Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 32 (15.8.1919)
- Date
- 1919-08-15
- Page
- Seite 413 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3022353-3022380--27882-3053324- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 32 Dr. BLOGH'S WOCHENSCHRIFT Seit* 5Q9 Hillel B ad i a n; Rieb. Bett elfte i m, Prokarist des' Bankhauses Rofechild; Ignaz B1 u m; Re chts - ariwalt Dr. Elias Mü;nz; Dr. J. ScKwarzmann. Za!hMelle für Deutschösterreicn: Bankhaus' S. M. Rothschild, Wien, I., Reimgasse 3; „Neue Freie Presse", Wien, I., FicMegas'se 11; für die tschechoslowaMsche Republik: Böhmische Unionbank, Prag; Ungarn: Magyar - Altalanos! Hitelbank, Budapest; für Deutschland: Deutsche Bank, Berlin; für Polen; Commerzb'ank W. Landau, Wafschau und Lodz; für Galizien: WiedensM Bank Lom-bardo'wty i;'eskontowy, iwS Krakbwie, mit' dem Vermerk „Hilfsikoftn;- mission 1915 f,ür Palästina". Allgemeine Hilfskommission für Palästina. Aus dem^Berichte der Sitzung am 5. d. M. Der Vorsitzende berichtet, daß die Hilfskornmission zu den. Unterstützungen, die von einem eigens hiefür gebildeten Komitee an hiesige Palästinenser ausbezahlt wurden, dem Beschluß der Kommission gemäß in vier Monaten 20.000 Kronen beigesteuert hat. An solchen Unterstützungsgeldern stehen der Kommission im ganzen nur noch etwa 18.000 Kronen zur Verfügung. Hievon Werden 15.000 Kronen als1 Beitrag zu den Kosten für die Heimbefördefung jener Palästinenser bestimmt. Herr Dr. Grunwald teilt mit, daß "die dem Wechsel der politischen Verhältnisse entsprechende, von der Kommission beschlossene Umwandlung der Kommission und ihrer Teilaktionen in einen Verein „Allgemeine Hüfs'fkommis&ion für' Palästina" mit der erfolgten Genehmigung der Vereinsstatuten durch die Landesbehörde nunmehr vollzogen sei. Den Bestimmungen der eingelaufenen Spenden gemäß stehen im Vordergründe der Aufgaben des Vereines1 die Gründung eines jüdischen Wäisenheimes und die Errichtung einer Pöhkhnik in Palästina. Der Referent legt femer ein Telegramm des' Herrn Oberrabbiners Pollak aus Vacz an ihn vor, in dem für 180 Palästinenser in Ungarn, meist Frauen und Kinder, die in ihre Heimat zurückkehren müßten, um' die Erwirkung der Durch- und Einreis'ebewillitgung bis Palästina ersticht wird. Der Referent hat soweit es ohne Deckung der Reisespesen möglich, alle Schritte bei den Behörden mit Erfolg durchgeführt und nach Vacz in dem Sinne geantwortet, daß er das1 Reisegeld füir den Transport aufzubringen außerstande sei.. An den Referenten ist außerdem ein dringendes1 Telegramm von David Jellin aus Jerusalem gelangt, in dem um sofortige Aushilfe für die jüdische Augenklinik in Jerusalem ersucht wird. Die Kommission bewilligt angesichts der Wichtigkeit und Dringlichkeit dieses Gesuches;, sofort für diesen Zweck vorläufig mit Rücksicht auf die Schwierigkeit, der Geldüb'erlwieisüng als erste Rate einen Betrag von 30.000 Kronen zu |übermittelh£ Massenprotestkundgebüngen irr Hoffand gegen die Pogrome in Pofen. Holländisch!© Zeitungen, u. a. j,Neuwe Rotterdamsche, jßpurant", veröffentlichen folgenden Protest gegen die Pof-J v grome in Polen, der von. folgenden Herren unterzeichnet ist: S. v. d. Bergh1, Prof. QDf. Bavinck!, Dr. Ii. U van Beresteyn, Prof. Dr. L. . E. J. Brouwer,; H. P., Berlage*;Dr. Frederik van Eeden, D. Fock, Prof. Mr. Dr. A. van Gijn, Prof. Dr; W. Hamburger, Mr. van Idsinga, H. H. Kann, H. van Kol, Prof; Dr. J. G. Kapteyn, Oberrabbiner A. van Loen, Prof.. Dr. H. A. Lorentz, Prof. Mr. J. Oppen»- hteim', Oberrabbiner A. S. , Onderwijzer, Prof. Dr. L.' S. Ornstein, Henri Polak, Dr. W. Kooyaards, Is. Querido,, Mr. L. E. Visser: -? , ' üMit Entrüstung haben wir Unterzeichneten» Bürger der freien Niederlande, Kenntnis genommen von der, Art und .Weise, wie in dem fcüraliofl befreiten Pole» Juden behandelt werden. Als Bürger eines Lande*» dato seit Jahrhunderten seine teuer erworbene Freiheit ftU sein kostbarstes Gut betrachtet, sein höchste» Rech* und seine höchste Pflicht, als Bürger eines Landes^ wo die Juden £u 'allen Zeiten in Freiheit gelebt' halten und wo die Mitwirkung der jüdischen Bürger an Wohfet . fahrt und Fortschritt alle Zeit mit Freude und Genüge tuung begrüßt worden ist, als .Bürger der Niederland* haben wir vor allen in der Reine der Kulturvölker da» Recht, lauten Protest zu erheben gegen die greuliche» Pogrome, denen die Juden in Polen ausgesetzt sind.' Nicht nur als niederländische Bürger: als Menskhfta protestieren wir gegen die Schändung der einfachsten Menschenrechte, die gegen die Juden Polens getrieben wird. Menschen, auch polnische Juden, haben ein Recht darauf, wenn sie ruhige Bürger sind, in Buhe zu leben» nicht aber in fortdauernder Bedrohung mit Totschlag oder Plünderung ihrer armseligen Habe. Menschen, auch polnische Juden, haben das Becht* wenn sie angeschuht digt werden, auf Verteidigung und gehörige» Rechterer* fahren; wenn sie angefallen werden, auf Schirm durch die Obrigkeit. Wir wissen sicher, trotz der unwahren Widersprüche von polnischer Seite, daß den* polnischen Juden keinerlei Schutz durch ihre Obrigkeiten geworden ist. Auf der polnischen Begierung lastet diese erst* Pflicht. Erfüllt sie sie nicht, bleibt sie tatenlos bei Po* gromen und Plünderungen, so ist sie verantwortlich für die Schandtaten, die unter ihren Auspizien betrieHeft werden.!Die Freiheit Polens ist in Niederland, wo ma» die Freiheit ehrt, mit Freude begrüßt worden. Wenn aber dies die Art und "Weise jst, wie das polnisch» Volk seine Freiheit gebraucht, wenn Bedrängung und; Verfolgung der Mitbürger anderer Basse und anderen Glaubens die Weise ist, wie das4 polnische VoEk1 seine Selbstverwaltung auffaßt, so müssen wir warnen vor de» .'Anerkennung Polens als eines freien Volk«* und an>. kämpfen gegen die Gleichstellung im Völkerbund mit anderen freien Völkern, auf die Polen Anspruch! macht. Ein VoBr, das aus Glaubens- oder Bassehlaß unschuldige Bürger bedrückt und mit Füßen tritt, ist des Namens eines freien Volkes nicht würdig." Ueber die Kundgebungen in Rotterdam und Amsterdam erfahren wir noch folgendes: In Botterdam hat im Tivoli am 24. Juli eine Kundgebung stattgefunden, in \ der Herr Dr. Friedemann referierte. Die Bede wurde mit großem Beifall und mit Ergriffenheit aufgenommen und ist aus-, führlich im ,jNieuwe Botterdammsche Courant *" abgedruckt. Am Sonntag, den 27. Juli, versammelten sich! in Amstett» dam! Delegierte aller jüdischen Gemeinden Hollands, die holländischen Rabbiner, Vertreter der $,Alliance> Israelit» Universelle", des „Nederlandschen Zionistenbondes", der jjJewish Territorial Organisation" und der Zentralorganisationf der niederländischen Juden. Schwarz umränderte Plakate^ die überall in der Stadt angeschlagen waren, forderten zur Teilnahme ian der Kundgebung auf. In 40 Synagogen fanden um 1 Uhr mittags Trauergottesdienste statt, und gleich* zeitig wurden in allen christlichen Kirchen Amsterdams .Gebete für die Toten abgehalten. Sodann wurde ein gro- 'ßes Meeting im größten Saale Amsterdams, dem des* Gocertj* Gebouws, abgehalten. Dort sprachen die Oberrabbiner Ond'erwijzer und van Palachie, der Sektor des Se?. nünars zu Amsterdam, Waagenaar, Vertreter der Organisationen und Abgeordneten der Ersten Kammer, Me.n» des, die sich! alle mit außerordentlich! scharfen Worten gegen die Polen wandten. Desgleichen fand eine zweite Biesenversammlung vieler Tausender unter freiem Himmel statt, wo-bei folgende Besolution angenommen wurdet „Die Versammlungen sprechen ihre Entrüstung und ihren Abscheu aus über die Mißhandlungen, Beraubung und Unterdrückung, von der die Juden in Osteuropa und besonders in Polen, Ukraine und Rumänien betroffen werden, sie erblicken im Friedensvertrag eine Bürgschaft für die religiöse und politische Freiheit und die nationalen Rechte der Juden in Osteuropa, und sie sprechen als ihre Erwartung aus, daß der. Völkerbund in strenger Auslegung der Bestimmungen des Friedens* {Vertrages die Rechte der Juden handhaben, mit allen ihm zu Dienste stehenden Mitteln den. Ausschreitungen in Osteuropa ein Ende machen wird." Um 3 Uhr nachmittags legten die Arbeiter der Diamant^ fabriken und der anderen Fabriken, die am Sonntag, ath beiten, die Arbeit nieder und versammelten sich .vor dem Gonoertt^Gebouw. Ein endloser Zug von Männern, Frauen und Kindern, der auf etwa 30—40.000 Menschen gesehätzt wurde* und an dem auch! christliche Bevölkerung; Amster^ dams den lebhaftesten Anteil nahm, tiewegt» sieb durch die)