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Die Stimme · 1928-03-08 · Heft 10 (8.3.1928) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 10 (8.3.1928)
Date
1928-03-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 10 DIE STIMME Seite 5 Adolf Fischhof in Legionärsuniform. (Nach einem im Wiener Jüdischen Museum befindlichen Bild von iKriehuber.) bei Beginn des Frühjahres sich die Arbeitslage entscheidend bessern und die Arbeitslosigkeit stark gemindert sein werde. Die landwirtschaftliche Lage ist eine gute; ratsam sei die Entwicklung der Geflügelzucht, der Viehzucht und eine erhöhte Benützung künstlicher Düngemittel. Kein Volk irgendwo in der Welt, sagte er, habe bei so wenig landwirtschaftlicher Erfahrung und. ohne daß von seiten der Regierung Boden und Kapital zur Verfügung gestellt wurde, so gute Resultate erzielt, wie die jüdischen Landwirte in Palästina. Das Werk der Elektrifizierung habe alle Erwartungen übertroffen. Alle Kraftstationen der Palestine Electric Corporation erhöhten ihre Leistungen über das ursprüngliche Programm hinaus. Das Jordan-Stauwerk werde 1929 fertiggestellt sein» Sir Alfred Mond sagte noch, daß über die geplante Oelröhrenleitung von Mossul nach Haifa sowie über die Eisenbahnlinie Bagdad—Haifa noch keine festen Entschlüsse gefaßt worden sind. Die Verwirklichung dieser beiden Projekte würde eine Ausgabe von 15 Millionen Pfund erfordern. Schließlich teilte er mit, er bereite eine Kundgebung an die Judenheit der ganzen Welt vor, in der er diese zu einer stärkeren Unterstützung des zukunftsreichen jüdischen Aufbauwerkes in Palästina auffordern werde. Ich werde dies, sagte er, in der Ueberzeugung tun, daß die Sache des jüdischen Nationalheims die unablässige und intensive Unterstützung der Juden aller Länder verdient. Je eher die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden, desto besser und schneller wird das Aufbauwerk Früchte tragen. Außer den Leistungen der Keren Hajessod und der Keren Kajemeth, schloß Sir Alfred Mond, sei es wesentlich für das Nationalheim, daß auch private Unternehmungen in Landwirtschaft und Industrie immer mehr gegründet werden. Am 2. März ist Sir Alfred Mond aus Palästina abgereist, tun nach England zurückzukehren. Einer der Organisatoren der Kundgebungen gegen Mond in Bagdad, Yussef Effendi Zeinal, wurde verhaftet und ins Gefängnis nach B a s r a gebracht, wo er sich wegen Aufreizung zur Gewalt vor Gericht zu verantworten haben wird. Die Konstituierung des italienischen Pro. Palästina-Komitees Das italienische Pro-Palästina-Komitee (Italia-Palestina) hat, wie aus Rom gemeldet wird, die ihm von der provisorischen Leitung vorgelegten Statuten angenommen und sich wie folgt konstituiert: Präsident des Komitees „Italia-Palestina*1 ist, wie bereits berichtet, Prinz Pietro Lanza di S c a 1 e a, der frühere Minister für die Kolonien Italiens; Vizepräsident ist der frühere Finanzminister der Mussolini-Regierung, Deputierter Alberto de Stefan i. Dem Präsidium gehören noch die folgenden Persönlichkeiten an: Deputierter Roberto Canta- 1 u p o, früherer Unterstaatssekretär für die Kolonien; der frühere Kultusminister, Senator B a c c e 11 i; Senator Antonio C i p p i c o, Mitglied der italienischen Delegation beim Völkerbund; der frühere Finanzminister Senator Ugo Ancona; Deputierter Gino Olivetto, Vorsitzender der italienischen Industriekammer; Deputierter General Nicola Vacchelli; Deputierter Gino Alfieri, Vorsitzender des Verbandes der italienischen Kooperativen; Deputierter Giacinto M o 11 a, Direktor der italienischen elektrotechnischen Gesellschaften; der Historiker der Universität Rom Prof. Gioacchino Volpe; der Geographieprofessor der Universität Rom Ing. Roberto Almagia; der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Rom, Advokat Angelo S e r e n i. Sekretär des Komitees ist Professor Dante L a 11 e s; Schatzmeister der Oberrabbiner von Rom, Dr. Angelo Sacerdoti. Zu Ehren des neuen Komitees veranstaltete die zionistische Föderation Italiens am 7, März einen festlichen Empfang, dem Vertreter der Regierung und eine große Zahl führender Persönlichkeiten Italiens beiwohnten. Nahum Sokolow beim König von Bulgarien Wie uns aus Sofia gemeldet wird, ist der Präsident der zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, der von Wien aus nach Sofia gereist ist, um dort der Konstituierung des bulgarischen Pro-Palästina-Komitees beizuwohnen, vom bulgarischen Ministerptäsidenten Liapischeff und vom König von Bulgarien empfangen worden. Die Audienz beim König dauerte über eine Stunde. König Boris informierte sich eingehend über die aktuellen Fragen des Zionismus und drückte Sokolow seine vollen Sympathien für die jüdischen Bestrebungen für den Aufbau Palästinas aus. Ein Wahlblock der Minoritäten in Rumänien Wie die Bukarester Blätter melden, sind die Führer der deutschen und der ungarischen Minderheit in Rumänien an die Führer der ukrainischen Minderheit und der Juden mit dem Vorschlag herangetreten, daß zu den kommenden Parlamentswahlen ein Wahlblock aller Minderheiten in Rumänien gegründet werden soll. Das zukünftige Parlament werde das Kultusgesetz sowie die Neuordnung des rumänischen Mittelschulwesens zu verabschieden haben; es sei ein Zusammengehen der Minderheitenvertreter erforderlich, um ein gewißes Maß von Kultus- und Schulautonomie zu erlangen. In verschiedenen Bestimmungen dieser Gesetze sei eine Beeinträchtigung der vertraglichen Rechte der Minderheiten zu erblicken. Die Juden haben eine Antwort auf diesen Vorschlag noch nicht erteilt. Die rumänischen Studenten rühren sich wieder» Wie uns aus Bukarest gemeldet wird, haben die antisemitischen Studenten an der dortigen Universität eine neue Hetzkampagne begonnen; sie verteilten in großen Massen Aufrufe, die zu Ausschreitungen gegen die jüdischen Studenten aufforderten. Die Hetze richtete sich auch allgemein gegen die jüdische Bevölkerung. Die Behörden schritten ein und konnten den drohenden Ausbruch von Unruhen rechtzeitig verhindern. In einer Konferenz zwischen dem Polizeipräfekten der Hauptstadt und dem königlichen Kommissär Carafanca wurde beschlossen, strenge Maßnahmen gegen weitere Verhetzungen zu treffen und jegliche Ruhestörung energisch zu unterdrücken. Geldentschädigungen. Wie aus Bukarest gemeldet wird, hat die rumänische Regierung beschlossen, 20 Millionen Lei als Ersatz für die durch die Studentenexzesse in Großwardein und Klausenburg angerichteten Schäden auszuwerfen. In Klausenburg hat der Prozeß gegen den letzten Angeklagten aus der Zeit der Exzesse begonnen. Die Studenten, die im Zusammenhang mit der Bewegung zur Milderung der Urteile in den ersten Prozessen wieder Mut bekommen haben, üben einen scharfen Terror aus. Der als Zeuge einvernommene Jude Isak Schenker, wurde während der Gerichtsverhandlung von den anwesenden Studenten überfallen ünd schwer m i ß ha n d e 11. Das Kulturwerk der rumänischen Studenten: Die verwüstete und geschändete neologe Synagoge in Klausenburg. ' V ■:< N* *•* •**: K-jsä»! Ein hoher päpstlicher Delegierter über das Schächten Bischof Monsignore d‘H e r b i g n y, Direktor des päpstlichen orientalischen Instituts, einer der bedeutendsten katholischen Gelehrten und ein naher Mitarbeiter des Papstes, weilte letztens im Auftrag des Vatikans einige Zeit in Palästina. Nach seiner Rückkehr nach Rom äußerte er sich in einem Gespräch mit einem Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentur sehr günstig über die zionistische Aufbauarbeit in Palästina und erklärte, von seiten der Christen hätten die Juden keinerlei Störungen in ihrer Kolonisationsarbeit, in Palästina zu erwarten. Weiters sagte Monsignore d'Herbigny, er habe angesichts des Antisemitismus, der gewisse europäische Länder er- ^Tür die Osterspeisen U »MSI "Äi kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken Kunerol verwenden. Die KunerokErzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Naturfettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT greift und Formen der Unterdrückung annimmt, das Bedürfnis, seiner Empörung gegenüber jeder Form von Judenhaß Ausdruck zu geben. Die katholische Kirche hat stets jede Form der Feindseligkeit gegenüber Juden verurteilt. War doch das jüdische Ghetto ursprünglich nicht zur Absonderung oder Erniedrigung der Juden, sondern vielmehr zu deren Schutz gegen den Pöbel errichtet worden. Zum Schlüsse seiner Ausführungen kam Monsignore d'Herbigny auf die gegenwärtig in vielen Ländern überhandnehmende Propaganda gegen das Schächten zu sprechen und sagte, ein Schächtverbot würde eine direkte Vergewaltigung der jüdischen religiösen Gefühle und eine Attacke gegen die Gewissensfreiheit bedeuten. Ein mißlungener Vorstoß österreichischer Schächtgegner Die Bezirkshauptmannschaft Bregenz (Vorarlberg) hat dem Anträge des Tierschutzvereins für Vorarlberg, den jüdischen Lehrer, der im Bregenzer Schlachthause die Schlachtungen vornimmt, wegen Tierquälerei zu bestrafen und ihm das Schächten für die Zukunft zu verbieten, keine Folge gegeben. Die Landesregierung hat die seitens dieses Vereins gegen den Bescheid der Bezirkshauptmannschaft eingebrachte Berufung abgewiesen und dies wie folgt begründet: „Wer ein Tier aus Bosheit roh mißhandelt, quält oder rücksichtslos anstrengt, begeht eine Verwaltungsübertretung. Diese gesetzmäßigen Merkmale der Tierquälerei treffen bei dem rituellen Schächten nicht zu. Das rituelle Schächten stellt sich sohin nicht als Tierquälerei im Sinne des Gesetzes." Der Heldenmut der jüdischen Arbeiter Präsident Weizmann erwartet ein baldiges Ende der Krise in Palästina — Colonel Kish in London Aus Anlaß der bevorstehenden Abreise des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Prof. Weizmann, nach Amerika, die von dem ursprünglich festgesetzten Termin des 29. Februar um einige Tage verschoben wurde, da Präsident Weizmann noch mit dem aus Palästina rückkehrenden Sir Alfred Mond Zusammentreffen will, fand im Londoner Hotel ,,Savoy“ eine vom Keren Hajessod veranstaltete Kundgebung statt, welcher u. a. das Mitglied der Palästina-Exekutive Colonel Kish, der gegenwärtig auf der Reise nach Südafrika begriffen, in London weilt, beiwohnte. Colonel Kish hielt eine mit stürmischem Beifall aufgenommene Ansprache an die Versammlung, in der er u. a. ausführte; „Wir sind in Palästina bereits über den schweren ökonomischen Druck hinweggekommen. Seit mehr als einem Monat zeigt sich die Lage vollkommen verändert. Diejenigen, die unter den Schwierigkeiten der letzten zwei Jahre zu leiden gehabt haben, haben ihre Leiden würdig getragen. Oberkommissär Lord Plumer hat mir gegenüber unmittelbar vor meiner Abreise erklärt, er hege die größte Bewunderung für das heldenhafte und mutige V e rh alten der jüdischen Arbeiter in den Zeiten der Not. Auch in den bösen Jahren hat die Arbeit nicht geruht, der Fortschritt ging weiter. Die Orangen-Plantagen entwickelten sich in die Höhe, der Export brachte guten Ertrag. Der Hafenbau in Haifa wird der industriellen Entwicklung Palästinas neue Impulse geben. Haifa wird der größte Hafen des Mittelmeeres sein. Das jüdische Nationalheim in Palästina ist kein Traum mehr; 150.000 Juden leben in einer vollkommen jüdischen Sphäre. Wenn wir alle unsere Pflicht tun, können wir Großes erreichen“. Dr. Weizmann wurde, als er die Tribüne betrat, von der Versammlung durch stürmische Ovationen begrüßt. Er sagte unter anderem; Ihr habt gehört, daß sich unsere Lage in Palästina befestigt. In ein paar Monaten, spätestens in einem Jahre, haben wir das Schwerste überwunden. Ich will trotzdem nicht, daß auf die Entmuti-

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