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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-24 · 20 (24.5.1918) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
20 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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S&*222 Dr. Bloch'S der Kriegszeit verschiedene Süßigkeiten für die Kinder dem .Rabbiner unentgeltlich zur Verfügung gestelk. Der Verstorbene lwar nie verheiratet, verachtete irdische Güter, war hilfreich, edel und gut. Sein Testament leitete der Verewigte mit einem Spruche aus Koheleth über die NichtigAeil aller irdischen inge ein. An seiner Beerdigung, die sich zu einer .inrposanten Trauerst irr gestaltete, beteiligte sich die Israeli ische Kultus gemeinde Viropif ticas korporativ unter Führung des Rabbiners D>r. Kaufmann da der Vorsteher abwesend war. Ehre dem Andenken dieses nichtjüdischen Frommen und Gerechten! Rachum Hamaschgi'ach. Girre Gschrs Chajii. Das Lebensbild einer edle» Frau. Von Dr. Adolf Heinrich Landau, Wiener-Neustadt. HauseSalmenlebs war Die Zeit derVorbereuung des Pessachsestes wie in jeden: jüdisch m Hause voll, von Hast und Unruhe. Das „gründliche Äusräumen" erstreckte sich! aus alte nwglich-en Oertljchkeiten, nicht nur die Zimmer .samt .der Einrichtung, .sondern auch alle Kämmen:, Bäder: und^'Keller wurden durchwühlt, geputzt' uW gekehrt. -In allen.Häusern hörte man da nur unablässig reiben und waschen, klopfen und' putzen, scheuern und fegen.-, Alle Hausl.eute, verstärkt durch fremde Reiberimre::, waren tagelang tätig, altes! war in Furcht und Aufregung, nicht Zur rechten, Zeit' fertig zu sein, und dabei mußte auch noch alles! Gesäuerte (Ehomez) aus dein Hanse entfernt werden. Die Kinder, die sonst nicht gar zu viel zu essen .bekamen, wurden vor Pessach geradezu gezwungen, alles- Ueberichüssige an Ehomez auf- - zuessen, also nicht bloß. Brot, Kuchen, Bäckerei, gekochte Und gebackene Mchlspeisen, sondern . auch .alles Eingemachte und Eingesottene, .bas man nicht zuM. Scheine Wer fDffcern an einen christlichen Nachbar verkaufen konnte. Die Kinder, die sich, uw all die Herrlichkeiten stritten, waren natürlich! den Neiderinnen im Wege, Und da gab es immer ein Schelten und Schreien mit den Kleinen, die, wenn sie geprügelt ..und aus! dem Hause gejagt wurden, ins Mazzvihbackhaus ellten, wo sie von den auf Tüchern ausgebreiteten Osterbroten mit Gänsefedern den Osenruß abstreifen durften. Denn während des großen Räumens hatte man mich fürdie MaWvth selbst Sorge zu 'tragen. Diese har-, ten, knusperigen Teigplatten, dieses! „Brot des Elend", wurde nicht wie heute fix undfertig in Paketen ins Haus gestellt, sondern jed er mußte selbst auf diese schmale Osternahrung bedacht sein; jeder besorgte selbst sein Mehl, war selbst beim Kneten, Ahrswalken und Backen des-Teiges zugegen, ja manche trugen sogar selbst das Wasser.für das Teigkneten herbei(Majim schelonn). So bewachte man die rituelle Zubereitung d^, ungesäuerten Broies, das' für acht Tage reichen mußte, und! bessere Leute ließen den Bindern auch, kleine, weiche Plättchen mit Zucker und! Eiern backen, sogenannte EiermazzoH,' die aber die Kleinen am-Tage vor Ostern ausessen mußten, denn für die acht Pessachtage waren nur die harten MazzoH aus Mchl und Master, auf heißer Platte rasch gebacken, bestimmt. Da aber in der Küchie zum Kochen und Backen auch! Mehl nötig ist, und nur der aus Kartoffeln gewonnene Mehlbrei zu verwenden erlaubt war, half mtu: sich! dadurch daß inan die Mazzoth in Stücke brach- und in einem großen Holzmörser solange mit dem Stampfer bearbeitete, bis ein brauchbares Mchl entstand, aus dem dann auch! die herrlichen Knöderl für - die Suppe geformt wurden. Da saßen nun alle Großen und alle Kinder und zur Aushilfe auchder Besser abwechselitd bei der Stanchse u::d klopften drauf los!, Wochenschrift , Kr. 2o was den Kindern besonderen Spaß machte, denn sie konnten ab und zu ejn Stuck knusperige Mazzoch in: Munde verschwinden lassen. -Jütte Benies aber sorgte auch beim Mazzothbacken für ihre armen Schützlinge. Der Wend vor dem ersten Festabend galt — wie. noch heute in allen frommen jüdischen Häusern — dem letzten Aufräumen alles Gesäuerten. D!a legte die Hausfrau in al len Zimmer ecken kleine Brotstäckch^n auf als Symbole des Chonrez und Ver Hausherr ging, von den Hausgenossen begleitet, von Winkel zu Winkel und warf mit Hllfe einer langen Gänsefeder alle Brotkrumen in einen großen Holzlöffel, der mit einem Tuch uiuwickelt. war, wobei eines), der Kinder mit dem KerzenstW (Schames) sleuchten mußte, das. vomstAnz:c::d en der Weihelichltlein am Channkkasest übriggeb lieben war. Diese gesammelten Brotstückchen wurden auf dem Ofen, im Tuche eingebunden, verwahrt undam nächsten Tage zur Mittagzeit verbrannt. Zur selben Zeit wurde aiHch der Süßwein aus den eingelegten Rosinen, gepreßt und das dunkle Zibebensleisch an die Kinder zum Naschen verteilt. Dieser Tag vor dem ersten Osterabend hSeder) ist einer der bewegtesten im Leben der jüdischen Hausfrau. Denn bis! neun Uhr früh darf noch Chomez gegessen werden, dann' aber heißt es, alles? Geschirr, in Dem das ganze Jahr-gekocht und gebacken, gegessen, und getrunken wurde, aus den Boden schaffen und bloß für die acht Tage des Pessachsestes ganz anderes Geschirr vom Boden herabtragen. Das ■ Wasserschaff, das Silberzeug und die Holzgeschirre dursten benützt, mußten aber vorher mit-' glühenden Steinen ausgebrüht — gekaschert — werden. Auch der Herd und die Bratröhre, wurden glühend gemacht und mit heißem Sand abgerieben. Dies war stets Salmenlebs eigenhändige Arbeit, er wollte in seinem Hause den Pessach - vollkommen einwandfrei und vorschriftsmäßig beobachten. Und wie er selbst das. Backen der MazzoH überwachte, und selbst das! Knetwasser, herbeitrug, so besorgte er auch selbst das Käschern in der Küche und hielt danndie beiden Sederabende nach althergebrachter Sitte in feierlicher Pracht, umgeben pon allen Hausgenossen. , Die beiden Wende der beider: ersten Osleriage (Sederabende) stellen die schönste, die glanzvollste, die herrlichste Zeit im Leben der jüdischen Familie dar. Es ist das ergreifendste, - das rührendste Bild, das jeden, der noch ein Gefühl im Leibe hat, zur Bewunderung Zwinger: muß, wenn -alle Familienglieder von nah und fern zusamMenströMen, um die beiden.Festabende aM häuslichei: Tische in hellerleuchteter Stube Zu sitzen und die rvunderbare Geschichte von: Auszug aus' Aegypten zu lesen und zu besingen. Diese Feierstunde, wo man zunächst mit erhobener StimMe jeden Dürftigen zum Pessachmahle einlädt, wo dann der .Jüngste der Tischgesellschaft die bedeutsame Frage stellt: „Ma nischtano ha-lajlo haseh" — „Warum ist diese Nacht ausgezeichnet?" und wo -aM Antwort die historischen Begebdnheiten schlicht und einfach erzählt werden: --»Sklaven waren wir dem Pharao in Aegypten. . ." — diese Stunde ist von solcher.. innerer Wucht und erhabener Bedeutung, daß sie jahrausjahrein immer wieder packend und unauslöschlich wirkt. In diesen beiden Abenden offenbart sich dein Judentum nochmals die Größe des einzigen Gottesder ein ganzes Volk nach! drückender Knechtschaft dem sonnigen Lichte der Freiheit wiedergab. Es ist die glühende Dankbarkeit, die schon in jeden: Worte des Gebelbuches wiederiönt, und an: Seder als dem Beginn des Frich lings und des neu erwachenden Lebens durch den Mund der einzelnen Familie und so des ganzer: jüdischen Volkes

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