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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-04-20 · 15 (20.4.1917) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
15 (20.4.1917)
Date
1917-04-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 337 Nr. 15 erwartet, daß' die Bundistenp-artei sich gegen die Fortsetzung des Krieges erklären wird. Wie groß die Zahl der Bnndisten gegenwärtig noch! ist, Aßt sich schwer feststellen. Im Jahre 1905 hat Man die Partei aus mehr als zwei Millionen Mitglieder geschätzt. Die MLenfr-a-M m Finnland wird hoffentlich eine Lösung finden. Der finnländische Senat hat sich für die Gleichberechtigung aller Religionen und Sprachen erklärt. Ire Iudensrage iu Rumänien. Die „Morning Post" meldet aus Jassy, daß sich die Judenfr age in Rumänien der Regelung zu nähern scheine. Die Regierung in Jassy schlage vor, den Juden vollständige politische und bürgerliche Freiheit zu verleihen. Die russische Revolution und die Bewegung der Juden in Amerika zugunsten der Alliierten habe in Rumänien eine große Rückwirkung gehabt. Kongresse der Inden in den Knlentetändern. Das Haager Mische Korrespondenzbureau meldet aus Zürich: Am 15. März fand in Rom' eine Versamrnlung der Vertreter aller j ü d i s ch e n p o l i t i s ch e n A u sschüsse Italiens statt. Die Versammlung war durch die Mische Gemeinde von Rom einberufen worden, um die. schwebenden jüdischen Fragen zu besprechen. Gegenstand der Verhandlung war in der Hauptsache eine Konf e r e n z der Vertreter der jüdischen Organisationen der Entente-Länder, woran womöglich auch die Juden Rußlands und Amerikas teilnehmen sollen. Sie soll direkt nach den Osterfeiertagen durch die „Alliance Jsraelite Universelle" irr Paris einberufen werden. Es wurden folgende Beschlüsse auf der Konferenz in Rom gefaßt: Die Vertreter der italienischen Juden wünschen, daß--sofort-nach Rückkehr.-dB Friedens die politische und soziale Gleichstellung der Inden aller Länder proklamiert wird. Palästina wird den Juden entsprechend ihren historischen Idealen zur Kolonisation und Masseneinwanderung unter der Oberherrschaft der Macht angewiesen, die über Palästina zu verfügen hat. Die Versammlung gibt, dem jüdisch-italienischen Gemeindebund zur Erwägung, die praktische Arbeit auf dem Gebiete der jüdischen Fragen fortzusetzen und die italienische Regierung aufzufordern, in dieser Hinsicht die Initiative zu ergreifen. Weiter teilt das Mische - Korrespondenzbureau mit, die Intervention der Vereinigten Staaten an der Seite der Alliierten bringe das so wichtige amerikanische Judentum in eine ganz neue Lage und verändere auch! Zeit und Umstände der Abhaltung des großen j ü d i s ch e n K o n g r e s s e s, der nach einer langen Vorbereitung für den Monat Älpril in Washington angesetzt war. Bekanntlich sind die führenden Personen .Br and eis, Mo r genthau, Strauß und Horris H i l q u i t t. Das Kongreßbureau teilt nun telegraphisch aus Newyor? mit, daß der M bische Kongreß am 2. September abaehalten wird, daß die Vorbereitungen hiefür bereits weit gediehen sind und das Wahlsystem vollständig ausgearbeitet ist. Die Wahlen, an denen sich jeder Jude und jede Jüdin Amerikas beteiligen können, sollen am- 10. Juni stattfinden. Tanket rechtzeitig an Fürsorge für unsere aus dem Felde HeiMkehrenden? Wir halten es für angemessen, den folgenden Brief .unseren Lesern zur Kenntnis zu bringen: Se. Ehrw- Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald Wien. Wien. 15. April 1917. Hochverehrter Herr Rabbiner! Unter vielen anderen andächtigen Zuhörern Ihrer gestrigen Predigt war auch ich anwesend und glaube für alle die anderen sagen zu können, daß Ihre warmen, wirkungsvollen Worte zu Herzen gingen. Ich will diese Wirkung zur Tat machen, und da habe ich die Idee, auch .andere dazu auMfordern und Sie, hochgeschätzter Herr Doktor, zu bitten, mir dabei behilflich zu sein. Es sind die im Kriege Erblindeten die Aermsten, die, wenn sie auch wieder einem Erwerb zugesührt 'werden, immer noch Hilfe brauchen. So nehme ich Mir vor, einem solchen Armen einen bestimmten Betrag allmonatlich direkt zu geben und ihm nach Möglichkeit mit einem guten Rat und Wort eine persönliche Fürsorge zu bieten. Indem ich Sie, hochgeehrter Herr Doktor, bitte, Eine Anregung in geeigneter Form und an geeigneter Stelle zu veröffentlichen, werde ich mich glücklich schätzen, viele Gleichhandelnde zu finden. Mit vorzüglicher Hochachtung Frau Elise L ö w, Wien, II., Gr. Sperlgasse 2. Hiezu sei bemerkt, daß in der ermähnten Predigt empfohlen wurde, in persönlicher Fürsorge der Kriegsinvaliden und Kriegswaifen, vor allem aber auch jener aus dem Felde HerMkehrenden sich anzunehmen, die durch den Krieg ihr Brot verloren haben und einen Erwerb suchen. Wir wünschen dem warmen Appell der Briefschreiberin nachhaltige Wirkung und erbitten Anmeldungen an die Adresse unseres Blattes ober an Herrn Rabbiner Dr. Grunwald. 2. Bezirk, Ferdinandsstraße 23. Was die „ReichMost" erfährt — und was sie map erfahren will. Unter dem Titel „Noch immer — Unfug" wird der „Reichspost" igeschrieben: „Ich habe beruflich öfters abends in Döbling zu tun. Am 3. d. M., gegen halb 10 Uhr abends, stieg' idji bei der Haltestelle „Silbergasse" in den Wagen Nr. 2364 und bemerkte zu meiner geringen Freude, daß die Fahrgäste fast lauter Nichtarier waren, welche vom Heurigen in Grinzing kamen und größtenteils angeheitert waren. Im Wagen herrschte ein unausstehliches Geschrei und „Gemauschel". Geraucht wurde nach Herzenslust. Ich machte iu höflicher Weise darauf aufmerksam, daß das Rauchen in den Wagen der Straßenbahn nicht gestattet sei. Eine Grobheit seitens einer Jüdin war die Antwort. Ein wiederholtes Ersuchen der Schaffnerin (Nr. 43.915) erwiderte einer der feinen Herren mit einem tiefen Lüften des Hutes und einem ironischen „Danke sehr!" und rauchte demonstrativ weiter. Ungeniert, wie diese Sippe schon ist, küßten sich die Paare ab. Es würde sich vielleicht empfehlen, den Abendverkehr auf der Grinzinger Strecke Schaffnern zuz nt eilen oder allenfalls den Schaffnerinnen die Weisung zu geben, daß sie ohne weiters die Hilfe eines Wachmannes in Anspruch nehmen sollen, wenn die betrunkene Mischpoche sich weigert, die bestehenden Vorschriften einzuhalten. Denn es ist gewiß unstatthaft, daß anständige Fahrgäste auf der Straßenbahn von der gewissen Sippschaft auch noch mit Heurigenexzessen belästigt werden, zumal man ja längst weiß, wie und woher das Geld „verdient" wurde,- mit dem die Trinkgelage bestritten werden."

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