Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 20 (24.5.1918)
- Date
- 1918-05-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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<oetis 323 Xr, 20 Lr. mm'i WoMaMrrfl voll zum Ausdruck konMA. Zn jedem StsWchen des Sedertisches, dem gekochten Ei, dem Bitterkraut, dem CHiarosesteig, dem gebratenen Fleisch und dem Salzsvasser liegt ein bedeutsames Symbol der Wischen Geschichte nno des Wischen Lebens, und die vier Becher des Weines, die bei vier verschiedenen Punkten der Erzählung getrunken werden, sind als die Becher des Heiles, des G l iij ck e s, des Segens und der E r l ü s u n g vom irdischen Sein enge verknüpft mit den Hanptphasen des inenschlichen Lebens. Der Schlußruf der Sederabende aber erklingt in die nie erlöschende Hoffnung und die sichere Zuversicht ans die glückliche Wiedererlangung der jüdischen Heimat: „I m k o m m ende n Jahr i, n I e r n s a l e m ¥ Salmenleb saß beim Seder imvrer im weißen Kittel auf Polster gestützt, alte, Frau, Kinder und G.äste, sangen die seierlichi-schönen Weisen mit und Jütte Benies war an diesen Menden die majestätischeste Gestalt des Hanses, da sie voll innerer Zufriedenheit einherschritt, daß alles bljnk und blank erstrahlte und alles reichlich und vortrefflich zu Tische kam. Nach einem Brauche, der den Kindern zur Ermunterung diente, pflegte man auch die Mazzo des Nachtisches — Aphikomon — zu verstecken, und das Kind, welches 'die versteckte Mazzo wiederbrachte, hatte Anspruch auf ein Geschenk. Ein Brauch, der heute bereits in Vergessenheit geraten ist. Diese beiden schönsten Abende des Judentums sind Überdies als „Nächte der Bewachung" besonders gekennzeichnet und die Verrichtung des täglichen Nachtgebe.es unterbleibt, da Gott allein die heilige Ruhe dieser Näch.e überwacht. Nach den acht Pessachtagen wurde das neue Geschirr wieder auf, den Boden geräumt, das alte Geschirr kam wieder herab, das Lehen ging im gewohnten Geleise weiter und Salmenleb fuhr wieder nach Wien zurück. ' (Fortsetzung folgt.) ggaitH Mordechai Krrret, Landesrabbiner von Mähren in Nisolsbnrg Von Albert Löw. Eine Besffmnmngirbersl Grab. Sowohl im Ächen als auch im Tode kann der Mensch der Bestimmung Gottes nicht entgehen. Nur Gott allein, als Luiker unserer Geschicke, und nicht das Naturgesetz oder die Naturkräste, bestimmen die Vorkommnisse in unserem Dasein. ... RabbßC H am i n a lehrt: Alles liegt in Gottes Macht, nur die GotteIffrrcht nicht. (Hakol bide Schumajiin Chiz mijiras schumajint, Megilla 25, 5.) Wohltuend wirkc oft sowohl in 'guten als anch> in schlechten Tagen der Glaube an die Bestimmung. In Tagen der Freude, so auch in Tagen des Leides urtd des Schmerzes werden öfter die Ereignisse der Bestimmung Zugeschrieben. Auch dieser bedrückende Krieg ist eine Bestimmung. Sehr oft erstreckt sich die Bestimmung auch übers Grab, wenn der Sterbliche schon der Mütter Erde überliefert wurde, und soll folgende Geschichte dies bekräftigen. Unter den hervorragendsten Geistern der. jüdischen Gelehrsamkeit, vereint mit besonderer Frömmigkeit, nahm Rabbi Mordechai Benet, Landesrabbiner Mährens, in NikoMrrrg, eine bevorzugte Stellung ein. Mordechai Benet, sichvono blibrocho, war ein Zeitgenosse von Rabbi Mosche Soffer in Preßburg und des Rabbi Akiba Eger in Posen, hervorragende Koryphäen. - , Als Sohn eines Fleischhauers aus Csurgo ^Ungarn) begab er sich im Atter vorüzehn Jahren in die .Jsschnrah nach Nagy?-Karoly und Paks, im dreizehnten Lebensjahre kam Versetbe als besonders gelehrter, scharfsinniger Bachor nach Prag in die Talmnd-Hochjeschaoah zit Rabbi Eze.chiel Landau, dem Verfasser des Noda bi jehudi. Es wird erzählt, daß. er schpn als Talmudschüler wichtige Diskussionen mit seinem großen Lehrer und Meister wagw. Seine erste Rabbinatsstelle war . in Lundenburg (Mähren), die zweite in Sassin (Ungarn) und im zrvanzigsten Lebensjahre kam Rabbi Mordechai Benet nach Nttolsbnrg, wo stets der Sitz der mähri,chm LandeSrabbiner war. Sein überaus großer Scharfsinn, seine imponierende Gelehrtheit waren .überall bekannt. Kaiser Franz I. begünstigt diesen bedeutenden Gelehrten, ernannte ihn zum Landesrabibiner Mährens und holte sich öfter Rat bei iym. Rabbi Mordechai Benet war überaus sromnt uub führte eine asketische Lebensweise, litt jedoch, viele Jahre an einem chronischen Magenübel und die Aerzte rieren ihm, Karlsbad aufzusuchen. Viel Ueberwindung kostete es, ihn zu dieser Reise zit bestimmen, um so mehr, als zu jener Zeit noch keine Eisenbahnverbindung von Nikolsburg nach Karlsbad bestand, und diese weite Reise man daher mir Pferd und Wagen machen mußte-. Die Gemeinde Nitolsburg besorgte einen geeigneten guten Wagen und ausdauernde, .verläßliche Rosse, bestimmte zwei vertrauenswerte Männer. der Gemeinde, ihren geliebten Seelsorger nach Karlsbad. zu begleiten. Der Tag zur Abreise wurde festgesetzt, und.es karnen von den Nächbargemeinden Nikolsburgs Rabbiner und Vorsteher, um Zeugen des Abschiedes zu sein und von diesem Rabbi den Segen zu erhalten. Nun waren die Pferde aber nicht zu bewegen, den Wagen anzuziehen, sie bäumten. Der Rabbi. bezeichnete dies als schlechtes Omen mit den - Worten: „Ich komme lebend nicht zurück." Endlich brachte man die Fahrgelegenheit in Bewegung. Vom Dienstag bis Freitag währte die Reise bis Hohenstadt, wo Rabbi Mordechai Benet den Wagen nicht verließ und auch, darin nächtigte. In Hohenstadt wurden in dem vornehmen jüdischen Patrizierhans Reb Jeschwie Fröhlichs große Borbereü tungen getroffen, diesen hohen, frommen Gast während des Sabbats in Schutz zu nehmen. Inzwischen waren Rabbi Baruch Fränkel, Rabbiner von Leipnik, der Rabbiner der alten Judengemeinde Aussee (Mähren), der Rabbiner von Hotzenplotz in Hohenstadt eingelangr, um diesen Sabbat mit Rabbi Mordechai Benet in dem religiösen, echt jüdischen Hause Fröhlichs zu verleben. Drei Tage währte der Aufenthaltdieses hohen Gastes im Hause Fröhlichs und viele Jahre noch wurde der Sessel, welchen dieser Gelehrte in Hohenstadt benützte, auf einem Ehrenplatz in diesem Raume zur Erinnerung ausbewahrr. Nach weiteren drei Tagen in Karlsbad glücklich angelangt, erwartete der Prager Rabbiner Rabbi Eleasar Fl ecket es den frommen Kurgast. Leider ist trotz der sorgfältigsten Behandlung eine Besserung in der Gesundung des Rabbi nicht eingetreten und hat das tückische Magenleiden diesen von aller - Welt ob feines hohen Wissens bewunderten Mann Hingerafft. : Karlsbad hatte damals noch keinen jüdischen Friedhof, die m Karlsbad Verstorbenen wurden nach dem nahen Orte Lichtenstadt, einer kleinen jüdischen Gemeinde, zur Beerdigung befördert, und so geschah es auch.mit Rabbi Mordechai Benet, sichrono librocho.