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Die Stimme · 1928-01-12 · Heft 2 (12.1.1928) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 2 (12.1.1928)
Date
1928-01-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 2 richtig diese Vorwürfe auch sein mögen, so könnte man leicht aus ihnen einen Unterton hören, daß alle Versuche, die Organisation zu beleben, vergebens seien, wenn.Einer solchen Auffassung möchte ich aufs entschiedenste widersprechen. Vor allem ist mit Vorwürfen nichts gebessert und die inneren und äußeren Hemmungen, die der Judaisierungsarbeit im Galuth entgegenstehen, werden dadurch nicht beseitigt. (So ist zum Beispiel die Frage des richtigen Hebräischunterrichtes für erwachsene, meist überbeschäftigte Leute, bis heute von den Fachleuten noch nicht gelöst worden.) Zweitens aber ist das kein Hindernis dafür, die Organisation wieder aufzurichten. Wir müssen alle, die unsor Programm annehmen, erfassen und festhalten, ob sie nun imstande sind, sich auch innerlich und gründlich weiterzuentwickeln oder nicht. In allen Bewegungen gibt es Kerntruppen und Peripherie, keine aber kann ohne den breiten Strom der weiteren Anhängerschaft Erfolg haben, denn der Kern ist überall klein. Wir sind doch eben dabei, sogar den Nicht zionisten einen großen Einfluß auf den Aufbau einzuräumen, sollen wir bei uns ^felbst Zionisten zweiten und dritten Grades unterscheiden? Dieser Pakt mit den Nichtzionisten ist, darin haben die Radikalen recht, nicht ohne Gefahren. Doch nicht durch Angriffe und Einschüchterungen lassen diese sich beschwören, sondern nur dadurch, daß wir den Nichtzionisten, die nur lose und nicht einheitlich organisiert sind, die keine starke Ideologie besitzen und keine innerlich so fest gegründete Verbindung mit dem Werden in Erez Israel, einen mächtigen Block gegenüberstellen, eine an Zahl, Entschlußkraft und Leistung bedeutende zionistische Organisation. An Leistung — damit meine ich in diesem Zusammenhang nicht jene in Palästina, sondern die an Aufbringung von Mitteln. Auch hier tut ein Wandel in der Auffassung not. Bisher haben sich die europäischen Zionisten allzusehr auf Amerika verlassen, in der Meinung, dieses sei viel leistungsfähiger als wir selbst. Das ist nur potentiell der Fall, in Wirk-’ lichkeit geben auch in Amerika meist nur die kleinen Leute (zwei Drittel der Spender für den Keren Hajessod gaben weniger als 25 Dollar). Und im Herbst vorigen Jahres erlebten wir es, daß die monatlichen Beiträge Amerikas von 20.000 auf 10.000 Pfund sanken, indes Weizmann in dem besiegten und tributären Deutschland in wenigen Tagen 20.000 Pfund aufzubringen vermochte. Es ist kein Grund dafür vorhanden, daß Europa, das gegenüber der Geldkraft der Amerikaner die überlegene Zahl der Juden und ihre größere innere Nähe zur Bewegung besitzt, weniger aufbringen sollte als Amerika. Vollends kann keine Rede davon sein, daß wir die geistige Führung an Amerika abtreten müßten. Dasalte Rußland und Zentraleuropa haben die zionistische Ideologie geschaffen, dort waren ihre starken Quellen, von dort stammen alle ihre großen Führer. Mit dem Fortfall Rußlands und mit dem infolge des Mandats verstärkten Gesicht der angelsächsischen Länder ist der zentraleuropäische Zionismus in den Hintergrund gerückt worden, dennoch konnte sich seine derzeitige Hochburg, der deutsche Zionismus, ruhmvoll behaupten. Jedenfalls braucht, wie im Materiellen, auch im Geistigen Europa nicht die Vorherrschaft an Amerika abzutreten. Wird man sich aber wieder klar, daß auch jede kleine europäische Organisation, wie zum Beispiel die österreichische, die übrigen immer wieder dem Zionismus wertvolle Kräfte gestellt hat, für ihn auch heute viel bedeuten kann, wenn sie sich wieder zu organisatorischen, geistigen und materiellen Leistungen aufschwingt, dann wird das Vertrauen der Zionisten hierzulande gestärkt werden, was eine Vorbedingung für das Wiedererwachen einer Freude ander Organisation ist. Unser Streben, wie unser Aktionsradius reicht weit über die engen Grenzen unseres kleinen Landes; was wir zionistisch leisten, wirkt in dei große Weltorganisation hinaus, die trotz aller aus Zweckmäßigkeitsgründen geschaffenen Unterteilungen nach Ländern eine Einheit ist und bleibt. Die Schaffung des Pro - Palästina - Komitees für Oesterreich (eine der vielen positiven Leistungen unseres Präsidenten Dr. Leo Goldhammer) kann symbolisch als ein Anschluß des Zionismus in Oesterreich an den in den Westländern angesehen werden. Für uns selbst ist sie eine Mahnung mehr, unsere eigene Organisation wieder fest zu begründen und sie zu einer Kraftquelle für die Weltbewegung zu gestalten. Nachbem. der Redaktion: Im Anschluß an diesen Artikel wird daran erinnert, daß sich aus eigener Initiative eine »Werbekommission« des österr. Landeskomitees unter Vorsitz des Verfassers des hier veröffentlichten Aufsatzes gebildet hat. Dieses Komitee hat sich zur Aufgabe gestellt, die Zionisten, die aus irgend einem Grunde nicht mehr zur Organisation gehören, wieder in diese zurückzuführen. Zu diesem Zwecke wurden schon einige Werbeversammlungen veranstaltet, bei denen sich jeder Anwesende verpflichtete, in seinem Kreise die Wiederanmeldungen zur Organisation zu sammeln. Das Komitee fordert alle Zionisten auf, sich vom Büro des Zion. Landeskomitees die Anmeldekarten zusenden zu lassen und sich an dieser Aktion zu beteiligen. Das österreichische Pro- Palästina-Komitee Die Vorarbeiten für die nach dem Beispiel anderer Länder inaugurierte Schaffung eines österreichischen Pro-Palästina-Komitees, an dem Vertreter sämtlicher wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Kreise Oesterreichs teilnehmen, sind bereits soweit gediehen, daß die Konstituierung in der zweiten Jännerhälfte zu erwarten ist. Wie wir erfahren, sollen dem Präsidium des österreichischen Pro-Palästina-Komitees Ministerpräsident a. D. Wladimir Beck, der österreichische Delegierte beim Völkerbund Exz. Meusdorf f, dem Ehrenpräsidium Mitglieder der österreichischen Regierung sowie Polizeipräsident Exz. Dr. Schober angehören. Der Konstituierung des Komitees werden u. a. der Präsident des deutschen Pro-Palästina-Komitees Botschafter Graf Bernstorff und Nahum Soko- I o w, der Präsident der zionistischen Exekutive beiwohnen. „Palästina“ Monatsschrift für die Erschließung Palästinas Das einzige Organ, das alle den Ausbau des jüdischen Palästina betreffenden Fragen behandelt und das ganze sonst weithin zerstreute darauf bezügliche Material konzentriert. Redaktion: Adolf Böhm / Zu beziehen durch die Administration: Wien I, Kärntnerstraße 28 Bezugspreise für Österreich S 10*—, für Ausland S 12*— Ein Jahr Monatsschrift »Palästina« Es ist im ganzen ein Jahr, seit dank der Initiative des zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, die Monatsschrift »Palästina« nach der langjährigen Unterbrechung wieder unter der Leitung von Adolf Böhm erscheint. Diese kurze Spanne Zeit gäbe noch keinen Anlaß zu spezieller Registrierung, wäre nicht etwas anderes erwähnenswert: Die zwölf Hefte der Monatsschrift, deren letztes im Dezember 1927 erschienen ist, bilden weit mehr als einen Jahrgang einer Zeitschrift, sie sind ein Kompendium für Palästinakunde. Und Palästinakunde ist heute notwendiger denn je, da der Aufbau Palästinas durch und für das jüdische Volk Wirklichkeit ist und daher Erez Israel für den Juden und besonders für den Zionisten nicht Land der Träume sein soll, sondern Land der Realität. Und diese Realität stellt die Zeitschrift »Palästina« in jedem ihrer Hefte mit allen Einzelheiten, die zur Wesenheit des Begriffes Erez Israel gehören, dar. Vom Boden seiner Bebauung, seinen Erträgen und seiner Rentabilität, seinen Früchten und ihrer Verwertung, seinen Bäumen und Quellen, vom Handel und vom Handwerk, von Industrien und Industriemöglichkeiten, von Verkehrswegen und Zöllen, von den Menschen und ihrer Gemeinschaft — von allem gibt die Monatsschrift »Palästina« sachliche, klare, vergleichende, vor- und rückschauende Information. Aus diesen zwölf Heften, die etwa 700 Seiten haben, ist die Wirklichkeit Erez Israel sozusagen in mathematischem Ausdruck klargelegt. Die besten Namen, deren fachliche Bedeutung die volle Verantwortung für die Darlegungen trägt, unter denen sie stehen, haben diese Darstellungen gegeben. Ernst Davis, Agronom Ettinger, A. Granovsky, Artur Ruppin, Sir E. Russell, Agronom Zagoradzky — diese Aufzählung ist eine kleine Auslese aus der Zahl der Mitarbeiter an der Monatsschrift »Palästina«. Sie hat mit diesem ersten Jahrgang ihres Neuerscheinens viel für die Verbreitung sachlicher realer Palästinakenntnis geleistet und tritt nun, mit dem Dank aller an Erez Israel Interessierten, für die ausgezeichnete Lösung einer Aufgabe, die durch die große Lösung unseres Aufbauzieles von Tag zu Tag wächst, ins neue Erscheinungsjahr, Sich und dem Werk, dem sie dient, erwirbt sie damit immer neue Freunde. * Zur Komplettierung des soeben abgeschlossenen Jahrganges der Monatsschrift „Palästina" sind Einzelhefte gegen Voreinsendung des Betrages von 80 'Groschen für die einfache und S 1.50 für die Doppelnummer in der Administration Wien I, Kärntnerstraße 28, erhältlich. Die iH e f t e 3 u n d 6/7 sind vergriffen und werden von der Administration zum Preise von S 1.— für die einfache und S 1.80 für die Doppelnummer zurück g e k ia u f t. Das Jahresabonnement für den jetzt beginnenden neuen Jahrgang beträgt für Oesterreich S 10.—, für das Ausland S 12,—. Der Preis für das Halbjahresabonnement ist S 6.— für Oesterreich und S 7,— für das Ausland. Der neue Jahrgang erscheint in vergrößertem Format und mit vermehrtem Inhalt. Die am 20, Jänner erscheinende Doppelnummer enthält u. a. als erstes authentisches ausführliches Referat über die innerhalb des Judentums so heftig umstrittene Frage der jüdischen Kolonisation in Rußland einen zwei Bogen starken Bericht des bekannten Kolonisators Dr. Arthur Ruppin, der im Herbst 1927 Rußland bereist und sich an Ort und Stelle über die jüdische Kolonisation informiert hat. Wochen-Kalender Jänner 1928 j Gedenktage rrs-in röB 12 Donnerstag 19 — 13 Freitag 1897—- David Schwarz, Erfinder des ersten starren Aluminiumluftschiffes gestorben. n 1 o i 14 Samstag 1835- Felix Otto Dessoff, berühmter Kapellmeister und Tonkünstler, geboren. 21 - K3 Haftarahi Haboltnhaschresch 15 Sonntag 1B51— der bekannte Berliner humoristische Schriftsteller Alexander Moszkowski zu Pilica (Rußland) geboren. 1902— Gründung de$ jiid. Nationalfonds. n n 1 CM 01 1 1 16 Montag 23 — 33 17 Dienstag n r 1 18 Mittwoch 1890— der Kantor und synagogale Komponist Salomon Sulzer gestorben. 25 - ns Michael Kunstadi gestorben Am 31. v. M. ist der bekannte Holzindustrielle, Herr Michael Kunstadt, Mitglied des Misrachi-Vorstandes, plötzlich verschieden. Er war ein Sohn des berühmten Radautzer Rabbiners Isaak Kunstadt und Enkel des großen Rabbi Akiba Eger und ein treuer, hingebungsvoller Zionist und Misrachist. Bei der Leichenfeier hielt Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t eine ergreifende Trauerrede, Herr M. Gross nahm namens der »Misrachi« von dem Verstorbenen bewegten Abschied. Aus den zionistischen Ortsgruppen Graz Trauerieicr für Oberrabbiner Chiajes. Die zionistische Ortsgruppe 'Graz veranstaltete am 27, Dezember im Stadttempel eine Trauerfeier für Oberrabbiner Prof. Ghajes, Alle Schichten der jüdischen Bevölkerung wohnten diesem würdigen Akt der Ehrung bei. Oberkantor Heinrich Katz und der jüdische Gesangverein trugen einen Trauerpsalm vor; sodann sprach im Namen der zionistischen Ortsgruppe Herr Karl Sc'hwarz, worauf Rabbiner (Prof. David Herzog in beredten Worten ein IBild des großen Toten entwarf. Nadh dem „El mole raebamim" widmete der Präsident der Grazer Kiultusgemeindc 'Dr, Robert iSonnenwald dem Dähingegangenen tiefempfundene Worte des Gedenkens. iMit dem vom Oberlcantor und dem jüdischen Gesangverein stimmungsvoll vorgetragenen „Adonaj, moh odom wateisoeihu" sdhloß die würdige Feier. Linz Jüdische Bildungsstelle. Vor einiger Zeit hat sich hier unter dem Präsidium des Kultuspräsidenten Herrn Schwager eine »jüdische Bildungsstelle« gegründet, welche es sich zur Aufgabe macht, jüdische Kunst und Wissenschaft zu vermitteln und überdies für Geselligkeit zu sorgen. Die Bildungsstelle hatte bisher drei Veranstaltungen, die gut besucht waren und allgemeinen Anklang fanden. Zionistische Diskussionsabende. Anläßlich des letzten Diskussionsabendes der hiesigen Ortsgruppe hielt Herr Fritz P i s i n g e r ein Referat über die historischen Grundlagen der Balfour-Deklaration. Der sehr gediegene, gründliche Vortrag fand allgemeine Anerkennung. In der sich darauf entwickelten Diskussion führte Herr Piskaty aus, daß England seit Jahren seinen Mandatspflichten in keiner Weise nachkomme, was wohl wohl die Grundlage für eine großzügige zionistische Arbeit wäre. Salzburg Chajes-Gedenkleier der Kultusgemeinde. Die Salzburger Kultu&gemeinde und die zionistische Ortsgruppe der Stadt veranstalteten am 31. Dezember v. J. eine gemeinsame Trauerfeier für den verewigten Oberralbbiner Prof. Chajes, bei d'er Oberrechnungsrat P o 11 a k für die jüdische 'Gemeinde, Herr Josef SchÖnlh'orn, der Obmann der zionistischen Ortsgruppe, in deren iNamen und Herr Walter Schwarz für die Keren« iHajessod-Komimssion eindrucksvolle Gedenkreden hielten. Die Trauergäste stifteten 20 O eibäume für den vom jüdischen Nationalfonds zu errichtenden Chajes-Wald in Erei- Israel, Redaktionsschluß Montag abends; später einlangende Verlautbarungen und Ankündigungen, deren Publikation in unserem Blatte gewünscht wird, können in der laufenden Wochennummer nicht mehr Aufnahme linden. Wir ersuchen allen Manuskripten, die uns nicht über Verlangen eingesendet werden, Rückporto heizulegen, da sonst Rücksendung nicht erfolgt. 'W .•» . . f Erfaild eure ‘Pflicht gegen den Keren vUCICllf Hctjessod, den jüdischen ¥futbautcnd für

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