt, wie jener Moriz Oppenheimer aus Rausnitz. Aber wieder siegte Fischhofs Glücksstern: Nach neunmonatiger Haft wird der Altofner jüdische Arzt freigesprochen. Dann Jahrzehnte hindurch politischer Führer und Ministerberater. Publizist und Gesetzgeber, stirbt er hochbetagt, vor 35 Jahren am 23. März 1893, zu Emmendorf bei Klagenfurt. „Keiner von den Herren im Saale kann Fischhof das Wasser reichen und keiner lebt, der sich mit ihm an politischer Vergangenheit, an Verdiensten um die Stadt Wien und an Charakterintegrität messen kann." Diese Worte sprach der Wiener Bürgermeister Dr. Lueger am Vorabend seiner antisemitischen Karriere in der Sitzung des Wiener Gemeinderates. Wer dankt jetzt Fischhof, Spitzer, Jellinek und alle anderen jüdischen Kämpfer „für Freiheit und Recht"? Sir Alfred Mond bei Lord Plumer Intervention wegen Unterstützung des Auibauwerkes Sir Alfred Mond ist während seiner Anwesenheit in Jerusalem an die Palästina-Regierung wegen einer intensiveren Unterstützung des jüdischenKolonisationswerkesih Palästina herangetreten. In Unterredungen, die er mit dem Oberkommissär, Feldmarschall Lord Plumer, und mit dem Chefsejcretär der Palästina-Regierung, Colonel S y m e s, hatte, machte er detaillierte Vorschläge, wie das Aufbauwerk von der Regierung am besten zu fördern sei. Vor seiner Abreise empfing Mond in Jerusalem die Vertreter der inländischen und ausländischen Presse und sagte ihnen, er habe bei seinem jetzigen Besuch in Palästina ausgezeichnete Eindrücke empfangen. Er erwarte, daß / i I s ) 1 i s i £ c I 1 i 1 I i 1 ] « ( < ] ] 1 I I I 1 J 1 I I v 532323484823535323234823232348482348232348232353534823 48232353532353482353485353532323482353532323532323235323

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.