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Die Stimme · 1928-01-12 · Heft 2 (12.1.1928) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 2 (12.1.1928)
Date
1928-01-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 2 DIE STIMME Seite 9 Vereinsnachrichten Zionistische Sektion Prater. Mittwoch, den 18. d. M., um 8 Uhr abends, im Heime II., Jungstraße 8, Vortrag Dr. Leo Goldhammer: »Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden.« Zionistische Bezirkssektion III. Dienstag, den 17. Jänner,!49 Uhr abends Cafe »Lovrana«, III., Löwengasse 36, Vortrag Dr, Oskar Rosenfeld : »Jüdisches Theater.« Gäste herzlich willkommen. Zionistische Sektion VI—VIII: Heute, Donnerstag, 12. Jänner. H8 Uihr abends, im Vereinsheim VHHiI., ©ennoplatz 1 a, Vortrag Adolf tBö'hm: „Die Lage in Palästina nach dem letzten Kongreß“ (Rückblick und Ausblick). Gäste willkommen! Misrachi. Sonntag, den 15, Jänner, findet im Saale der »Scholle«, II., Lilienbrunngasse 1 a (Dianabadgebäude), eine Trauerfeier des Misrachi für Oberrabbiner Dr. C h a j e s s, A. statt. Sämtliche Misrachisten und Gesinnungsgenossen sind auf diesem Wege eingeladen. Verband der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden. Heute, Donnerstag, den 12. Jänner, pünktlich 8 Uhr abends, im Bürgercafe, II., Praterstraße 11, Vortrag des Herrn Direktors S lern (Austro-orientalische Handelskammer) »Ueber aktuelle Wirtschaftslagen«. Anschließend Diskussion, Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 16. Jänner, 8 Uhr abends, im Klubsaal der »Hakoah« Wien, I., Wipplingerstraße 24—28 (Cafe »Altes Rathaus«), Vortrag von Medizinalrat Dr. Heinrich H a a s e über »Christentum und Judentum«. Eintritt frei. Gäste willkommen. Jüdischer Wanderbund »Blau-Weiss«. Sonntag, den 22. Jänner, Uhr abends, in den Künstlerspielen »Pan«, I„ Riemergasse 11, Akademie unter der Devise »Der Blau-Weiss macht eine Akademie«. Karten zum Preise von S 1.50 bis 3.50 sind im »Blau-Weiss«-Heim, IX., Währingerstraße 15, erhältlich. Jüdisches Zentrum der Sozialen Hilfsgemeinschaft Anitta Müller (II., Untere Augartenstraße 35). — Voranzeige! Die Jüdischen Sonntag-Nachmittage beginnen wieder am 22. Jänner. Näheres wird noch bekanntgegeben. Trauerleier für Oberrabbiner Dr« Chajes. Die Zionistische Sektion, sämtliche Bethäuser und jüdischen Vereine des Praters veranstalten Montag, den 16. d. M., um 8 Uhr abends, im Prachtsaal des Restaurant Kadermann, II., Ausstellungsstraße — vis-ä-vis Cafe Abbazia — eine T r a u e r f e i e r, bei der die Herren Rabbiner Dr. Feuchtwang und Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde, sprechen werden. Die kantorale Funktion versieht Oberkantor Wahrmann. Juden des Praters, ehrt den großen Toten und erscheinet in Massen!! II In «I Grundstück jj Angelegenheiten J jj Kauf * * Verkauf | p Verwaltung 1 Belehnung f|§§ betreffend | Häuser / Villen | Güter j§l wgüdgjnian sich vertrauensvoll an die §|§ Realitäten- und Verwaltungskanzlei Dr. jur. Marem Somer ir Wien, IX. Währingerstraße 3 n Telephone: A 26-4-47 * 15-506 j| ] Stimmen aus aller Welt [ »Whitechapel einst und jetzt« heißt eine Betrachtung in der Londoner jiddischen »Zeit«, in der Morris M y e r die Bilanz über ein Vierteljahrhundert jüdischen Emigrantenlebens in London aufstellt. »Vor 25 Jahren gab es in der Londoner »East« eine Unzahl von Vereinen, Gesellschaften, Klubs und »Halls«, in denen lebhaft und leidenschaftlich agitiert und debattiert wurde. Die aus den östlichen Ländern der politischen Knechtschaft eingewanderten jüdischen Massen genossen hier in vollen Zügen das Recht, große freie Worte zu hören und zu reden. Es waren die Zionisten und Bundisten, Anarchisten, Sozialdemokraten und Poale Zion, die gegeneinander mit Elan und Begeisterung gekämpft und so ein pulsierendes jüdisches Gesellschaftsleben entfaltet haben. Heute hat man sich in Whitechapel das Streiten um Ideen gründlich abgewöhnt. In den ehemaligen Debattierklubs wird jetzt fleißig Karten gespielt. Anarchistische Heime gibt es heute nicht mehr und auch die jüdischen politischen Vereine haben zu existieren aufgehört. Die Zionisten betreiben energisch Geldsammlungen für Erez Israel — doch wird man sich wohl hüten, in den Verdacht des Idealismus zu kommen. Neue Einwanderer gibt es nicht in Whitechapel und die alten sind erschöpft, innerlich müde geworden ...« Eine in der Warschauer »Hacefivah« veröffentlichte Unterredung mit dem Oberrabbiner von Finnland, Dr. Schalom Treistmann, gibt Aufschluß über die Lage der Juden in diesem Lande. »Die in Helsingfors lebenden fünfhundert jüdischen Familien erfreuen sich fast ausnahmslos eines bedeutenden Wohlstandes. Ein erheblicher Teil der finnländischen Juden ist in intellektuellen Berufen, als Rechtsanwälte, Techniker, Aerzte usw. tätig, aber auch in der Papier- und Trikotindustrie und am Holzhandel haben die Juden wesentlichen Anteil. Betrüblich ist die Tatsache, daß fast alle Helsingforser jüdischen Familien, dank den ehemaligen zaristischen Wohnrechtsbeschränkungen, die eine normale jüdische Zuwanderung unmöglich machte, miteinander blutsverwandt geworden sind und degenerative Erscheinungen zu zeitigen begannen...« Ueber den Mangel an hebräischen Lehrbüchern in Sowjetrußland schreibt der hebräisch-jiddische Schriftsteller Benzion Kate im Rigaer „Frimorgen“: „Seit dem Ende des Krieges hat man in Rußland keine hebräischen Bücher mehr gedruckt. Gebetbücher mußten in Moskau auf photographischem Wege hergestellt werden. Die Bibel aber und andere Werke der klassischen und modernen hebräischen, Literatur mußten als Schmuggelware aus dem Ausland herbeigeschafft werden. Hebräische Lehrbücher sind in ganz Rußland überhaupt nicht zu bekommen und der hebräische Lehrer, der Sprachunterricht erteilt, muß sich hiebei des Gebetbuches oder der Bibel bedienen, die aber auch nur in verhältnismäßig geringer Zahl vorhanden sind und immer seltener werden. Es wäre Pflicht des Judentums der ganzen Welt, den russischen Juden auch in der Beziehung zu Hilfe zu klimmen. Jedermann kann heute an einen jüdischen Bekannten in Sowjetrußland ein einziges hebräisches Buch schicken. Dies ist gesetzlich zulässig und von nicht unerheblicher Bedeutung für die Bekämpfung der Unwissenheit innerhalb der russischen Judenheit.« * Den Defaitismus in der zionistischen Bewegung, der auch die Zionisten außerhalb Palästinas zu erfassen droht, bekämpft der exekutivfreundliche »Doar Hajom«. »Die gegenwärtige Situation« — schreibt das Blatt — »ist durch Ohnmacht und Willenlosigkeit gekennzeichnet. Die Kassen sind leer und die Lehrer und Angestellten haben bereits den sechsten Monat ihre Bezüge nicht bekommen. Die Arbeitslosenziffer ist noch immer nicht gesunken und trotzdem merkt man keinerlei Anzeichen einer Steigerung des Opferwillens der großen jüdischen Welt für die dringenden Lebensnotwendigkeiten Palästinas, Und täuschen wir uns nicht: Der nationale Enthusiasmus droht immer tiefer zu sinken, wenn wir nicht mit aller Kraft und Zielbewußtheit die defaitistische Seuche bekämpfen werden.« Ueber die vom misrachistischen Weltverband einberufene Konferenz der jüdischen orthodoxen Vereinigungen Amerikas, die den Zweck hatte, die breiten Massen des religiösen Judentums der Vereinigten Staaten für das Aufbauwerk in Pa- Jästina zu gewinnen, schreibt das New Yorker jiddische »Morgen-Journal«: »Dem Beschluß, dahin zu wirken, daß mindestens ein Mitglied einer jeden Kongregation jährlich einmal Palästina besuche, kommt große Bedeutung zu. Die Spenden, die man durch »Appells« von den religiösen Juden bekommt, reichen nicht aus und es besteht leider keine Aussicht, auf diesem Wege mehr zu erlangen. Der Tourist aber, der Erez Israel besucht, bringt dem Lande durch seine bloße Anwesenheit nicht unbeträchtlichen Nutzen und kann dann, nach seiner Rückkehr, in wirksamerer Weise für die Unterstützung des Palästinaaufbaues werben, als dies mit den üblichen Argumenten, ohne persönliches Erlebnis, möglich ist.« Die Krise in der Wirtschaft und in der Stimmung des jüdischen Fischuw in Palästina wird in der dortigen hebräischen Presse sehr eingehend behandelt. »Haarez« wendet sich gegen die drohende Gefahr der nationalen Passivität. Wir dürfen die Energie, die wir beim Ausbruch der Krise zu entfalten begannen, nicht wieder erlahmen lassen. Der Geist des Zweifels und der Verzweiflung hat unseren Mut zur Rettung sinken lassen und uns daran gehindert, die Mittel zu suchen, die wenigstens eine teilweise Lösung der Krise herbeiführen könnten. Man hat sogar schon die ersten verheißungsvollen Pläne, die auf eine Ersetzung der Arbeitslosenunterstützung durch eine produktive Arbeitslosenfürsorge hinausliefen, fallen gelassen. Die jüdischen Kolonien wären zweifellos in der Lage, für zahlreiche Arbeitslose Beschäftigung und Verdienst zu schaffen. Ferner haben die jüdischen Mandatare in den einzelnen Stadtverwaltungen mit mehr Nachdruck dafür einzutreten, daß die jüdischen Arbeitslosen zu den verschiedentlichen Arbeiten herangezogen werden. In gleicher Weise müßte auf die Regierung eingewirkt werden. Die Palästina-Regierung veröffentlichte vor kurzem ein Gesetz zum Schutz vonFrauen - und Kinderarbeit. Im »Dawar« nimmt Dr. W. P r e u s s dazu Stellung. Er bezeichnet die Verordnung als einen wichtigen Schritt vorwärts zu einer sozialen Gesetzgebung in Palästina. Von den einzelnen Bestimmungen der Verordnung hebt der Verfasser den § 12 hervor, der einer der häßlichsten Erscheinungen des Landes, der unbegrenzten Ausbeutung kleiner Kinder in handwerklichen und industriellen Betrieben ein Ende mache. Es sei nur zu bedauern, daß die Altersgrenze für die Beschäftigung von Kindern nicht, wie in den meisten Ländern der Welt, auf 14 Jahre festgesetzt ist, sondern auf 12. Ferner sei es zu bedauern, daß das Verbot der Beschäftigung von Kindern unter 12 Jahren sich nur auf industrielle Betriebe und nicht auch auf Arbeiten in Büros, bei Baustellen etc. bezieht. Einen weiteren Mangel erblickt der Verfasser darin, daß die Verordnung den Kindern keine Möglichkeit der Fortbildung außerhalb der Arbeit sichere. Palästina Beschäftigung der Industrie in Erez-Israel Nachfrage nach jüdischen Arbeitern. Nach den letzten uns aus Haifa zugekommenen Berichten ist der Beschäftigungsstand in den größeren industriellen Betrieben des Landes gegenwärtig kein schlechter. Die Zementfabrik »Nescher« in Haifa arbeitet gegenwärtig mit voller Kraft (aus eigener elektrischer Station) mit 230 Arbeitern in drei Schichten. Bei der Kalkzubereitung sind 70 arabische Arbeiter beschäftigt. Die Haifaer O e 1 - und Seifenfabrik »Schemen« kann wohl noch nicht mit voller Ausnützung der Kapazität arbeiten, doch haben sich die Entwicklungsmöglichkeiten durch den neugeschaffenen Einfuhrzoll für Seife und Oele gebessert. Gegenwärtig sind bei ungefähr halber Arbeitswoche 160 ausschließlich jüdische Arbeiter in drei Schichten beschäftigt. Die Rothschildsche Getreidemühle in Haifa arbeitet voll in zwei Schichten, ebenso ihre Mazzothabteilung. Die Mühle hat jetzt mit dem Export großer Mengen ihres Produktes nach Aegypten begonnen. In Tel-Awiw hat die Schuhfabrik »Keter« durch einen großen Auftrag auf weiße Schuhe für Syrien schon jetzt, noch vor Eintritt der Sommei$aison, ausreichend zu tun. Die Lederwarenfabrik der Firma Goldberg, die im letzten Jahre nur drei Arbeiter beschäftigte, arbeitet jetzt mit 18 Arbeitern, nachdem sie ihren Betrieb vergrößert hat. Es wird hauptsächlich in Handbetrieb erzeugt. Die Tel-Awiwer Möbelfabrik der Firma Lewinstein ist durch einen Auftrag auf Herstellung der Inneneinrichtung des Palastes des Emir Abdullah, des Herrschers von Transjordanien, gegenwärtig ausreichend mit Arbeit versehen. Vor kurzem wurde die seit etwa 20 Jahren als Hausindustrie bestehende Korkerzeugung der Familie Davidsohn, bei der fünf Familienmitglieder beschäftigt waren, in eine moderne Fabrik mit elektrischem Betrieb umgewandelt, in der heute bereits mehrere Lohnarbeiter beschäftigt sind. Die Er- Eine neue vom Keren Hajessod errichtete Siedlung in Geingar. ^78775196^^^100082 5353234853230248482348534853 999999999999999999996 9995

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