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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-15 · 32 (15.8.1919) · p. Seite 411

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
32 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
Seite 411 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Seite 507 Eine erfreu Hohe Auanaftme. : Das Jüdische Preßbureau m Stockholm -berichtet:. . Es ist erfreulich in dem Chor der haßerfüllten polnft sehen Pressestimmen einmal auch! eine vernünftige Heil-, nung zu; hören. Diese erfreuliche Ausnahme bildet Pro,-* fessor Baudouin de Cou^t.ene, der in der . „Gazeta Polska" verlangt, daß den Juden wie anderen Nationalitäten' nationale Rechte zugesichert werden, da Juden vielleicht mehr Recht haben als besondere Nationalität zu gelten wie alle anderen europäischen Völker. Es sei irrsinnig, JJujden zu zwingen, sich anderer Sprachen als Jiddisch, (oder hebräisch) zu bedienen. Jiddisch ist keine" Gefahr fürdas Polentum. ' Ein Verein zur Verteidigung der jüdisj&hen Sprache m Palästina. Iii New-Yiork ist vor kurzem ein Verein zur Verteidigung der jüdis'chen Sprache in Palästina gegründet worden. Zweck dielsbs Vereines ist, Geld und jüdische Bücher für Palästina zu sammeln und für die Einführung des! Jüdischen als einer Verwaltungssprache in Palästina Propaganda zu machen. Der Verein besitzt bereits ungefähr 25 Ortsgruppen in den verschiedenen Städten Amerikas. Das Komitee hat beschlossen, seine, palästinensischen Mitglieder mit monatlich 100 Dollar zu, unterstützen. Die erste Sendung für Mai ist bereits abgesandt; ihre palästinensischen Gesinnungsgenossen haben mehrere jüdische Arbeiterklubs eröffnet und geben eine Zeitung in jüdischer Sprache heraus. Die Vernichtung der jüdischen Kommen in Siidrußland. Das' Jüdische Preßbüreau in Stockholm meldet; Die zahlreichen jüdis'chen landwirtschaftlichen Kolonien im Kreise Jekaterinoslaw, die dort seit .80: Jahren bestehen/ sind jetzt in eine verzweifelte Situation geraten. Die Truppenabteilungen des Dem"- tin, die. aus dem Don kommend, diese Gegend erreichten, haben einige Kolonien vernichtet. Andere Abteilungen, welche sich' zwischen den Armeen Gregoriews und Petljuras befinden, die ihrerseits keine .Kontrolle über 'das1 Land besitzen, ziehen unter Plündern und Morden von Kolonie zu Kolonie. Die Zahl der Opfer ist sehr bedeutend. 1 Eine grauenvolle Statistik. , Die Pogromepidemie in Rußland. PetersbuTg, 10. August. „Isvestija" veröffenjt- ' licht eine Zusammenstellung der in den letzten Monaten auf ehemals russischem Gebiete vorgekommenen Pogroms und schreibt, daß überall, wo Agenten der Entente am Ruder sind, die Judenfrage in Form von s'chTecklichen Metzeleien wieder aufgetaucht ist. Die noch unvollständigen Zahlen ergeben allein für das1 Gouvernement Podolien 3307 ermordete Juden. Dazu kommt 'die Bevölkerung von Petschbra, die bisf auf den letzten Mann vernichtet wurde. Im Gouvernement Kiew wurden 122.000 unglückliche Juden ausgeplündert. In Podolien haben Petljuras Banden das1 Gemetzel neuerlich! wiederholt. Wo Kolts'chak und Denikin herrschen, ist die Ansiedlungs-' zone für die Juden wieder anbefohlen worden neben allen möglichen anderen Beschränkungen. Eine englische Kommission nach; Polen. Das Jüdische Preßbureau in Stockholm' berichtet: - Der Unterstaatssekretär Greenwood erklärte im englischjan .Parlament, daß die Kegierung die Absendung eines oder zweier Kommissäre nach Polen beschlossen \hät, die die Anklagen bezüglich der Pogrome untersuchen sollen. Der Name der Delegierten wird in den nächsten Xagen bekanntgegeben. Sie werden im engen Einvernehmen mit der amerikanischen^ Kommission, die jetzt in Warschau weilt, arbeiten. Da die Absendung dieser Kommi sion definitiv beschlossen ist, betrachtet die Regierungvorläufig, jede weitere Aeußerung bezüglich der jüdischen Lage in Polen für unerwünscht. ' Houston Stewart Chamberlain als Gocthefarscher. Mit Herrn Houston Stewart Ch;amfterlain, dem Goethe-„Forsicher", rechnet L er ch- München in der Frankfurter Zeitschrift „Das freie Wort" gründlich'ab. Lerch'schreibt: „Wozu liest H. St. Chamherlain Goethe? Um antisemitische Aeußerungen aufzufinden (soweit sie ihm in den Kram passen). -■. So heißt es" denn in seinem Buche über Goethe (Seite 691): Dieses Volk „hat niemals viel getaugt", „es besitzt 'wenig Tugenden und die meisten Fehler anderer Völker" usiw. Er verläßt sich darauf, daß keiner seiner Leser die Stelle jemals^ nachschlagen wird. Sie lautet im Zusammenhang: „Vor dem! Richterstuhle des Gottes der Völker wird nicht gefragt, ob es" die beste, die vortrefflichste Nation sei, sondern nur, oh' sie dauere, ob sie sich erhalten habe. Das1 israelitische Volk hat niemals viel getaugt, wie es ihm1 seine Anführer, Richter, Vorsteher^ Propheten tausendmal vorgeworfen haben; es besitzt wenig Tugenden und die meisten Fehler anderer Völker; aber an Selbständigkeit, Festigkeit, Tapferkeit und, wenn alles' das nicht mehr gilt, an Zähheit sucht es seinesgleichen. Es! ist das beharrlichste Volk auf Erden, es1 ist, es' war, esi wird sein, um' den Namen Gottes durch alle Zeiten zu verherrlichen. Wir haben es! daher als Musterbild dargestellt, als! Hauptbild, dem die anderen nur als Rahmen dienen." Es ist dann weiter die Rede von den „übrigen Vorteilen dieses Volkes1,. oder vielmehr seiner Geschichte, seiner Religion", von der trefffichjjn Sammlung ihrer heiligen Rücher und als' besonderer Vorteil der israelitischen Religion wird gerühmt, „daß sie ihren Gott in keiner Gestalt verkörpert und uns also die Freiheit läßt, ihm eine würdige Menschengestalt zu geben, auch im' Gegensatz die schlechte Abgötterei durch' Tier¬ und Untiergestalten zu bezeichnen." So geht H. St Chamherlain mit der Wahrheit um. Aus* einer Stelle, die, als Ganzes1 genommen, eher für als gegen die Juden spricht, macht er Hokuspokus' fidibus1 eine antisemitische Aeußerung. Wenn die Tatsachen zu der Theorie nicht stimmen — um so schlimmer für die Tatsachen. Aber freilich, was soll man denn mit einem Goethewort anfangen, das' den Juden Selbständigkeit, Festigkeit und Tapferkeit zuspricht I Das ist ja gerade das Gegenteil von dem, was! Chamherlain und seine Trabanten lehren! Und 'die Meinung Chamberlains ist selbstverständlich viel maßgeblicher als die Meinung Goethes1." Sanr Gompecs. Samuel G o m p e c sV der jetzt viel genannte '■ Präsident der „American Federation of labour", ist im. Osten Londons als Sohn jüdischer Eltern geboren. Sein Vater, ein einfacher Jude, der heute noch als! hbchhetagter^C&eis1 im New: Y-oik lebt, wanderte mit seinem Sohne, der damals 13 Jahre alt war, nach Amerika aus,* usadi ein Jahr später half schon der kleine Samuel die internationale Union der Zigarrenmacher organisieren. Im Jahre 1881 wurde Samuel Gompersi von der Arbeiterföderation zum ersten Male und seither wieder aUjährlich ohne Ausnahme zum Präsidenten gewählt. Das in seiner Statur schmächtige Männchen, als; welches! sich Gompers* präsentiert^ ist, im Gegensatz zu dem Satonmensehen Lassatte,

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