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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-15 · 32 (15.8.1919) · p. Seite 412

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
32 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
Seite 412 (sequence 8)
Language
German
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Seite 508 Dr.. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT c Nr. 32 eiai Mann von ziemlich einfachen Allüren und Gewofmheiten, der mit «der jüdischen, rastlosen Energie und messianisehen Hofmuiig auf Erlösung der Menschheit kein anderes" Streiken kennt/ als" die radikale Verbesserung der Lage der arbeitenden Klas'se. Bereits vor dem Kriege wurde ihm die Leitung eines eigens' im Hinblick auf seine Person zu errichtenden Ministeriums für Arbeiterangelegenheit-Bn angebbten, was! er mit der Erklärung ablehnte, daß er die Erfüllung seiner Mission bes'ser als -Arbeiterführer gesichert sehe, denn als Minister. Gompers' Stellungnahme gegenüber dem Bolschewismus', der alles1 Privateigentum abschaffen und die Menschheit auf die niedrigsten Stufen der Armut zurückführen will, ist besonders wichtig- Seine Botschaft an die Arbeiter, in der er betont, daß der sozialpolitische und industrielleFortschritt nur auf dem1 Wege der Evolution und Verbrüderung, nicht aber durch' TnduvidualisierujQg und Anarchie möglich'"Ist, wird eine gute Wn% fcung haben. Wir unsererseits möchten noch besonders auf ihn mit der ganz bestimmten Absicht hinweisen, um-den Juden Gompers1 dem Juden Trotz ki, dem Bolschewisten, gegenüberzustellen. Vom Leben der Juden in Japan. „The Chicago Israelite" vom 31. Mai 1919 veröffentlicht einen Bericht über das' jüdische Leben in Japan, in dem bereits' alle Schattierungen, Zionismen, Nationalisten, Assimilanten und Sozialisten vertreten sind Die meisten Juden kamen wahrend des' Krieges auf ihrer Flucht aus den russischen Wohnorten nach Jarjan und haben sich' hauptsachlich' in Yokohama nieleTgelas'sea. In der jdort neu jentstand|enen Gemeinde wird im Augenblick heftig juber die Frage des1 Nationalismus und des' Sozialismus debattiert. Yokohama besitztfetzt auch' eine Synjggoge. Eine - altere jüdische Gemeinde befindet sieb in Nagasaki, die aus' polnischen und litauischen Juden besteht, die während des rassiscli-japanlschen Krjegeä in Gefangenschaft gerieten. Viele von ihnen haben sich ihre Familien nächkommen lassen, einige haben auch' japanische Frauen geheiratet, die sich bemühen, möglichst getreu das Gestetz zu - befolgen. Die Japaner behandeln die Juden mit Achtung. Einige alte Adels1geschlechter in 'Nagasaki sollen sogar zum Judentum^ Übergetreten sein. Es gibt auch'jüdische Assitnüanten, die nur Japanisch sprechen, und sich wie echte Japaner gebärden. Die jüdische Gemeinde in Nagasaki zählt 150 Familien; sie besitzt einen jüdischen Friedhof, auf dem auch' viele im ru.s'sis'chjapanisbhen Kriege Gefallene ruhen. Als hauptsächlichste Gewerbe üben die japanischen Juden das Schneider- und Schühmacherhandwerk aus, und da sie die einzigen sind, die europäische Kleidung anfertigen, so erfreuen sie sich großer Sympathien; ihre Geschäfte gehen infolgedessen glänzend. AuÖer- Yokohama und Nagasaki gibt es noch andere kleinere jüdische Gemeinden in Japan. Korrespondenzen. Die einzige jüdistehe Augenklinik in Not! (Ein Hilferuf aus Palästina.) Aus" Kopenhagen erhielten wir das folgende Telegramm: „Rabbiner Dr. Max Grunwald, Wien, David je11 in aus' Jerusalem telegraphiert für Sie folgendes: Da Sie Kliniken und Kranken in Jerusalem Hilfe zu leisten unternehmen, so erbitten wir sofortige ausreichende Hilfe für die einzige jüdische Augenklinik in Jerusalem, die am 1. August aus Mangel an Geld geschlossen wird. Brief folgt. Zionistenbüreau." Blitzartig beleuchtet die Lage in Jerusalem dieser Hilferuf. Doppelt wuchtig aus dem Munde eines der 'führenden Männer des palästinensischen Judentums., in dem das beste Erez Jisrael Leib geworden. Was eine Augenklinik ganz besonders für Je- . rusälem bedeutet, das wissen alle, die je den Fuß. auf seinen Boden setzten! Auf Schritt und Tritt erblindete Greise. Ja, Kinder an der Mutterbrust, des Augenlichts beraubt! Massenopfer des Dämons Trachom, mangels ärztlicher Hilfe zu lebenslänglichem Siechtum verdammt 1 OhneJBÜndenfür'sbrge hilflos der Umgebung zur Last, siehf selbst zur Quall Was sind gegen den Anblick dies^ blinden BettelMnder selbst die leeren Augenhöhlen unserer Kriegsbeschädigten 1 „Wie'der Blinde am hellen Mittag tappt!" Konnte unsere Tora eindringlicher drohen? Und übertreibt der Talmud, wenn er den .Blinden mit dem Toten vergleicht? Eine rettende Tat war darum die Errichtung einer jüdischen Augenklinik in Jerusalem. Sie leistete Vortreffliches. Insbesondere während des Krieges', unter den denkbar schwierigsten Umständen, hat sie sich' an Juden wie Nichtjuden, Zivil wie Militär glänzend bewährt. Und jetzt^ da das! Land endlich' wieder aufatmet, jetzt, da ihm unter den gespannten Blicken einer ganzen Welt ein neues' Morgenrot aufgeht, jetzt soll diese Lichtquelle erlöschen, soll die Augenklinik ihre Pforten sperren — aus Mangel an Geltf?! Das Warf, das kann nicht geschehen! Solange noch ein Jude lebt, dem es' ans Herz greift, den sein jüdisches Gefühl übermannt, wenn er hierzulande ein erblindetes "Kind auf dem Arme der. gramverzehrten Mutter erblickt, (wenn er einen Sohn den Vater, einen rüstigen Mann mit erloschenen Augensternen führen sieht, solange wird, solange tnuß| Geld da sein, unsere. Bruder im Lande der Väter durch eine Augenklinik vor dem doppelten Zusammenbruch, dem physischen und damit dem wirtschaftlichen Untergang zu retten! . Denket an Eure Kinder, denket an Eure alternden Eltern, denket an Euch selb'st! Daß Go£t Euch und die Euren bewahre vor jener Nacht, in der das1 grausigste Erleben nicht Traum ist, sondern jammervolle Wirklichkeit!;, Helfet unk die jüdische Augenklinik in Jerusalem erhalten! Was in unserer Macht Stand, ist geschehen. Umgehend sandten wir vorläufig einen größeren Betrag. Bei der Minderwertigkeit unserer Valuta freilich nur ein sehr bescheidener Anfang. Um so zuversichtlicher rechnen wir auf die Unterstützung unserer Brüder im Ausland. . Brüder! In dieser dringenden, ernsten, heiligen Sache säumet nicht! Sendet uns, jeder nach Maßgabe seiner Mittel, unverzüglich' Euren Beitrag! Der, da sieht,, ohne gesehen zu werden, er lohne es! Euch1, wenn Ihr Unzählige davor bewahret, gesehen zu werden, ohne zu sehen! Allgemeine Hilfskommission für Palästina. IV., Frankenberggasse 14. Dr. Ad. Kaptalik; Rabbiner Dj. M, Grün- Wald; Hofrat D,r. J. Schlag; Oberrabbiner W[ Rei ch' - Baden; tir. J. S. Bloöh; Direktor Rieh; Lissau.

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