Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1928-02-09 · Heft 6 (9.2.1928) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 6 (9.2.1928)
Date
1928-02-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3053753-3053759--0097-3055354
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 10 DIE STIMME Nr. 6 Warnung I Vorzügliche, täglich ofenfrische, feinste, dünnste MAZZOTH UND GRIESS bekommen Sie nur aus der I. Wr. orth. Mazzothfabrik Israel Vortrefflich Wien, II., Obere Augartenstrafie 32 Verlangen Sie überall ausdrücklich Vortrefflich-Mazzoth Vom Rothschild-Spital Das Rothschild-Spital kämpft, wie man weiß, seit langem mit finanziellen Schwierigkeiten. Das Defizit beträgt ungefähr 250.000 Schilling im Jahr. Dabei ist es unmöglich, mehr als 36 Gratisbetten von den 200 zur Verfügung stehenden Plätzen für arme Kranke einzuräumen. Der Zahlstock weist einen erschreckenden Unterbelag auf und arme Kranke müssen abgewiesen werden. Man ist nun bemüht, diesem Uebelstand zu begegnen und will, wie wir erfahren, auch im Rothsahild-S'pital nunmehr die freie Aerztewahl einführen. Bis nun hatte der zahlungskräftige Patient nur wenig Interesse daran, gerade im (Rothschild-Spital Heilung zu suchen, d>adie Preise indes höchsten Klassen sich nur wenig von den in Sanatorien geforderten Beträgen unterscheiden. Der reiche Patient will auch in das Spital seinen behandelnden Arzt und Operateur mitbringen. Im Rothschild-Spital ist dies bisher unmöglich. Wohl stehen auch diesem Spital erstklassiges Aerztematerial und hervorragende Operateure zur Verfügung, doch wohlhabende Patienten hegen den Wunsch, von einem ihnen bekannten oder bestens empfohlenen Operateur oder Arzt behandelt zu werden. Im Rudolfinerhaus und in der Lucina hat sich das System der freien Arztewahl bereits bestens bewährt. Der zahlungskräftige jüdische Patient kann, wenn er Wert auf rituelle Kost legt, sich das Essen von auswärts bringen lassen und ist also nicht auf das einzige jüdische Spital angewiesen. Aber auch der Arzt hat wenig Interesse daran, einen vermögenden Patienten gerade in das Rothschild-Spital zu bringen( weil der Heilungsuchende mit seiner Abgabe in dieses Spital für den Arzt, der ihn bisher behandelt hat, verloren geht. Wenn nun, einem langgehegten Wunsch der jüdischen Aerzteschaft folgegebend, auch im Rothschild-Spital die freie Aerztewahl eingeführt werden soll, so dürfte diese Neuerung eine wesentliche Besserung des finanziellen Standes des Spitales der Kultusgemeinde mit sich bringen. Auf diese Weise könnte das Spital mehr als bisher der armen jüdischen Bevölkerung zugute kommen, und das ist doch schließlich der Sinn dieser Institution. Noch ein anderer Mangel in diesem Spital erheischt dringend Abhilfe. Im jüdischen Spital fehlt die jüdische Krankenschwester. Im ganzen Hause gibt es nur etwa 10 Pflegerinnen und gerade die jüdischen Patienten haben den dringenden Wunsch, wenn sie schon in einem jüdischen Spital liegen, von jüdischen Pflegerinnen betreut zu werden. Auch im Versorgungshaus in der Seegasse macht sich dieser Uebelstand unangenehm bemerkbar. Die vor dem Kriege im Rothschild-Spital bestandene Pflegerinnenschule wurde aufgelassen und konnte bisher nicht reaktiviert werden. Ueber Drängen der zionistischen Mandatare hat der Kultusvorstand beschlossen, für 10 jüdische Mädchen Freiplätze in der allgemeinen Pflegerinnenschule zu stiften. Der Antrag wurde bisher noch nicht durchgeführt. Er würde aber auch dem bestehenden Mangel nicht völlig abhelfen. Die auch in anderen Spitälern tätigen, oft sehr hoch qualifizierten jüdischen Pflegerinnen haben nämlich derzeit wenig Intet esse, in das Spital der Kultusgemeinde einzutreten, weil diese Angestelltenkategorien noch nicht der Pensionsbegünstigung teilhaftig sind. Errichtung einer j ü - dischen Pflegerinnenschule und Pensionsbegünstigung der jüdischen Pflegerinnen tut dringend not, um jüdische Kranke jüdischen Pflegerinnen anvertrauen zu können. Austritte aus dem Judentum Dr. Fritz Kornfeld, 19. 6. 1890 Triest, verh., I. Doblhofgasse 5; Gattin Stefanie Kornfeld geb. Munk, 10, 8. 1892 Wien, verh., selbe Adresse. Irene Gerö geb. Schieber, 7. 11. 1902 Gran, ger. gesch., XII, Schönbrunnerstraße 309. Otto Weiß, 1. 12. 1899 Wien, VII. Kaiserstraße 86. Anna Neu, 10. 12. 1901 Wien, led., XVI. Klausgasse 23. Oskar Rosenzweig, 8. 12. 1901 Wien, led., IX. Schulz-Straßnitzky-Gasse 12, Hermann F r e n k, 29. 7. 1903 Wien, led,, XVI. Lienfeldergasse 60 a. Ella Seemann geb. Rosenzweig, 1898 Rakonitz, verh., XVI. Arnethgasse 69. Joachim Leo S c h i 1 - Geschmackvolles, feines u. gediegen aiisgeführtes Schuhwerk kaufen Sie Schuhmodenhaus bekannt s e r i 6 s __ ilepn II, Taborstraße 8 ler, 7. 11. 1906 Lemberg, led., II„ Stuwerstraße 47. Gertrud Men dl geb. Lukacs, 19. 12. 1899 Wien, verh., IX., Sensengasse 7. Kind Anna Marie M e n d 1, 12. 9. 1924 Wien, selbe Adresse. Paula Aschenberger, 27. 6. 1905 Wien, led., XX. Wallensteinstraße 40. (Sapse) Stefan Bresler, 21. 10. 1881 Dorohin, verh, Magist, d. Pharm,, XX., Wehlistraße 96. Rosa Jellinek, 27. 10. 1903 Wien, led., XX. AUerheiligenstraße 15. Die jüdische Jugend [ Jugend und Ideal Von Wladimir JabotinskL I. Schon seit mehreren- Monaten ist in den Kreisen jenes Teiles der Jugend, die man Chaluzim nennt, eine Gärung wahrzunehmen; genauer noch, in jenem Jugendkreis, der sich in den Ländern der Gallith, ganz auf Palästina einstellt, um dort Chaluzarbeit zu leisten. Es gibt solcher Chaluzim-Gruppen mehrere. Solche, die auf irgend einer Farm Landwirtschaft lernen oder irgend ein Handwerk in einer Werkstatt und solche, die sich nur geistig auf Palästina vorbereiten, d. h. die jenen Organisationen angehören, deren Aufgabe es ist, junge Leute für Palästina zu erziehen. Für meine heutigen Erläuterungen kommt die genauere Distinktion nicht in Betracht. Ich meine alle jene, die ernstlich daran denken, Chaluzim zu werden. Ihnen allen hat das Leben einen schweren Schlag versetzt. Die Einwanderung hat aufgehört, Palästina ist — niemand weiß für wie lange — gesperrt. Man bekommt den Eindruck, betrachtet man die Dinge wie sie sich geben, daß die Lage in dieser Hinsicht nicht sobald eine Aenderung erfahren wird. So beginnen die jungen Leute sich zu fragen: ,,Was soll meine Vorbereitung, meine „Hachscharah-Arbeit“? Eine sehr berechtigte Frage. Wahr ist, daß auch früher schon nicht jeder, der sich auf SIECffl. KORMEHL, Großfleiscliliauerei Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. 17-3-99 'u. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für *H£?5BFleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelit!— _ sehen Kultusgemeinde Wien '. r IX, Berggasse 15 XV111, Währingerstraße 97 Palästina vorbereitet hat, die Möglichkeit hatte, dorthin zu fahren. Aber jeder durfte hoffen, und das gab ihm Mut. Heute hat er ganz einfach diese Hoffnung nicht mehr. Das ist eine schwere geistige Situation, die nicht blindlings übersehen werden darf. Sie ist geeignet, eine gefährliche moralische Krisis zu erzeugen und so manche, vielleicht auch sehr viele unserer jugendlichen Kräfte unseren Reihen zu entziehen. Während meiner letzten Reisen hatte ich einige Unterredungen mit solchen jungen Leuten von verschiedener parteiideologischer Einstellung. Alle wiesen auf die Gefahr hin, daß wir vielleicht schon in kurzer Zeit einen starken Niedergang der chaluzischen Begeisterung für Palästina werden zu verzeichnen haben, ja mehr noch: ein „Emigrieren“ eines Teiles der Chaluzjugend aus dem Zionismus nach anderen Bewegungen. Ich bin nicht der Herr Palästinas und der zionistischen Politik, ich kann also nicht die rasche Wiederbelebung der Einwanderung versprechen. Ich bin aber Zionist und habe das Recht, der zionistischen Jugend klaren Wein einzuschenken und ihr zu sagen: „Liebe Jugend, tu nur nicht so, als wärest du gar so zu bedauern!" II. „Alles ist schon dagewesen,“ sagt der alte Rabbi Akiba im bekannten deutschen Drama „Uriei Acosta“. Auch diese Tragödie, die die heutige zionistische Jugend beweint, ist sehr alt. Ich berichtete Wladimir Tiomkin — kurz vor seinem Tode — über einen Brief, den ich aus dem Baltikum erhielt und in dem diese Stimmung der Jugend zum Ausdruck kam. Er dachte ein wenig nach und sagte dann: „Genau so wie zu Beginn der Neunzigerjahre nach dem durch die Türken erfolgten Einwanderungsverbot, nur mit dem Unterschied, daß. es damals um hunderte junge Menschen ging, heute um tausende! Die Enttäuschung war die gleiche. Aber den Zionismus verließen nur jene Enttäuschten, die ohnedies nicht Amtliche Verlautbarungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien Kultusgebühren für die Erzeugung und den Verschleiß von Mazzoth Gemäß den Bestimmungen des behördlich genehmigten Tax- und Gebühren-Tarifes der Israel, Kultusgemeinde Wien ist dieselbe berechtigt, für die Beaufsichtigung der Erzeugung sowie des Verschleißes von Mazzoth eine Kultusgebühr irq Betrage bis zu S 10.50 für 100 kg zur Einhebung zu bringen* Gemäß § 22 des Gesetzes vom 21. März 1890, RGBl. Nr. 57* ist zur Einhebung der statutenmäßig auferlegten Leistungen die politische Exekution gewährt. In den letzten Jahren hat es sich mehrfach ereignet, daß Mazzotherzeuger oder Mazzothimporteure an den Kultusvorstand um Nachsicht der Gebühr nachträglich mit der Angabe herangetreten sind, sie hätten bei den Verkaufsabschlüssen dieselbe nicht in Berücksichtigung gezogen. Der Kultusvorstand .sieht sich daher veranlaßt, schob derzeit auf die Verpflichtung zur Entrichtung der Gebühr aufmerksam zu machen und aufzufordern, etwaige Ansuchen um Ermäßigung der Gebühr unter Angabe des in Betracht kommenden Quantums von Mazzoth bis spätestens 25, Februar d. J. einzubringen. Angesichts der Finanzlage der Gemeinde und des Umstandes, daß die Erträgnisse dieser Kultusgebühr für Armenzwecke verwendet werden, wird eine nachträglich«? Ermäßigung oder ein Nachlaß der Gebühren nicht zu gewärtigen sein. Um die Grundlagen für die Gebührenvorschreibung zu schaffen, sind die Organe der Israel. Kultusgemeinde angewiesen, die Erhebungen über die Erzeugungs, und Ver* kaufsstätten von Mazzoth mit aller Umsicht zu pflegen. Jugendgottesdienst für Volks-, Bürger-, Haupt- und Mittelschüler (Schülerinnen) im II. Halbjahr des Schuljahres 1927/28 Der Jugendgottesdienst im II. Halbjahr des Schuljahres 1927/28 wird am 18. und 25. Februar, am 3., 10., 17., 24, und 31. März, am 14., 21. und 28. April, am 5., 12. und 19. Mai und am 2., 9. und 16. Juni d. J. jedesmal um 3 Uhr nachmittags in folgenden Synagogen abgehalten: I., Seitenstettengasse 4, II., Tempelgasse 3, V., Siebenbrunnengasse la, VI., Schmalz» bofgasse 3, VIII., Neudeggergasse 12, IX., Müllnergasse 21, X., Humboldtgasse 27, XIII,, Penzingerstraße 132, XV., Turnergasse 22, XVI., Hubergasse 8, XVIII., Schopenhauerstraße Nr. 39, XIX., Dollingergasse 3, XX., Kluckygasse 11 und XXI.* Holzmeistergasse 12. Vertretungen während der Vakanz der Oberrabbinerstelle Um bis zur Wiederbesetzung der durch das Ableben des Herrn Oberrabbiners Dr. H. P. C h a j e s vakant gewordenen Stelle des Oberrabbiners die klaglose Durchführung der dem Rabbinatskollegium (Beth Din) obliegenden Agenden, sowie, die Versehung der rabbinischen Funktionen im Stadttempel zu gewährleisten, hat der Kultusvorstand provisorische Maßnahmen verfügt, durch welche dem seinerzeit zu beschließenden Definitivum in keiner Weise vorgegriffen wird. Der Gemeinderabbiner Dr. David Feuchtwang wurde damit betraut, bei den Agenden des Rabbinatskollegiums (Beth Din) mitzuwirken, den zeitweiligen Vorsitz in diesem Kollegium zu übernehmen und im Sinne der Bestimmungen des § 37 des Kultusgemeindestatutes das Rabbinat in jenen Belangen zu vertreten, in welchen die Vertretung des Rabbinates durch den Oberrabbiner zu geschehen hat, Bezüglich der Abhaltung der Predigten im Stadttempel wurde verfügt, daß dieselben von Freitag, den 27. Jänner 1. J. angefangen, abwechselnd, und zwar in alphabetischer Reihenfolge von den Herren Gemeinderabbinern Prof. Dr. J. M. Bach, Dr. David Feuchtwang, Dr. Max Grünwald, Dr. Israel. T a g 1 i c h t und Dr. Moses Rosenmann abgehalten werden. Die Predigten finden an jedem zweiten Freitag-Abend statt. Von der Bibliothek der israel. Kultusgemeinde Wien Die Bibliothek wurde im Monate November 1927 von 1121 Lesern besucht, die 2473 Werke, bezw. 3446 Bände be~ nützten. Entlehnt wurden an 202 Personen 333 Werke in 486 Bänden, zurückgestellt wurden 247 Werke, bezw. 408 Bände. Im Berichtsmonate hat die Bibliothek 128 Werke neu erworben, — Im Monate Dezember 1927 wurde die Bibliothek von 1034 Lesern besucht, die 2484 Werke, bezw. 3306 Bände benützten. Entlehnt wurden an 194 Personen 300 Werke in 416 Bänden, zurückgestellt 209 Werke, bezw. 338 Bände. In diesem Monate hat die Bibliothek 99 Werke neu erworben. Matrikenbericht für den Monat Jänner 1928 Beim Matrikenamte der Israel. Kultusgemeinde gelangten im Monate Jänner zur Eintragung: 125 Geburten, 234 Sterbefälle, 66 Austritte aus der isr. Religionsgesellschaft und 23 Eintritte ins Judentum, bezw. Rückkehr zur israel. Religionsgesellschaft. > Veränderungen im Kultusvorstande An Stelle des infolge Mandatsniederlegung aus dem Kultusvorstande ausgeschiedenen Herrn Siegmund B o n d i (Aguda) wurde Herr Michael Sternfeld, an Stelle der Herren Oberbaurat Rob. Stricker und Dr. Leop. Plaschkes (Zionistische Partei), welche gleichfalls ihr Mandat zurückgelegt haben, die Herren Moses Rath und Dr. Sanel Beer, und an Stelle des dahingeschiedenen Herrn Sigmund E p 1 e r (Zionistische Partei), Herr Dr. J. H, Körner, gemäß den Bestimmungen der Wahlordnung in den Kultusvorstand einberufen. Personalien Der Vorstand der Israel, Kultusgemeinde Wien hat dem Verwalter ira Spitale der Isr. Kultusgemeinde, Hugo Welss, den Titel „Oberverwalter“ und der Frau Dr. Chaje Salo» m o n eine Sekundararztensstelle in der Versorgungsanstalt der Israel. Kultusgemeinde verliehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.